{"id":105108,"date":"2024-10-28T09:20:51","date_gmt":"2024-10-28T13:20:51","guid":{"rendered":"https:\/\/schillerinstitute.com\/?p=105108"},"modified":"2024-10-28T09:20:53","modified_gmt":"2024-10-28T13:20:53","slug":"tun-dato-seri-dr-mahathir-bin-mohamad-blockfreie-politik-statt-ost-west-konflikt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/blog\/2024\/10\/28\/tun-dato-seri-dr-mahathir-bin-mohamad-blockfreie-politik-statt-ost-west-konflikt\/","title":{"rendered":"Tun Dato Seri Dr. Mahathir bin Mohamad: Blockfreie Politik statt Ost-West-Konflikt"},"content":{"rendered":"\n<p><em>Tun Dato Seri Dr. Mahathir bin Mohamad war 22 Jahre lang Premierminister von Malaysia, von 1981 bis 2003 und dann erneut von 2018 bis 2020. Er war 2003 auch internationaler Generalsekret\u00e4r der Blockfreien-Bewegung und hatte in seiner langen Karriere in Malaysia viele Positionen in der Regierung und im \u00f6ffentlichen Leben inne. Der EIR-Redakteur Michael Billington sprach am 6. Oktober mit Dr. Mahathir, der EIR schon 1999 und 2014 Interviews gegeben hatte, \u00fcber die globale Kriegsgefahr, die wachsenden Spannungen in Ostasien, die Notwendigkeit eines neuen globalen Finanzsystems, die Perspektive der BRICS und den Wiederaufstieg der Blockfreien-Bewegung.<\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-block-embed-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"Dr. Mahathir \u2013 A Non-Aligned Policy Must Replace East VS. West\" width=\"960\" height=\"540\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/it9YQcUHrtU?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture; web-share\" referrerpolicy=\"strict-origin-when-cross-origin\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p>(Leicht gek\u00fcrzte \u00dcbersetzung aus dem Englischen)<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Michael Billington:<\/em><\/strong>&nbsp;(\u2026) Dieses Interview findet in einer Zeit statt, die vielleicht die gr\u00f6\u00dfte Gefahr in der j\u00fcngeren Geschichte, vielleicht sogar in der gesamten Menschheitsgeschichte darstellt, weil wir uns rasch auf einen Krieg zwischen Atomm\u00e4chten zubewegen, der alles Leben auf der Erde zerst\u00f6ren k\u00f6nnte. Die Vereinigten Staaten haben offen erkl\u00e4rt, da\u00df sie Ru\u00dfland \u201eschw\u00e4chen\u201c oder sogar \u201ezerst\u00f6ren\u201c wollen, und Pr\u00e4sident Putin hat auf die Drohung der USA und der NATO, der Ukraine den Einsatz von Langstreckenraketen der NATO tief in russisches Gebiet zu gestatten, mit der Warnung reagiert, Ru\u00dfland w\u00fcrde dies als Angriff der NATO ansehen und entsprechend antworten.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie haben ebenso wie wir von&nbsp;<em>EIR&nbsp;<\/em>gewarnt, da\u00df die Welt auf eine so katastrophale Krise zusteuert, und jetzt sind wir an dem Punkt angelangt. Im Juni sagten Sie der japanischen Nachrichtenagentur&nbsp;<em>Nikkei<\/em>: \u201eWir steuern m\u00f6glicherweise auf einen dritten Weltkrieg zu, denn wenn man Ru\u00dfland zu sehr unter Druck setzt und den Anschein erweckt, Ru\u00dfland erobern zu wollen, dann k\u00f6nnte es sein, da\u00df Ru\u00dfland Atomwaffen einsetzen will. Das w\u00e4re zum Schaden der ganzen Welt.\u201c Wie denken Sie dar\u00fcber und was mu\u00df Ihrer Meinung nach getan werden?<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Dr. Mahathir bin Mohamad:<\/em><\/strong>&nbsp;Das Seltsame daran ist, da\u00df die Westm\u00e4chte und Ru\u00dfland im Krieg gegen Nazi-Deutschland Partner waren. Doch unmittelbar nach der Niederlage Deutschlands gr\u00fcndete die Westm\u00e4chte die NATO als Milit\u00e4rb\u00fcndnis, das sich gegen ihren ehemaligen Partner Ru\u00dfland richtete. Und so wuchs die Spannung. Es scheint, als br\u00e4uchten die Westm\u00e4chte st\u00e4ndig einen Feind. So ging es auch w\u00e4hrend des Kalten Krieges weiter. Und jetzt wollen sie immer noch, da\u00df die ehemaligen L\u00e4nder des Warschauer Pakts der NATO beitreten.