{"id":67310,"date":"2021-01-17T04:48:01","date_gmt":"2021-01-17T09:48:01","guid":{"rendered":"https:\/\/schillerinstitute.com\/?page_id=67310"},"modified":"2021-01-17T04:48:03","modified_gmt":"2021-01-17T09:48:03","slug":"die-physische-kraft-der-klassischen-poesie-und-musik","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/die-physische-kraft-der-klassischen-poesie-und-musik\/","title":{"rendered":"Die physische Kraft der klassischen Poesie und Musik"},"content":{"rendered":"\n<p>Von John Sigerson<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-1 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-large\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/schillerinstitute.com\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/20130126-sigerson-710x399.jpg\" alt=\"\"\/><\/figure><\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><strong>John Sigerson, Musikalischer Direktor des Schiller-Instituts, hielt im Rahmen der Internetkonferenz des Instituts am 26. April den folgenden Vortrag.<\/strong><\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n<p>Als ich \u00fcber das diesj\u00e4hrige Beethovenjahr nachdachte und dar\u00fcber, wie ich die Gelegenheit nutzen k\u00f6nnte, erinnerte ich mich an eine gewisse Debatte, die ich 1972 oder 1973 hatte, kurz nachdem ich mich Lyndon LaRouche angeschlossen hatte, nachdem ich eine Reihe von Kursen \u00fcber zwei Themen besucht hatte: klassische Musik auf der einen Seite, und auf der anderen Seite die einzige Wirtschaftstheorie, von der ich \u00fcberzeugt war, da\u00df sie meinen Enthusiasmus f\u00fcr wirtschaftlichen Fortschritt, insbesondere in Afrika, ansprach \u2013 zwei F\u00e4cher, bei denen meine Hochschullehrer darauf bestanden hatten, da\u00df sie nichts miteinander zu tun h\u00e4tten.<\/p>\n<p>Ich sprach damals mit einem Kompositionsstudenten der Columbia University, den ich f\u00fcr die Idee zu gewinnen versuchte, da\u00df die Welt ein besserer Ort w\u00e4re, wenn Komponisten die Herausforderung annehmen w\u00fcrden, die Beethoven in seinen sp\u00e4ten Werken, insbesondere in seinen sp\u00e4ten Streichquartetten, aufgeworfen hatte. \u201eK\u00f6nntest du Werke wie Beethoven komponieren?\u201c, fragte ich ihn. \u201eJa, klar k\u00f6nnte ich das, kein Problem\u201c, antwortete er mit ein wenig Prahlerei. \u201eNa dann\u201c, hakte ich nach, \u201ewarum tust du es denn nicht?\u201c Worauf er l\u00e4ssig antwortete: \u201eWeil ich mich f\u00fcr was anderes entschieden habe!\u201c \u2013 und schnell wieder wegging.<\/p>\n<p>Und das ist auch heute noch das Problem.<\/p>\n<p>Diese Herausforderung, Beethovens Ideen nicht nur durch ehrliche Auff\u00fchrungen zu vermitteln, sondern \u00fcber Beethoven hinauszugehen, verfolgt die menschliche Zivilisation seit dem Tod des Komponisten im M\u00e4rz 1827. Nur sehr wenige, wie Schumann und Brahms, haben diese Herausforderung angenommen, w\u00e4hrend so viele andere, wie Wagner und die Romantiker, Strawinsky und die Modernisten, ganz zu schweigen von den Anbietern popul\u00e4rer Massenunterhaltung, \u201esich f\u00fcr was anderes entschieden haben\u201c.