{"id":25777,"date":"2015-05-08T12:28:14","date_gmt":"2015-05-08T10:28:14","guid":{"rendered":"http:\/\/newparadigm.schillerinstitute.com\/?p=25777"},"modified":"2015-05-08T12:29:01","modified_gmt":"2015-05-08T10:29:01","slug":"ost-west-dialog-fur-den-aufbau-der-gemeinsamen-zukunft-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/blog\/2015\/05\/08\/ost-west-dialog-fur-den-aufbau-der-gemeinsamen-zukunft-2\/","title":{"rendered":"Ost-West-Dialog f\u00fcr den Aufbau der gemeinsamen Zukunft!"},"content":{"rendered":"<p>Von Elke Fimmen<\/p>\n<p>\u201eOst-West-Dialog\u201c \u2013 so lautete das diesj\u00e4hrige Thema des von der Agentur Art-Assemblee organisierten IV. Kultur- und Business-Forums. Zu der hochrangigen Veranstaltung vom 24.-26. April 2015 in Baden-Baden waren Politiker, Unternehmer, Experten, Wissenschaftler, K\u00fcnstler und Vertreter der Zivilgesellschaft eingeladen, darunter Helga Zepp-LaRouche, die Vorsitzende des Schiller-Instituts. Ihre prominenten Redebeitr\u00e4ge, in denen sie eindringlich vor einer strategischen nuklearen Eskalation gegen Ru\u00dfland und einem neuen Faschismus als Folge der Zusammenbruchskrise des transatlantischen westlichen Finanzsystems warnte, stie\u00dfen auf gro\u00dfe Resonanz, weil sie genau das ungeschminkt aussprach, was viele Teilnehmer dachten. Aber vor allem ihre Darstellung der neuen BRICS-Entwicklungsallianz als konstruktiver Ausweg aus der Krise f\u00fcr Europa und die USA setzte einen klaren Bezugrahmen f\u00fcr die Zukunft, eine optimistische Vision, die in Europa bislang \u00fcberhaupt noch nicht in ihrem vollen strategischen Potential als existierender L\u00f6sungsweg verstanden wird.<\/p>\n<p>Die Veranstaltung wurde von der russischen Regierung, der Bundesversammlung der Russischen F\u00f6deration, deutschen und russischen Industrie- und Unternehmerverb\u00e4nden und IHKs sowie<\/p>\n<p>der interparlamentarischen Versammlung der GUS-Staaten und weiteren Institutionen unterst\u00fctzt. W\u00e4hrend bei fr\u00fcheren Konferenzen vor allem die deutsch-russischen Beziehungen im Vordergrund standen, war diesmal der Blick geweitet auf die eurasische Perspektive. Dar\u00fcber hinaus hat Ru\u00dfland im April den Vorsitz der BRICS-Nationen \u00fcbernommen und richtet den BRICS-Gipfel in Ufa im Juli aus.<\/p>\n<p>Mit Prof. Shi Ze, Direktor f\u00fcr strategische Energieforschung am Chinesischen Institut f\u00fcr Internationale Studien (CIIS) in Beijing, der im vergangenen Oktober bei der Jubil\u00e4umskonferenz des Schiller-Instituts in Frankfurt sprach, nahm erstmals ein prominenter Vertreter der BRICS-Staaten an der Baden-Badener Konferenz teil. Er stellte das Konzept der chinesischen Entwicklungsperspektive \u201eEin G\u00fcrtel, eine Stra\u00dfe\u201c dar. Diese erweitere die bisherige Zusammenarbeit in der Shanghai Cooperation Organisation. Shi Ze betonte, da\u00df die chinesische Regierung diese \u201eNeue Seidenstra\u00dfe\u201c als eine kosmopolitische \u201ewin-win\u201c-Kooperation f\u00fcr alle Staaten anbietet. China verfolge damit keine geopolitischen Interessen und versuche nicht, sich Einflu\u00dfsph\u00e4ren aufzubauen. Es sei eine offene Politik gegenseitiger Kooperation und symbiotischer Beziehungen zum gegenseitigen Nutzen. Das jeweilige politische System der beteiligten Nationen spiele dabei keine Rolle, sondern werde respektiert.