<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist eine Bedrohung f\u00fcr Ru\u00dfland, und bekanntlich hat die Ukraine eine sehr lange Grenze mit Ru\u00dfland. Ru\u00dfland hat Einw\u00e4nde gegen den NATO-Beitritt der Ukraine erhoben. Ich sehe nicht ein, warum die Ukraine der NATO beitreten sollte; die Beziehung zu Ru\u00dfland war in Ordnung und die Beziehung zum Westen war auch in Ordnung, also besteht keine Notwendigkeit, der NATO beizutreten. Aber man bestand darauf, da\u00df die Ukraine der NATO beitreten sollte. Ru\u00dfland kam dem zuvor, und jetzt herrscht Krieg zwischen Ru\u00dfland und der Ukraine. Die Ukraine kann diesen Krieg nicht gewinnen, weil Ru\u00dfland seine Niederlage nicht zulassen wird. So k\u00f6nnte eine Situation entstehen, in der jemand nachgeben mu\u00df, weil sonst der Krieg eskaliert und das westliche B\u00fcndnis gegen Ru\u00dfland ins Spiel kommt. Die Haltung dahinter ist, da\u00df der Krieg das Problem l\u00f6sen w\u00fcrde, aber Krieg wird das Problem nicht l\u00f6sen. Kriege f\u00fchren zu gr\u00f6\u00dferen Kriegen, zu einem dritten Weltkrieg. Das ist meine Bef\u00fcrchtung.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Billington:<\/em><\/strong>&nbsp;In der Tat. Gleichzeitig zeigt Israel, da\u00df es sich in keiner Weise an das V\u00f6lkerrecht h\u00e4lt, es begeht einen V\u00f6lkermord an den Pal\u00e4stinensern und versucht nun, den Iran in einen gr\u00f6\u00dferen Krieg zu verwickeln, wobei es wahrscheinlich erwartet, da\u00df die USA mitmachen. Die derzeitige Regierung in Malaysia hat, wie Sie auch, die israelischen Verbrechen scharf verurteilt. Auch das kann in einem Atomkrieg enden. Wie sollte man Ihrer Meinung nach mit der Krise im Nahen Osten umgehen?<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Dr. Mahathir:<\/em><\/strong>&nbsp;Israel verh\u00e4lt sich nur deshalb so, weil es sich der Unterst\u00fctzung der USA sicher sein kann. Jeder, der sich gegen Israel stellt, kann es mit den USA zu tun bekommen, und die USA haben den israelischen V\u00f6lkermord in Gaza offenbar unterst\u00fctzt. Das ist sehr seltsam, denn normalerweise sprechen die USA viel \u00fcber Menschenrechte und dergleichen. Aber im Hinblick auf Israel ist der V\u00f6lkermord in Gaza nur m\u00f6glich, weil die USA ihr Veto einlegten, um zu verhindern, da\u00df Ma\u00dfnahmen gegen Israel ergriffen werden. Deshalb werden wir weiter erleben, da\u00df Israel sich wie eine Gro\u00dfmacht verh\u00e4lt und alle internationalen Gesetze bricht, weil die USA hinter ihm stehen. Tats\u00e4chlich sind es eigentlich die USA, die hinter dem V\u00f6lkermord in Gaza stehen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Billington:<\/em><\/strong>&nbsp;Es gibt noch einen dritten Schauplatz f\u00fcr einen m\u00f6glichen Krieg zwischen Atomm\u00e4chten, n\u00e4mlich Asien, weil die USA unbedingt einen Konflikt mit China heraufbeschw\u00f6ren wollen und fordern, da\u00df die ASEAN (Verband S\u00fcdostasiatischer Nationen) und andere asiatische L\u00e4nder sich ihnen anschlie\u00dfen. Japan und Korea haben schon eine milit\u00e4rische Bindung an die Vereinigten Staaten aufgebaut, und das ASEAN-Mitglied Philippinen hat den USA erlaubt, dort St\u00fctzpunkte einzurichten, w\u00e4hrend Washington sogar gemeinsame Marinepatrouillen im S\u00fcdchinesischen Meer vorschl\u00e4gt, was schnell zu einem offenen milit\u00e4rischen Konflikt zwischen den USA und China f\u00fchren w\u00fcrde. Wie sehen Sie das?<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Dr. Mahathir:<\/em><\/strong>&nbsp;Die Beziehung zwischen China und Taiwan ist ein wenig seltsam, denn China k\u00f6nnte Taiwan eigentlich erobern, wenn es das wollte. Aber China findet, da\u00df Taiwan f\u00fcr China n\u00fctzlich ist, weil Taiwan viel in China investiert, und chinesische Touristen reisen nach Taiwan. Au\u00dferdem hat Taiwan Zugang zu Technologien, an denen China interessiert ist. China beh\u00e4lt also den Anspruch, da\u00df Taiwan ein Teil Chinas ist, macht aber keine Anstalten, Taiwan durch eine Invasion zu \u00fcbernehmen. Man sollte es so belassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Leider hat die Sprecherin des US-Kongresses [Nancy Pelosi] Taiwan besucht, und sie wei\u00df sehr gut, da\u00df das China provoziert. Und genau das ist passiert. China wollte seine milit\u00e4rischen F\u00e4higkeiten unter Beweis stellen, und Taiwan wurde nahegelegt, seine milit\u00e4rischen F\u00e4higkeiten durch den Kauf von mehr Waffen aus den USA zu verbessern. So kam es pl\u00f6tzlich zu einer Versch\u00e4rfung der Spannungen, und nun stehen wir vor einer m\u00f6glichen gewaltsamen Konfrontation zwischen Taiwan und China, die auch die Vereinigten Staaten einbeziehen k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<p>Nat\u00fcrlich verh\u00e4lt sich China manchmal seltsam, etwa mit der Behauptung, das gesamte S\u00fcdchinesische Meer sei ein Teil Chinas. Aber das l\u00e4\u00dft sich nicht durch einen Krieg l\u00f6sen. Man kann es nur durch Verhandlungen l\u00f6sen, denn wenn es zu einem Krieg kommt, w\u00e4re der Schaden f\u00fcr alle ASEAN-L\u00e4nder und f\u00fcr China schrecklich.