<\/p>\n<h3>Der Herausforderung stellen<\/h3>\n<p>Wie k\u00f6nnen wir uns dieser Herausforderung heute stellen? Sicherlich ist das Studium, das Singen und Spielen gro\u00dfer klassischer Werke f\u00fcr unser \u00dcberleben unerl\u00e4\u00dflich. Aber wir d\u00fcrfen nicht in die Falle tappen, wie es so viele K\u00fcnstler tun, zu glauben, da\u00df die Beherrschung des <i>Stils<\/i> der klassischen Musik dem Komponisten oder uns gerecht wird. Gro\u00dfe klassische Musik war nie eine Frage des Stils, sondern vielmehr einer unstillbaren Sehnsucht, universelle platonische Ideen, universelle Prinzipien \u00fcber die wahre Natur des Menschen zu vermitteln \u2013 das, was ihn von allen anderen uns bisher bekannten Gesch\u00f6pfen unterscheidet, auf unserer Reise durch die universelle Raumzeit.<\/p>\n<p>Lyndon LaRouche warf uns f\u00fcr die Auseinandersetzung mit dieser Herausforderung einen Rettungsanker zu, als er das klassische Kunstlied als den \u201eStein von Rosette\u201c der Kunst bezeichnete. Er sagte, das Singen von Poesie sei eine nie versiegende Quelle der Inspiration f\u00fcr den komponierenden Geist. Alle gro\u00dfe klassische Poesie, von den vedischen Hymnen \u00fcber Homer und Dante bis hin zu Shakespeare, Schiller, Shelley und Poe, ist gesungene Poesie; und umgekehrt mu\u00df alle gro\u00dfe Musik, ob von S\u00e4ngern, Instrumenten oder Kombinationen von beidem vorgetragen, gesungen werden \u2013 und zwar mit Sch\u00f6nheit und Anmut gesungen werden \u2013, wenn sie die beabsichtigte Wirkung haben soll, die Interpreten und das Publikum gleicherma\u00dfen zu erheben und zu verwandeln.<\/p>\n<p>Poesie ist, wie Musik, niemals eine Frage des Stils, sondern eine Frage des Zwecks. Besonders in unruhigen Zeiten haben Komponisten die Lieder und Gedichte unbekannter Barden des Volkes, die so genannten Volkslieder, als ein Mittel aufgegriffen, um die Volkskultur zu bereichern und zu veredeln, indem sie diese Lieder des Lebens und der Liebe auf das h\u00f6chste Niveau moralischer und k\u00fcnstlerischer Vollkommenheit erhoben haben. Die erhabene Wirkung des afroamerikanischen Spirituals, wor\u00fcber meine Kollegen hier sprechen, ist ein einzigartiges, wertvolles Beispiel in der amerikanischen Kultur. In \u00e4hnlicher Weise wurden im 19. Jahrhundert die Volkslieder vieler europ\u00e4ischer Kulturen von Beethoven selbst und insbesondere von Johannes Brahms und Anton\u00edn Dvo\u0159\u00e1k auf ein hohes Niveau der Vollkommenheit gebracht. In China, das \u00fcber eine reiche Fundgrube an Volksliedern verf\u00fcgt, glaube ich, da\u00df die Komponisten dies noch auf das Niveau anheben m\u00fcssen wie, sagen wir, Brahms es erreicht hat, aber ich bin zuversichtlich, da\u00df, wenn China nicht in einem nuklearen Holocaust zerst\u00f6rt wird, wie dies von den Dinosauriern des Alten Paradigmas so verzweifelt erhofft wird, dies nicht mehr lange auf sich warten lassen wird.<\/p>\n<p>Aber in unserer heutigen westlichen Kultur ist die Erinnerung an diese Lebens- und Liebeslieder bei den breiten Masse der Bev\u00f6lkerung unter dem Ansturm der brutalen, barbarischen, starren, meist sexbesessenen \u201ePopkultur\u201c immer mehr verbla\u00dft, in einem solchen Ausma\u00df, da\u00df, wenn man heute einen jungen Amerikaner fragt, ob er ein einfaches Volkslied kennt, das er von Kindheit an gesungen hat, er wahrscheinlich eher schweigt und einen ratlos anschaut.