{"id":101678,"date":"2024-04-07T08:24:30","date_gmt":"2024-04-07T12:24:30","guid":{"rendered":"https:\/\/schillerinstitute.com\/?p=101678"},"modified":"2024-04-07T08:24:33","modified_gmt":"2024-04-07T12:24:33","slug":"ein-interview-mit-s-e-botschafter-prof-dr-manuel-hassassian-frieden-und-unabhaengigkeit-fuer-palaestina-und-der-oasenplan","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/blog\/2024\/04\/07\/ein-interview-mit-s-e-botschafter-prof-dr-manuel-hassassian-frieden-und-unabhaengigkeit-fuer-palaestina-und-der-oasenplan\/","title":{"rendered":"Ein Interview mit S.E. Botschafter Prof. Dr. Manuel Hassassian: Frieden und Unabh\u00e4ngigkeit f\u00fcr Pal\u00e4stina und der Oasenplan"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-text-align-center\"><strong><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=vLqzu1ZB7TQ\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=vLqzu1ZB7TQ\" target=\"_blank\">Das Video kann im Englischen Original hier angesehen werden.<\/a><\/strong><\/p>\n\n\n<p><div class=\"one-half\"><\/p>\n<p><em data-rich-text-format-boundary=\"true\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/solidaritaet.com\/images27\/botschafter-manuel-hassassian.jpg\" \/><\/em><\/p>\n<p><\/div><br \/><div class=\"one-half last\"><\/p>\n<p><em data-rich-text-format-boundary=\"true\">Der Botschafter der Pal\u00e4stinensi\u00adschen Autonomiebeh\u00f6rde in D\u00e4ne\u00admark, S.E. Botschafter Prof. Dr. Manuel Hassassian, ist in Jerusalem geboren und aufgewachsen und hat die Amerikanische Universit\u00e4t von Beirut besucht. Er erwarb seinen Master-Abschlu\u00df in internationalen Beziehungen an der Universit\u00e4t von Toledo, Ohio, und seinen Doktortitel in Politikwissenschaften an der Universit\u00e4t von Cincinnati. <br \/><\/em><\/p>\n<p><\/div><div class=\"clearfix\"><\/div> <em data-rich-text-format-boundary=\"true\">1996 wurde er Vizepr\u00e4sident der Universit\u00e4t Bethlehem im Westjordanland, der h\u00f6chsten Position eines Pal\u00e4stinensers an einer katholischen Hochschule. Er war auch Professor an der University of Maryland, wo er einen einzigartigen Lehrplan f\u00fcr einen Kurs \u00fcber die L\u00f6sung des israelisch-pal\u00e4stinensischen Konflikts entwickelte, den er 26 Jahre lang gemeinsam mit dem israelischen Professor Edy Kaufman unterrichtete \u2013 ein Projekt, das er in dem vollst\u00e4ndigen Interview ausf\u00fchrlich beschreibt, das hier aber aus Platzgr\u00fcnden nicht wiedergegeben wird.<\/em><\/p>\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><em>S.E. Prof. Dr. Hassassian war Botschafter der Pal\u00e4stinensischen Autonomiebeh\u00f6rde im Vereinigten K\u00f6nigreich (13 Jahre) und in Ungarn und ist seit nunmehr vier Jahren Botschafter in D\u00e4nemark. Er war auch der Hauptberater der PLO bei den Verhandlungen \u00fcber den Status von Jerusalem. Eine ausf\u00fchrlichere Biographie, die auch andere akademische Positionen und Auszeichnungen enth\u00e4lt, finden Sie <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/passia.org\/personalities\/351\" target=\"_blank\">hier<\/a>.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p><em>Es folgen ausf\u00fchrliche Ausz\u00fcge aus einem Interview, das der Vorsitzende des Schiller-Instituts in D\u00e4nemark, Tom Gillesberg, mit Prof. Hassassian gef\u00fchrt hat. Das gesamte Video im englischen Original und eine Abschrift finden Sie <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/schillerinstitute.com\/blog\/2024\/03\/14\/interview-with-palestinian-authority-ambassador-to-denmark-h-e-ambassador-prof-dr-manuel-hassassian-who-supports-the-oasis-plan\/\" target=\"_blank\">hier<\/a>.<\/em><\/p>\n\n\n<p><div class=\"hr\"><hr \/><\/div><\/p>\n\n\n<p>S.E. Prof. Dr. Manuel Hassassian: Ich sch\u00e4tze die d\u00e4nische \u00d6ffentlichkeit sehr: Sie engagieren sich stark f\u00fcr das pal\u00e4stinensische Problem, weil sie Verfechter der Menschenrechte sind, und das waren sie schon w\u00e4hrend des Holocaust, als sie all den Juden, die von den Nazis und den Faschisten abgeschlachtet wurden, bei der Flucht halfen. D\u00e4nemark kann also auf eine lange Geschichte als Verfechter der Menschenrechte zur\u00fcckblicken, und es \u00fcberrascht uns nicht, da\u00df diese Menschen mit derselben Ausdauer die Pal\u00e4stinenser unterst\u00fctzen, zumindest auf der \u00f6ffentlichen Ebene, wo sie sich f\u00fcr eine Beendigung des Konflikts und die \u00d6ffnung der Grenzen f\u00fcr humanit\u00e4re Hilfe einsetzen. Leider ist die Regierung nicht auf Augenh\u00f6he mit der \u00f6ffentlichen Meinung.<\/p>\n\n\n\n<p>Tom Gillesberg: Es ist wie zur Zeit der d\u00e4nischen Besatzung [im Zweiten Weltkrieg]: Es war nicht die Regierung, die den Juden half, nach Schweden zu entkommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Hassassian: Es war das Volk.<\/p>\n\n\n\n<p>Gillesberg: Es war das Volk.<\/p>\n\n\n\n<p>Hassassian: Ganz genau.<\/p>\n\n\n\n<p>Gillesberg: Und ich denke, das ist ein wichtiger Punkt.