{"id":2392,"date":"2013-03-12T16:23:16","date_gmt":"2013-03-12T15:23:16","guid":{"rendered":"http:\/\/newparadigm.schillerinstitute.com\/?p=2392"},"modified":"2013-03-12T16:48:03","modified_gmt":"2013-03-12T15:48:03","slug":"fur-eine-renaissance-der-klassischen-kultur","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/blog\/2013\/03\/12\/fur-eine-renaissance-der-klassischen-kultur\/","title":{"rendered":"F\u00fcr eine Renaissance der klassischen Kultur"},"content":{"rendered":"<p><em>Von Helga Zepp-LaRouche<\/em><\/p>\n<p>Was ist nur aus unserer Welt geworden? Top-Banker warnen vor dem \u201eWeltuntergang\u201c, was sie aber nicht daran hindert, gleichzeitig zweistellige Millionenbetr\u00e4ge an Boni in die Tasche stecken &#8211; so als ob das Totenhemd Taschen h\u00e4tte. Politiker w\u00fcrden ihre Gro\u00dfmutter verkaufen, um \u201edie M\u00e4rkte\u201c zu beruhigen, w\u00e4hrend sie das Gemeinwohl, auf das sie ihren Amtseid geschworen haben, aus ihrem Wortschatz gestrichen haben. Regierungschefs, die in ihren eigenen Staaten soeben Demokratie und Verfassung erfolgreich ausgemerzt haben, sind unter dem Vorwand der Sorge um die Demokratie und Menschenrechte bereit, von einer \u201ehumanit\u00e4ren Intervention\u201c zur n\u00e4chsten schnurstracks zur thermonuklearen Apokalypse voranzumarschieren.<\/p>\n<p>Hunderte von Millionen von Menschen sind akut vom Tod durch Hunger, Mangel an sauberem Wasser und Krankheiten bedroht, w\u00e4hrend auf Kirchentagen die Verwendung von Biodiesel verteidigt wird und Umweltp\u00e4pste, die erfolgreich landwirtschaftliche Produktion und Wassermanagement verhindern und damit vielen Menschen das Leben nehmen, mit Bundesverdienstkreuzen dekoriert werden. \u201eDie Gesellschaft\u201c toleriert seit Jahrzehnten, wie eine Barriere des zivilisierten Verhaltens nach der andern niedergerissen wird, und wundert sich dann, wenn sich Zw\u00f6lfj\u00e4hrige pornographische Videos auf dem Handy zuschicken und diese dann auf dem Schulhof angucken; wenn es schon fast als normal angesehen wird, wenn Einzelpersonen in der U-Bahn oder Seitenstra\u00dfen von Jugendlichen \u201eabgezogen werden\u201c, unfreiwillig alle Wertgegenst\u00e4nde abgeben, um Schlimmeres zu verhindern? K\u00f6nnte man vielleicht meinen, da\u00df eine Gesellschaft, in der Teenager die gef\u00e4hrlichste Bev\u00f6lkerungsgruppe darstellen, als gescheitert betrachtet werden sollte?<\/p>\n<p>Man k\u00f6nnte diese Liste von Mi\u00dfst\u00e4nden um viele Aspekte erweitern. Sicher sind die Gr\u00fcnde vieler Probleme in der falschen Axiomatik der Wirtschafts-, Milit\u00e4r- und Sozialpolitik zu suchen. Aber der vielleicht wichtigste Bereich, in dem die Entwicklung vollkommen aus dem Ruder gelaufen ist, ist die Ver\u00e4nderung des kulturellen Paradigmas in der \u201ewestlichen Welt\u201c in den vergangenen Jahrzehnten.