{"id":67322,"date":"2021-01-17T05:13:42","date_gmt":"2021-01-17T10:13:42","guid":{"rendered":"https:\/\/schillerinstitute.com\/?page_id=67322"},"modified":"2021-01-17T05:13:43","modified_gmt":"2021-01-17T10:13:43","slug":"grosse-schoenheit-hoeren-beethoven-und-helen-keller","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/grosse-schoenheit-hoeren-beethoven-und-helen-keller\/","title":{"rendered":"Gro\u00dfe Sch\u00f6nheit h\u00f6ren: Beethoven und Helen Keller"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-1 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/encrypted-tbn0.gstatic.com\/images?q=tbn:ANd9GcTo-uBBzcTRUlcYrOHoObt-2FXmlikTU31bDQ&amp;usqp=CAU\" alt=\"\"\/><\/figure>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Dies ist die redigierte Abschrift des Vortrags von Jos\u00e9 Vega, einem Aktivisten des Schiller-Instituts, im zweiten Abschnitt der <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/schillerinstitute.com\/blog\/2020\/09\/24\/62768\/\" data-type=\"URL\" data-id=\"https:\/\/schillerinstitute.com\/blog\/2020\/09\/24\/62768\/\" target=\"_blank\">Jugendkonferenz des Schiller-Instituts \u201eDie Welt hat eine Wahl: Aussterben oder die \u00c4ra von LaRouche\u201c<\/a> am 26. September 2020, der sich mit dem Thema \u201eWissenschaft, Kultur und Gro\u00dfprojekte einer globalen Renaissance\u201c befa\u00dfte. <\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n<p>Aus urheberrechtlichen Gr\u00fcnden mu\u00df ich meinen Vortrag \u00fcber Beethoven ohne Musikbeispiele halten, aber ich denke, das kann sogar ein Vorteil sein, denn ich werde Ihnen etwas Interessantes beweisen.<\/p>\n<p>Beethoven beginnt 1799 zu erkennen, da\u00df etwas mit seinem Geh\u00f6r nicht stimmt. Es sieht so aus, als w\u00fcrde er vielleicht taub werden. So versucht er in den Jahren 1799-1800 zu verstehen, was los ist. 1802 schreibt er dann, er habe sich damit abgefunden, da\u00df er vielleicht nie geheilt wird. Er hat noch die Hoffnung, da\u00df er eines Tages irgendwie geheilt werden k\u00f6nnte, aber letztendlich, sagt er, ist es, wie es ist.<\/p>\n<p>Zw\u00f6lf Jahre sp\u00e4ter, 1814, ist Beethoven v\u00f6llig taub. Beethoven lebt noch weitere 13 Jahre, bis 1827, aber er ist v\u00f6llig taub. Im Alter von 44 bis zum Tod mit 57 Jahren ist er also taub; er kann nichts h\u00f6ren. Er h\u00f6rt nichts mehr, auch nicht seine eigene Musik.<\/p>\n<p>Aber was bedeutet das genau? Schlie\u00dflich schrieb Beethoven in der Zeit von 1814 bis 1827 sechs Klaviersonaten, Nr. 27-32. Er schrieb zwei Cello-Sonaten, Nr. 4 und 5. Er schrieb die Sinfonie Nr. 8 und seine ber\u00fchmteste Sinfonie Nr. 9. Das ist die mit dem Chor \u201eOde an die Freude\u201c. Er schrieb die sp\u00e4ten Streichquartette \u2013 op. 127, 130, 133 und 135, mit der <i>Gro\u00dfen Fuge<\/i>. Wenn Sie das noch nicht geh\u00f6rt haben, sollten Sie es sich anh\u00f6ren; es ist erstaunlich. Es gibt dort eine Doppelfuge. Was ist das? H\u00f6ren Sie es sich an, dann werden Sie es herausfinden. Und nat\u00fcrlich die <i>Missa Solemnis<\/i>, das ist eine Messe, ein Vokalwerk. Man sagt, es sei das schwierigste Chorwerk, das heutzutage aufgef\u00fchrt wird.