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich denke also, die USA versuchen, die ASEAN-L\u00e4nder dazu zu bringen, China die Stirn zu bieten. Aber die ASEAN-L\u00e4nder sind sehr schwach und nicht in der Lage, gegen China zu k\u00e4mpfen. Malaysia beispielsweise m\u00f6chte sich den chinesischen Markt erschlie\u00dfen, und das gilt auch f\u00fcr die anderen ASEAN-L\u00e4nder. Warum sollten wir uns also gegen China stellen? Ja, China erhebt Anspruch auf Taiwan, aber sie sind nicht in Taiwan einmarschiert.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Billington:<\/em><\/strong>&nbsp;Was halten Sie von der Situation mit den Philippinen, und wie wirkt sich das auf den Rest der ASEAN aus, da\u00df sie sich auf diese Weise mit den USA gegen China engagieren?<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Dr. Mahathir:<\/em><\/strong>&nbsp;Als China noch ein ganz schwaches Land der Dritten Welt war, hat Malaysia Anspruch auf ein Atoll im S\u00fcdchinesischen Meer erhoben und dort Einrichtungen gebaut. Die Philippinen taten das gleiche mit dem Commodore-Riff, aber sie haben sich zur\u00fcckgezogen. Und als sie sich zur\u00fcckzogen, war das Commodore-Riff unbewohnt, und die Chinesen zogen ein, nachdem sie behauptet hatten, das S\u00fcdchinesische Meer geh\u00f6re ihnen. Aber selbst ein solcher Schritt kann nicht durch einen Krieg gegen China beigelegt werden. Die Philippinen sind nicht in der Lage, gegen China zu k\u00e4mpfen. Und wenn die USA sich einmischen, wird es zu einem neuen Weltkrieg kommen. Daher ist es besser, wenn China und die Philippinen untereinander eine L\u00f6sung aushandeln, ohne die Vereinigten Staaten einzubeziehen.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Den neuen Imperialismus besiegen<\/h3>\n\n\n\n<p><strong><em>Billington:<\/em><\/strong>&nbsp;Die Ursache dieses Augenblicks gro\u00dfer Gefahr ist der zunehmende Zerfall des westlichen Finanzsystems. Die Realwirtschaften der USA und der europ\u00e4ischen L\u00e4nder, allen voran Deutschland, brechen zusammen. Deutschland war fr\u00fcher das industrielle Kraftzentrum Europas, jetzt ist es in einem Zustand der Deindustrialisierung. Sie standen einen Gro\u00dfteil Ihres Lebens im Zentrum des Kampfes gegen die \u00dcbermacht der Spekulation und der Spekulanten. In einem Interview mit meiner Ehefrau Gail im Jahr 1999 sagten Sie: \u201eAls die L\u00e4nder zum ersten Mal beschlossen, ihre W\u00e4hrungen freizugeben und die Wechselkurse dem Markt zu \u00fcberlassen \u2013 das war damals in den 1970er Jahren \u2013, hatte ich schon damals das Gef\u00fchl, da\u00df die Souver\u00e4nit\u00e4t der L\u00e4nder verlorengegangen war.\u201c Sie wissen wahrscheinlich, da\u00df Lyndon LaRouche, als US-Pr\u00e4sident Richard Nixon 1971 den Dollar vom Gold abkoppelte und die freien Wechselkurse einf\u00fchrte und damit das Bretton-Woods-System zerst\u00f6rte, gesagt hat, das werde letztendlich zu einer Wirtschaftsdepression, einem Wirtschaftskollaps und sogar zu einem Krieg f\u00fchren, vielleicht sogar einem atomaren Weltkrieg. Er schlug damals eine R\u00fcckkehr zum Bretton-Woods-System vor, aber statt dessen ging die Deregulierung des Weltfinanzsystems weiter. Ist es jetzt zu sp\u00e4t, um zu Bretton Woods zur\u00fcckzukehren?<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Dr. Mahathir:<\/em><\/strong>&nbsp;Nun, man sollte bedenken, da\u00df der US-Dollar in Bretton Woods mit 35 Dollar je Unze Gold bewertet wurde. Heute liegt der Wert bei 2600 Dollar je Unze Gold, was bedeutet, da\u00df der US-Dollar durch den Markt an Wert verloren hat. Er ist also kein wirklich guter Standard. Wir sollten Gold als Standard verwenden und nicht den US-Dollar. Aber wie Sie wissen, profitieren die USA von der Verwendung des Dollars f\u00fcr die Abwicklung des Handels zwischen Nationen. Vor allem \u00d6l mu\u00df man in US-Dollar abrechnen, was eine Nachfrage nach Dollars schafft und somit seinen Wert erh\u00e4lt. Aber eigentlich hat der US-Dollar keinen echten Wert, er hat sehr stark an Wert verloren.