{"id":116314,"date":"2026-04-28T11:43:08","date_gmt":"2026-04-28T15:43:08","guid":{"rendered":"https:\/\/schillerinstitute.com\/?p=116314"},"modified":"2026-04-28T11:43:10","modified_gmt":"2026-04-28T15:43:10","slug":"china-europa-dialog-in-berlin","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/blog\/2026\/04\/28\/china-europa-dialog-in-berlin\/","title":{"rendered":"China-Europa-Dialog in Berlin"},"content":{"rendered":"\n<p><em><strong>Das Schiller-Institut und eine chinesische Denkfabrik organisierten ein Seminar \u00fcber globale Governance und zivilisatorischen Austausch.<\/strong><\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Am 15. April fand in Berlin ein \u00e4u\u00dferst erfolgreiches Seminar statt, das vom Schiller-Institut und der Pekinger Academy of Contemporary China and World Studies (ACCWS) veranstaltet wurde, das Thema war \u201eChina-Europa-Dialog in Berlin \u00fcber globale Governance sowie zivilisatorischen Austausch und gegenseitiges Lernen\u201c. Prominente Redner aus Deutschland und China f\u00fchrten einen Dialog, der in zwei Vortragsrunden gegliedert war und von Stephan Ossenkopp vom Schiller-Institut sowie von Hu Yajuan von der ACCWS moderiert wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Veranstaltung wurde er\u00f6ffnet von Gao Anming, Redakteur der China International Communications Group (CICG), der Gr\u00fcnderin und Vorsitzenden des Schiller-Instituts Helga Zepp-LaRouche sowie Yang Chengcheng, Ministerialr\u00e4tin an der chinesischen Botschaft in Berlin.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Gao Anming<\/strong> begann seine Rede mit einem Verweis auf Friedrich Schillers <em>Ode an die Freude<\/em>. Die aktuelle Weltlage sei von \u201eVer\u00e4nderungen und Spannungen\u201c gepr\u00e4gt. \u201eMachtpolitik stellt die gr\u00f6\u00dfte Herausforderung seit dem Zweiten Weltkrieg dar, und ein Dialog zwischen China und Europa kann ein Stabilit\u00e4tsfaktor sein.\u201c Die vor uns liegenden Aufgaben seien der Aufbau eines echten Multilateralismus zur Gestaltung der Zukunft der Menschheit sowie die Reform der Finanzarchitektur. Gao betonte die Bedeutung der in Chinas 15. F\u00fcnfjahresplan verankerten Entscheidung, die \u201eschrittweise \u00d6ffnung\u201c der chinesischen Wirtschaft voranzutreiben. Er schlo\u00df seine Rede mit dem Aufruf, das gegenseitige Verst\u00e4ndnis zu vertiefen, so wie es Leibniz vor 300 Jahren getan hatte.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Helga Zepp-LaRouche<\/strong> begann mit der positiven Feststellung, die Welt habe die Chance, 500 Jahre Kolonialismus zu \u00fcberwinden, und diesen Epochenwandel d\u00fcrfe man nicht als Bedrohung betrachten. Sie kritisierte die westliche Haltung, China durch eine \u201eBrille der erweiterten Realit\u00e4t\u201c zu betrachten und dabei die enormen Errungenschaften zu \u00fcbersehen, die China seit 1971, als sie das Land zum ersten Mal besuchte, erzielt habe.<\/p>\n\n\n\n<p>Anschlie\u00dfend ging sie auf die unmittelbare Aufgabe ein, Konflikte zu l\u00f6sen, angefangen mit S\u00fcdwestasien, wo es &#8211; wenn kein Atomkrieg ausbricht &#8211; einen \u201eerweiterten Oasenplan\u201c geben m\u00fcsse, der Afrika einbezieht. Das Schiller-Institut habe einen Bericht \u00fcber die Perspektiven einer dreiseitigen \u201eEntwicklungsstrategie Europa-China-Afrika\u201c erstellt, die mit Afrikas Agenda 2063 im Einklang steht; einige Vorabexemplare der aktualisierten zweiten Auflage des Berichts seien erh\u00e4ltlich. Pr\u00e4sident Xi Jinpings Initiative zur globalen Governance spiegele ebenfalls Prinzipien wider, die in den Vorschl\u00e4gen des Schiller-Instituts dargelegt sind. Nicht zuf\u00e4llig laute der vollst\u00e4ndige Name des Instituts \u201eSchiller-Institut &#8211; Vereinigung f\u00fcr Staatskunst\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Frau <strong>Yang