<\/p>\n\n\n\n<p>Hassassian: Deshalb versuche ich einen Vergleich zu ziehen, nach meiner bescheidenen Meinung und meinem Wissen \u00fcber die Geschichte D\u00e4nemarks. Ich kam hierher und wu\u00dfte ein wenig \u00fcber D\u00e4nemark, aber jetzt kann ich Ihnen sagen, ich kenne die Kultur, die Menschen, ihre Denkweise und die Art und Weise, wie sie ihre Politik betreiben. Und ich kann sehen, da\u00df es eine Spaltung gibt in der \u00f6ffentlichen Meinung, nicht nur in der Pal\u00e4stina-Frage, sondern auch in Fragen der lokalen Politik. Diese Regierung ist konservativ, und unabh\u00e4ngig davon, da\u00df sie in der Pal\u00e4stina-Frage eine gewisse apologetische Haltung einnimmt, hilft sie den Pal\u00e4stinensern mit Subventionen, mit dem Aufbau von Infrastruktur und mit der Unterst\u00fctzung des UNRWA. Auf politischer Ebene ist sie f\u00fcr eine Zwei-Staaten-L\u00f6sung. Aber sie zeigt politisch nicht die Z\u00e4hne, um Druck auf die Amerikaner oder die Israelis auszu\u00fcben, damit dieses Gemetzel, dieser Ansturm, dieses Abschlachten von Zivilisten in Gaza, im Westjordanland und in Ostjerusalem aufh\u00f6rt.<\/p>\n\n\n\n<p>Insofern sind wir und ich als Botschafter ein wenig, mit vorsichtigem Optimismus, mit der Regierung verbunden. Ich kann nicht behaupten, da\u00df sie mir gegen\u00fcber als Dekan des Rates der arabischen Botschafter, ganz zu schweigen davon, da\u00df ich auch in Fragen des Nahen Ostens, der Organisation f\u00fcr Islamische Zusammenarbeit (OIC), f\u00fchrend bin, verschlossen w\u00e4ren. Wir haben uns mehrmals mit dem Au\u00dfenminister, dem stellvertretenden Au\u00dfenminister und dem Direktor f\u00fcr MENA [Naher Osten und Nordafrika] getroffen und sprachen regelm\u00e4\u00dfig \u00fcber die aktuellen Ereignisse in Pal\u00e4stina, im Nahen Osten, am Roten Meer, die Koranverbrennung und so weiter. Ich kann also sagen, da\u00df es eine gewisse Beziehung zwischen unserer Botschaft, dem Rat der arabischen Botschafter und der d\u00e4nischen Regierung gibt.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber wir sehen keine unmittelbaren Ma\u00dfnahmen. Wir sehen nicht, da\u00df in den bilateralen Beziehungen die Pal\u00e4stinenser nachdr\u00fccklich unterst\u00fctzt werden, um dieses Gemetzel zu stoppen! Unser Volk stirbt jetzt an Hunger, an Mangel an Medikamenten und Lebensmitteln. 36 Krankenh\u00e4user wurden zerst\u00f6rt, wir haben nur noch sechs in Betrieb. Es ist eine Schande, da\u00df 12.000 Kinder den M\u00e4rtyrertod erlitten haben, ganz zu schweigen von mindestens 7-8000 Frauen und \u00e4lteren Menschen. Und das sind ersch\u00fctternde Zahlen! Nicht einmal w\u00e4hrend des Zweiten Weltkriegs gab es eine so hohe Opferzahl.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieser systematische Angriff richtet sich, mit Verlaub gesagt, nicht nur gegen die Hamas. Es ist offensichtlich, da\u00df er sich gegen das pal\u00e4stinensische Volk richtet. Sie wollen uns ins Meer vertreiben, in die W\u00fcste, und sobald sie mit Gaza fertig sind, wollen sie das gleiche im Westjordanland anfangen, und sie haben schon damit angefangen \u2013 ganz zu schweigen von der wirtschaftlichen Strangulierung, von H\u00fcrden aller Art, sogar w\u00e4hrend des Ramadan, wenn unsere Gl\u00e4ubigen in die Al-Aqsa-Moschee gehen und beten wollen.<\/p>\n\n\n\n<p>Man sieht eine systematische Politik der Apartheid, der ethnischen S\u00e4uberung und der Dezimierung eines Volkes. All diese drei Dinge werden von einer Regierung praktiziert, die eine sehr, sehr extreme, faschistische Regierung ist. Entschuldigung, ich mu\u00df es sagen: eine faschistische Regierung, denn die Art und Weise, wie sie diesen Konflikt austr\u00e4gt, ist v\u00f6llig r\u00fccksichtslos. Sie hat nie irgendeine Art von Toleranz gezeigt, aber die klare Idee dahinter ist die offizielle Wiederbesetzung des Westjordanlands und des Gazastreifens. Und hier ist die internationale Gemeinschaft gefragt \u2013 mit all den UN-Resolutionen zugunsten Pal\u00e4stinas, die leider von den Amerikanern mit einem Veto belegt wurden. 30 Jahre lang haben die Amerikaner nichts f\u00fcr den Friedensproze\u00df getan, indem sie den \u201eTopdog\u201c gegen den \u201eUnderdog\u201c unterst\u00fctzten.<\/p>\n\n\n\n<p>Jetzt suchen wir nach einer kollektiven Vermittlung, angefangen mit den Vereinten Nationen. Vielleicht kann D\u00e4nemark eine sehr wichtige Rolle spielen, ganz zu schweigen von Europa insgesamt. Wir sind nicht gegen die Vereinigten Staaten, aber sie k\u00f6nnen nicht der einzige Vermittler in diesem Konflikt sein, weil sie in diesem Konflikt wenig Bereitschaft zur Suche nach einer plausiblen L\u00f6sung bewiesen haben. Alles, was die Amerikaner in den letzten 30 Jahren getan haben, war Krisenmanagement.<\/p>\n\n\n\n<p>Gillesberg: Jetzt sind wir eindeutig an einem entscheidenden Punkt angelangt. Das Narrativ ist, da\u00df der 7. Oktober passiert ist und damit die ganze Sache angefangen hat. Aber wenn man sich den Proze\u00df ansieht, der im Westjordanland vor dem 7. Oktober im Gange war, dann ist klar, da\u00df diese Politik, die wir jetzt sehen, praktisch die Annexion von Westjordanland und Gazastreifen als permanenter Teil Israels, bereits im Gange war! Es ist nicht so, da\u00df die Angriffe erst nach dem 7. Oktober begannen.