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir brauchen also eine internationale W\u00e4hrung, die auf Gold als Standard basiert. Ich denke, das w\u00fcrde dazu beitragen, den Austausch und Handel zwischen den Nationen zu stabilisieren. Aber nat\u00fcrlich kann der Handel zwischen den Nationen nur aufrechterhalten werden, wenn auf der Welt Frieden herrscht und die Beziehungen zwischen den L\u00e4ndern stabil sind. Jetzt aber haben die USA Ru\u00dfland provoziert und es gibt einen Krieg zwischen Ru\u00dfland und der Ukraine. Au\u00dferdem versuchen sie, einen Krieg zwischen Taiwan und China zu provozieren. Und all diese Aktivit\u00e4ten tragen nicht zur Stabilisierung der Welt bei. (\u2026)<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Billington:<\/em><\/strong>&nbsp;Sie sagten in dem Interview 1999 auch, da\u00df die zunehmende Vorherrschaft der Spekulation auf den M\u00e4rkten \u201esicherlich zu einem neuen Imperialismus f\u00fchren wird, der noch sch\u00e4dlicher und l\u00e4hmender ist als der alte\u201c. Und Sie f\u00fcgten hinzu: \u201eWir erleben eine neue Form von Imperialismus, bei dem die Waffe, die tats\u00e4chlich eingesetzt wird, Kapital ist \u2013 Kapital, das benutzt werden kann, um L\u00e4nder so zu verarmen, da\u00df sie um Hilfe betteln m\u00fcssen. Und wenn sie betteln, dann kann man ihnen Bedingungen auferlegen.\u201c Seit Ihrem Kommentar im Jahr 1999 scheint sich die Lage noch verschlimmert zu haben. Was meinen Sie dazu?<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Dr. Mahathir:<\/em><\/strong>&nbsp;Wie Sie wissen, stammt diese Idee eines neuen Imperialismus von Sukarno [Pr\u00e4sident von Indonesien 1950-67]. Er war der erste, der den Begriff \u201eNeokolonialismus\u201c pr\u00e4gte. Dieser Begriff bezieht sich auf die Steuerung des Handels, des Handels zwischen L\u00e4ndern. Malaysia beispielsweise produziert Kautschuk, aber der Markt daf\u00fcr ist in London, und Malaysia profitiert nicht in vollem Umfang von der Kautschukproduktion, weil der gesamte Handel in London abgewickelt wird. Dort kann der Wert des Kautschuks erh\u00f6ht oder verringert werden. Und wenn sie das tun, hat das Auswirkungen auf Malaysia.<\/p>\n\n\n\n<p>Das gleiche gilt f\u00fcr die W\u00e4hrung. Bekanntlich hei\u00dft es, eine W\u00e4hrung soll aufgrund des \u201eMarktes\u201c schwanken. Aber es liegt nicht wirklich am Markt, es liegt an den Devisenh\u00e4ndlern. F\u00fcr sie lohnt es sich, Geld mit Leerverk\u00e4ufen zu verdienen. Sie schaffen Geld, das sie nicht haben, und verkaufen die W\u00e4hrung auf dem Markt, wodurch der Wert der W\u00e4hrung sinkt. Und dann kaufen sie nat\u00fcrlich das billigere Geld, um es dem urspr\u00fcnglichen Kunden zu liefern, der zu einem h\u00f6heren Preis gekauft hat. Genau das ist w\u00e4hrend der W\u00e4hrungskrise passiert. Deshalb haben wir beschlossen, da\u00df sie nicht mit unserer W\u00e4hrung handeln sollten.&nbsp;<em>Wir sollten unseren Wert festlegen<\/em>,&nbsp;<em>nicht die Devisenh\u00e4ndler.<\/em>&nbsp;Es liegt nicht am Markt, sondern an den Devisenh\u00e4ndlern.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Billington:<\/em><\/strong>&nbsp;Richtig. In dieser Hinsicht hatten Sie in den 90er Jahren einen ber\u00fchmten Konflikt mit dem IWF, den Hedgefonds und den Devisenh\u00e4ndlern, die einen Finanzkrieg gegen Malaysia und andere Entwicklungsl\u00e4nder f\u00fchrten. K\u00f6nnen Sie beschreiben, was Sie getan haben und welche Ergebnisse das hatte?<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Dr. Mahathir:<\/em><\/strong>&nbsp;Wie Sie wissen, haben die Devisenh\u00e4ndler 1997 und 1998 die malaysische W\u00e4hrung abgewertet. Wir waren \u00fcber das Verhalten der malaysischen W\u00e4hrung und speziell \u00fcber die Abwertung erstaunt, bis wir herausfanden, da\u00df die Devisenh\u00e4ndler dahinter steckten. Und wenn es die Devisenh\u00e4ndler sind, m\u00fcssen wir uns nicht an die internationale Praxis halten. Wir waren der Meinung, da\u00df wir den Devisenhandel stoppen sollten, und genau das haben wir getan. Und tats\u00e4chlich, als wir den Wechselkurs festlegten, endete der Devisenhandel, er kam vollst\u00e4ndig zum Erliegen.