{"id":108282,"date":"2025-03-23T08:21:49","date_gmt":"2025-03-23T12:21:49","guid":{"rendered":"https:\/\/schillerinstitute.com\/?p=108282"},"modified":"2025-03-25T11:30:11","modified_gmt":"2025-03-25T15:30:11","slug":"wir-koennen-und-muessen-das-geopolitische-denken-ueberwinden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/blog\/2025\/03\/23\/wir-koennen-und-muessen-das-geopolitische-denken-ueberwinden\/","title":{"rendered":"Wir k\u00f6nnen und m\u00fcssen das geopolitische Denken \u00fcberwinden"},"content":{"rendered":"\n<p>Von Helga Zepp-LaRouche<\/p>\n\n\n\n<p><em>Helga Zepp-LaRouche, Gr\u00fcnderin des Schiller-Instituts und Ko-Initiatorin der Internationalen Friedenskoalition (IPC), er\u00f6ffnete am 11. M\u00e4rz mit den folgenden Ausf\u00fchrungen eine Online-Diskussion mit jungen politischen Aktivisten aus aller Welt. Die Rede wurde aus dem Englischen \u00fcbersetzt, Zwischen\u00fcberschriften hinzugef\u00fcgt.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Hallo euch allen. Es ist mir eine Freude, mit vielen jungen Menschen aus verschiedenen Teilen der Welt zu sprechen, denn wir brauchen eine weltweite Anstrengung, um diese Welt in Ordnung zu bringen. Mit dieser Diskussion m\u00f6chten wir euch und hoffentlich viele andere junge Menschen aus der ganzen Welt ermutigen, zu verstehen, was f\u00fcr ein au\u00dfergew\u00f6hnlicher Moment dies in der Geschichte ist. Die Jugend als treibende Kraft der Zukunft hat das Recht und vielleicht sogar die Pflicht, sich in die Gestaltung dieser au\u00dfergew\u00f6hnlichen Periode der Geschichte einzumischen.<\/p>\n\n\n\n<p>Normalerweise w\u00fcrde man sagen: \u201eWie kann ich, ein Mensch in Nigeria, Deutschland oder Peru, die Geschichte ver\u00e4ndern und beeinflussen?\u201c Ich denke, es ist sehr wichtig, da\u00df ihr den Moment, in dem wir uns befinden, einordnet, um zu verstehen, da\u00df hier tektonische Ver\u00e4nderungen stattfinden.<\/p>\n\n\n\n<p>Der chinesische Pr\u00e4sident Xi Jinping hat oft gesagt, das sei eine Ver\u00e4nderung, wie sie nur einmal in hundert Jahren stattfindet. Ich w\u00fcrde sogar noch weiter gehen und sagen, es ist eine Ver\u00e4nderung, wie sie vielleicht einmal in einem Jahrtausend stattfindet. In diesem Fall handelt es sich um das Ende der Kolonialzeit und den Beginn einer neuen \u00c4ra, die aber noch nicht ausgestaltet ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Viele Menschen sehen nur Chaos und Unordnung, aber das ist nicht ganz richtig. Wie in vielen solchen \u00dcbergangsphasen der Geschichte kann man den Keim der neuen Ordnung schon erkennen. Wenn man im Fr\u00fchling die Erde anschaut, bevor Blumen wie Tulpen oder andere Pflanzen austreiben und bl\u00fchen, sieht man schon kleine Ver\u00e4nderungen. Dann treibt irgendwann die Zwiebel aus, und schlie\u00dflich w\u00e4chst die Blume. Ich denke, das Entstehen der neuen Weltordnung ist genau wie eine solche Erfahrung im Fr\u00fchling.<\/p>\n\n\n\n<p>Warum sage ich das? Nun, viele Menschen auf der ganzen Welt beobachten, was in den Vereinigten Staaten passiert. Trump ist erst seit sieben Wochen im Wei\u00dfen Haus. Ich w\u00fcrde sagen, er hat nicht nur die Vereinigten Staaten polarisiert, sondern die ganze Welt, und das auf eine Weise, die schon an und f\u00fcr sich bemerkenswert ist. Viele Menschen hassen Trump, sie leiden unter dem \u201eTrump-Wahn-Syndrom\u201c, schon bei der blo\u00dfen Erw\u00e4hnung des Namens Trump drehen sie durch.