{"id":117139,"date":"2026-06-19T09:42:25","date_gmt":"2026-06-19T13:42:25","guid":{"rendered":"https:\/\/schillerinstitute.com\/?p=117139"},"modified":"2026-06-19T09:42:27","modified_gmt":"2026-06-19T13:42:27","slug":"das-iran-abkommen-kann-fuer-die-welt-eine-wende-bedeuten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/blog\/2026\/06\/19\/das-iran-abkommen-kann-fuer-die-welt-eine-wende-bedeuten\/","title":{"rendered":"Das Iran-Abkommen kann f\u00fcr die Welt eine Wende bedeuten!"},"content":{"rendered":"\n<p>Von Helga Zepp-LaRouche, Vorsitzende des Schiller Instituts,<\/p>\n\n\n\n<p>16 Juni 2026<\/p>\n\n\n\n<p>Die Unterzeichnung einer Absichtserkl\u00e4rung zwischen Washington und Teheran ist zweifellos ein historischer Durchbruch, indem sie die Feindseligkeiten zwischen beiden Seiten beendet, die Stra\u00dfe von Hormus wieder \u00f6ffnet und hoffentlich auf diese Weise verhindert, dass die Weltwirtschaft weiter in eine Depression abgleitet. Das Ergebnis dieses Krieges, der mehr als dreieinhalb lange, zerm\u00fcrbende Monate dauerte, ist eine erheblich ver\u00e4nderte strategische Lage, in der noch nicht entschieden ist, ob der Waffenstillstand in einen dauerhaften Frieden \u00fcbergehen kann, oder ob er nur eine Pause sein wird, bis die n\u00e4chste, m\u00f6glicherweise noch schlimmere Runde von K\u00e4mpfen ausbricht.<\/p>\n\n\n\n<p>Klar ist jedoch, dass die gr\u00f6\u00dfte Milit\u00e4rmacht der Welt, die Vereinigten Staaten, nicht in der Lage war, eine mittelgro\u00dfe Macht wie den Iran zu besiegen. Weder ein Regimewechsel noch die Ausschaltung des ballistischen Raketensystems noch die Beseitigung des iranischen Atomprogramms konnten erreicht werden, dank der unerwarteten Widerstandsf\u00e4higkeit der iranischen Bev\u00f6lkerung, die sich, ungeachtet ihrer aktuellen politischen Ausrichtung, stattdessen um ihre Identit\u00e4t als jahrtausendealter Zivilisationsstaat &#8211; Persien! &#8211; scharte. Obwohl er erhebliche Verluste erlitten hat, ist der Iran dennoch der klare Sieger dieses Krieges, nicht zuletzt, weil er nun erkannt hat, welchen bedeutenden Einfluss er durch die Kontrolle \u00fcber die Stra\u00dfe von Hormus aus\u00fcbt. Diese Kontrolle \u00fcber eine der Engstellen der Weltwirtschaft ist von nun an ein Faktor in der strategischen Lage, den niemand ignorieren kann. Auch die Tatsache, dass die USA nicht in der Lage waren, die Golfstaaten, in denen US-St\u00fctzpunkte liegen, zu verteidigen, wird dauerhafte Folgen f\u00fcr die Sicherheitsarchitektur S\u00fcdwestasiens haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Ein gro\u00dfes Lob geb\u00fchrt zweifellos in erster Linie dem pakistanischen Premierminister Shehbaz Sharif, der entscheidend zur Vermittlung zwischen den USA und dem Iran beitrug und sich f\u00fcr Diplomatie statt Krieg als Mittel zur Konfliktl\u00f6sung einsetzte, ebenso wie vielen anderen Kr\u00e4ften der Region, die versuchten, eine Eskalation zu einer globalen Katastrophe zu verhindern.<\/p>\n\n\n\n<p>Das gro\u00dfe Damoklesschwert, das \u00fcber allem schwebt, ist offensichtlich die Reaktion Israels, des anderen gro\u00dfen Verlierers in dieser Situation, das selbst im zweiten Krieg innerhalb eines Jahres, mit Unterst\u00fctzung der st\u00e4rksten Milit\u00e4rmacht, keines seiner Kriegsziele erreichen konnte. Premierminister Netanjahu wird derzeit von Oppositionsf\u00fchrern und sogar von Mitgliedern seines eigenen Kabinetts wegen seines Versagens heftig angegriffen, und der gro\u00dfe Knackpunkt ist der Teil des Abkommens, der einen Waffenstillstand im Libanon vorsieht, welchen Israel g\u00e4nzlich ablehnt. Israel wird sich jedoch des ver\u00e4nderten internationalen Klimas bewusst werden m\u00fcssen, in dem sich die \u00fcberwiegende Mehrheit der Welt\u00f6ffentlichkeit gewandelt hat und sogar eine wachsende Mehrheit der amerikanischen Bev\u00f6lkerung der Meinung ist, dass Israel im Umgang mit den Pal\u00e4stinensern und dem Iran viel zu weit gegangen ist. Pr\u00e4sident Trump versucht derzeit, seine Interessen abzuw\u00e4gen zwischen seinen finanziellen Unterst\u00fctzern, die eine noch h\u00e4rtere Linie gegen\u00fcber dem Iran bef\u00fcrworten, und den Falken in der Republikanischen Partei, die wollen, dass \u00fcber das gesamte Abkommen im Kongress abgestimmt wird, um es blockieren zu k\u00f6nnen, und auf der anderen Seite Trumps alter MAGA-Basis, deren Unterst\u00fctzung er zunehmend verliert, weil sie das Gef\u00fchl haben, dass er seine Wahlversprechen verraten hat, und er muss angesichts der in wenigen Monaten anstehenden Zwischenwahlen seine Gewinne und Verluste abw\u00e4gen.