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber um das zu tun, mu\u00df man \u00fcber finanzielle St\u00e4rke verf\u00fcgen. Malaysia hatte riesige Ersparnisse. Als wir es taten, konnten wir nicht auf den US-Dollar zu dem Preis zugreifen, den wir f\u00fcr den Wechselkurs festgelegt hatten, aber wir hatten genug Dollar in unseren Ersparnissen, um die Handelsnachfrage zu decken.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Billington:<\/em><\/strong>&nbsp;Im Rahmen dieses Konflikts hielten Sie eine Rede auf einer IWF-Konferenz in Hongkong, in der Sie \u00fcber das sprachen, was Sie gerade beschrieben haben. Sie beschrieben die W\u00e4hrungsspekulation \u2013 was sie mit dem malaysischen Ringgit machte \u2013 und erkl\u00e4rten, warum Sie W\u00e4hrungskontrollen eingef\u00fchrt hatten. Das&nbsp;<em>Asian Wall Street Journal<\/em>&nbsp;(diese asiatische Ausgabe der Zeitung gibt es heute nicht mehr) ver\u00f6ffentlichte am Tag Ihrer ber\u00fchmten Rede in Hongkong auf der Titelseite einen Artikel mit der \u00dcberschrift \u201eLaRouche-Bericht tr\u00e4gt zu malaysischen Angriffen auf Soros bei\u201c. In dem Artikel wurde behauptet, Ihr Angriff auf Soros stamme \u201eaus einer ungew\u00f6hnlichen Quelle von Publikationen, die von Lyndon LaRouche jun. herausgegeben werden\u201c, einem \u201eExzentriker\u201c und \u201eVerschw\u00f6rungstheoretiker\u201c. Sie erw\u00e4hnen darin nicht, was Soros \u00fcber Sie gesagt hat: da\u00df er Sie \u201eeine Bedrohung f\u00fcr sein eigenes Land\u201c nannte und voraussagte, Ihre Politik w\u00fcrde Malaysia in den Ruin treiben. Ist das geschehen? Und wie sehen Sie diese Vorg\u00e4nge aus heutiger Sicht?<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Dr. Mahathir:<\/em><\/strong>&nbsp;Nun, wir haben versucht, herauszufinden, wer verantwortlich war, und wir fanden heraus, da\u00df Soros beispielsweise Italien und die italienische Lira angegriffen hatte. Er wurde in Italien sogar zur&nbsp;<em>Persona non grata<\/em>&nbsp;erkl\u00e4rt. Er griff auch das britische Pfund an. Soros war also daf\u00fcr verantwortlich, die Werte der W\u00e4hrungen zu ver\u00e4ndern, und er mu\u00dfte auch f\u00fcr die Abwertung der malaysischen W\u00e4hrung verantwortlich sein. Ich habe bei diesem Treffen seinen Namen erw\u00e4hnt, aber er stritt es ab. Ob es wahr ist oder nicht, wei\u00df ich nicht. Wir kamen jedenfalls zu dem Schlu\u00df, da\u00df die Devisenh\u00e4ndler f\u00fcr die Abwertung unserer W\u00e4hrung verantwortlich waren und da\u00df Ma\u00dfnahmen ergriffen werden mu\u00dften, um sie daran zu hindern, mit malaysischer W\u00e4hrung zu handeln.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Billington:<\/em><\/strong>&nbsp;Und es hat funktioniert.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Dr. Mahathir:<\/em><\/strong>&nbsp;Ja, das tat es. Sp\u00e4ter gab sogar der IWF zu, da\u00df das, was Malaysia getan hat, richtig war.<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Die L\u00f6sung der gemeinsamen Probleme der Menschheit<\/h3>\n\n\n\n<p><strong><em>Billington:<\/em><\/strong>&nbsp;Helga Zepp-LaRouche, die Ehefrau des verstorbenen Lyndon LaRouche, die jetzt das Schiller-Institut und die internationale LaRouche-Bewegung leitet, besteht darauf, da\u00df nur eine neue Sicherheits- und Entwicklungsarchitektur f\u00fcr alle Nationen diesen Absturz in Krieg und wirtschaftliche Not aufhalten kann. Sie vergleicht das mit dem Westf\u00e4lischen Frieden von 1648, der die Religionskriege in Europa beendete, indem er den Begriff der souver\u00e4nen Nationalstaaten etablierte, in denen die Interessen jedes Landes auch die Interessen der anderen einschlie\u00dfen m\u00fcssen. Was halten Sie davon?<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Dr. Mahathir:<\/em><\/strong>&nbsp;Ich habe mich nicht eingehend mit ihren Schriften befa\u00dft, aber ich denke, da\u00df einiges an Substanz in dem steckt, was sie sagt. Ich denke, wir sind heutzutage mehr denn je untereinander verbunden. Was also in einem Land geschieht, wirkt sich auf alle anderen L\u00e4nder der Welt aus. Einerseits ist die Welt zu einem gro\u00dfen Markt geworden, und man kann mit dem Handel mit der Welt einen Haufen Geld verdienen. Andererseits kann sich nat\u00fcrlich das, was in einem Land passiert, auf die anderen L\u00e4nder der Welt auswirken. Und wenn die USA eine Entscheidung treffen, betrifft uns das.