<\/p>\n\n\n\n<p>Hassassian: Mit dieser Bemerkung haben Sie tats\u00e4chlich ins Schwarze getroffen. Denn leider dachte die internationale Gemeinschaft \u2013 Europa, Amerika und so weiter \u2013, da\u00df dieser Konflikt mit dem 7. Oktober angefangen h\u00e4tte, mit dem Angriff der Hamas auf unschuldige Zivilisten. Aber niemand hat auch nur einen Gedanken an die eigentliche Ursache des Problems verschwendet, das schon vor 75 Jahren begann. Da\u00df unser Volk 1948 in die Diaspora getrieben wurde und dieses zionistische Gebilde mit Unterst\u00fctzung Gro\u00dfbritanniens und der internationalen Gemeinschaft gegr\u00fcndet und geschaffen wurde, mit der Vertreibung des pal\u00e4stinensischen Volkes und der Schaffung von etwas, das sich der Staat Israel nennt. Es ist den Menschen nicht bewu\u00dft, da\u00df wir seit so vielen Jahren unter Besatzung leben und der Gazastreifen seit 16 Jahren durch die Wirtschaftsblockade und den Mangel an jeglicher Grundversorgung stranguliert ist. Und wenn man Menschen in einen solchen Druckkochtopf steckt, mu\u00df der nat\u00fcrlich irgendwann explodieren. F\u00fcr die Bewohner des Gazastreifens, f\u00fcr die Hamas und den Islamischen Dschihad und die anderen war die Explosion vom 7. Oktober ganz eine Reaktion auf die Blockade, auf das Ersticken von 2,2 Millionen Menschen, die in dem am dichtesten besiedelten Gebiet der Welt leben.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Leute fingen an, die Hamas und andere als die Terroristen zu betrachten, aber sie verga\u00dfen, da\u00df Israel Staatsterrorismus praktiziert hat! Dies ist nicht der erste Angriff auf Gaza: Es ist der vierte Krieg gegen die Bev\u00f6lkerung von Gaza! Auch im Westjordanland hat es immer wieder Angriffe gegeben, mit dem Bau von Siedlungen, mit Siedlern, die das Gesetz in die eigenen H\u00e4nde nehmen und versuchen, die Pal\u00e4stinenser zu vertreiben, die Orangen- und Olivenb\u00e4ume zu f\u00e4llen und Chaos unter den Pal\u00e4stinensern zu stiften, indem sie schie\u00dfen, t\u00f6ten, pl\u00fcndern, vertreiben und wer was noch alles.<\/p>\n\n\n\n<p>Man sollte also nicht k\u00fcnstlich Gaza und Westbank trennen, geschweige denn Ostjerusalem, mit all der schleichenden Ausweitung der Siedlungen, errichtet von einer Regierung, die \u201eSiedlerregierung\u201c genannt wird. Dieser Landraub hat auch in gewissem Ma\u00df Chaos und Verwirrung geschaffen, ganz zu schweigen von der harten Politik gegen\u00fcber den Menschen, die in Ostjerusalem leben. Und auch jetzt, w\u00e4hrend des Ramadan, erleben wir Schikanen und Blockaden gegen Menschen aus dem Westjordanland, die w\u00e4hrend des heiligen Monats zum Beten kommen. Mit anderen Worten, Israel schafft noch mehr Spannungen, eine noch kompromi\u00dflosere Politik, die das Leben f\u00fcr die Menschen in Jerusalem sehr unangenehm machen wird, einmal ganz abgesehen von den st\u00e4ndigen Bombardierungen, dem T\u00f6ten im Westjordanland und in Gaza, das von der internationalen Gemeinschaft nicht gestoppt wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Gillesberg: Schon seit langem geht etwas vor sich, was man den \u201estillen Tod Pal\u00e4stinas\u201c nennen kann. Aber was wir nach dem 7. Oktober erlebt haben, ist meiner Meinung nach etwas, das es in der Art seit dem Holocaust nicht mehr gegeben hat. Vielleicht gab es noch andere Holocausts, aber sie liefen versteckt ab. Hier gibt es seit dem 7. Oktober in Gaza einen V\u00f6lkermord, den die ganze Welt im Fernsehen mit ansieht, und sogar der Internationale Gerichtshof hat gesagt: \u201eJa, es ist sehr plausibel, da\u00df ein V\u00f6lkermord im Gange ist. Wir werden das pr\u00fcfen, und in der Zwischenzeit verlangen wir von Israel, von den israelischen Streitkr\u00e4ften (IDF), da\u00df sie alles tun, um sicherzustellen, da\u00df kein V\u00f6lkermord geschieht. Nicht nur, weil Menschen get\u00f6tet wurden, sondern weil es eindeutig eine T\u00f6tungsabsicht gab, in den Erkl\u00e4rungen der Regierung, der Milit\u00e4rs und so weiter.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Aber das ist noch nicht vorbei. Die israelische Regierung hat gesagt: Wenn wir bis zum Ramadan keine Einigung mit der Hamas und den anderen Gruppen \u00fcber die Freilassung aller Geiseln erzielen, dann werden wir Rafah angreifen; dann kommt die n\u00e4chste Phase der Planierung von Gaza. Und jetzt, wo wir uns im Ramadan befinden, was wird Ihrer Meinung nach passieren?<\/p>\n\n\n\n<p>Hassassian: Ich m\u00f6chte etwas zu der Entscheidung des Internationalen Gerichtshofs sagen. Sie galt als beratende Perspektive, wurde aber durch das amerikanische Veto v\u00f6llig zunichte gemacht. Israel schert sich nicht um die Vereinten Nationen und die Resolutionen. Sie haben sich nie daran gehalten, weil die Amerikaner immer politisch hinter ihnen stehen, indem sie ihr Veto einlegen, ganz zu schweigen von den milit\u00e4rischen und finanziellen Mitteln, und Komplizen des V\u00f6lkermords sind, indem sie auch einige Marinesoldaten in den Kampf nach Gaza schicken. Es ist nicht so, als w\u00fc\u00dften wir das nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Gillesberg: Und all die Bomben, die auf Gaza fallen\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Hassassian: &#8230; sind alle aus amerikanischer Produktion.