<\/p>\n<p>Kann also die wahre klassische Komposition in der Gr\u00f6\u00dfenordnung eines Bach, Beethoven und Brahms angesichts dieser Verrohung der Kultur unseres Volkes wiederbelebt werden, da die sinnlose Jagd nach dem Hier und Jetzt die Nachkl\u00e4nge der Vergangenheit verdr\u00e4ngt hat? Ich glaube, das kann sie, aber nur, wenn sich Dichter und Komponisten darauf einigen, sich einem Kampf auszusetzen, nicht nur sch\u00f6ne Melodien oder clevere musikalische Kombinationen zu schaffen, sondern um die beabsichtigte <i>physische<\/i> Wirkung ihrer eigenen Sch\u00f6pfungen bewu\u00dft zu gestalten.<\/p>\n\n<h3>Planck und Einstein<\/h3>\n<p>Was ich damit meine, will ich nun am Beispiel zweier hervorragender Musiker veranschaulichen: Max Planck und Albert Einstein.<\/p>\n<p>Aber was verstehe ich unter \u201ephysisch\u201c? Nun, ich meine es in der gleichen Weise, wie Lyndon LaRouche \u00fcber die physische \u00d6konomie spricht. Jeder, der mit LaRouches Diskussionen und Schriften vertraut ist, mu\u00df sich dar\u00fcber im klaren sein, da\u00df er mit \u201ephysisch\u201c bzw. \u201ephysikalisch\u201c nicht Objekte meint, seien es Anlagen und Ger\u00e4te oder Menschen, sondern bewiesene universelle physikalische Prinzipien, die der Mensch durch sch\u00f6pferische Handlungen entdecken kann, zum Wohle der zuk\u00fcnftigen Existenz der Menschheit und zum vermehrten Gl\u00fcck des Universums selbst.<\/p>\n<p>Die Musiker Planck und Einstein waren nat\u00fcrlich auch begnadete theoretische Physiker. Als Frucht ihres Kampfes entdeckten sie die quantisierte Eigenschaft der elektromagnetischen Energie, eine Entdeckung, die direkt zu unserer \u2013 immer noch sehr begrenzten \u2013 Beherrschung der Kernkraft f\u00fchrte. Und bitte verzeihen Sie mir, wenn ich hier viele technische Details \u00fcberspringe, so wichtig sie auch sein m\u00f6gen.<\/p>\n<p>Max Planck wuchs in der zweiten H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts in Deutschland auf. Als er seinen Freunden verk\u00fcndete, da\u00df er nicht Pianist und Komponist, sondern Physiker werden wolle, antworteten ihm einige seiner Bekannten, er vergeude seine Zeit, weil alle wesentlichen Gesetze der diskreten Materie auf der einen Seite und der kontinuierlichen elektromagnetischen Energie auf der anderen Seite bereits entdeckt worden seien.<\/p>\n<p>Doch ein Problem, das die Physiker weiter verwirrte, war das sogenannte Schwarzk\u00f6rperproblem. Die Herausforderung bestand darin, die Kraftverteilung und Frequenzen von Substanzen zu bestimmen, insbesondere von Metallen, die, wenn sie hei\u00dfer werden, Licht mit verschiedenen Frequenzen aussenden: zun\u00e4chst in den niedrigeren roten Frequenzen, wie man sieht, wenn ein Metallst\u00fcck rot zu gl\u00fchen beginnt, und dann, wenn die Temperatur steigt, in Richtung wei\u00df. Der so genannte schwarze K\u00f6rper war ein Ger\u00e4t, um dies mit gro\u00dfer Pr\u00e4zision zu testen.<\/p>\n<p>Das praktische Problem bestand darin, da\u00df niemand in der Lage war, eine Formel f\u00fcr die Verteilung der Frequenzen auszuarbeiten. F\u00fcr die industrielle Produktion war dies zu einer dringenden Angelegenheit geworden, weil die Herstellung zuverl\u00e4ssiger Gl\u00fchbirnen eine solche Berechnung erforderte, und tats\u00e4chlich finanzierte die Elektrofirma Siemens in Berlin ein ganzes Institut, das sich der L\u00f6sung dieses Problems widmete.