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir m\u00fcssen also st\u00e4ndig darauf achten, was andere L\u00e4nder tun, denn was auch immer sie tun, wird sich auf die eine oder andere Weise auf uns auswirken. Wenn sie beispielsweise Sanktionen gegen ein Land verh\u00e4ngen, leidet nicht nur dieses Land, auch andere L\u00e4nder, die mit diesem Land Handel treiben, leiden darunter. Und Malaysia als Handelsnation leidet sehr, wenn Sanktionen gegen ein Land verh\u00e4ngt werden, auch gegen Ru\u00dfland oder den Iran. Wir leiden, obwohl es nicht die Absicht war, uns f\u00fcr irgend etwas zu bestrafen, wir haben nichts falsch gemacht. Aber Tatsache ist, da\u00df andere L\u00e4nder den Preis zahlen m\u00fcssen, wenn Sanktionen verh\u00e4ngt werden.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Billington:<\/em><\/strong>&nbsp;Helga hat auch \u201eZehn Prinzipien einer neuen internationalen Sicherheits- und Entwicklungsarchitektur\u201c vorgeschlagen. Sie argumentiert dabei, da\u00df die Bev\u00f6lkerung der westlichen Welt so sehr mit Banalit\u00e4ten indoktriniert wurde, insbesondere seit dem Beginn der Rock-Drogen-Sex-Gegenkultur in den 1960er Jahren, da\u00df wir Vernunft und klassische Kultur wieder einf\u00fchren m\u00fcssen, um diese Krise zu \u00fcberwinden. Sie spricht also \u00fcber die Notwendigkeit der Entwicklung aller L\u00e4nder, die Notwendigkeit der Bildung f\u00fcr alle Menschen, der Gesundheitsversorgung f\u00fcr alle Menschen usw.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber es enth\u00e4lt auch als zehntes Prinzip dies: \u201eDie Grundannahme f\u00fcr das neue Paradigma ist, da\u00df der Mensch grunds\u00e4tzlich gut und in der Lage ist, die Kreativit\u00e4t seines Geistes und die Sch\u00f6nheit seiner Seele unendlich zu vervollkommnen. Und da\u00df er die fortschrittlichste geologische Kraft im Universum ist, was beweist, da\u00df die Gesetzm\u00e4\u00dfigkeit des Geistes und die des physischen Universums in \u00dcbereinstimmung und Koh\u00e4sion stehen und da\u00df alles B\u00f6se das Ergebnis mangelnder Entwicklung ist und daher \u00fcberwunden werden kann.\u201c Diese Idee sei f\u00fcr alle gro\u00dfen Religionen der Welt von grundlegender Bedeutung, sei jedoch in den hedonistischen Ideologien, die heute den Westen beherrschen, verlorengegangen. Wie denken Sie dar\u00fcber?<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Dr. Mahathir:<\/em><\/strong>&nbsp;Wenn man sich die Welt heute ansieht, ist sie \u201egeschrumpft\u201c, wir sind eine sehr kleine Welt geworden. Wir sind alle Nachbarn und brauchen die Vereinten Nationen mehr denn je, um unsere Probleme zu l\u00f6sen. Leider wurden die Vereinten Nationen geschaffen, um die Gro\u00dfm\u00e4chte zu unterst\u00fctzen, die vor 70 bis 80 Jahren den Krieg gewonnen haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich denke, die Welt sollte nicht durch das, was vor 70-80 Jahren passiert ist, eingeschr\u00e4nkt werden. Wir sollten niemandem in irgendeinem Land ein Vetorecht einr\u00e4umen. Die Stimme wird jedem gleicherma\u00dfen gegeben, unabh\u00e4ngig davon, ob er reich oder arm ist, ob er Arbeiter oder Kapitalist ist. Jeder hat eine Stimme.<\/p>\n\n\n\n<p>In der UNO stellen wir fest, da\u00df f\u00fcnf L\u00e4nder m\u00e4chtiger sind als der Rest der Welt. Jedes dieser L\u00e4nder kann die 190 anderen blockieren. Das ist v\u00f6llig undemokratisch. Wenn wir also eine stabilere und friedlichere Welt wollen, m\u00fcssen wir diese Vetorechte abschaffen und vielleicht einige Bestimmungen der Vereinten Nationen \u00e4ndern \u2013 oder sogar eine ganz neue Organisation gr\u00fcnden, in der niemand ein Vetorecht hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Es wird immer wieder \u00fcber eine Art Weltregierung gesprochen. Heutzutage gibt es viele gemeinsame Probleme, die uns alle betreffen, alle L\u00e4nder. Zum Beispiel betrifft der Klimawandel alle, COVID-19 betrifft alle. Wir sp\u00fcren die Auswirkungen weitverbreiteter Krankheiten, einer W\u00e4hrungskrise usw. Jedes Land kann mit den einfacheren Verbrechen umgehen, die darin begangen werden, aber in Bezug auf internationale gemeinsame Probleme f\u00fcr die Welt brauchen wir eine neue Beh\u00f6rde mit Einflu\u00df, die sich mit den Problemen befassen kann. Es ist zum Beispiel inakzeptabel, da\u00df Israel offen V\u00f6lkermord begehen kann und die Welt nichts dagegen unternimmt. Das zeigt, da\u00df wir nicht verstehen, wie klein die Welt geworden ist und da\u00df alles, was in irgendeinem Teil der Welt geschieht, auch den ganzen Rest der Welt betrifft.