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber ich mu\u00df sagen: Obwohl ich alles andere als eine kritiklose Unterst\u00fctzerin von Trump bin, tut er gerade etwas, das von enormer strategischer und historischer Bedeutung ist. Er unternimmt n\u00e4mlich sehr ernsthafte Anstrengungen, um die Beziehungen zu Ru\u00dfland wieder in Ordnung zu bringen.<\/p>\n\n\n\n<p>Euch ist wahrscheinlich klar, da\u00df wir in den letzten Tagen und Wochen der Biden-Regierung der Gefahr eines Atomwaffeneinsatzes furchtbar nahe gekommen sind. Die Politik der Briten und der Vereinigten Staaten, immer leistungsf\u00e4higere Waffen [an die Ukraine] zu liefern \u2013 die ATACMS, die HIMARS und schlie\u00dflich Waffen, die tief in das Gebiet Ru\u00dflands eindringen und nur mit technischer Hilfe der USA eingesetzt werden konnten \u2013 bedeutete, da\u00df wir kurz vor einem direkten Krieg zwischen den Vereinigten Staaten und Ru\u00dfland standen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Russen haben darauf ganz deutlich reagiert. Putin trat mehrmals im Fernsehen auf und demonstrierte sogar die&nbsp;<em>Oreschnik,<\/em>&nbsp;eine neue Rakete, die sehr schnell ist; ich glaube, sie kann Mach 11 erreichen. Es ist eine erstaunlich schnelle Rakete. Er f\u00fchrte sie vor, um zu zeigen, da\u00df es keine Verteidigung dagegen gibt.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich m\u00f6chte jetzt nicht weiter darauf eingehen, wir k\u00f6nnen bei Bedarf dar\u00fcber diskutieren, jedenfalls waren wir sehr nah an der Gefahr eines Atomkrieges. Macht euch nichts vor: Wenn es jemals zu einem Atomkrieg kommt, dann bedeutet das die Vernichtung der gesamten Menschheit, den Globalen S\u00fcden eingeschlossen. Wie Ministerpr\u00e4sident Nehru und Pr\u00e4sident Sukarno auf der Bandung-Konferenz 1955 sagten: Im Falle eines Atomkriegs sterben die L\u00e4nder des Globalen S\u00fcdens vielleicht ein paar Wochen sp\u00e4ter, aber auch sie werden sterben.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch dann kam Trump ins Wei\u00dfe Haus. Schon nach wenigen Tagen kam ein Beben nach dem anderen:<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Das erste war eine Rede von Verteidigungsminister Hegseth in Br\u00fcssel, die die Europ\u00e4er schockierte.<\/li>\n\n\n\n<li>Dann reiste Vizepr\u00e4sident JD Vance zur M\u00fcnchner Sicherheitskonferenz. Er sprach nicht \u00fcber Sicherheitsfragen als solche, sondern kritisierte die europ\u00e4ische F\u00fchrung scharf und sagte, die Demokratie in Europa sei ernsthaft in Gefahr. Die Menschen h\u00e4tten nicht mehr das Recht, frei ihre Meinung zu \u00e4u\u00dfern, es g\u00e4be keine Redefreiheit mehr. Da waren alle v\u00f6llig aus dem H\u00e4uschen, Macron, Starmer, Scholz und die Massenmedien drehten v\u00f6llig durch.<\/li>\n\n\n\n<li>Dann kam es noch dicker, nachdem Putin und Trump ein Telefongespr\u00e4ch gef\u00fchrt hatten, das beide Seiten als sehr produktiv bezeichneten.<\/li>\n\n\n\n<li>Noch schlimmer wurde es, als sich der russische Au\u00dfenminister Lawrow und US-Au\u00dfenminister Marco Rubio in Riad trafen und ein langes, sehr produktives Gespr\u00e4ch f\u00fchrten. Sie bereiten jetzt ein Gipfeltreffen zwischen Trump und Putin vor.