<\/p>\n<p>Nachdem er viele andere scheitern sah, beschlo\u00df Planck, dieses Problem aufzugreifen, und es gelang ihm, eine Gleichung aufzustellen, die die genaue Verteilung der Energie zu ber\u00fccksichtigen schien. Allerdings \u2013 und das ist das entscheidende Merkmal seiner Ehrlichkeit \u2013 blieb er mit seiner eigenen Gleichung unzufrieden, und er weigerte sich sogar, sie seinen Kollegen vorzulegen, weil er ihre <i>physikalische<\/i> Bedeutung noch nicht entdeckt hatte. Was war die <i>Ursache<\/i> daf\u00fcr, da\u00df es so und nicht anders funktioniert, fragte er.<\/p>\n<p>So sah er sich mit der gleichen Art von Herausforderung konfrontiert wie Johannes Kepler, der sich mit den Planetenepizykeln des Ptolem\u00e4us und den Kreisbahnen von Kopernikus und Tycho Brahe besch\u00e4ftigte und zu dem Schlu\u00df kam, da\u00df ihre Modelle, so genau sie auch zu sein schienen, unm\u00f6glich g\u00fcltig sein k\u00f6nnen, da sie lediglich ein Naturph\u00e4nomen <i>beschrieben<\/i>, ohne sich um die Entdeckung seiner <i>physikalischen Ursache<\/i> zu k\u00fcmmern.<\/p>\n<p>Planck begab sich auf eine Reise, die schlie\u00dflich seinen eigenen festen axiomatischen Glauben an die Existenz einer perfekten Kontinuit\u00e4t in der Natur in Frage stellte. Denn wie k\u00f6nnte zum Beispiel Licht etwas anderes sein als eine kontinuierliche Welle? Wie k\u00f6nnte Gottes Sch\u00f6pfung nur die Summe einer Unzahl kleiner Teile sein?<\/p>\n<p>Damit stand Planck in st\u00e4ndigem Konflikt mit moralisch kompromittierten Reduktionisten wie Ludwig Boltzmann und Ernst Mach, die daf\u00fcr eintraten, da\u00df Wissenschaftler alle Bem\u00fchungen aufgeben sollten, die Kausalit\u00e4t komplexer Ph\u00e4nomene wie das Verhalten von Gasen tats\u00e4chlich zu verstehen, und sich mit einer blo\u00dfen statistischen Wahrscheinlichkeit zufrieden geben sollten, da\u00df ein bestimmtes Ph\u00e4nomen so und nicht anders ist.<\/p>\n<p>Aber nachdem er alle m\u00f6glichen Gedankenexperimente mit schwarzen K\u00f6rpern ausprobiert hatte und es ihm nicht gelungen war, eine Ursache zu finden, stellte Planck in \u201eeinem Akt der Verzweiflung\u201c, wie er selbst sagte, die Hypothese eines Modells auf: Es beinhaltete eine Unzahl kleiner Sprungfedern aus dem Inneren des schwarzen K\u00f6rpers, die Licht mit Frequenzen ausstrahlten, die allesamt ganzzahlige Inkremente eines extrem kleinen konstanten Wertes waren \u2013 was dann sp\u00e4ter als das Plancksche Wirkungsquantum bekannt wurde. Planck hatte eine wahre physikalische <i>Ursache<\/i> entdeckt, allerdings um den Preis, da\u00df er sein eigenes, ihm liebstes Axiom aufgab.<\/p>\n<p>Aber damit ist die Geschichte noch nicht zu Ende! Planck hatte ein neues Prinzip begriffen, aber nur unvollst\u00e4ndig. An seiner \u00dcberzeugung festhaltend, da\u00df das Licht selbst kontinuierlich ist, glaubte er, da\u00df nur die <i>Wechselwirkung<\/i> des Lichts mit den winzigen Rezeptoren im schwarzen K\u00f6rper seine quantisierte Wirkung hervorruft.<\/p>\n<p>Die Schrift, in der er seine Entdeckung ank\u00fcndigte, fiel dann in die H\u00e4nde eines jungen Patentbeamten Dritter Klasse in der Schweiz namens Albert Einstein, der praktisch sagte: \u201eMoment mal! Was ist, wenn das Licht selbst quantisiert ist? Und was, wenn die Wellennatur des Lichts tats\u00e4chlich mit seiner quantisierten Natur in Einklang gebracht werden kann, gem\u00e4\u00df einem <i>h\u00f6heren Prinzip<\/i>?