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Billington:<\/em><\/strong>&nbsp;Sie wissen sicher, da\u00df die UN-Vollversammlung mit \u00fcberw\u00e4ltigender Mehrheit daf\u00fcr gestimmt hat, da\u00df Israel die Besatzung beenden soll, nicht nur den aktuellen V\u00f6lkermord, nat\u00fcrlich auch den Krieg, sondern auch die Besatzung, die von Anfang an illegal war. Diese Abstimmung fand in der Vollversammlung statt, aber sie hat keine Durchsetzungsbefugnis. Die meisten Menschen sind der Meinung \u2013 wie Sie bereits angedeutet haben \u2013, da\u00df leider die Gro\u00dfm\u00e4chte, die davon profitieren, und speziell die USA, so etwas einfach ignorieren, und da\u00df deshalb nichts passiert. Haben Sie dazu irgendwelche Empfehlungen?<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Dr. Mahathir:<\/em><\/strong>&nbsp;Nun, in anderen L\u00e4ndern, in Bosnien zum Beispiel und auch in vielen afrikanischen L\u00e4ndern, entsendet die UNO eine Friedenstruppe, um die K\u00e4mpfer voneinander zu trennen. Aber im Fall von Gaza wurde keine Friedenstruppe nach Gaza geschickt, und es bleibt den Israelis \u00fcberlassen, zu tun, was sie wollen. Tats\u00e4chlich hat [der israelische Premierminister] Netanjahu [US-Pr\u00e4sident] Biden einfach ignoriert und die T\u00f6tungen fortgesetzt, ja sogar eskaliert, als dieser einen Waffen\u00adstillstand vorschlug. Und jetzt hat sich der Konflikt auf den Libanon ausgeweitet. Ich kann mir nicht vorstellen, da\u00df ein so kleines Land wie Israel sich den Gef\u00fchlen der ganzen Welt, der Meinung der ganzen Welt widersetzen kann. Das kann nur geschehen, weil hinter Israel eine Gro\u00dfmacht steht, die ein Veto hat und die gesamten Vereinten Nationen hemmt. (\u2026)<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">BRICS und die Bewegung der Blockfreien<\/h3>\n\n\n\n<p><strong><em>Billington:<\/em><\/strong>&nbsp;Lassen Sie mich etwas weiter ausholen. Sie haben erw\u00e4hnt, da\u00df Sukarno die Frage des Neuen Imperialismus oder der neuen Form des Kolonialismus aufgeworfen hat. Wie Sie sicher wissen, berief er 1955 die sogenannte Bandung-Konferenz ein, die Asien-Afrika-Konferenz, die erste Zusammenkunft ehemaliger Kolonien, die heute L\u00e4nder sind, ohne ihre Kolonialherren. Auf dieser ber\u00fchmten Konferenz rief er zu dem auf, was schlie\u00dflich zur sog. \u201eBewegung der Blockfreien Staaten\u201c wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieser Geist wird in letzter Zeit von vielen wiederbelebt, u.a. auch von Malaysia, das sich an den Bem\u00fchungen zur Erneuerung der Blockfreien-Bewegung beteiligt hat. Er wird auch wiederbelebt in Form der neuen BRICS-Vereinigung und der vielen, vielen L\u00e4nder des Globalen S\u00fcdens, die BRICS beitreten wollen. Ihre Grundprinzipien sind den F\u00fcnf Prinzipien der friedlichen Koexistenz sehr \u00e4hnlich, die von den L\u00e4ndern auf der Bandung-Konferenz angenommen wurden. Darauf weist auch Helga Zepp-LaRouche oft hin: da\u00df Sukarnos Rede bei dieser Veranstaltung im wesentlichen ein Aufruf zu einer neuen Weltordnung war, die auf einem solchen Prinzip beruht, die Rechte aller L\u00e4nder zu achten. Wie sehen Sie die Geschichte der Bewegung der Blockfreien und die aktuelle Form dieser Bewegung mit den BRICS?