<\/p>\n\n\n\n<p>Was ist also zu tun, um sicherzustellen, dass das Abkommen Bestand hat und ein dauerhafter Frieden gesichert werden kann? Die Antwort lautet, dass eine echte Vision der wirtschaftlichen Entwicklung f\u00fcr die gesamte Region S\u00fcdwestasiens ernsthaft auf die Tagesordnung gesetzt werden muss: der vom Schiller-Institut vorgeschlagene \u201eErweitere Oasenplan\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Nur wenn die Bev\u00f6lkerung aller L\u00e4nder der Region, insbesondere die Jugend, die Aussicht auf ein endg\u00fcltiges Ende des Krieges und eine gl\u00e4nzende Zukunft in Wohlstand haben, gibt es einen Anreiz f\u00fcr einen dauerhaften Frieden. (1)<\/p>\n\n\n\n<p>Die tiefgreifendere Antwort darauf liegt darin, dass man den gr\u00f6\u00dferen strategischen Kontext der Versprechen zur Beendigung aller Kriege ber\u00fccksichtigen muss. Trump steht vor dem Konflikt um die Zwischenwahlen. W\u00e4hrend die Krise in S\u00fcdwestasien offensichtlich eine Geschichte hat, die Tausende von Jahren zur\u00fcckreicht, und die Situation sehr komplex und facettenreich ist, muss diese Krise &#8211; wie der Ukraine-Krieg und fast jeder andere Konflikt der Gegenwart &#8211; als Teil der geopolitischen Gesamtlage betrachtet werden. Diese ist gepr\u00e4gt von den scheiternden Bem\u00fchungen des von der Anglosph\u00e4re dominierten kollektiven Westens, nach dem Ende des Kalten Krieges eine unipolare Weltvorherrschaft zu errichten. Dieser Versuch erwies sich als sehr kurzlebig, weil die Kombination aus sechs NATO-Osterweiterungen &#8211; unter Verletzung s\u00e4mtlicher gegenteiliger Versprechen &#8211; und der Politik von Regimewechsel, Farbrevolutionen, einseitigen Sanktionen und Interventionskriegen insbesondere in den L\u00e4ndern des Globalen S\u00fcdens einen enormen R\u00fcckschlag hervorgerufen hat. Sie akzeptierten die NATO-Darstellung all dieser Ereignisse nicht, sondern erkannten das offensichtliche Ziel einer Neuauflage einer imperialen und neokolonialen Ordnung. Da der historisch beispiellose Aufstieg Chinas es den L\u00e4ndern des Globalen S\u00fcdens erstmals erm\u00f6glicht, 500 Jahre Kolonialismus zu \u00fcberwinden, versuchen sie, eine neue Wirtschaftsordnung zu errichten, die ein gerechteres und gleichberechtigtes System f\u00fcr alle schafft.<\/p>\n\n\n\n<p>Daher steht bei allen Konflikten immer auch die Dynamik im Hintergrund, dass der Westen seine Dominanz in der strategischen Lage erhalten und &#8211; wie es manche Politiker formulieren &#8211; \u201eRussland ruinieren\u201c und China mindestens \u201eeind\u00e4mmen\u201c will. Dies entspricht jedoch nur den Interessen einiger weniger in den Establishments einiger westlicher L\u00e4nder, nicht jedoch den Eigeninteressen der Menschen in Europa und den USA.<\/p>\n\n\n\n<p>Der j\u00fcngste Krieg in S\u00fcdwestasien hat es in unbestreitbarer Deutlichkeit gezeigt: Die alte Weltordnung, wie sie nach dem Zweiten Weltkrieg und dann erneut nach dem Ende des Kalten Krieges etabliert wurde, zerf\u00e4llt. Es ist daher von h\u00f6chster strategischer Bedeutung, eine neue internationale Sicherheits- und Entwicklungsarchitektur auf den Tisch zu bringen, die die Interessen jedes Landes auf dem Planeten ber\u00fccksichtigen muss. Die Situation ist vergleichbar mit den Umst\u00e4nden des Westf\u00e4lischen Friedens, der 150 Jahre Religioskriege in Europa beendete, weil die Kriegsparteien erkannten, dass bei einer Fortsetzung des Krieges niemand mehr am Leben bleiben w\u00fcrde, um einen Sieg zu genie\u00dfen. So gelangten sie zu der Erkenntnis, dass man, um Frieden zu haben, die Interessen des anderen respektieren muss, und zwar Aller anderen!<\/p>\n\n\n\n<p>Es liegen bereits mehrere Initiativen auf dem Tisch, die das Verst\u00e4ndnis widerspiegeln, dass die Weltordnung dringend umgestaltet werden muss, wie beispielsweise das neue Wei\u00dfbuch des chinesischen Staatsrats <em>Gerechtere und ausgewogenere globale Governance: Chinas Grunds\u00e4tze, Vorschl\u00e4ge und Ma\u00dfnahmen<\/em>, das eine Verbesserung der internationalen Ordnung auf der Grundlage der Idee einer Zukunftsgemeinschaft der Menschheit vorschl\u00e4gt.