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Worum geht es hier? Trump sagt, er wolle die Beziehungen zu Ru\u00dfland normalisieren. Das ist den Vorstellungen der Europ\u00e4er diametral entgegengesetzt. W\u00e4hrend des gesamten Ukraine-Krieges \u2013 die Russen nennen es eine \u201ebesondere Milit\u00e4roperation\u201c \u2013 hatten sich die Europ\u00e4er Biden und den aufeinanderfolgenden britischen Premierministern angeschlossen und erkl\u00e4rt, sie wollten Ru\u00dfland ruinieren; sie wollten Ru\u00dfland unbedingt auf dem Schlachtfeld besiegen; die Ukraine m\u00fcsse gewinnen. Einige sagten sogar, Ru\u00dfland m\u00fcsse in viele Einzelteile aufgespalten werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Das war die Politik. Und Trump und sein Team wollen mit dem, was ich gerade beschrieben habe, die Beziehungen zu Ru\u00dfland normalisieren, und das stellt die bisherige kriegerische Haltung v\u00f6llig auf den Kopf.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie sieht nun die Reaktion aus? Warum sollte irgend jemand auf diesem Planeten, der bei klarem Verstand ist, nicht extrem gl\u00fccklich dar\u00fcber sein, wenn die Gefahr eines Atomkriegs massiv reduziert wird? \u2013 Zumindest an diesem Schlachtfeld in der Ukraine, der Nahe Osten ist ein anderer Fall. \u2013 Jeder Mensch, der nicht in seinem Innersten ein Idiot oder ein Krimineller ist, sollte doch froh sein, da\u00df die menschliche Gattung von dieser t\u00f6dlichen Gefahr der nuklearen Ausl\u00f6schung befreit wird. Aber wie reagieren die Europ\u00e4er? Sie geraten in Raserei und wollen nun die Europ\u00e4ische Union militarisieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Von der Leyen, die Pr\u00e4sidentin der EU-Kommission, hielt eine heftige Rede, in der sie sagte, da\u00df wir nun ein Milit\u00e4rbudget von 800 Milliarden Euro haben werden, um die mangelnde Verl\u00e4\u00dflichkeit der USA auszugleichen. Friedrich Merz, der Kanzlerkandidat der CDU, der wahrscheinlich Kanzler werden wird \u2013 hoffentlich nicht, aber wahrscheinlich wird er es \u2013, sagte: 400 Milliarden Euro f\u00fcr Verteidigung, 500 Milliarden Euro f\u00fcr Infrastruktur. Und die Schuldenbremse, die Teil der deutschen Verfassung ist, w\u00fcrde aufgehoben, es werde grenzenlose Ausgaben geben, \u201e<em>Whatever it takes<\/em>\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie drohen mit denselben Methoden wie damals Hjalmar Schacht, Hitlers Reichsbankpr\u00e4sident. Der schuf die sogenannten \u201eMefo-Wechsel\u201c, die nicht im Staatshaushalt waren und nicht durch eine physische Produktion oder Werte gedeckt waren, sondern Geld, das ausschlie\u00dflich f\u00fcr die Aufr\u00fcstung f\u00fcr den Zweiten Weltkrieg ausgegeben wurde. Das ist eigentlich die Tradition, in der diese Leute stehen, ob sie es wissen oder nicht. Einige von ihnen wissen es vielleicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist die aktuelle Situation. Zur Lage im Nahen Osten m\u00f6chte ich jetzt nicht mehr sagen, au\u00dfer da\u00df sie leider immer noch viel schlimmer aussieht. Der unglaubliche V\u00f6lkermord in Gaza, und bis zu einem gewissen Grad auch im Westjordanland, ist noch nicht gestoppt. Es ist immer noch eine schreckliche Situation. Es gibt Hoffnung, denn die \u00e4gyptische Regierung hat mit Unterst\u00fctzung der anderen arabischen Staaten einen Wiederaufbauplan f\u00fcr Gaza erstellt, was ein Schritt in die richtige Richtung ist. Wenn ihr es w\u00fcnscht, k\u00f6nnen wir noch dar\u00fcber sprechen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir haben daf\u00fcr einen v\u00f6llig anderen Ansatz vorgeschlagen, n\u00e4mlich den \u201eOasenplan\u201c. Einige haben vielleicht schon davon geh\u00f6rt. Das geht darum, die W\u00fcste in der gesamten Region S\u00fcdwestasien, von Indien bis zum Mittelmeer, vom Kaukasus bis zu den Golfstaaten, zu begr\u00fcnen. Das ist ein viel umfassenderer Ansatz. Wir k\u00e4mpfen sehr daf\u00fcr, da\u00df das beim Wiederaufbau des Gazastreifens zus\u00e4tzlich zur Zweistaatenl\u00f6sung umgesetzt wird.