\u201c<\/p>\n<p>Wie es so sch\u00f6n hei\u00dft: \u201eDer Rest ist Geschichte.\u201c Und seitdem, bis zu seinem Tod, hat Einstein seine Suche nach diesem h\u00f6heren Prinzip nie aufgegeben, er widersetzte sich allen Bem\u00fchungen von Mach-Anh\u00e4ngern wie Werner Heisenberg, die Quantenphysik auf eine statistische Spielerei zu reduzieren, die nur \u201ezu funktionieren scheint\u201c, <i>aber keine Ursachenforschung<\/i> <i>betreiben will<\/i>. Einsteins Erwiderung an diesen beschr\u00e4nkten Geister ist ber\u00fchmt: \u201eGott w\u00fcrfelt nicht.\u201c<\/p>\n<h3>LaRouche zur Musik<\/h3>\n<p>Aber zur\u00fcck zu Musik und Poesie! Ich m\u00f6chte einen weiteren herausragenden Musiker zitieren, n\u00e4mlich Lyndon LaRouche. Im Januar 1993 besuchten meine Frau Ren\u00e9e und ich mit Mindy Pechenuk Lyndon f\u00fcr einige Stunden im Gef\u00e4ngnis von Rochester, Minnesota, wo wir in der manchmal sehr ger\u00e4uschvollen Atmosph\u00e4re des Gef\u00e4ngnis-Besuchszimmers alle m\u00f6glichen musikalischen Fragen besprachen. Aus der transkribierten Aufnahme, die wir eines Tages ver\u00f6ffentlichen wollen, m\u00f6chte ich Ihnen das folgende vorlesen, um Ihnen einen Einblick in LaRouches Denken zu geben:<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/archive.schillerinstitute.com\/graphics\/photos\/hist_poet_musicians\/brainin_larouche.jpg\" alt=\"\" width=\"579\" height=\"430\"\/><figcaption>Lyndon H. LaRouche und Norbert Brainin<\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-pullquote\"><blockquote><p>\u201eDie \u00c4quivalenzen der Musik sind nicht ordinal, sie sind nicht quantitativ \u2013 sie sind nicht qualitativ, zum Beispiel. Sie haben die Form einer <em>Analysis situs<\/em>. Und der Schl\u00fcssel dazu sind zwei Dinge.<\/p><p>Erstens ist der musikalische Bereich ein <em>quantisiertes Feld<\/em>. Noten existieren. Und Raum ist keplerisch. Weil man die Noten hat, sie existieren an bestimmten Orten, gibt es bestimmte Harmonien, die existieren, die <em>geordnet<\/em> sind. Und egal, welche Noten man spielt, die n\u00e4chste wird immer schon da sein. Man kann Ihre Reihenfolge \u00e4ndern, soviel man will, aber die n\u00e4chste wird da sein. Es ist alles f\u00fcr dich vorbestimmt. Und das ist nicht ver\u00e4nderbar. Und eine Ann\u00e4herung an die Note, nur in dem Ma\u00dfe, wie du schwindelst, ist die Note. Die Note, die gesungen oder vorgetragen wird, ist nicht die eigentliche Note. Es ist die beste Ann\u00e4herung daran. Der Ton ist absolut; und der Ausf\u00fchrende n\u00e4hert sich ihm nur an. Und wenn man sich dem nicht gut genug ann\u00e4hert, werden wir ungl\u00fccklich; wir werden verwirrt. Aber das ist die <em>Analysis situs<\/em>.<\/p><p>Das wichtigste ist die <em>Note<\/em>, erstens. Zweitens die Registrierung. Und die Registrierung gibt es in vielen verschiedenen Varianten. Es erscheint in Aspekten von Instrumentenfarben aller Art, bzw. es wird manchmal der Oberbegriff Farbe verwendet. Aber es gibt viele Arten von Farben. Man kann Instrumente erschaffen; sie haben Farben, die keine menschlichen Stimmfarben sind. Aber sie werden zu einer Dimensionalit\u00e4t der <em>Farbe<\/em>. Und das ist pr\u00e4zise, ist vorbestimmt. Man macht eine Saite von so und so einer Art, das ist fest. Das hat eine Farbe. Man kann sie ver\u00e4ndern, aber sie ist da, sie wird dich verfolgen. Und du kommst nicht davon los. Man mu\u00df zu einer anderen Saite springen, um zu einem anderen Teil seiner Farbe zu gelangen.