Chengcheng<\/strong> begr\u00fc\u00dfte die Teilnehmer und skizzierte die vielversprechenden Perspektiven der chinesisch-deutschen Zusammenarbeit. Chinas Wirtschaft wuchs im ersten Quartal 2026 um 5% und wird sich weiter f\u00fcr ausl\u00e4ndische Investitionen \u00f6ffnen, wie w\u00e4hrend des Besuchs von Bundeskanzler Friedrich Merz am 25. und 26. Februar betont wurde. Sie erw\u00e4hnte, da\u00df BASF in China die modernste Chemiefabrik der Welt er\u00f6ffnet hat, als Beispiel f\u00fcr das breite Potential der Zusammenarbeit zwischen den zweit- und drittgr\u00f6\u00dften Volkswirtschaften der Welt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die erste Vortragsrunde mit dem Titel \u201eQualitative \u00d6ffnung als Motor globaler Governance\u201c wurde von Fan Daqi, dem stellvertretenden Direktor des ACCWS, er\u00f6ffnet, der kurz die Ergebnisse einer Forschungsarbeit seines Instituts vorstellte. Die Studie zeigt die Komplementarit\u00e4t der beiden Volkswirtschaften und die Perspektiven f\u00fcr eine Zusammenarbeit in Drittm\u00e4rkten auf. Er forderte eine St\u00e4rkung institutioneller Garantien.<\/p>\n\n\n\n<p>Ihm folgte <strong>Michael Bose<\/strong>, Vorsitzender von Automotive Berlin-Brandenburg (ABB), der auf die \u201ekomplexen Wechselbeziehungen\u201c der Automobilindustrie einging. Vergleiche man die deutsche Automobilindustrie mit der heutigen chinesischen, so m\u00fcsse man zugeben, da\u00df \u201edie Lehrer zu Sch\u00fclern geworden sind\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Shi Shiwei<\/strong>, Direktor des Forschungszentrums f\u00fcr deutsch-chinesischen Handel an der Universit\u00e4t f\u00fcr Internationale Wirtschaft und Handel, ging detailliert auf alle innovativen Sektoren ein, in die laut dem neuen F\u00fcnfjahresplan vorrangig investiert werden sollte und die f\u00fcr Deutschland von Bedeutung sind.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Bernd Einmeier<\/strong>, Vorsitzender der Deutsch-Chinesischen Gesellschaft f\u00fcr Wirtschaft, Bildung und Kultur, stellte unverbl\u00fcmt fest: \u201eDeutschland hat keine Ahnung, was China ist.\u201c Er hob die hohe Symbolkraft des Empfangs f\u00fcr Friedrich Merz bei seinem China-Besuch hervor, da die chinesische F\u00fchrung sich bereit erkl\u00e4rte, ihn am Tag ihrer wichtigsten traditionellen Feierlichkeiten, dem Neujahrsfest, zu empfangen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Oliver Lubich<\/strong>, Vertriebsleiter bei Hainan Airlines in Berlin, sagte, das Potential f\u00fcr den Flugverkehr zwischen der deutschen Hauptstadt und Hainan sei weitaus gr\u00f6\u00dfer als die derzeit vertraglich festgelegten 55 Fl\u00fcge.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Ende der von Stephan Ossenkopp moderierten Vortragsrunde kamen die Redner f\u00fcr zwei Fragerunden auf das Podium. Einmeier wies insbesondere auf die unterschiedliche Qualit\u00e4t des Unterrichts an deutschen und chinesischen Gymnasien hin und schlug vor, die beiden Systeme zu integrieren. Direktor Shi kritisierte die EU-Strategie 2030, die extrem einseitig fokussiert sei.<\/p>\n\n\n\n<p>Die zweite Vortragsrunde mit dem Titel \u201eZivilisatorischer Austausch und gegenseitiges Lernen\u201c wurde von Hu Yajuan moderiert und von <strong>Michael M\u00fcller<\/strong>, dem ehemaligen Regierenden B\u00fcrgermeister von Berlin und Mitglied des Deutschen Bundestages, er\u00f6ffnet. M\u00fcller erinnerte daran, wie er sich gegen die Idee einer \u201eEntkopplung\u201c von China ausgesprochen hatte, als das Thema in deutschen politischen Kreisen diskutiert wurde, und begr\u00fc\u00dfte es, da\u00df diese Idee verworfen wurde. \u201eWir sollten nicht dar\u00fcber diskutieren, ob, sondern wie wir die Zusammenarbeit ausbauen k\u00f6nnen\u201c, sagte er. Seine Erfahrung als B\u00fcrgermeister lehre ihn, da\u00df mit Partnerschaften auf kommunaler Ebene viel erreicht werden kann. Ein weiterer Bereich, in dem die Zusammenarbeit vorangebracht werden kann, sei die Wissenschaft. Das dritte Thema seien die BRICS: \u201eSie sind eine Realit\u00e4t, der man sich stellen mu\u00df.