<\/p>\n<p>Ru\u00dflands Au\u00dfenminister Lawrow \u00fcbermittelte eine Gru\u00dfbotschaft an die Konferenz, in der er die Bedeutung des Forums als \u201ePlattform zur Diskussion von Themen der Zusammenarbeit in Europa\u201c all derer w\u00fcrdigte, die \u201ean einer Festigung des Vertrauens und der gegenseitigen Verst\u00e4ndigung interessiert\u201c sind. In einer \u201eschwierigeren Weltsituation\u201c seien \u201edie Projekte besonders wichtig, die auf die Erweiterung der gleichberechtigten und vom gegenseitigen Respekt gepr\u00e4gten Partnerschaft gerichtet sind\u201c und zum gegenseitigen Vorteil das gemeinsame Wohlergehen bef\u00f6rdern.<\/p>\n<p>Dann formulierte Lawrow erneut das russische Angebot an Deutschland und Westeuropa, sich an der neuen Platform gesamteurasischer Entwicklung zu beteiligen: \u201eWir sind \u00fcberzeugt, da\u00df, um die Zusammenarbeit auf dem Kontinent auf ein prinzipiell neues Niveau zu verlagern, die Harmonisierung der europ\u00e4ischen und der eurasischen Integrationsprozesse zur Formierung eines einheitlichen humanit\u00e4ren und Wirtschaftsraumes vom Atlantik bis zum Pazifischen Ozean vorangehen soll.\u201c<\/p>\n<p>Dieses Konzept eines Wirtschaftsraumes \u201evon Lissabon nach Wladiwostok\u201c unterstrich auch der Direktor der Abteilung f\u00fcr Europ\u00e4ische Kooperation im russischen Au\u00dfenministerium, Iwan D. Soltanowskij, in seiner Ansprache zur Konferenzer\u00f6ffnung. Er warnte vor einer Freund-Feind-Dynamik, die schlimmer sei als selbst zu Zeiten des Kalten Krieges, als ein sehr viel aktiverer Dialog zwischen Ost und West stattgefunden habe. Die EU habe sich als strategischer Partner Ru\u00dflands durch ihr Verhalten in der Ukrainefrage diskreditiert.<\/p>\n<h3><strong>Ru\u00dflands Ma\u00dfnahmen in der Krise<\/strong><\/h3>\n<p>Ru\u00dfland will mit Deutschland, Frankreich und anderen europ\u00e4ischen Partnern weiter zusammenarbeiten, ist aber fest entschlossen, die eurasische Entwicklung voranzubringen. Das Land setzt, vor allem seit Beginn der illegitimen Sanktionen, in diesem Kontext auch auf die Mobilisierung und Entwicklung seiner eigenen Wirtschaftsressourcen. Die strategische Bedeutung von Energiewirtschaft und Kooperation wurde u.a. von dem Politologen Witalij W. Naumkin, Direktor des Instituts f\u00fcr Orientalistik an der Russischen Akademie der Wissenschaften, dargestellt.<\/p>\n<p>Aleksandr V. Murytschew, Vizepr\u00e4sident der Russischen Unternehmer- und Industriellen-Union, der auch den Koordinierungsrat des Finanz- und Bankenverbandes der Mitgliedstaaten der Shanghaier Organisation f\u00fcr Zusammenarbeit (SCO) leitet, ging zun\u00e4chst auf die Fortschritte im Zahlungsverkehr der Eurasischen Union ein und schilderte dann die gegenw\u00e4rtige Lage der Wirtschaft in Ru\u00dfland. Die unmittelbar durch die Sanktionen entstandenen Engp\u00e4sse bei Nahrungs- und Arzneimitteln seien mittlerweile \u00fcberwunden. Nun st\u00fcnden vor allem die Ankurbelung der Industrieproduktion und die Mobilmachung intellektueller und materieller Ressourcen im Vordergrund. Bereiche wie Atomenergie und Weltraumfahrt w\u00fcrden vorangetrieben, ebenso wie die Infrastruktur, der zu Sowjetzeiten bedeutende Werkzeug- und Schwermaschinenbau, Schiffsbau und die Verarbeitung landwirtschaftlicher Erzeugnisse. Ru\u00dfland befinde sich auf einem Weg der wirtschaftlichen Transformation und Strukturver\u00e4nderung, und seiner Prognose nach werde 2016 die Talsohle durchschritten sein. Gold- und Devisenreserven seien in ausreichender Menge vorhanden und auch die Verf\u00fcgbarkeit von Industriekrediten bessere sich, obwohl die immer noch hohen Zinsen der Zentralbank weiterhin ein Problem darstellten.<\/p>\n<p>Andere Sprecher gingen auf verschiedene Initiativen der russischen Regierung ein, um besonders im Bereich Bau und Energie das Finanzwesen dem Bedarf der Realwirtschaft anzupassen, sowie f\u00fcr den Schutz der Bev\u00f6lkerung vor dubiosen Finanzpraktiken zu sorgen.