<\/p>\n<p>Aber wie hat er das gemacht? Er hat so viel geschrieben, mehr als das Genannte. Wie konnte er das tun, ohne irgend etwas von dem zu h\u00f6ren, was er nach 1814 komponierte? Was ging da vor sich?<\/p>\n<p>Beethoven pflegte zu bemerken, da\u00df es in der Musik nicht darum geht, was man h\u00f6rt. Was bedeutet das? Mozart und wahrscheinlich auch Bach h\u00e4tten das Gleiche gesagt: In der Musik geht es nicht um das, was man h\u00f6rt. Obwohl das bei Beethoven etwas anderes ist, da Beethoven in seinem letzten Lebensabschnitt tats\u00e4chlich nicht mehr h\u00f6ren konnte. Und doch ist der letzte Abschnitt seines Lebens der, in dem er seine gr\u00f6\u00dften Kompositionen geschaffen hat, wie viele Leute sagen.<\/p>\n<p>Ich bin der Meinung, sie sind alle gro\u00dfartig, auch wenn einige besser sind als andere. Meine pers\u00f6nlichen Favoriten sind die sp\u00e4ten Streichquartette. Aber wie hat er das gemacht? Was passiert dort, da\u00df man so gro\u00dfartige Kunst- und Musikwerke komponieren kann, obwohl man nichts h\u00f6rt?<\/p>\n<p>Vielleicht geht es nicht um das, was man h\u00f6rt. Nehmen Sie zum Beispiel Helen Keller. Helen Keller schreibt 1924 einen Brief an das New Yorker Symphonieorchester. Hier ist, was in dem Brief steht:<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-67330 aligncenter\" src=\"https:\/\/schillerinstitute.com\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/hellen_keller-thumb.jpeg\" alt=\"\" width=\"533\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/schillerinstitute.com\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/hellen_keller-thumb.jpeg 428w, https:\/\/schillerinstitute.com\/wp-content\/uploads\/2021\/01\/hellen_keller-thumb-300x169.jpeg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 533px) 100vw, 533px\" \/><\/p>\n<p><blockquote><\/p>\n<p>\u201eLiebe Freunde,<\/p>\n<p>Ich habe die Freude, Ihnen sagen zu k\u00f6nnen, da\u00df ich, obwohl taub und blind, gestern Abend eine herrliche Stunde damit verbracht habe, Beethovens 9. Sinfonie \u00fcber das Radio zu h\u00f6ren.<\/p>\n<p>Ich will damit nicht sagen, da\u00df ich die Musik in dem Sinne geh\u00f6rt habe, wie andere Menschen sie geh\u00f6rt haben. Und ich wei\u00df nicht, ob ich Ihnen verst\u00e4ndlich machen kann, wie es mir m\u00f6glich war, Freude an der Sinfonie zu haben. Es war f\u00fcr mich selbst eine gro\u00dfe \u00dcberraschung.<\/p>\n<p>Ich hatte in meiner Zeitschrift f\u00fcr Blinde von dem Gl\u00fcck gelesen, das das Radio den Blinden \u00fcberall brachte. Ich war erfreut zu wissen, da\u00df die Blinden eine neue Quelle des Vergn\u00fcgens gefunden hatten, aber ich h\u00e4tte mir nicht tr\u00e4umen lassen, da\u00df ich an ihrer Freude teilhaben k\u00f6nnte. Gestern Abend, als die Familie Ihrer wunderbaren Interpretation der unsterblichen Symphonie lauschte, schlug mir jemand vor, meine Hand auf den Empf\u00e4nger zu legen und zu sehen, ob ich etwas von den Vibrationen sp\u00fcren k\u00f6nnte. Er schraubte die Deckel ab, und ich ber\u00fchrte leicht die empfindliche Membran.