<\/p>\n\n\n\n<p>Aus einem ganz anderen Hintergrund kommend, aber im Wesentlichen zu derselben Erkenntnis gelangend, dass eine Reform dringend notwendig ist, hat Papst Leo XIV. gerade eine neue Enzyklika <em>Magnifica Humanitas <\/em>ver\u00f6ffentlicht, die nicht nur die gegenw\u00e4rtigen Tendenzen zum Bau eines neuen \u201eTurms zu Babel\u201c kritisiert, sondern auch einen sehr substanziellen Vorschlag dazu liefert, nach welchen Prinzipien ein neues System errichtet werden muss, das der gro\u00dfartigen menschlichen Spezies w\u00fcrdig ist. (2) Die Autorin hat Zehn Prinzipien vorgeschlagen, die ber\u00fccksichtigt werden sollten, um zu konzipieren, wie eine solche neue Sicherheits- und Entwicklungsarchitektur aussehen k\u00f6nnte. (3)<\/p>\n\n\n\n<p>Deshalb sollte man mehr tun, als das soeben zwischen den USA und dem Iran erzielte Abkommen nur zu kommentieren und dar\u00fcber zu spekulieren, ob die Lage im Libanon und die Weigerung Israels, sie als Teil der Vereinbarung anzuerkennen, sich doch als entscheidender Faktor erweist, der das Abkommen zum Scheitern bringt.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn der \u201eErweiterte Oasenplan\u201c mehreren L\u00e4ndern der Region auf die Tagesordnung gesetzt wird, kann er der erste Schritt sein, um die ganze Welt in ein neues Paradigma zu f\u00fchren, in dem Krieg als Mittel der Konfliktl\u00f6sung \u2013 eine existenzielle Frage im Zeitalter thermonuklearer Waffen \u2013 \u00fcberfl\u00fcssig wird und eine gerechte Ordnung verwirklicht wird, die das Wohlergehen aller Nationen erm\u00f6glicht.<\/p>\n\n\n\n<p>1. Webseite des Schiller-Instituts zum \u201eOasis\u201c-Plan, <a href=\"https:\/\/schillerinstitute.com\/the-oasis-plan-the-larouche-solution-for-southwest-asia\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/schillerinstitute.com\/the-oasis-plan-the-larouche-solution-for-southwest-asia\/<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>2. <a href=\"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/blog\/2026\/06\/17\/dringender-appell-von-papst-leo-xiv-haltet-ein-bereut-ehe-es-zu-spaet-ist-der-neue-name-fuer-frieden-heisst-entwicklung\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/blog\/2026\/06\/17\/dringender-appell-von-papst-leo-xiv-haltet-ein-bereut-ehe-es-zu-spaet-ist-der-neue-name-fuer-frieden-heisst-entwicklung\/<\/a><\/p>\n\n\n\n<p>3.<a href=\"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/blog\/2022\/11\/30\/zehn-prinzipien-fuer-eine-neue-internationale-sicherheits-und-entwicklungsarchitektur\/\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\"> https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/blog\/2022\/11\/30\/zehn-prinzipien-fuer-eine-neue-internationale-sicherheits-und-entwicklungsarchitektur\/<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Helga Zepp-LaRouche, Vorsitzende des Schiller Instituts, 16 Juni 2026 Die Unterzeichnung einer Absichtserkl\u00e4rung zwischen Washington und Teheran ist zweifellos ein historischer Durchbruch, indem sie die Feindseligkeiten zwischen beiden Seiten beendet, die Stra\u00dfe von Hormus wieder \u00f6ffnet und hoffentlich auf diese Weise verhindert, dass die&hellip;<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on get_the_excerpt --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on get_the_excerpt --><\/p>\n","protected":false},"author":33,"featured_media":117140,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"_lmt_disableupdate":"","_lmt_disable":"","footnotes":""},"categories":[37,542],"tags":[],"class_list":["post-117139","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein-de","category-hzl-text-de"],"featured_image_src":"https:\/\/schillerinstitute.com\/wp-content\/uploads\/2026\/06\/HZL-Iran-Abkommen.jpg","author_info":{"display_name":"tobi","author_link":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/blog\/author\/tobi\/"},"modified_by":"tobi","cc_featured_image_caption":{"caption_text":"","source_text":"","source_url":""},"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/117139","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/33"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=117139"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/117139\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":117153,"href":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/117139\/revisions\/117153"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/117140"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=117139"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=117139"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=117139"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}