<\/p>\n<h3><strong>Sanktionen treffen Deutschland<\/strong><\/h3>\n<p>Nat\u00fcrlich sind dabei die deutsche Wirtschaft und vor allem der Mittelstand weiterhin sehr gefragt, und den \u00fcber Jahrzehnten entwickelten deutsch-russischen Beziehungen kommt gerade jetzt in Zeiten von Sanktionen und einer Versch\u00e4rfung der strategischen Krise eine besonders wichtige Rolle zu. Diese Zusammenarbeit mu\u00df dringend gest\u00e4rkt werden, denn es l\u00e4\u00dft sich nicht l\u00e4nger vertuschen, da\u00df die westliche Konfrontationspolitik gegen Ru\u00dfland und die Sanktionen eine verheerende Wirkung haben \u2013 und zwar vor allem f\u00fcr die europ\u00e4ische und deutsche Wirtschaft! Die Tatsache, da\u00df Deutschlands Exporte nach Ru\u00dfland in den ersten zwei Monaten dieses Jahres aufgrund der Sanktionen um 35% eingebrochen sind, w\u00e4hrend gleichzeitig die USA ihre Exporte im selben Zeitraum um 20% steigern konnten, wie Prof. Klaus Mangold, Honorarkonsul der Russischen F\u00f6deration in Baden-W\u00fcrttemberg und langj\u00e4hriger Vorsitzender des Ostausschusses der Deutschen Wirtschaft, in seiner Konferenzrede ausf\u00fchrte, zeigt am pr\u00e4gnantesten, wie selbstm\u00f6rderisch es f\u00fcr Deutschland und Europa ist, dem EU- und US-Kurs geopolitischer Konfrontation gegen Ru\u00dfland weiter zu folgen. Mangold verurteilte die Sanktionen und die Einstellung offizieller Gespr\u00e4chskan\u00e4le zwischen Europa und Ru\u00dfland ebenso wie die neuen Provokationen der EU-Kommission gegen Gazprom. Dringend sei ein offizieller Dialog zwischen der EU und der Eurasischen Wirtschaftsunion erforderlich, auch wenn sich einige in der EU, wie die baltischen Staaten und Polen, dem widersetzen. Er forderte die Fortsetzung und Erweiterung der strategischen Partnerschaft zwischen Deutschland und Ru\u00dfland.<\/p>\n<h3><strong>Gef\u00e4hrlichkeit der Lage wurde deutlich<\/strong><\/h3>\n<p>Da\u00df wirklich Eile und vor allem politischer Mut, das Ruder herumzurei\u00dfen, geboten ist, wurde vor allem deutschen Industrievertretern und Unternehmern bei diesem Forum sehr deutlich. F\u00fcr sie war es extrem wichtig, hautnah zu erfahren, wie strategisch bedrohlich die Entwicklungen in der Ukraine und die NATO-Ostausweitung in Ru\u00dfland wahrgenommen werden, statt weiter auf die Propaganda der angeblich objektiven deutschen Medien hereinzufallen. So berichtete der fr\u00fchere ukrainische Ministerpr\u00e4sident Asarow bei einem privat organisierten Business-Fr\u00fchst\u00fcck per Video \u00fcber die zunehmende Gesetzlosigkeit in der Ukraine, \u00fcber die man hierzulande praktisch nichts erf\u00e4hrt, w\u00e4hrend die Forderung nach der Freilassung von Julia Timoschenko damals die Schlagzeilen und Fernsehnachrichten beherrschte. Politiker und Journalisten w\u00fcrden in Serie umgebracht, es gebe willk\u00fcrliche Enteignungen von Unternehmern, einen immer st\u00e4rkeren Einflu\u00df von Nazis in der Armee und eine dramatische Zerst\u00f6rung der Wirtschaft des Landes seit dem Maidan-Putsch. Dieser Proze\u00df mu\u00df gestoppt werden, bevor ganz Europa destabilisiert wird und ein gro\u00dfer Krieg daraus erw\u00e4chst.