{"id":104310,"date":"2024-09-09T07:20:57","date_gmt":"2024-09-09T11:20:57","guid":{"rendered":"https:\/\/schillerinstitute.com\/?p=104310"},"modified":"2024-09-09T07:25:55","modified_gmt":"2024-09-09T11:25:55","slug":"sperrt-die-kriegsmeute-in-den-zwinger","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/blog\/2024\/09\/09\/sperrt-die-kriegsmeute-in-den-zwinger\/","title":{"rendered":"Sperrt die Kriegsmeute in den Zwinger!"},"content":{"rendered":"\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Bericht vom 66. Treffen der Internationalen Friedenskoalition am 6. September 2024<\/h3>\n\n\n\n<p>Den Mitschnitt der Veranstaltung finden Sie <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=2yZnO-JYGn4\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=2yZnO-JYGn4\" target=\"_blank\">hier auf englisch<\/a>.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf der 66. w\u00f6chentlichen Online-Sitzung der Internationalen Friedenskoalition (IPC) am 6. September diskutierte eine hochkar\u00e4tige Gruppe von Wissenschaftlern, Milit\u00e4rs und Politikern \u00fcber verschiedene Facetten des Wahnsinns der politischen F\u00fchrung in den USA und Europa, deren selbstm\u00f6rderische Politik Oberst Larry Wilkerson treffend mit dem Shakespeare-Zitat beschrieb: \u201eMord rufen, und des Krieges Hund\u2018 entfesseln\u201c.<sup>1<\/sup><\/p>\n\n\n\n<p>Die Gr\u00fcnderin des Schiller-Instituts, <strong>Helga Zepp-LaRouche<\/strong>, er\u00f6ffnete die Sitzung mit der Warnung: \u201eDas Ziel ist es, Ru\u00dfland eine strategische Niederlage zuzuf\u00fcgen\u201c \u2013 und angesichts von Ru\u00dflands Status als nukleare Supermacht sei das unm\u00f6glich, ohne einen Atomkrieg zu beginnen. Eine ma\u00dfgebliche Rolle spielten dabei die Briten, so habe die russische Regierungssprecherin Maria Sacharowa k\u00fcrzlich erkl\u00e4rt, London stecke hinter den Drohnenangriffen und der st\u00e4ndigen Eskalation im Ukraine-Krieg. Pr\u00e4sident Biden habe dem US-Kongre\u00df eine \u00c4nderung des amerikanisch-britischen Verteidigungsabkommens von 1958 vorgelegt, um es dauerhaft zu machen, anstatt es alle zehn Jahre zu verl\u00e4ngern, um dieses Abkommen \u201eTrump-sicher\u201c zu machen.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie machte die Teilnehmer auf Bidens neue Atomwaffendoktrin aufmerksam, die so geheim ist, da\u00df offenbar keine elektronische Version davon existiert. Aus Gespr\u00e4chen mit Milit\u00e4rexperten w\u00fc\u00dften wir, da\u00df die Entscheidung, Raketen in Deutschland zu stationieren, schon 2021 vorbereitet wurde. Trumps Nationale Sicherheitsstrategie (NSS) von 2017 habe zum ersten Mal Ru\u00dfland und China als geopolitische Rivalen definiert, 2018 folgte eine Nationale Verteidigungsstrategie (NDS) zur Modernisierung der Atomwaffen. Im Gegenzug habe Ru\u00dfland die Einf\u00fchrung neuer Waffensysteme angek\u00fcndigt, darunter Hyperschallraketen. 2022 sei dann in der <em>Nuclear Policy Review <\/em>festgelegt worden, da\u00df die USA Atomwaffen zur \u201eVerteidigung ihrer vitalen Interessen\u201c einsetzen k\u00f6nnen, und der britische Verteidigungsminister Mark Lancaster habe das gleiche f\u00fcr die britische Regierung verk\u00fcndet. Deutschland habe die j\u00fcngsten \u00c4nderungen der US-Politik in typisch vorauseilendem Gehorsam \u00fcbernommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Im August 2019 seien die USA dann aus dem INF-Vertrag \u00fcber die Begrenzung nuklearer Mittelstreckenraketen ausgetreten. Zepp-LaRouche forderte, da\u00df die USA und Ru\u00dfland die gegenseitigen Inspektionen ihrer Atomwaffen wieder einf\u00fchren.