<\/p>\n<p>Auch wenn in den Jahrzehnten des Wiederaufbaus in Deutschland sicher nicht alles perfekt war, so war doch der Vektor der Entwicklung positiv; es gab einen enormen Aufbauwillen, die sp\u00e4ter verleumdeten Sekund\u00e4rtugenden Flei\u00df und Ehrlichkeit f\u00f6rderten das Gemeinwohl und vermittelten sozialen Zusammenhalt. In den Schulen wirkte durchaus noch das Humboldtsche Bildungsideal, das die charakterliche Sch\u00f6nheit der Sch\u00fcler mindestens als einen Aspekt bei den Zielen der Erziehung betrachtete. Die klassische Kultur in der Musik, der Dichtung und den sch\u00f6nen K\u00fcnsten spielte in allen Schulsparten, vor allem aber in den Gymnasien eine wichtige Rolle.<\/p>\n<p>Da\u00df dies seit langem nicht mehr so ist, daran haben viele Faktoren schuld: die dekonstruktive Rolle der Frankfurter Schule in Bezug auf die klassische Musik und Dichtung, der Kongre\u00df f\u00fcr kulturelle Freiheit, das Regietheater, die Brandtschen Erziehungsreformen, die 68er-Bewegung, die Gegenkultur und Popkultur im allgemeinen. Das Resultat all dieser Einfl\u00fcsse sind ein kulturelles \u00d6dland, verschrumpelte Herzen, deren Empfindungsverm\u00f6gen zur\u00fcckgeblieben ist, und der Verlust des Urteilsverm\u00f6gens bei vielen Mitmenschen, wo das Gef\u00fchl f\u00fcr Recht oder Unrecht einer allgemeinen Anpassung an die Mehrheitsmeinung Platz gemacht hat.<\/p>\n<p>Wenn Schiller schon zu seiner Zeit &#8211; konkreter nach dem Scheitern der Franz\u00f6sischen Revolution &#8211; fragen mu\u00dfte: \u201eWoher kommt es, da\u00df wir noch Barbaren sind?\u201c, um wieviel mehr w\u00fcrde er diese Frage heute voller Entsetzen stellen! Denn die Gegenwart demonstriert leider auch in einem anderen Punkt, da\u00df er recht hatte, da\u00df n\u00e4mlich die Gesellschaft, die von einem h\u00f6heren Niveau sich zur\u00fcckentwickelt, ver\u00e4chtlicher ist als jene, die sich noch aus der Unterentwicklung zu befreien sucht. Im f\u00fcnften der <i>\u00c4sthetischen Briefe<\/i> schrieb Schiller:<\/p>\n<blockquote><p>\u201eIn seinen Taten malt sich der Mensch, und welche Gestalt ist es, die sich in dem Drama der jetzigen Zeit abbildet! Hier Verwilderung, dort Erschlaffung: die zwei \u00c4u\u00dfersten des menschlichen Verfalls, beide in <i>einem<\/i> Zeitraum vereinigt!<\/p>\n<p>In den niederen und zahlreicheren Klassen stellen sich uns rohe gesetzlose Triebe dar, die sich nach aufgel\u00f6stem Band der b\u00fcrgerlichen Ordnung entfesseln und mit unlenksamer Wut zu ihrer tierischen Befriedigung eilen\u2026 Die losgebundene Gesellschaft, anstatt aufw\u00e4rts in das organische Leben zu eilen, f\u00e4llt in das Elementarreich zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Auf der anderen Seite geben uns die zivilisierten Klassen den noch widrigeren Anblick der Schlaffheit und einer Depravation des Charakters, die desto mehr emp\u00f6rt, weil die Kultur selbst ihre Quelle ist. Ich erinnere mich nicht mehr, welcher alte oder neue Philosoph die Bemerkung machte, da\u00df das Edlere in seiner Zerst\u00f6rung das Abscheulichere sei, aber man wird sie auch im Moralischen wahr finden. Aus dem Natursohne wird, wenn er ausschweift, ein Rasender; aus dem Z\u00f6gling der Kunst ein Nichtsw\u00fcrdiger.