<\/p>\n\n\n\n<p>Deshalb wollte ich diese kurze Bemerkung machen, da\u00df der Internationale Gerichtshof ein beratendes Gutachten macht. Es ist nicht bindend, und Israel ignoriert es einfach, es ist ihnen egal.<\/p>\n\n\n\n<p>Schauen Sie sich heute den Gazastreifen an: Wir haben mehr als 31.000 M\u00e4rtyrer. Und ich sagte schon, wie viele Kinder, Frauen und \u00e4ltere Menschen.<\/p>\n\n\n\n<p>70 Prozent der Infrastruktur und der Geb\u00e4ude sind v\u00f6llig zerst\u00f6rt. Gaza ist fast dem Erdboden gleichgemacht. 2,2 Millionen Menschen wissen nicht, wohin sie gehen sollen; 1,9 Millionen wurden aus ihren H\u00e4usern vertrieben.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie lebten einst im Norden, gingen in den S\u00fcden und kehrten in den Norden zur\u00fcck. Und mit Israels Drohung, in Rafah einzumarschieren, zeigt sich jetzt wieder einmal die Absicht, den Gazastreifen zu besetzen und dem Erdboden gleich zu machen und die 2 Millionen Pal\u00e4stinenser im Gazastreifen loszuwerden. Es ist also ein Krieg gegen die Pal\u00e4stinenser, nicht gegen die Hamas. Denn wenn es ein Krieg gegen die Hamas w\u00e4re, was haben die Israelis dann bisher erreicht? Sie sind die Hamas nicht losgeworden, und sie werden sie auch nie loswerden. Ich sage das als Mitglied der PLO.<\/p>\n\n\n\n<p>Gillesberg: Es ist eine Ideologie, und eine Ideologie kann man nicht umbringen.<\/p>\n\n\n\n<p>Hassassian: Es ist eine Ideologie \u2013 auf jeden Fall! Sie haben es richtig getroffen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zweitens ist es ihnen nicht gelungen, die Pal\u00e4stinenser aus Gaza zu vertreiben, denn die Pal\u00e4stinenser in Gaza sind unverw\u00fcstlich und fest entschlossen, auf ihrem Land zu bleiben. Sie wollen die Nakba von 1948 nicht noch einmal erleben. Das ist der zweite Punkt.<\/p>\n\n\n\n<p>Drittens: Sie [Israel] brauchen alle ihre Ressourcen auf, doch ohne Ergebnis. Deshalb haben sie die \u00f6ffentliche Meinung auf der Welt verloren, auch wenn die Regierungen sie immer noch unterst\u00fctzen. Diese Regierung in Israel ist jetzt gebrandmarkt, eine Siedlerregierung, eine Apartheids-Regierung, die keinen Frieden mit den Pal\u00e4stinensern will, sondern sie t\u00f6ten und vertreiben will. All das hat negative Folgen f\u00fcr Israel. Wieviel Opfer will Israel noch fordern, bis es erkl\u00e4rt, da\u00df der Auftrag erf\u00fcllt ist? Das Zehnfache und mehr, undefiniert!<\/p>\n\n\n\n<p>Unter dem Deckmantel der Sicherheit hat Israel alle seine grausamen Verbrechen w\u00e4hrend der vergangenen 75 Jahre Besatzung gerechtfertigt. Israel ist heute nicht als Demokratie bekannt, sondern als Schurkenstaat, mit der hierokratischen Ideologie der Vorherrschaft der Juden \u00fcber die Christen und Muslime in der Welt, nicht nur in Pal\u00e4stina. Und ihre konsequente, systematische Politik der Beschlagnahmung von Land in Jerusalem, der \u00dcbernahme religi\u00f6ser St\u00e4tten, Bespucken von Priestern und Scheichs, all das ist ein Ausdruck davon, wie ha\u00dferf\u00fcllt diese Siedler gegen\u00fcber den nichtj\u00fcdischen oder nichtisraelischen B\u00fcrgern wie mir sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Und sehen Sie, 22% der Bev\u00f6lkerung in Israel sind Pal\u00e4stinenser, die die israelische Staatsb\u00fcrgerschaft haben. Sie werden diskriminiert und nicht beachtet, als israelische B\u00fcrger nicht ernst genommen. Obwohl wir in der Knesset, im Parlament, vertreten sind. Aber es gibt keinen Respekt, man behandelt sie als B\u00fcrger dritter Klasse in diesem angeblich so demokratischen Staat Israel.<\/p>\n\n\n\n<p>Daraus schlie\u00dfen wir, da\u00df diese Regierung niemals Frieden mit den Pal\u00e4stinensern haben wird! Und diese Regierung sollte nicht von der internationalen Gemeinschaft unterst\u00fctzt werden. Sie hat ihr h\u00e4\u00dfliches Gesicht der Besatzung gezeigt, und sie hat gezeigt, da\u00df sie nicht f\u00fcr die Zwei-Staaten-L\u00f6sung ist! Sie will einen Staat, einen Apartheidstaat, in dem alle ethnischen Minderheiten, die Araber und so weiter, unter israelischer Flagge unter ihrer Kontrolle stehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber das ist, wie man sieht, unm\u00f6glich angesichts der Unnachgiebigkeit des pal\u00e4stinensischen Volkes, das f\u00fcr seine unver\u00e4u\u00dferlichen Rechte und sein Selbstbestimmungsrecht k\u00e4mpft, um einen unabh\u00e4ngigen Staat zu haben. Die internationale Gemeinschaft hat es hingenommen, da\u00df w\u00e4hrend des Oslo-Prozesses, seit 30 Jahren, nichts getan wurde, um die Situation zu verbessern und die Besatzung zu beenden.