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Dr. Ted Postol,<\/strong> emeritierter MIT-Professor und einer der weltweit f\u00fchrenden Atomwaffenexperten, betonte, mit der j\u00fcngsten Aufr\u00fcstung w\u00fcrden die amerikanischen Kernwaffen zu \u201eWaffen f\u00fcr einen \u00fcberraschenden Pr\u00e4ventivschlag\u201c. Die USA h\u00e4tten mit gro\u00dfem Aufwand, einer Technik namens <em>super-fuze<\/em> (\u201eSuper-Z\u00fcnder\u201c), verbesserte Waffen entwickelt, die Raketen im Silo pr\u00e4ventiv zerst\u00f6ren k\u00f6nnen. Einen solchen Ansatz w\u00fcrde nur jemand verfolgen, der einen Atomkrieg f\u00fchren und gewinnen will \u2013 eine v\u00f6llig verr\u00fcckte Geisteshaltung. Jeder russische Offizier k\u00f6nne nur zu dem Schlu\u00df kommen, da\u00df die USA einen Angriff vorhaben.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Oberst a.D. Larry Wilkerson,<\/strong> ehemaliger Stabschef von US-Au\u00dfenminister Colin Powell, erinnerte sich an Gespr\u00e4che mit Powell \u00fcber die Nationale Sicherheitsstrategie von 2002, vor der er damals warnte: \u201eWir sind auf dem Gipfel des Berges, und wenn wir sehen, da\u00df sich jemand am Fu\u00df des Berges r\u00fchrt, werden wir ihn t\u00f6ten&#8230; Wir werden in etwas hineingezogen, das anfangs konventionell ist&#8230;, aber sobald wir anfangen zu verlieren \u2013 und das werden wir \u2013, werden wir auf Atomwaffen zur\u00fcckgreifen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Heute h\u00f6re er zum ersten Mal seit dem Kalten Krieg hochrangige Offiziere wieder \u00fcber den \u201eNutzen von Atomwaffen\u201c sprechen, die f\u00fcr die R\u00fcstungsunternehmen sehr lukrativ seien. In den Jahren 1991-92, als sowohl die USA als auch Ru\u00dfland viele Atomwaffen verschrotteten, habe er selbst gesehen, wie das die F\u00fchrung des Milit\u00e4risch-Industriellen Komplexes \u201ezu Tode erschreckte\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Der in Dresden geborene <strong>Oberst a.D. Prof. Dr. Wilfried Schreiber,<\/strong> Senior Research Fellow am WeltTrends Institut f\u00fcr Internationale Politik in Potsdam, berichtete anschlie\u00dfend, Milit\u00e4rhistorikern zufolge sei Dresden als eines der ersten Ziele f\u00fcr eine amerikanische Atombombe vorgesehen gewesen, aber der Krieg endete, bevor es dazu kommen konnte. Jetzt sei die Gefahr eines Atomkriegs wieder da, akuter als jemals zuvor. Deutschland gehe mit der Stationierung von Raketen mit Reichweite bis Moskau ein gr\u00f6\u00dferes Risiko ein als jedes andere Land, denn nach der milit\u00e4rischen Logik seien die Orte, an denen diese modernen Systeme stationiert sind, die wichtigsten Angriffsziele. Die einseitige Entscheidung von Bundeskanzler Scholz, diese Raketen einfach zu akzeptieren, bedeute, da\u00df die deutsche Demokratie versagt hat.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Oberstleutnant a.D. Ralph Bosshard <\/strong>von der Schweizer Armee, Berater f\u00fcr milit\u00e4risch-strategische Fragen, verglich die Entscheidung von Biden und Scholz f\u00fcr die Raketenstationierung in Deutschland mit dem Vorgehen von Bundeskanzler Helmut Schmidt 1979. Der habe der Stationierung von Pershing-II-Raketen zugestimmt, gleichzeitig aber Verhandlungen gef\u00fchrt, die dann in den INF-Vertrag m\u00fcndeten. Biden und Scholz hingegen wollten jedoch stationieren, ohne zu verhandeln. Bosshard betonte, die \u201eEnthauptungsschl\u00e4ge\u201c, wie der schockartige Angriff der USA im Irakkrieg, h\u00e4tten die UN-Charta geschw\u00e4cht. \u201eDie NATO ist nichts weiter als ein sicherer Hafen, hinter dem westliche M\u00e4chte ihre geopolitischen Ambitionen verfolgen&#8230; Europa sollte seine Lektion lernen und sein Schicksal nicht bedingungslos an die Global Players ketten.