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Schiller entwickelt dann in den weiteren Briefen, da\u00df angesichts dieser Situation jede Verbesserung im Politischen nur durch die Verbesserung des Charakters des einzelnen kommen kann &#8211; eine Einsicht, die heute genauso wahr ist wie zu seinen Zeiten. Woher aber soll diese Veredlung kommen, wenn die Massen erschlafft sind und der Zustand des Staates barbarisch ist, fragt Schiller, und kommt im neunten Brief dann zu dem Punkt,<\/p>\n<blockquote><p>\u201ezu welchem alle meine bisherigen Betrachtungen hingestrebt haben. Dieses Werkzeug ist die sch\u00f6ne Kunst, diese Quellen \u00f6ffnen sich in ihren unsterblichen Mustern.<\/p>\n<p>Von allem, was positiv ist und was menschliche Konventionen einf\u00fchrten, ist die Kunst wie die Wissenschaft losgesprochen, und beide erfreuen sich einer absoluten <i>Immunit\u00e4t<\/i> von der Willk\u00fcr des Menschen.\u201c<\/p><\/blockquote>\n<p>Der Schl\u00fcssel zur \u00dcberwindung der gegenw\u00e4rtigen existentiellen Krise liegt deshalb darin, den Menschen den Zugang zu ihrer eigenen Kreativit\u00e4t zu er\u00f6ffnen, in ihnen wieder den G\u00f6tterfunken zu entfachen, der ihr menschliches Potential zur vollen Entfaltung bringt. Es gilt also, die Fakult\u00e4t des menschlichen Geistes zu st\u00e4rken, in der neue wissenschaftliche Entdeckungen gemacht werden, die die gleiche ist, in auch die klassische Kunst entsteht, in der musikalische oder poetische Ideen nach den Kriterien der klassischen Komposition entwickelt werden. Wenn der Mensch neue universelle Prinzipien in der Wissenschaft entdeckt, oder der Komponist oder Dichter die Regeln der klassischen Kompositionen ber\u00fccksichtigt oder auf gesetzm\u00e4\u00dfige Weise erweitert, dann befindet sich die Kreativit\u00e4t eines erfindenden Geistes in v\u00f6lliger Konkordanz mit dem sich kreativ entwickelnden physikalischen Universum.<\/p>\n<p>Wenn wir also aus der gegenw\u00e4rtigen Krise herauskommen wollen, ist eine Renaissance der klassischen Kultur die absolute Voraussetzung. Deshalb unterst\u00fctzen das Schiller-Institut und die Kulturzeitschrift <i>Ibykus<\/i> die Initiative von Lynn Yen und richtet die Bitte an alle K\u00fcnstler und Freunde der klassischen Kunst, Teil einer weltweiten Bewegung zu werden, die f\u00fcr diese Renaissance so lange k\u00e4mpft, bis wir das gegenw\u00e4rtige dunkle Zeitalter \u00fcberwunden haben, genauso wie die goldene Renaissance Italiens des 15. Jahrhunderts das dunkle Zeitalter des 14. Jahrhunderts \u00fcberwunden hat, oder wie die deutsche Klassik die Zerst\u00f6rung des Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieges ersetzt hat.<\/p>\n<h4><em>Lesen Sie bitte hierzu auch:\u00a0<a title=\"Offener Brief von Lynn Yen an klassische K\u00fcnstler \u00fcberall auf der Welt!\" href=\"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/blog\/2013\/03\/12\/offener-brief-von-lynn-yen-an-klassische-kunstler-uberall-auf-der-welt\/\">Offener Brief von Lynn Yen an klassische K\u00fcnstler \u00fcberall auf der Welt!<\/a><\/em><\/h4>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Helga Zepp-LaRouche Was ist nur aus unserer Welt geworden? Top-Banker warnen vor dem \u201eWeltuntergang\u201c, was sie aber nicht daran hindert, gleichzeitig zweistellige Millionenbetr\u00e4ge an Boni in die Tasche stecken &#8211; so als ob das Totenhemd Taschen h\u00e4tte. 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