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich sage Ihnen: Gewalt, Unsicherheit und Instabilit\u00e4t im Nahen Osten werden mit der Schaffung eines unabh\u00e4ngigen, demokratischen pal\u00e4stinensischen Staates in den Grenzen von 1967 ein Ende haben! Wir, die PLO, haben schon 1988 die Anerkennung des Staates Israel auf 78% des historischen Pal\u00e4stina auf dem Silbertablett serviert. Was sollen wir noch tun, um unsere Versprechen gegen\u00fcber der internationalen Gemeinschaft einzul\u00f6sen?<\/p>\n\n\n\n<p>LaRouches Oasenplan<\/p>\n\n\n\n<p>Gillesberg: Sie erw\u00e4hnten den Osloer Friedensproze\u00df. Das Schiller-Institut und der damalige Kopf unserer Organisation, Lyndon LaRouche, war eine sehr prominente Stimme, die diesen Proze\u00df unterst\u00fctzte. Aber er sagte auch, da\u00df es nicht erfolgreich sein wird, wenn es nicht mit einer Politik f\u00fcr wirtschaftlichen Entwicklung einhergeht. Das hei\u00dft, damit der pal\u00e4stinensische Staat wie auch Israel funktionieren und in Frieden und Harmonie leben k\u00f6nnen, mu\u00df es eine Zusammenarbeit f\u00fcr ein gr\u00f6\u00dferes Ziel geben, einen \u201eOasenplan\u201c f\u00fcr die gesamte Region, von dem alle profitieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Anstatt den Nachbarn als Feind zu betrachten, sollte man ihn als Kooperationspartner in diesem Entwicklungsproze\u00df sehen. Angesichts des schrecklichen Angriffs auf Gaza haben wir vom Schiller-Institut ein neues Video zu dieser Idee ver\u00f6ffentlicht: \u201eDer Oasenplan: die LaRouche-L\u00f6sung f\u00fcr Frieden durch Entwicklung\u201c. Es beschreibt den seit 1975 entwickelten Vorschlag des verstorbenen amerikanischen \u00d6konomen und Staatsmanns Lyndon LaRouche f\u00fcr einen Frieden durch Entwicklung zwischen Israel und einem unabh\u00e4ngigen Pal\u00e4stina. Dabei geht es um die Erschlie\u00dfung von Wasserressourcen, einschlie\u00dflich nuklearer Entsalzungsanlagen, entlang zweier neuer Kan\u00e4le zwischen dem Toten Meer und dem Roten Meer sowie dem Toten Meer und dem Mittelmeer, um Transportm\u00f6glichkeiten und andere Infrastruktur zu schaffen \u2013 eine Zukunftsvision, in der Israelis und Pal\u00e4stinenser die Region wirtschaftlich entwickeln, um einen Weg zum Frieden zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir k\u00f6nnen auch noch einmal darauf zur\u00fcckkommen, wie eine L\u00f6sung in Bezug auf die Staaten aussehen k\u00f6nnte, aber was halten Sie von dem Vorschlag des Oasen-Plans und einer gr\u00f6\u00dferen Vision, um in der Region \u201edas Unm\u00f6gliche m\u00f6glich zu machen\u201c?<\/p>\n\n\n\n<p>Hassassian: Ich m\u00f6chte mich in Bezug auf das, was Sie gesagt haben, ganz kurz fassen. Ich habe mir Ihr Video angesehen und war sehr beeindruckt von Ihrer Vision f\u00fcr die Zukunft. Wirtschaftliche Entwicklung sollte immer mit politischer Stabilit\u00e4t verbunden sein, und wenn wir Pal\u00e4stinenser unabh\u00e4ngig sind, sollten wir die wirtschaftliche Entwicklung in Partnerschaft mit Israel und Jordanien vorantreiben \u2013 ich nenne es das \u201eBenelux-Modell der wirtschaftlichen Entwicklung\u201c. Sie haben gr\u00fcndlich dargelegt, wie wir vorgehen und wie wir diese, wie ich es nenne, \u201enachhaltiger Entwicklung\u201c aufbauen k\u00f6nnen, die zu Dauerhaftigkeit von Frieden und Stabilit\u00e4t zwischen beiden L\u00e4ndern beitragen w\u00fcrde. Aber eine wirtschaftliche Entwicklung zwischen Besatzern und Besetzten ist nicht machbar, sie mu\u00df auf Augenh\u00f6he stattfinden. Man mu\u00df beide L\u00e4nder symmetrisch als unabh\u00e4ngige Einheiten betrachten.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit zwischen L\u00e4ndern, die sich in einem Konflikt befinden, werden tats\u00e4chlich zur Erhaltung des Friedens beitragen, zur Dauerhaftigkeit des Friedens in der Zukunft, wo Frieden und Harmonie eine Koexistenz schaffen werden. Und diese Koexistenz lie\u00dfe sich in M\u00e4rkte von wirtschaftlichem Interesse \u00fcbertragen, in die Zusammenarbeit, auch die Zusammenarbeit des \u00f6ffentlichen Sektors mit dem privaten Sektor, um auf Augenh\u00f6he im Entwicklungsproze\u00df zu kommen, der auch ganz mit der Entwicklung unserer Lehrpl\u00e4ne, unserer Bildung, unseres Gesundheitswesens und so weiter verbunden ist. Und es k\u00f6nnte einen Austausch der F\u00e4higkeiten geben; ein Land wie Israel ist technologisch hochentwickelt, und wir haben die Ressourcen f\u00fcr die Arbeitskr\u00e4fte. Wir sind das intellektuellste Land im Nahen Osten. Mit den Ressourcen, dem Intellekt und den Arbeitskr\u00e4ften, die wir haben, k\u00f6nnten wir also eine Art gemeinsames Gebilde schaffen, das beiden V\u00f6lkern zugute kommen wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Wirtschaftliche Entwicklung nach politischer Unabh\u00e4ngigkeit ist der Weg zu unserer Sicherheit und Stabilit\u00e4t. Und wie Sie wissen, ist der Nahe Osten der Dreh- und Angelpunkt von Konflikten in der Welt, weil jeder versucht, im Nahen Osten seine nationalen Interessen zu verfolgen. Sobald wir eine solche Stabilit\u00e4t und Sicherheit haben, denke ich, werden wir offen sein f\u00fcr mehr wirtschaftliche Transaktionen, f\u00fcr mehr bilaterale und internationale Handelssysteme, f\u00fcr eine Art NAFTA-Wirtschaftsbeziehungen, mit Israel, mit Jordanien, mit der arabischen Welt, mit der islamischen Welt. Und sehen Sie, Israel k\u00f6nnte von der \u00d6ffnung nach Asien, dem islamischen Asien, nach Afrika und in den Nahen Osten sehr profitieren. Es gibt also einen Nutzen, viel mehr als ein Nichtinteresse, w\u00fcrde ich sagen, in diesem Teil der Welt.