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Wie sind wir an diesen Punkt gekommen?<\/h3>\n\n\n\n<p>Aber werfen wir nun einen kurzen Blick darauf, wie wir an diesen ungeheuerlichen Punkt gekommen sind, an dem die Europ\u00e4er sich im Kriegsmodus befinden und sagen, der Krieg mit Ru\u00dfland werde mit Sicherheit kommen, sp\u00e4testens 2029 werde es einen gro\u00dfen Krieg zwischen Europa und Ru\u00dfland geben. Das ist l\u00e4cherlich! Wenn man sich die europ\u00e4ischen Armeen ansieht: Die sind nicht in der Lage, irgendeinen Krieg zu f\u00fchren, geschweige denn gegen Ru\u00dfland, die gr\u00f6\u00dfte Atommacht der Welt.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber wie sind wir soweit gekommen und wie k\u00f6nnen wir es \u00e4ndern? Das letzte Mal, als es ein \u00e4hnlich au\u00dfergew\u00f6hnliches Zusammentreffen von Ereignissen gab wie das jetzige, war beim Ende der Sowjetunion, zwischen 1989 und 1991. Nur sehr wenige Menschen hatten vorausgesehen \u2013 so wie mein seither verstorbener Ehemann Lyndon LaRouche f\u00fcnf Jahre zuvor \u2013, da\u00df die Sowjetunion zusammenbrechen w\u00fcrde, wenn sie an ihrer damaligen Wirtschaftspolitik festhielt. F\u00fcr die meisten Menschen kamen das Ende der Sowjetunion und der Fall der Berliner Mauer v\u00f6llig \u00fcberraschend. Wir hingegen hatten einen Plan, den wir damals vorschlugen, die Eurasische Landbr\u00fccke.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie war die Lage? 1989 war klar, da\u00df die wirtschaftlichen Probleme der Sowjetunion soweit zugenommen hatten, da\u00df es nicht mehr m\u00f6glich war, die COMECON-L\u00e4nder zusammenzuhalten. Zu dieser Zeit gingen die Menschen in der DDR auf die Stra\u00dfe und demonstrierten und riefen: \u201eWir sind das Volk, wir sind das Volk.\u201c Damals nahmen 1\u20132 Millionen Menschen an diesen Demonstrationen teil, und die Sicherheitsbeh\u00f6rden der DDR konnten nichts mehr tun, um sie zu unterdr\u00fccken. Es gibt eine Regel, da\u00df der Staat machtlos ist, wenn Millionen Menschen auf der Stra\u00dfe sind, weil zu viele Menschen Br\u00fcder und Schwestern bei der Polizei haben, soda\u00df es nicht mehr funktioniert, sie zur Unterdr\u00fcckung einzusetzen.<\/p>\n\n\n\n<p>So kam es zum friedlichen Fall der Berliner Mauer. Es gab eine Zeit unglaublicher Chancen; wir nannten es die \u201ehistorische Chance von 1989\u201c, denn zu dieser Zeit h\u00e4tte man eine Friedensordnung durchsetzen k\u00f6nnen, weil es keinen Feind mehr gab. Augenzeugen dieser Zeit wie Jack Matlock, der damals US-Botschafter in Moskau war, sagen sogar, da\u00df die Sowjetunion schon zwei Jahre vorher keine Bedrohung mehr f\u00fcr den Westen war. Daher war die Idee einer internationalen Friedensordnung, einer eurasischen Ordnung von Lissabon bis Wladiwostok, durchaus m\u00f6glich.