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Zepp-LaRouche zeigte sich bewegt von den \u00c4u\u00dferungen ihres Landsmannes Prof. Schreiber; er habe \u201edas Herz vieler Menschen in Deutschland ber\u00fchrt\u201c. Im Zeitalter der thermonuklearen Waffen sei der Krieg so barbarisch geworden, da\u00df er f\u00fcr immer ge\u00e4chtet werden mu\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p>Der New Yorker Kongre\u00dfkandidat<strong> Jos\u00e9 Vega<\/strong> fragte Oberst Wilkerson, ob jemand im US-Au\u00dfenministerium oder einer anderen Beh\u00f6rde es genauso machen k\u00f6nnte wie vor Jahrzehnten Daniel Ellsberg, der Pl\u00e4ne zum Einsatz von Atomwaffen gegen China aufdeckte. Wilkerson antwortete, Ellsberg sei \u201eein Held par excellence\u201c. Die USA \u201esind das einzige Land der Welt, das die Welt in Lehen aufteilt und f\u00fcr jedes Lehen einen Vier-Sterne-General einsetzt\u201c. Die USA h\u00e4tten Pl\u00e4ne gehabt, in L\u00e4nder im ganzen Nahen Osten einzumarschieren, wenn sie den Irak leichter besiegt h\u00e4tten. Die j\u00fcngsten \u00c4u\u00dferungen von Au\u00dfenminister Blinken \u00fcber die \u201eUnantastbarkeit von Grenzen\u201c seien der Gipfel der Heuchelei.<\/p>\n\n\n\n<p>Postol erg\u00e4nzte, die Atomkriegsplanung sei heute ein Ritual von Leuten, die keine Ahnung von der tats\u00e4chlichen physikalischen Wirkung von Atomwaffen haben. Nebenwirkungen, wie etwa massive Feuerst\u00fcrme, w\u00fcrden gar nicht in die Planung einbezogen. \u201eSie haben nicht einmal die grundlegenden physikalischen Auswirkungen richtig eingesch\u00e4tzt\u201c, sagte er. Wilkerson meinte daraufhin: \u201eMeine Erfahrung aus 31 Jahren Milit\u00e4rdienst ist, da\u00df ich mehr Angst vor der zivilen F\u00fchrung habe als vor dem Milit\u00e4r\u201c, worauf Postol antwortete: \u201eIch auch!\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Botschafter a.D. Jack Matlock, <\/strong>ein bekannter Experte der russischen Geschichte und Kultur, den Pr\u00e4sident Reagan f\u00fcr den wichtigen Posten des US-Botschafters in der Sowjetunion ausw\u00e4hlte, gab einen \u00dcberblick \u00fcber die Ereignisse nach dem Untergang der UdSSR. US-Au\u00dfenminister James Baker und seine Kollegen h\u00e4tten Staatschef Gorbatschow versichert, da\u00df die NATO sich keinen Zentimeter nach Osten ausweiten w\u00fcrde. Das Problem f\u00fcr Ru\u00dfland sei nicht die NATO-Erweiterung an sich, sondern die Einrichtung von US- oder NATO-Milit\u00e4rbasen in diesen L\u00e4ndern. Eine besonders gro\u00dfe Provokation sei die Entscheidung der westlichen M\u00e4chte gewesen, sich in die Politik der Ukraine einzumischen.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Donald Ramotar, <\/strong>ehemaliger Pr\u00e4sident von Guyana, bekundete seine Bewunderung f\u00fcr Matlock und fragte, inwieweit die kritische Lage heute auf eine Verschlechterung der Qualit\u00e4t der F\u00fchrung im Westen zur\u00fcckf\u00fchren sei? Matlock antwortete, ein gro\u00dfes Problem sei die Vorliebe daf\u00fcr, alle Probleme milit\u00e4risch zu l\u00f6sen. Ramotar erkl\u00e4rte, die Welt sei derzeit in zwei Bl\u00f6cke geteilt: die ehemaligen Kolonialm\u00e4chte, die versuchen, ihre Vorherrschaft aufrechtzuerhalten, und der Globale S\u00fcden. Er bef\u00fcrwortete Zepp-LaRouches Vorschlag, einen \u201eRat der Vernunft\u201c aus erfahrenen Staatsm\u00e4nnern zu gr\u00fcnden, um aus dieser Falle auszubrechen.<\/p>\n\n\n\n<p>Abschlie\u00dfend forderte Zepp-LaRouche die Teilnehmer auf, das auf dem Treffen Besprochene weithin zu verbreiten und bei den kommenden Demonstrationen auf die Stra\u00dfe zu gehen. Die USA m\u00fc\u00dften \u201eden geopolitischen Unsinn beenden\u201c und mit dem Globalen S\u00fcden zusammenarbeiten. \u201eWir m\u00fcssen uns auf L\u00f6sungen zubewegen, denn wenn wir nur gegen das Negative protestieren, wird das nicht ausreichen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Anmerkung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>1. \u201eCry Havoc, and let slip the dogs of war&#8230;\u201d, William Shakespeare, <em>Julius C\u00e4sar<\/em>, 3. Aufzug 1. Szene.<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bericht vom 66. Treffen der Internationalen Friedenskoalition am 6. September 2024 Den Mitschnitt der Veranstaltung finden Sie hier auf englisch. Auf der 66. w\u00f6chentlichen Online-Sitzung der Internationalen Friedenskoalition (IPC) am 6. 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