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber Israel hat den Weg der Zerst\u00f6rung gew\u00e4hlt, den Weg der Instabilit\u00e4t, der Dominanz, der Apartheid, und nicht das Positive, das Sie genannt haben, das eine solche Harmonie und friedliche Koexistenz zwischen epistemischen Gemeinschaften schaffen w\u00fcrden, die viel zu lange im Konflikt waren, wo jetzt die Zeit f\u00fcr eine L\u00f6sung des Konfliktes ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Gillesberg: Die Lage ist so schrecklich, da\u00df man sich fragt: \u201eWie kann das jemals enden?\u201c Aber alle Kriege enden irgendwann einmal. Wenn nicht anders, dann schlicht durch Ersch\u00f6pfung. Schon in der kurzen Zeit seit dem 7. Oktober ist die israelische Wirtschaft um 20% geschrumpft. Es ist also kein Freifahrtschein. Und wenn sich der Krieg ausweitet, wie einige in der israelischen Regierung beabsichtigen, auf den Libanon, gegen die Hisbollah, gegen andere Parteien, dann wird auch Israel in Tr\u00fcmmern liegen.<\/p>\n\n\n\n<p>Irgendwann endet es also \u2013 hoffentlich mit einem Eingreifen des Westens und einer Einsicht der Vereinigten Staaten, da\u00df sie jeden Respekt in der Welt verlieren, wenn sie nicht eingreifen, um das zu beenden. Dann mu\u00df man sich zusammensetzen, wahrscheinlich nicht mit der jetzigen Regierung, sie wird wahrscheinlich gest\u00fcrzt oder Netanjahu wird ins Gef\u00e4ngnis geworfen oder was auch immer. Jedenfalls m\u00fcssen sich Pal\u00e4stinenser und Israelis zusammensetzen und \u00fcberlegen, wie man das Problem so l\u00f6sen kann, da\u00df alle hier leben k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Sie haben \u00fcber einen Vorschlag f\u00fcr eine Zweistaatenl\u00f6sung geschrieben, aber auch dar\u00fcber, da\u00df es vielleicht keine Zweistaatenl\u00f6sung sein wird, sondern ein Einheitsstaat. Was sind Ihre Gedanken dazu?<\/p>\n\n\n\n<p>Hassassian: Nochmals vielen Dank f\u00fcr diese sehr interessante Frage. Lassen Sie mich zun\u00e4chst sagen, da\u00df auch Israel einen hohen Preis zahlt, aber nicht so viele Opfer zu beklagen hat. Es ist nat\u00fcrlich nicht mit Gaza zu vergleichen. Aber wie Sie schon sagten, ist die israelische Wirtschaft um 20% geschrumpft, und wenn sie so weitermachen, wird sie noch mehr schrumpfen. Und es wird eine Zeit kommen, in der die Amerikaner, weil dort Wahlen anstehen, m\u00f6glicherweise ihre Waffenlieferungen an Israel einstellen, und das wird f\u00fcr die Israelis negative Folgen haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber man sollte nicht vergessen, da\u00df seit Oktober schon eine halbe Million Menschen aus Israel ausgewandert sind. Und das ist ein Zeichen daf\u00fcr, da\u00df Israel kein sicherer Ort zum Leben mehr ist, weil eine solche Politik negative Auswirkungen auf die israelische Gesellschaft hat. Und ich kann Ihnen versichern, die israelische \u00d6ffentlichkeit geht jetzt auf die Stra\u00dfe, sie will Netanjahu st\u00fcrzen und fordert vorgezogene Wahlen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das ist eine der negativen Folgen dieses Angriffs, bei dem Israel die Ergebnisse falsch eingesch\u00e4tzt hat. Sie dachten, sie w\u00fcrden mit einem Blitzkrieg gewinnen, sie k\u00f6nnten den Gazastreifen platt machen und die Hamas loswerden. Aber jetzt wird es zu einem Zerm\u00fcrbungskrieg. Sie erreichen ihre Ziele nicht, und sie verlieren jetzt auch noch die internationale Unterst\u00fctzung. Ganz zu schweigen davon, da\u00df die Bewohner des Gazastreifens ihre Entschlossenheit bewiesen haben, in ihrem Land zu bleiben.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn man also davon spricht, den Krieg zu beenden, ist auch zu bedenken, da\u00df Israel alle diese Maschinerien abnutzt. Schauen Sie, jeden Tag gibt es Desertionen aus der israelischen Armee; die Menschen sind nicht mehr von diesem Krieg \u00fcberzeugt, weil sie gesehen haben, da\u00df Unheil \u00fcber ihre Gesellschaft hereinbricht.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich sage Ihnen: Heute sind sie gegen Netanjahu, morgen werden sie gegen den Krieg in Gaza sein. Denn sie wissen, da\u00df sie, historisch gesehen, die Pal\u00e4stinenser nicht loswerden. Sie m\u00fcssen nachdenken und lernen, wie sie \u00fcberleben k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p>Und ich sage Ihnen, wenn Sie an die Geschichte Andalusiens denken, dort haben Muslime, Christen und Juden bis ans Ende ihrer Tage gl\u00fccklich gelebt. Das ist uns nicht entgangen. Wir wissen es. Aber die Ursache des Problems war der Zionismus, nicht das Judentum. Deshalb machen wir diese Unterscheidung: Die Israelis sind nicht alle Zionisten. Viele sind f\u00fcr die Zwei-Staaten-L\u00f6sung, sie glauben an die Koexistenz.