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir schlugen sofort ein Programm vor, wir nannten es das \u201eProduktive Dreieck Paris-Berlin-Wien\u201c. Als 1991 die Sowjetunion zusammenbrach, erweiterten wir das zur Eurasischen Landbr\u00fccke, um Europa und Asien durch Entwicklungskorridore als wirtschaftliche Grundlage f\u00fcr eine Friedensordnung f\u00fcr das 21. Jahrhundert zu verbinden.<\/p>\n\n\n\n<p>Das w\u00e4re durchaus m\u00f6glich gewesen; es h\u00e4tte alle Probleme gel\u00f6st. Wir h\u00e4tten die Volkswirtschaften des COMECON, die f\u00e4hige Volkswirtschaften, aber nicht mit dem Weltmarkt kompatibel waren, mit westlichen Technologien in modernisierte zivile Volkswirtschaften umgewandelt, und alles h\u00e4tte sehr gut funktioniert.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die verpa\u00dfte Chance<\/h3>\n\n\n\n<p>Aber damals gab es eine Gegenreaktion gegen eine solche Option. Das ging besonders von Margaret Thatcher aus, von den Neokonservativen in Amerika und von Mitterrand in Frankreich, die alle fest entschlossen waren, Deutschland bei der Gestaltung dieser Ordnung keine Rolle zu geben.<\/p>\n\n\n\n<p>Zu der Zeit behaupteten die Neokonservativen, sie h\u00e4tten \u201eden Kalten Krieg gewonnen\u201c. US-Au\u00dfenminister James Baker versprach Gorbatschow im Februar 1990 \u2013 und es gibt Augenzeugen, Genscher war einer, Matlock ein anderer, Teltschik \u2013, sie alle schw\u00f6ren, da\u00df der Sowjetunion versprochen wurde, die NATO werde sich keinen Zentimeter nach Osten ausweiten. Doch die Neokonservativen hatten nie die Absicht, dieses Versprechen zu halten, sie waren wie im Rausch und sagten: \u201eWir haben den Kalten Krieg gewonnen. Wir k\u00f6nnen tun, was wir wollen. Wir k\u00f6nnen Regimewechsel organisieren, wir k\u00f6nnen eine unipolare Welt schaffen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Der Historiker Francis Fukuyama sagte damals, das sei \u201edas Ende der Geschichte\u201c, damit meinte er, die ganze Welt werde das neoliberale westliche Demokratiemodell \u00fcbernehmen, und jede Regierung, die sich dem widersetze, k\u00f6nne gest\u00fcrzt werden, durch einen Regimewechsel, eine Farbrevolution und sp\u00e4ter sogar milit\u00e4rische Interventionskriege wie in Afghanistan, im Irak, in Syrien, Libyen und vielen anderen L\u00e4ndern auf der ganzen Welt.<\/p>\n\n\n\n<p>Damit wurde die historische Chance von 1989 verpa\u00dft und zunichte gemacht. Bald wurde klar, da\u00df die NATO sich erweiterte: die erste Runde, die zweite Runde. Es gab viele Versuche, Regierungen zu st\u00fcrzen und Farbrevolutionen zu entfachen: eine \u201eRosenrevolution\u201c in Georgien, eine Orangene Revolution 2004 in der Ukraine, eine versuchte Wei\u00dfe Revolution in Ru\u00dfland, eine versuchte Gelbe Revolution in Hongkong gegen China. Der Arabische Fr\u00fchling war in Wirklichkeit Teil dieser Farbrevolutionen, um jede Regierung loszuwerden, die sich der Idee einer unipolaren Welt nicht f\u00fcgen wollte.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Methoden, mit denen man das machte, waren nat\u00fcrlich nicht so sch\u00f6n. Es gab Sanktionen, viele Menschen wurden in diesen Kriegen get\u00f6tet. Denken Sie nur daran, wie viele Menschen in den Kriegen im Irak, in Afghanistan und so weiter starben, Millionen von Menschen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Der Globale S\u00fcden reagiert<\/h3>\n\n\n\n<p>Deshalb gab es eine enorme Gegenreaktion, denn die L\u00e4nder des Globalen S\u00fcdens erkannten: \u201eMoment mal, das ist nicht zu unserem Vorteil.