\u201c<\/p><\/blockquote><\/figure>\n\n\n<p>Und nun hoffe ich, da\u00df ich Ihre Geduld noch einmal strapazieren darf, wenn ich diese Passage aus Einsteins Einf\u00fchrung [zur englischen Ausgabe] von Plancks Buch \u201eWohin geht die Wissenschaft\u201c von 1932 zitiere:<\/p>\n<p>\u201eH\u00f6chste Aufgabe des Physikers ist die Entdeckung der allgemeinsten elementaren Gesetze, aus denen durch reine Deduktion das Weltbild zu gewinnen ist.Zu diesen elementaren Gesetzen f\u00fchrt kein logischer Weg, sondern nur die auf Einf\u00fchlung in die Erfahrung sich st\u00fctzende Intuition.<\/p>\n<p>Der Forscher sieht hier bei jedem neuen wichtigen Fortschritte seine Erwartungen \u00fcbertroffen, indem jene Grundgesetze sich unter dem Drucke der Erfahrung mehr und mehr vereinfachen. Mit Staunen sieht er das scheinbare Chaos in eine sublime Ordnung eingef\u00fcgt, die nicht auf das Walten des eigenen Geistes, sondern auf die Beschaffenheit der Erfahrungswelt zur\u00fcckzuf\u00fchren ist; dies ist das, was Leibniz so gl\u00fccklich als ,pr\u00e4stabilierte Harmonie\u2019 bezeichnete.<\/p>\n<p>Diesen Umstand nicht genug zu w\u00fcrdigen, wird von den Physikern manchen Erkenntnistheoretiker zum schweren Vorwurf gemacht. Hierin scheinen mir auch die Wurzeln der vor einigen Jahren zwischen Mach und Planck gef\u00fchrten Polemik zu liegen.\u201c<\/p>\n<p>Planck war wahrscheinlich der Meinung, da\u00df Mach die Sehnsucht des Physikers nach der Wahrnehmung dieser pr\u00e4stabilierten Harmonie nicht voll zu w\u00fcrdigen wu\u00dfte.<\/p>\n<p>\u201eDie Sehnsucht nach dem Schauen jener pr\u00e4stabilierten Harmonie ist die Quelle der unersch\u00f6pflichen Ausdauer und Geduld, mit der wir Planck den allgemeinsten Problemen unserer Wissenschaft sich hingeben sehen, ohne sich durch dankbarere und leichter erreichbare Ziele ablenken zu lassen.<\/p>\n<p>Ich habe oft geh\u00f6rt, da\u00df Fachgenossen dieses Verhalten auf au\u00dfergew\u00f6hnliche Willenskraft und Disziplin zur\u00fcckf\u00fchren wollten; wie ich glaube, ganz zu Unrecht. Der Gef\u00fchlszustand, der zu solchen Leistungen bef\u00e4higt, ist dem des Religi\u00f6sen oder Verliebten \u00e4hnlich; das t\u00e4gliche Streben entspringt keinem Vorsatz oder Programm, sondern einem unmittelbaren Bed\u00fcrfnis.\u00a0<\/p>\n<p>Hier sitzt er, unser lieber Planck, und l\u00e4chelt innerlich \u00fcber dies mein kindliches Hantieren mit der Laterne des Diogenes. Unsere Sympathie f\u00fcr ihn bedarf keiner fadenscheinigen Begr\u00fcndung. M\u00f6ge die Liebe zur Wissenschaft auch in Zukunft seinen Lebensweg versch\u00f6nern und ihn zu L\u00f6sung des von ihm selbst gestellten und m\u00e4chtig gef\u00f6rderten wichtigsten physikalischen Problems der Gegenwart f\u00fchren. M\u00f6ge es ihm gelingen, die Quantentheorie mit der Elektrodynamik und Mechanik zu einem logisch einheitlichen System zu vereinigen.