<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Dr. Mahathir:<\/em><\/strong>&nbsp;Die Welt ist immer noch in zwei sich gegen\u00fcberstehende Bl\u00f6cke geteilt, den Osten und den Westen. Und andere L\u00e4nder f\u00fchlen sich unter Druck gesetzt, sich dem einen oder anderen Block anzuschlie\u00dfen. Aber diese L\u00e4nder wollen nicht in die Konfrontation zwischen den USA und China und Ru\u00dfland verwickelt werden. Deshalb ist es wieder an der Zeit, \u00fcber die Blockfreiheit nachzudenken, wie sie von Sukarno vorgeschlagen wurde. Das ist auch heute noch relevant. Wir wollen weg von dieser Konfrontation, weil sie nicht gut f\u00fcr uns ist. Wir wollen eine stabile Welt, in der wir durch Handel mit der ganzen Welt wachsen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Welt hingegen in zwei Teile zu teilen und dann Sanktionen zu verh\u00e4ngen und sogar milit\u00e4rische Ma\u00dfnahmen zu ergreifen und all das, das ist sehr, sehr schlecht. Das sind keine Wege, um die Probleme der Welt zu l\u00f6sen. Wir brauchen eine stabile Welt. Wir brauchen keine Bl\u00f6cke, Ost oder West, sondern eine Welt, in der alle gleich sind. Und sie sollten alle ihre Probleme durch die Vereinten Nationen ohne das Veto l\u00f6sen. Das ist es, was wir brauchen. Aber da wir die Vereinten Nationen nicht \u00e4ndern konnten, haben sie die BRICS gegr\u00fcndet. Und auch das ist eine andere Art der Blockfreiheit.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Billington:<\/em><\/strong>&nbsp;Glauben Sie, da\u00df Malaysia bei dem Treffen in diesem Monat BRICS beitreten wird?<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Dr. Mahathir:<\/em><\/strong>&nbsp;Ja, sie haben sich dort beworben. Ich wei\u00df nicht, welche Kriterien f\u00fcr einen Beitritt gelten, aber Malaysia glaubt auf jeden Fall an die Blockfreiheit.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Billington:<\/em><\/strong>&nbsp;Sehr interessant. M\u00f6chten Sie unseren Lesern und Zuschauern noch etwas anderes mit auf den Weg geben? Ich wei\u00df, da\u00df Sie&nbsp;<em>EIR<\/em>&nbsp;einen Gro\u00dfteil Ihres Lebens immer wieder verfolgt haben. Was sind Ihre heutigen Gedanken f\u00fcr unsere Zuschauer?<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Dr. Mahathir:<\/em><\/strong>&nbsp;Ich denke, da\u00df diese Konfrontation zwischen Ost und West aufh\u00f6ren sollte. Wir sollten die Welt nicht in zwei Teile teilen. Und wir sollten eine funktionsf\u00e4hige UNO haben, die kein Vetorecht hat. Und nat\u00fcrlich mu\u00df die Welt, wenn ein Land als widerspenstig angesehen wird, wie die Israelis, Ma\u00dfnahmen ergreifen, um diesem Morden ein Ende zu setzen. Sie haben bereits 42.000 Pal\u00e4stinenser get\u00f6tet und jetzt sind weitere im Libanon lebende Pal\u00e4stinenser ins Visier genommen worden, und die Welt beweist im Grunde, da\u00df sie nicht die Kraft hat, etwas dagegen zu tun. Es ist nicht angemessen, da\u00df zivilisierte Menschen dieses Morden akzeptieren und nichts dagegen unternehmen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong><em>Billington:<\/em><\/strong>&nbsp;Ja. Wir sind definitiv entschlossen, diese grundlegenden Probleme, mit denen die Menschheit konfrontiert ist, zu l\u00f6sen. Wie ich bereits zu Beginn sagte, ist dies vielleicht der gr\u00f6\u00dfte Moment der Gefahr, dem die Menschheit jemals ausgesetzt war, weil wir uns im Atomzeitalter befinden und einige Staatsf\u00fchrer so wahnsinnig sind zu glauben, da\u00df sie Probleme durch Krieg l\u00f6sen k\u00f6nnen, sogar mit Atomwaffen. Das w\u00fcrde das Ende der Zivilisation bedeuten. Wir sch\u00e4tzen es deshalb sehr, da\u00df Sie sich weiterhin daf\u00fcr einsetzen, Ihrer Stimme Geh\u00f6r zu verschaffen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir rufen die B\u00fcrger der USA und aller westlichen L\u00e4nder auf, zu erkennen, da\u00df ihr eigenes Schicksal davon abh\u00e4ngt, mit Ru\u00dfland und China zusammenzuarbeiten, anstatt gegen sie Krieg zu f\u00fchren, und tats\u00e4chlich die Art von weltweiter Zusammenarbeit zu erreichen, die wir f\u00fcr eine friedliche Welt brauchen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich danke Ihnen also vielmals. Wir werden dieses Interview weit verbreiten. Viele, viele Menschen freuen sich darauf, Ihre Worte zu h\u00f6ren. Es ist schon lange her, da\u00df wir die Gelegenheit hatten, so zu sprechen, aber ich kann Ihnen versichern, da\u00df die wachsende Bewegung, die wir vertreten, dies sehr zu sch\u00e4tzen wei\u00df. (\u2026)<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tun Dato Seri Dr. Mahathir bin Mohamad war 22 Jahre lang Premierminister von Malaysia, von 1981 bis 2003 und dann erneut von 2018 bis 2020. 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