\u201c Sie betrachteten es aus der Perspektive ihrer eigenen Kolonialgeschichte und ihres antikolonialen Kampfes.<\/p>\n\n\n\n<p>So kam es zum Aufstieg Chinas, der das Ergebnis einer unglaublichen Transformation war, bei der China zun\u00e4chst 850 Millionen Chinesen aus der Armut befreite. 2013 k\u00fcndigte Pr\u00e4sident Xi Jinping dann die Neue Seidenstra\u00dfe an, die Belt and Road Initiative (BRI), die zum Vehikel wurde, mit dem China den L\u00e4ndern in Afrika, Lateinamerika und Asien dabei hilft, die Entwicklung von Infrastruktur, Industrieparks, Schnellz\u00fcgen und anderen Projekten in Gang zu bringen.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Grunde entwickelte sich mit den BRICS eine Gegenbewegung. Es gibt jetzt elf BRICS-Staaten und insgesamt 22 Mitglied- und Partnerstaaten, und etwa 40 weitere haben einen Antrag auf Mitgliedschaft gestellt. Der Globale S\u00fcden, der selbst nach Sch\u00e4tzungen westlicher Denkfabriken 85% der Weltbev\u00f6lkerung ausmacht, ist nun entschlossen, eine neue Weltwirtschaftsordnung zu schaffen, die auf der Tradition der Bewegung der Blockfreien Staaten basiert. Sie wollen nicht mehr nur Rohstoffproduzenten sein, sondern bestehen auf einer Wertsch\u00f6pfungskette in ihren eigenen L\u00e4ndern, mit dem Ziel, in naher Zukunft mit Hilfe der BRICS-Staaten L\u00e4nder mit mittlerem Einkommen zu werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Man sollte meinen, da\u00df das die Menschen sehr gl\u00fccklich macht. Wenn die Armut und Unterentwicklung der Mehrheit der Weltbev\u00f6lkerung beendet wird, sollte jeder, der kein Idiot ist, sehr froh sein. Leider ist das nicht der Fall. Die Leute, die auf einer \u201eunipolaren Welt\u201c bestehen, sehen im Aufstieg Chinas im besonderen, aber auch des Globalen S\u00fcdens allgemein eine Bedrohung f\u00fcr ihre unipolare Weltordnung.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Das geopolitische Denken mu\u00df \u00fcberwunden werden<\/h3>\n\n\n\n<p>Ich pers\u00f6nlich bin schon seit sehr langer Zeit davon \u00fcberzeugt und engagiere mich entsprechend den gr\u00f6\u00dften Teil meines Lebens \u2013 und das ist nicht so kurz \u2013, da\u00df wir nur dann nicht in einem atomaren Weltkrieg enden werden, wenn wir die Geopolitik \u00fcberwinden: diese Idee, ein Land oder eine Gruppe von L\u00e4ndern h\u00e4tte das Recht, auf der Durchsetzung ihrer Interessen zu bestehen \u2013 wenn n\u00f6tig, auch mit milit\u00e4rischen Mitteln \u2013, auch wenn es die Verwirklichung der Interessen eines anderen Landes oder einer anderen Gruppe von L\u00e4ndern beeintr\u00e4chtigt.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieses geopolitische Denken ist \u00fcberall verbreitet. Trump hat es ganz sicher mit seinem \u201eMake America Great Again\u201c, denn das schlie\u00dft andere L\u00e4nder aus. In der Europ\u00e4ischen Union ist es sicher, denn sie sagen, wir m\u00fcssen jetzt die Europ\u00e4ische Union als Gegenpol zu den Vereinigten Staaten, Ru\u00dfland und China aufbauen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich glaube aber nicht, da\u00df es in China genauso ist, denn China versucht nicht, sein System zu exportieren; es versucht nicht, das chinesische Modell zu missionieren. Es ist wertfrei und sagt: \u201eWenn ihr eine Win-Win-Kooperation mit uns wollt, ist das in Ordnung; aber wir werden euch nicht zwingen, unsere Methoden zu \u00fcbernehmen, wenn ihr das nicht wollt.