\u201c<sup>1<\/sup><\/p>\n<p>Was ist also die Lektion, die wir hier lernen k\u00f6nnen? Damit werfe ich den heutigen Dichtern und Komponisten die folgende Herausforderung entgegen, vor allem an junge Dichter und junge Komponisten, die m\u00f6glicherweise auch in einem wissenschaftlichen Bereich t\u00e4tig sind:<\/p>\n<p>Ihr Dichter und Komponisten: <i>Ihr<\/i> wi\u00dft, wer ihr seid! (Denn wer sich das noch fragen mu\u00df, ist wahrscheinlich keiner, oder zumindest noch nicht.) Nehmt die Herausforderung an, die nicht nur von Planck und Einstein, sondern auch von Lyndon LaRouche und den Rednern dieser Konferenz an euch herangetragen wurde, und widmet euer Leben der Ver\u00e4nderung eurer eigenen Axiome, wenn es sein mu\u00df, sogar den am meisten gesch\u00e4tzten, wenn ihr feststellt, da\u00df diese Axiome euch daran hindern, ein Mittel zu entdecken, mit dem ihr eure Kompositionen so gestalten k\u00f6nnt, da\u00df sie zu einer <i>physikalischen Ursache im Universum<\/i> werden. Seid ihr z.B. sicher, da\u00df das, was ihr geschaffen habt, tats\u00e4chlich zu Handlungen inspirieren wird, die zu einer Erh\u00f6hung der Wachstumsrate der relativen potentiellen Bev\u00f6lkerungsdichte der Menschheit f\u00fchren? Oder einfacher ausgedr\u00fcckt, im Sinne Friedrich Schillers: Wird das Publikum durch das Erleben eurer Werke zu besseren Menschen?<\/p>\n<p>Das ist der wahre Inhalt dieses \u201eSeelenhungers\u201c in den Worten Einsteins oder, in den Worten des heiligen Paulus an die Korinther, der Liebe. Gebt euch nicht nur mit sch\u00f6nen, angenehmen, kindlichen Dingen zufrieden. Stellt euch diesem notwendigen Kampf, und die ganze Menschheit wird euch ewig dankbar sein.<\/p>\n<p class=\"mb10\">Oder wie Percy Bysshe Shelley an seine <i>Lerche<\/i> sang:<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-columns is-layout-flex wp-container-core-columns-is-layout-2 wp-block-columns-is-layout-flex\">\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<p><strong>To a Skylark<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>&#8230; We look before and after,<br>And pine for what is not:<br>Our sincerest laughter<br>With some pain is fraught;<br>Our sweetest songs are those that tell of saddest thought.<\/p>\n\n\n\n<p>Yet if we could scorn<br>Hate, and pride, and fear;<br>If we were things born<br>Not to shed a tear,<br>I know not how thy joy we ever should come near.<\/p>\n\n\n\n<p>Better than all measures<br>Of delightful sound,<br>Better than all treasures<br>That in books are found,<br>Thy skill to poet were, thou scorner of the ground!<\/p>\n\n\n\n<p>Teach me half the gladness<br>That thy brain must know,<br>Such harmonious madness<br>From my lips would flow<br>The world should listen then, as I am listening now.<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column is-layout-flow wp-block-column-is-layout-flow\">\n<p><strong>An eine Lerche<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>&#8230; Uns zerqu\u00e4lt das Morgen<br>Oder Gestern heut,<br>Uns wird, ach! durch Sorgen<br>Jede Lust entweiht,<br>Und unser sch\u00f6nstes Lied, es spricht von tiefstem Leid.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch wenn fremd uns w\u00e4ren<br>Furcht und Stolz und Ha\u00df;<br>W\u00fcrde nie von Z\u00e4hren<br>Uns das Auge na\u00df,<br>So lie\u00df&#8216; uns deine Lust wohl kalt ohn&#8216; Unterla\u00df.