<\/p>\n\n\n\n<p>Deshalb versuchen wir als Pal\u00e4stinenser, immer mehr Menschen von innen zu mobilisieren, denn der Wandel in Israel wird nicht durch ein politisches Diktat einer \u00e4u\u00dferen Macht kommen. Nicht einmal die Vereinigten Staaten k\u00f6nnen mit ihrem politischen Diktat diesen Krieg beenden. Es mu\u00df von innen kommen. Die Israelis m\u00fcssen von innen heraus verstehen, da\u00df eine solche Regierung die Zerst\u00f6rung bringt.<\/p>\n\n\n\n<p>Bisher haben wir diese Ebene in der \u00f6ffentlichen Meinung in Israel leider noch nicht erreicht. Alle sammeln sich um ihre Regierung und unterst\u00fctzen sie, weil es schon immer das Sicherheitsdenken war, das die Menschen dazu brachte, die Regierung zu unterst\u00fctzen. Obwohl diese Regierung eine Apartheid-Siedler-Regierung ist, unterst\u00fctzt die Mehrheit der Israelis, die Rechten, eine solche Regierung. Solange wir nicht den politischen Diskurs in Israel \u00e4ndern und die Gesellschaft erkennt, da\u00df diese Regierung in der Zukunft die totale Zerst\u00f6rung Israels herbeif\u00fchren wird, solange sehen wir keine Verbesserung in Bezug auf die Verhandlungen \u00fcber den endg\u00fcltigen Status mit der pal\u00e4stinensischen Seite.<\/p>\n\n\n\n<p>Gillesberg: Andererseits ist das auch der Grund, warum wir den Oasenplan ver\u00f6ffentlicht haben\u2026 Es gibt eine Tendenz bei Beteiligten, zu sagen: \u201eZuerst brauchen wir die politischen L\u00f6sungen. Erst wenn wir die politischen L\u00f6sungen haben, k\u00f6nnen wir zu den wirtschaftlichen \u00fcbergehen.\u201c Das Problem ist nur: Auf welcher Grundlage soll man politische L\u00f6sungen finden, wenn kein Vertrauen vorhanden ist? Irgendwie mu\u00df man Vertrauen schaffen, vor allem durch eine Vision, wie die Zukunft aussehen soll. Anstatt zu sagen: \u201eWir machen mit der Politik einfach so weiter, wie wir es schon so lange gewohnt sind\u201c, mit den gleichen Ergebnissen, mu\u00df man sagen: \u201eWir wollen eine andere Zukunft. Wir haben eine Vision f\u00fcr die Zukunft, aber wenn wir die verwirklichen wollen, brauchen wir Zusammenarbeit.\u201c Denn ohne Zusammenarbeit, ohne das Kriegsbeil zu begraben, ohne die Geometrie zu \u00e4ndern, wird man nie ans Ziel kommen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich glaube, man hat in Israel erkannt, da\u00df man nicht einfach zum 6. Oktober zur\u00fcckkehren kann; das ist vorbei. Man befindet sich jetzt in einer anderen Welt, also mu\u00df sich irgendwie etwas \u00e4ndern.<\/p>\n\n\n\n<p>Hassassian: Lassen Sie mich zwei kurze Bemerkungen machen. Erstens stimme ich mit Ihnen \u00fcberein, da\u00df die wirtschaftliche Entwicklung ein Schl\u00fcsselfaktor f\u00fcr die Stabilit\u00e4t ist. Im Zusammenhang mit Konflikten haben wir mit dem Oslo-Abkommen von 1993 gesehen, da\u00df wir unseren Nexus der Zivilgesellschaften durch Zusammenarbeit in den Bereichen Wirtschaft, Bildung und so weiter als Teil der wirtschaftlichen Entwicklung h\u00e4tten st\u00e4rken sollen, um ihn im Verhandlungsproze\u00df und im Ergebnis viel st\u00e4rker zu machen. In einem Verhandlungsproze\u00df kann niemand eine maximalistische Position durchsetzen, die optimale Position bedeutet ein beiderseitiges Nachgeben und Zugest\u00e4ndnisse beider Parteien. Aber solange die Verhandlungen nicht symmetrisch, sondern asymmetrisch sind und der eine oben und der andere unten ist, wird das nicht erfolgreich sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Deshalb stimme ich mit Ihnen \u00fcberein. Was aus Oslo wurde, lag daran, da\u00df die wirtschaftliche Entwicklung nicht so verlief, wie sie h\u00e4tte verlaufen sollen. Es wurden mehr Siedlungen gebaut, Netanjahu kam an die Macht, Camp David ist gescheitert, und schauen Sie, wo wir jetzt sind. Ich will es dabei belassen, aber ich stimme mit Ihnen \u00fcberein, da\u00df die wirtschaftliche Entwicklung der Dreh- und Angelpunkt jeder Stabilit\u00e4t in der Welt ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch ohne die politische Unabh\u00e4ngigkeit der Pal\u00e4stinenser k\u00f6nnen wir nicht \u00fcber den Proze\u00df der wirtschaftlichen Entwicklung in seinem vollen Kontext sprechen, um einen dauerhaften Frieden und was auch immer in der Zukunft zu erreichen. Ich stimme Ihnen zu, da\u00df die wirtschaftliche Entwicklung \u00e4u\u00dferst wichtig ist. Sie h\u00e4tte den Friedensproze\u00df und die Verhandlungen auf ein viel besseres Niveau heben k\u00f6nnen. Aber leider haben die Israelis das kaputtgemacht.<\/p>\n\n\n\n<p>Gillesberg: Am Samstag, den 13. April, veranstalten wir eine internationale Online-Konferenz mit dem Titel \u201eDer Oasenplan: die LaRouche-L\u00f6sung f\u00fcr Frieden durch Entwicklung zwischen Israel und Pal\u00e4stina und f\u00fcr ganz S\u00fcdwestasien\u201c. Wir rufen alle auf, teilzunehmen und die Einladung weiterzuverbreiten und sich am Dialog zu beteiligen.