\u201c Tats\u00e4chlich folgen die Chinesen sehr stark den F\u00fcnf Prinzipien der friedlichen Koexistenz, die Grundlage der Bewegung der Blockfreien Staaten. Ob das auch f\u00fcr Ru\u00dfland gilt, das ist eine strittige Frage.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber wir m\u00fcssen diese Gelegenheit unbedingt nutzen und betonen, da\u00df wir einen Punkt in der Geschichte erreicht haben, an dem es wahrscheinlich ist, wenn wir weiter die Geopolitik betreiben, die uns die beiden Weltkriege im 20. Jahrhundert beschert hat, da\u00df wir, wenn wir uns nicht wegen der Ukraine gegenseitig umbringen, es wegen des Nahen Ostens tun werden. Denn wenn es zu einem Krieg zwischen Israel und dem Iran kommt, dann kann das am Ende zum Einsatz von Atomwaffen und zum Dritten Weltkrieg f\u00fchren. Und wenn wir den Konflikt zwischen den Vereinigten Staaten und China nicht beilegen, besteht ebenfalls die potentielle Gefahr einer Eskalation zu einem globalen Atomkrieg. Wir m\u00fcssen diese Gefahr ein f\u00fcr allemal \u00fcberwinden.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die gemeinsame Zukunft der Menschheit<\/h3>\n\n\n\n<p>Ich denke, die M\u00f6glichkeit dazu besteht durchaus, denn Xi Jinping argumentiert schon seit geraumer Zeit, da\u00df wir eine Zukunftsgemeinschaft der Menschheit brauchen. Eine gemeinsame Zukunft \u2013 ich denke, das ist ziemlich offensichtlich. Aufgrund der Existenz von Atomwaffen, des Internets, von Pandemien und der Tatsache, da\u00df man an einem Tag um die Welt fliegen kann, haben wir einen Punkt in der Geschichte erreicht, an dem unsere Schicksale so miteinander verwoben sind, da\u00df man die Probleme der Welt nicht l\u00f6sen kann, indem man nur einige l\u00f6st und andere nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>In der Geschichte gab es immer wieder Zeiten, in denen Zivilisationen untergingen, wie das R\u00f6mische Reich, aber die Menschen in anderen Teilen der Welt wie Indien davon nichts mitbekamen. Es dauerte damals ein oder zwei Jahre, bis die Informationen weitergegeben wurden, und bis die Menschen von solchen Reisen zur\u00fcckkehrten, war viel passiert. Es gab also Kulturen, die untergingen, und andere, die aufstiegen, aber es gab immer eine gewisse Dynamik nach vorne. Aber in der Gegenwart gilt zum ersten Mal: Entweder l\u00f6sen wir unsere Probleme gemeinsam, oder wir sterben alle gemeinsam.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Ideen von Xi Jinping \u2013 eine Globale Sicherheitsinitiative, eine Globale Entwicklungsinitiative und eine Globale Zivilisationsinitiative \u2013 sind die chinesische Art, die Notwendigkeit einer internationalen Sicherheits- und Entwicklungsarchitektur zum Ausdruck zu bringen. Ich habe eine solche internationale Sicherheits- und Entwicklungsarchitektur unmittelbar nach dem Ausbruch des Krieges in der Ukraine vorgeschlagen, weil mir klar war, da\u00df dieser Krieg v\u00f6llig au\u00dfer Kontrolle geraten k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Inzwischen denke ich, da\u00df man die gesamte internationale Debatte, die Beziehungen zwischen den Nationen auf eine v\u00f6llig andere Ebene heben mu\u00df, indem man von der Menschheit als Einheit ausgeht. Dann geht man weiter und l\u00f6st alle Probleme in Bezug auf Territorium, Ethnizit\u00e4t, Religion und regionale Konflikte. Aber man beginnt immer mit der Idee, was das Interesse der ganzen menschlichen Gattung ist; dann kann man alle Probleme auf der unteren Ebene l\u00f6sen.