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Konferenz erinnerte die Vorsitzende des Organisationskomitees des Baden-Badener Forums, Alla G. Gryaznova, Pr\u00e4sidentin der Finanzuniversit\u00e4t der Russischen F\u00f6deration, mehrfach in bewegender Weise an die Katastrophe des Zweiten Weltkrieges, dessen Ende sich am 8. Mai 2015 zum 70. Male j\u00e4hrt. Sie selbst hatte den Krieg miterlebt. Krieg sei das allerschrecklichste und m\u00fcsse unbedingt durch Dialog und Kooperation verhindert werden, sagte sie. Frau Gryaznova unterst\u00fctzte Helga Zepp-LaRouches Warnungen vor einem neuen Faschismus und der Gefahr des Weltkrieges und dankte ihr zugleich f\u00fcr die grunds\u00e4tzlich positive Herangehensweise, da\u00df die Probleme unseres zerbrechlichen Planeten zum Wohle der Menschheit durch Kreativit\u00e4t und guten Willen gel\u00f6st werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Auch eine Fotoausstellung \u201eSchriftsteller im Krieg\u201c aus dem Archiv der <i>Literaturnaja Gazeta<\/i> (der von Puschkin 1830 mitgegr\u00fcndeten \u00e4ltesten periodischen Zeitschrift Ru\u00dflands) in den Konferenzr\u00e4umen spannte den Bogen zwischen damals und heute. Eine weitere Ausstellung zum 70. Jahrestag des Endes des 2. Weltkrieges, die europaweit mit Unterst\u00fctzung von Art-Assemblee gezeigt werden wird, ist dem Denker, Dichter und Maler Alexander Sinowjew gewidmet, einem B\u00fcrger Ru\u00dflands und Deutschlands. Seine Frau, die Philosophin Olga Sinowjewa, Leiterin des Internationalen MSU Sinowjew Zentrum an der Staatlichen Lomonossow-Universit\u00e4t in Moskau, sprach ebenfalls bei der Konferenz und ihre j\u00fcngste Tochter und ausgezeichnete Pianistin Xenia wirkte beim abendlichen Festkonzert mit. Polina Sinowjewa, ihre Schwester, schuf das Libretto und das B\u00fchnenbild des Balletts \u201eDer Schrei\u201c, das am 15. Mai 2014 im umk\u00e4mpften Odessa aufgef\u00fchrt wurde.<\/p>\n<p>Die Bedeutung der Kultur als Manifestation der Menschlichkeit statt Zerst\u00f6rung und H\u00e4\u00dflichkeit stand bei der Konferenz ganz oben auf der Tagesordnung. Stellvertretend f\u00fcr das sehr vielf\u00e4ltige Programm soll hier nur das Prague Festival Orchestra unter Leitung von Igor Rasumowski und die hervorragenden jungen Operns\u00e4nger Sergej Murawjew (Tenor), Swjatoslaw Grabowski (Ba\u00df) und die Sopranistin Anna Zolotova genannt werden, denn es ist unm\u00f6glich, hier alle mitwirkenden K\u00fcnstler, darunter bekannte russische Theaterschaupieler, Regisseure und Dichter, zu w\u00fcrdigen.<\/p>\n<p>Beim Konzert im Kurhaus und im Rahmen der Konferenz traten auch Kinderch\u00f6re auf, wie das Kindervolkskunstensemble Guselki. Es wurde 2006 gegr\u00fcndet und besteht aus Sch\u00fclern im Alter von 7-15 Jahren.<\/p>\n<p>Mit der Notwendigkeit, durch Kultur, Bildung, Fortschritte in der Medizin und karitative Aktivit\u00e4ten das menschliche Potential in den Mittelpunkt der Schaffung einer humanistischen Gesellschaft zu stellen, besch\u00e4ftigte sich auch die letzte Podiumsdiskussion der Konferenz unter dem Titel: Investition in die Zukunft. Helga Zepp-LaRouche zeigte mit ihrer Rede \u00fcber die BRICS-Initiativen und die Rolle Ru\u00dflands, wie diese Zukunft aussehen kann. Sie unterstrich die menschliche Kreativit\u00e4t als entscheidenden Faktor f\u00fcr die Weiterentwicklung unseres Planeten und unseres Universums und zitierte die Aussage des stellvertretenden russischen Ministerpr\u00e4sidenten Dmitrij Rogosin, die BRICS-Nationen seien allesamt Weltraum-Nationen. Hier liege, so Zepp-LaRouche, der Weg in die Zukunft, um die gro\u00dfen Herausforderungen meistern zu k\u00f6nnen und die Bestimmung der Menschheit zu erf\u00fcllen. (Den Wortlauf ihrer Ausf\u00fchrungen finden Sie in dieser Ausgabe).<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Elke Fimmen \u201eOst-West-Dialog\u201c \u2013 so lautete das diesj\u00e4hrige Thema des von der Agentur Art-Assemblee organisierten IV. Kultur- und Business-Forums. Zu der hochrangigen Veranstaltung vom 24.-26. 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