<\/p>\n\n\n\n<p>Es gab eine gro\u00dfe Ver\u00e4nderung. Sie sind heute als Diplomat in D\u00e4nemark, und ich sch\u00e4me mich, es als D\u00e4ne zu sagen, aber es ist nicht nur ein d\u00e4nisches Problem: Fr\u00fcher waren wir stolz darauf, einen Dialog zu f\u00fchren. Selbst wenn man nicht einer Meinung war, konnte man sich zusammensetzen und diskutieren und den Standpunkt des anderen kennenlernen. Und dieser Teil der Diplomatie ist in der westlichen Welt aus dem politischen Proze\u00df verschwunden. Es gibt keinen Dialog; man versucht nicht, den Standpunkt des anderen zu verstehen. Es geht immer nur um das Narrativ. Das Narrativ kommt von oben herunter wie Moses mit den Gesetzestafeln. Jemand kommt und sagt: \u201eDas ist das Narrativ, das m\u00fc\u00dft ihr wiederholen. Wer es nicht wiederholt, ist raus.\u201c Leider ist das in D\u00e4nemark sehr stark der Fall, aber ich denke, die meisten Menschen in D\u00e4nemark wie anderen L\u00e4ndern haben das langsam satt. Sie wollen die Freiheit, zu denken, ihre eigenen Gedanken zu formulieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Dazu braucht man Information, und daran arbeiten wir, zum Beispiel mit dieser Online-Konferenz, aber auch hier. Da wir zum Schlu\u00df kommen: Haben Sie noch einige abschlie\u00dfende Worte f\u00fcr die Zuschauer? Gibt es etwas, was sie tun sollten?<\/p>\n\n\n\n<p>Hassassian: Unbedingt! Ich spreche Ihnen meine Anerkennung f\u00fcr Ihre Arbeit aus. Ich danke dem Institut f\u00fcr seinen best\u00e4ndigen Kampf, der Welt Gerechtigkeit zu bringen. Ich denke, das ist Ihre edle Mission, und wir glauben, da\u00df die Menschen Ihnen zuh\u00f6ren werden, wenn Sie das Bewu\u00dftsein sch\u00e4rfen und die wahren Fakten auf den Tisch legen. Ich denke, da\u00df Ihre Herangehensweise an die Konflikte \u2013 nicht nur an die pal\u00e4stinensisch-israelischen, sondern auch an die internationalen Konflikte \u2013 Ihnen gro\u00dfe Glaubw\u00fcrdigkeit verleiht, weil Sie Frieden und Gerechtigkeit durch wirtschaftliche Entwicklung anstreben. Das Oasenplan-Video ist eines der beeindruckendsten, die ich je vom Schiller-Institut gesehen habe, ganz zu schweigen von anderen. Und ich denke, Sie m\u00fcssen mit dem, was Sie tun, weitermachen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich wei\u00df, da\u00df Sie die Fr\u00fcchte nicht sofort ernten k\u00f6nnen. Es ist ein fortlaufender Proze\u00df, bei dem man in D\u00e4nemark und der ganzen Welt eine neue Generation heranbildet, zu verstehen, da\u00df Kriege schnelle Schein-L\u00f6sungen sind, aber der Proze\u00df der Verhandlungen, von Toleranz, Verst\u00e4ndnis, Gerechtigkeit und Menschenrechten ein langer Proze\u00df ist. Es ist ein qu\u00e4lender Weg. Wenn Sie den Menschen und besonders der Jugend diese guten Qualifikationen vermitteln, dann k\u00f6nnen wir in der kommenden Generation die Fr\u00fcchte Ihres Beitrags ernten, denn wir haben mehr als genug von regionalen Konflikten und globalen Konflikten, bei denen die \u201eunipolare Macht\u201c kl\u00e4glich versagt hat.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir suchen nach einem Gleichgewicht der Kr\u00e4fte auf politischer Ebene, in den internationalen Beziehungen; aber wir brauchen auch Institute wie das Ihre, um weiter mit der Zivilgesellschaft zu arbeiten, mit der Kultur und zwischen gegens\u00e4tzlichen Kulturen, um zu einem Ergebnis zu kommen, bei dem unsere Menschlichkeit nicht verlorengeht. Unsere Fairne\u00df sollte nie verlorengehen; die Einbeziehung des anderen ist von gr\u00f6\u00dfter Bedeutung, und Toleranz ist der Schl\u00fcssel zu einer nachhaltigen Entwicklung im Hinblick auf Sicherheit und Stabilit\u00e4t auf der ganzen Welt.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich spreche Ihnen meine Anerkennung f\u00fcr Ihre Arbeit aus. Und ich m\u00f6chte k\u00fcnftig ein Unterst\u00fctzer und Sprecher Ihres Instituts sein, meiner Meinung nach ist es eines der brillantesten und beeindruckendsten Institute, die ich in D\u00e4nemark kennengelernt habe. Ich spreche Ihnen meine Loyalit\u00e4t und meinen Respekt aus und hoffe, da\u00df wir unsere Beziehungen in Zukunft fortsetzen, indem wir mehr Menschen in den Dialog hineinbringen und versuchen, einen harmonischen Frieden unter Gegnern zu schaffen.<\/p>\n\n\n\n<p>M\u00f6ge Gott uns auch in diesem Proze\u00df helfen, denn der ist wirklich voller H\u00fcrden und voller Komplexit\u00e4t. Aber letztendlich werden wir sie \u00fcberwinden.<\/p>\n\n\n\n<p>Gillesberg: Vielen Dank, Eure Exzellenz, Botschafter Prof. Dr. Hassassian. Es war mir ein gro\u00dfes Vergn\u00fcgen.<\/p>\n\n\n\n<p>Hassassian: Es war mir ein Vergn\u00fcgen.<\/p>\n\n\n\n<p>Gillesberg: Wir hoffen, da\u00df wir wieder miteinander sprechen werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Hassassian: Hoffentlich, hoffentlich. Vielen Dank, da\u00df Sie mich empfangen haben.<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Das Video kann im Englischen Original hier angesehen werden. Der Botschafter der Pal\u00e4stinensi\u00adschen Autonomiebeh\u00f6rde in D\u00e4ne\u00admark, S.E. Botschafter Prof. Dr. Manuel Hassassian, ist in Jerusalem geboren und aufgewachsen und hat die Amerikanische Universit\u00e4t von Beirut besucht. 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