<\/p>\n\n\n\n<p>Pr\u00e4sident Putin hat vor etwa zwei Wochen bei seinem Treffen mit dem FSB, dem russischen Inlandsgeheimdienst, die erstaunliche Aussage gemacht, er glaube aufgrund des russischen Sieges auf dem Schlachtfeld in der Ukraine, da\u00df es jetzt die M\u00f6glichkeit f\u00fcr ein europ\u00e4isches und sogar globales Sicherheitssystem gibt. Ich pers\u00f6nlich denke, da\u00df dies absolut der Fall ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn also die Gespr\u00e4che zwischen Trump und Putin jetzt gut verlaufen \u2013 und wegen der engen strategischen Beziehung zwischen Putin und Xi halte ich jeden Versuch, beide auseinanderzubringen, was einige immer noch f\u00fcr m\u00f6glich halten, f\u00fcr v\u00f6llig sinnlos, das wird nicht passieren. Wenn also die Vereinigten Staaten, Ru\u00dfland und China und damit implizit die BRICS-Staaten, also die Mehrheit der L\u00e4nder des Globalen S\u00fcdens, sich alle einig sind, da\u00df es ein neues Sicherheitssystem geben mu\u00df, dann ist das absolut machbar.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe einen Appell an die europ\u00e4ischen Regierungen und an die f\u00fchrenden Staats- und Regierungschefs der Welt geschrieben, sich unbedingt daf\u00fcr einzusetzen, eine solche internationale Sicherheits- und Entwicklungsarchitektur auf den Tisch zu bringen, so wie mit dem Westf\u00e4lischen Frieden von 1648, der 150 Jahre Religionskrieg in Europa beendete. Das war haupts\u00e4chlich ein Konflikt zwischen Protestanten und Katholiken, an dem alle europ\u00e4ischen Nationen beteiligt waren. Sie erkannten, da\u00df es, wenn sie weiterk\u00e4mpfen w\u00fcrden, niemanden mehr geben w\u00fcrde, der den Sieg genie\u00dfen k\u00f6nnte, weil sie alle tot w\u00e4ren. Ich denke, im Zeitalter der thermonuklearen Waffen ist dies um so mehr der Fall.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich m\u00f6chte euch und andere Organisationen, aber vor allem die Jugend der Welt bitten, diesen Appell aufzugreifen und sich dieses Thema zu Herzen zu nehmen. Sorgt daf\u00fcr, da\u00df wir eine Massenbewegung organisieren, um die Geopolitik zu beenden und zur n\u00e4chsten Stufe der Zivilisation einer neuen Sicherheits- und Entwicklungsarchitektur \u00fcberzugehen, die die Interessen jedes einzelnen Landes auf dem Planeten ber\u00fccksichtigen mu\u00df. Dabei geht es ausdr\u00fccklich nicht nur um Sicherheit, sondern auch um Entwicklung. Deshalb habe ich zehn Prinzipen entworfen, die Grundprinzipien dessen, was getan werden mu\u00df, um eine solche gerechte neue Weltwirtschaftsordnung zu erreichen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich denke, wenn wir einen gro\u00dfen Teil der Jugend der Welt daf\u00fcr gewinnen k\u00f6nnen, das von ihren Regierungen zu fordern, dann k\u00f6nnen wir es schaffen.<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Helga Zepp-LaRouche Helga Zepp-LaRouche, Gr\u00fcnderin des Schiller-Instituts und Ko-Initiatorin der Internationalen Friedenskoalition (IPC), er\u00f6ffnete am 11. M\u00e4rz mit den folgenden Ausf\u00fchrungen eine Online-Diskussion mit jungen politischen Aktivisten aus aller Welt. Die Rede wurde aus dem Englischen \u00fcbersetzt, Zwischen\u00fcberschriften hinzugef\u00fcgt. Hallo euch allen. 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