<\/p>\n<p>Zu meinem Erstaunen entdeckte ich, da\u00df ich nicht nur die Vibrationen, sondern auch den leidenschaftlichen Rhythmus, das Pochen und den Drang der Musik sp\u00fcren konnte. Die ineinander verschlungenen und ineinander greifenden Schwingungen der verschiedenen Instrumente verzauberten mich. Ich konnte tats\u00e4chlich die H\u00f6rner, das Rauschen der Trommeln, die tiefklingenden Bratschen und die Geigen, die in exquisitem Einklang sangen, unterscheiden &#8211; wie die liebliche Sprache der Geige flo\u00df und \u00fcber die tiefsten T\u00f6ne der anderen Instrumente pfl\u00fcgte.<\/p>\n<p>Als die menschlichen Stimmen aufsprangen, erregt von der Woge der Harmonie, erkannte ich sie sofort als ekstatischere, sich nach oben kr\u00fcmmende, schnellere und flammenartigere Stimmen, bis mein Herz fast stillstand. Die Frauenstimmen schienen eine Verk\u00f6rperung all der Engelsstimmen zu sein, die in einer harmonischen Flut sch\u00f6ner und inspirierender Kl\u00e4nge rauschten. Der gro\u00dfe Chor klopfte mit ergreifendem Innehalten und Flie\u00dfen gegen meine Finger. Alle Instrumente und Stimmen zusammen brachen hervor \u2013 ein Meer von himmlischen Schwingungen \u2013 und starben wie Winde, wenn das Atom verbraucht ist, und endeten in einem zarten Schauer von s\u00fc\u00dfen Noten.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich war das kein H\u00f6ren, aber ich wei\u00df, da\u00df die T\u00f6ne und Harmonien, die mir vermittelt wurden, eine gro\u00dfe Sch\u00f6nheit und Erhabenheit bewegten. Ich sp\u00fcrte auch, oder glaubte es zu sp\u00fcren, die zarten Kl\u00e4nge der Natur, die in meine Hand sangen \u2013 das Schwingen von Schilf und Wind und das Murmeln von B\u00e4chen. Noch nie zuvor war ich von einer Vielzahl von Tonschwingungen so hingerissen.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend ich mit Dunkelheit und Melodie, Schatten und Klang den ganzen Raum erf\u00fcllte, konnte ich nicht umhin, mich daran zu erinnern, da\u00df der gro\u00dfe Komponist, der eine solche Flut von S\u00fc\u00dfe in die Welt ergo\u00df, taub war wie ich selbst. Ich staunte \u00fcber die Kraft seines unb\u00e4ndigen Geistes, mit der er aus seinem Schmerz eine solche Freude f\u00fcr andere brachte \u2013 und da sa\u00df ich und f\u00fchlte mit meiner Hand die gro\u00dfartige Symphonie, die sich wie ein Meer an den stillen Ufern seiner und meiner Seele brach.\u201c<\/p>\n<p><\/blockquote><\/p>\n<p>Nun, warum konnte sie Beethovens 9. Symphonie h\u00f6ren, obwohl sie taub und auch blind war? Und doch konnte sie sich etwas vorstellen. Sie sagt selbst, sie habe zwei T\u00f6ne unterscheiden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Ich glaube, sie selbst sagt in ihrem eigenen Brief: \u201eWie die liebliche Sprache der Geige flo\u00df und \u00fcber die tiefsten T\u00f6ne der anderen Instrumente pfl\u00fcgte.\u201c Deutlich konnte sie h\u00f6here und tiefere T\u00f6ne erkennen. Sie kann sogar menschliche Stimmen erkennen. Das ist jemand, der keine Ahnung hat, wie eine menschliche Stimme, geschweige denn eine singende menschliche Stimme, \u00fcberhaupt klingen w\u00fcrde. Dennoch war sie in der Lage zu unterscheiden, wie eine menschliche Stimme klingt, im Gegensatz dazu, wie eine Instrumentalstimme klingt. Was sagt das also \u00fcber die menschliche Stimme aus? Und was sagt das \u00fcber Instrumente aus?