<\/p>\n\n\n\n<p>Besser als geschraubter<br>Melodien Brunst,<br>Besser als verstaubter<br>B\u00fccher Weisheitsdunst,<br>Du Erdver\u00e4chter, w\u00e4r&#8216; dem Dichter deine Kunst.<\/p>\n\n\n\n<p>Halb nur deine Lust<br>Wolle mit mir tauschen: &#8211;<br>Dann aus meiner Brust<br>Sollt&#8216; ein Lied entrauschen,<br>Dem w\u00fcrde, wie ich dir gelauscht, die Erde lauschen.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n<div class=\"hr\">\n<hr \/>\n<\/div>\n\n\n<p><b>Anmerkung<\/b><\/p>\n<p>1. Einsteins \u201eProlog\u201d zu dieser englischen Ausgabe von Plancks Schrift folgt seiner Festrede zum 60. Geburtstag von Max Planck, nach der wir diese Passage zitiert haben.<\/p>\n\n<div class=\"hr\">\n<hr \/>\n<\/div>\n\n\n<div class=\"call-to-action-big\">\n<h2>Resolution zum Beethoven-Jahr<\/h2>\n<p class=\"excerpt\">In einer Gegenwart, in der zunehmend sinnlose Gewalt, ein Verfall der kulturellen Werte, eine kaum noch zu \u00fcberbietende Verflachung beim sogenannten volkst\u00fcmlichen Geschmack und eine Verrohung des Umgangs miteinander zu beobachten sind, haben wir immer noch eine ganz entscheidende Quelle, von der eine kulturelle und moralische Erneuerung ausgehen kann: die klassische Kunst! Das gro\u00dfartige Menschenbild, das mit den dichterischen Werken von Dante, Petrarca, Lessing oder Schiller oder den erhabenen und gro\u00dfen Kompositionen von Bach, Mozart, Verdi, Beethoven, Schubert, Schumann oder Brahms verbunden ist, ist immer noch ein Bezugspunkt f\u00fcr die Art und Weise, wie wir uns als Gesellschaft definieren.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/forms.sbc33.com\/5f95e7f611ce6217f492b9ad\/TAaV__kiQRCOJjTAY_mWmg\/8sWgVamqTJiAvNGCA_XilA\/form.html\" class=\"custom-button large\" data-newwindow=\"true\">Zur Resolution<\/a><\/p>\n<\/div>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von John Sigerson John Sigerson, Musikalischer Direktor des Schiller-Instituts, hielt im Rahmen der Internetkonferenz des Instituts am 26. April den folgenden Vortrag. Als ich \u00fcber das diesj\u00e4hrige Beethovenjahr nachdachte und dar\u00fcber, wie ich die Gelegenheit nutzen k\u00f6nnte, erinnerte ich mich an eine gewisse Debatte, die&hellip;<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on get_the_excerpt --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on get_the_excerpt --><\/p>\n","protected":false},"author":33,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"_lmt_disableupdate":"","_lmt_disable":"","footnotes":""},"categories":[],"tags":[],"class_list":["post-67310","page","type-page","status-publish","hentry"],"featured_image_src":null,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/67310","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/33"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=67310"}],"version-history":[{"count":11,"href":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/67310\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":67321,"href":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/67310\/revisions\/67321"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=67310"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=67310"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=67310"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}