\u201c Viertens: Klima und Demographie. \u201eEs gibt keine einzige Krise, die wir oder China allein l\u00f6sen k\u00f6nnen.\u201c M\u00fcller betonte, in einer Partnerschaft m\u00fc\u00dften beide Seiten das Recht haben, auch kritische Aspekte anzusprechen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Cord Ebersp\u00e4cher<\/strong>, Sinologe und Historiker an der Universit\u00e4t Bonn, erinnerte daran, da\u00df Konfuzius darauf bestand, man m\u00fcsse \u201edie richtige Bedeutung der Begriffe kl\u00e4ren\u201c, bevor ein Dialog beginnt. Eine andere Art, dies auszudr\u00fccken, sei \u201eVernunft als Voraussetzung\u201c &#8211; eine Neugierde auf das Lernen, die in Leibniz\u2019 grundlegendem Werk \u00fcber China eine zentrale Rolle spielte. Leider sei dies heute nicht der Fall. Der Begriff \u201eDialog\u201c werde in China und im Westen unterschiedlich verstanden. Der Westen halte seine Wertvorstellungen f\u00fcr die universell richtigen, sagte Ebersp\u00e4cher in einer indirekten Antwort an M\u00fcller. Wenn Deutschland also Autos in alle L\u00e4nder der Welt verkaufe, werde dies als \u201eerfolgreiche Exportwirtschaft\u201c bezeichnet, doch wenn die Chinesen dasselbe t\u00e4ten, hei\u00dfe das \u201e\u00dcberkapazit\u00e4ten\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Zhou Hengxiang<\/strong>, Germanist und Autor, ging auf die Unterschiede zwischen dem deutschen und dem chinesischen Rechtssystem ein. Er f\u00fchrte das Beispiel an, da\u00df die deutschen Begriffe \u201ePerson\u201c und \u201eMensch\u201c im chinesischen System in einem einzigen Begriff zusammengefa\u00dft sind, was es weniger eindeutig mache, den Rechtsbegriff von Menschen auf Unternehmen u.a. auszuweiten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Rainer Dumpff<\/strong>, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer von Dumpff Project Management, berichtete \u00fcber seine jahrzehntelange Erfahrung in China, wo er als junger Mann China \u201ein zwei Wochen\u201c kennenlernen wollte, nur um schnell zu erkennen, da\u00df dies unm\u00f6glich war. Er war unter anderem in der Luftfahrt t\u00e4tig und hat die Dresdner Festspiele in China vertreten.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Yuan Jie<\/strong>, Germanist und Kolumnist, hob die j\u00fcngste positive Wende in der Haltung der deutschen Regierung gegen\u00fcber China hervor; er erw\u00e4hnte dazu Aussagen von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche in einer Videokonferenz anl\u00e4\u00dflich der Einweihung des schon erw\u00e4hnten BASF-Werks sowie Merz\u2019 \u00c4u\u00dferungen am Vorabend seines China-Besuchs, mit denen er die Entkopplung endg\u00fcltig begrub. Und die Deutsche Au\u00dfenhandelskammer bezeichnete China als \u201ezuverl\u00e4ssigen Partner\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>In den anschlie\u00dfenden Diskussionsrunde mit den Diskussionsteilnehmern wurde die Frage gestellt: \u201eWoher kommen Vorurteile?\u201c Ebersp\u00e4cher antwortete unter anderem, sie k\u00e4men aus Unwissenheit, und schlo\u00df sich der Forderung nach mehr Unterricht \u00fcber China in den Schulen an.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Veranstaltung wurde von allen Teilnehmern als vielversprechender Ausgangspunkt f\u00fcr einen Paradigmenwechsel in den chinesisch-deutschen (europ\u00e4ischen) Beziehungen bewertet.<\/p>\n\n\n\n<p><em>Claudio Celani<\/em><\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Schiller-Institut und eine chinesische Denkfabrik organisierten ein Seminar \u00fcber globale Governance und zivilisatorischen Austausch. Am 15. 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