<\/p>\n<p>Und was sagt das \u00fcber das Zuh\u00f6ren aus? Die Sinne hindern uns tats\u00e4chlich daran, wirklich zu verstehen, worauf Beethoven mit seiner 9. Symphonie und seinen anderen Kompositionen hinaus will. Worauf will Beethoven mit seiner 9. Symphonie und seinen anderen Kompositionen hinaus? Was versucht Beethoven wirklich zu vermitteln? Beethoven sagte: \u201eMusik ist eine h\u00f6here Offenbarung als alle Weisheit und Philosophie.\u201c Und er sagte auch: \u201e\u00dcbe nicht allein die Kunst, sondern dringe auch in ihr Inneres; sie verdient es, denn nur die Kunst und die Wissenschaft erh\u00f6hen den Menschen bis zur Gottheit.\u201c Welche Geheimnisse konnte Beethoven durch seine Musik entschl\u00fcsseln, und warum liegen sie in dem, was man nicht h\u00f6ren kann?<\/p>\n<p>Vielleicht steckt etwas hinter den Noten; etwas Unbenennbares. Eine unbenennbare Welt, die zwischen den Noten, \u00fcber den Noten, unter den Noten existiert. Das ist etwas, das Helen Keller verstanden hat, denn am Anfang ihres Briefes sagt sie: \u201eIch will damit nicht sagen, da\u00df ich die Musik in dem Sinne geh\u00f6rt habe, wie andere Menschen sie geh\u00f6rt haben. Und ich wei\u00df nicht, ob ich Ihnen verst\u00e4ndlich machen kann, wie es mir m\u00f6glich war, Freude an der Sinfonie zu haben.\u201c Weil sie Dinge h\u00f6ren und sehen kann, wie wir sie nicht sehen k\u00f6nnen, weil unsere eigenen Sinne uns im Stich lassen.<\/p>\n\n<div class=\"hr\">\n<hr \/>\n<\/div>\n\n\n<div class=\"call-to-action-big\">\n<h2>Resolution zum Beethoven-Jahr<\/h2>\n<p class=\"excerpt\">In einer Gegenwart, in der zunehmend sinnlose Gewalt, ein Verfall der kulturellen Werte, eine kaum noch zu \u00fcberbietende Verflachung beim sogenannten volkst\u00fcmlichen Geschmack und eine Verrohung des Umgangs miteinander zu beobachten sind, haben wir immer noch eine ganz entscheidende Quelle, von der eine kulturelle und moralische Erneuerung ausgehen kann: die klassische Kunst! Das gro\u00dfartige Menschenbild, das mit den dichterischen Werken von Dante, Petrarca, Lessing oder Schiller oder den erhabenen und gro\u00dfen Kompositionen von Bach, Mozart, Verdi, Beethoven, Schubert, Schumann oder Brahms verbunden ist, ist immer noch ein Bezugspunkt f\u00fcr die Art und Weise, wie wir uns als Gesellschaft definieren.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/forms.sbc33.com\/5f95e7f611ce6217f492b9ad\/TAaV__kiQRCOJjTAY_mWmg\/8sWgVamqTJiAvNGCA_XilA\/form.html\" class=\"custom-button large\" data-newwindow=\"true\">Zur Resolution<\/a><\/p>\n<\/div>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dies ist die redigierte Abschrift des Vortrags von Jos\u00e9 Vega, einem Aktivisten des Schiller-Instituts, im zweiten Abschnitt der Jugendkonferenz des Schiller-Instituts \u201eDie Welt hat eine Wahl: Aussterben oder die \u00c4ra von LaRouche\u201c am 26. 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