{"id":62617,"date":"2020-09-16T13:20:36","date_gmt":"2020-09-16T11:20:36","guid":{"rendered":"https:\/\/schillerinstitute.com\/?page_id=62617"},"modified":"2020-10-23T14:13:34","modified_gmt":"2020-10-23T12:13:34","slug":"michele-geraci-dem-westen-helfen-china-zu-verstehen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/michele-geraci-dem-westen-helfen-china-zu-verstehen\/","title":{"rendered":"Michele Geraci: &#8222;Dem Westen helfen China zu verstehen&#8220;"},"content":{"rendered":"\n<p>Sehen Sie hier die Rede von Michele Geraci (Italien), ehemaliger Unterstaatssekret\u00e4r f\u00fcr wirtschaftliche Entwicklung im Rahmen der internationalen Internet-Konferenz <em><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/blog\/2020\/08\/13\/conference-war-drive-towards-armageddon-or-a-new-paradigm-among-sovereign-nations-united-by-the-common-aims-of-mankind\/\" target=\"_blank\">\u201eKriegstreiberei bis zum Armageddon oder ein neues Paradigma souver\u00e4ner Nationen, geeint durch die gemeinsamen Ziele der Menschheit?\u201c<\/a><\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed-youtube wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"Michele Gerachi: Dem Westen helfen China zu verstehen\" width=\"960\" height=\"540\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/uk4uxByyrxw?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><div class=\"toggle-container\"><a href=\"#\" class=\"toggle\"><span class=\"toggle-sign\"><\/span><span class=\"toggle-title\">Die Rede lesen<\/span><\/a><div class=\"toggle-content\"><\/p>\n<p>Dem Westen helfen China zu verstehen<\/p>\n<p>Von Michele Geraci<\/p>\n<p>Sch\u00f6n, Sie zu sehen; vielen Dank&#8230;<\/p>\n<p>Der erste Punkt, auf den ich eingehen m\u00f6chte, ist ein kleines Update zur Situation zwischen Italien und China nach der Unterzeichnung des MoU [Memorandum of Understanding] im vergangenen Jahr. Ganz objektiv gesehen, m\u00fcssen wir erkennen, da\u00df angesichts all der Probleme f\u00fcr die Welt, von denen wir bis vor wenigen Minuten geh\u00f6rt haben, einschlie\u00dflich der Pandemie und der Unm\u00f6glichkeit zu reisen, die Fortschritte relativ langsam waren. Auch die politische Situation ist aufgeladen; der Aufstieg Chinas wird, wie wir alle wissen, in Europa eher als Bedrohung denn als Chance wahrgenommen. Das Gef\u00fchl, das ich in meinem Land habe, ist, da\u00df die Regierung und die \u00f6ffentliche Meinung sich ein bi\u00dfchen mehr auf die konservative Seite der Gleichung verlagern. Deshalb konzentriert man sich mehr auf die Bedrohung, was Gesch\u00e4fte verhindert; man zieht sich zur\u00fcck, anstatt sich auf die Chancen zu freuen.<\/p>\n<p>Ich denke, das ist kein guter Fortschritt, aber in gewisser Weise m\u00fcssen wir das entschuldigen, weil es die Pandemie gibt. Wir schreiben das ganze Jahr ab, zum Beispiel den 50. Jahrestag der diplomatischen Beziehungen zwischen Italien und China; oder das Jahr der Kultur und des Tourismus, das eigentlich 2020 sein sollte, das haben wir alle auf das n\u00e4chste Jahr verschoben. Es gibt also wie immer eine Krise und eine Chance. Es hat sich wenig getan, aber dank der Abriegelung mit der Unm\u00f6glichkeit, etwas zu tun, haben wir gewisserma\u00dfen eine Ausrede und k\u00f6nnen sagen, wir haben keine Zeit verschwendet, wir h\u00e4tten es unter den Umst\u00e4nden nicht besser machen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Die Herausforderung besteht nun darin, da\u00df wir die Chance nicht vertun, wenn sich die Welt wieder in gewissem Ma\u00dfe \u00f6ffnet.<\/p>\n<p>Dies ist also das erste, was ich erw\u00e4hnen m\u00f6chte. Ich m\u00f6chte aber Ihnen allen, dem Publikum und Helga mitgeben, da\u00df jeder einen potentiellen Hebel f\u00fcr praktische Dinge hat, die getan werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Der zweite Punkt betrifft den Umfang der Infrastruktur: Die Karte, die wir vorhin gesehen haben, mit den Br\u00fccken und Tunneln rund um die Welt, das ist meiner Ansicht nach tats\u00e4chlich eine Erweiterung dessen, was China in seiner eigenen Wirtschaft getan hat. Ich hatte das Gl\u00fcck, zehn Jahre lang in China zu leben, und ich habe den Wandel einer ganzen Gesellschaft miterlebt, der sich haupts\u00e4chlich auf mehrere S\u00e4ulen st\u00fctzt. Eine davon ist die Steuerung des Wechselkurses, des Handels und der Zinss\u00e4tze &#8211; sagen wir also der finanzielle Teil, der von der Regierung verwaltet wird. Und die andere ist die gro\u00dfe Investition in die Migration vom Land in die Stadt, die zur Entwicklung von Verkehr und Infrastruktur gef\u00fchrt hat. Eine der wichtigsten S\u00e4ulen des erfolgreichen Entwicklungsmodells Chinas in den letzten 40 Jahren war also die Infrastruktur.<\/p>\n<p>Ich bin ein gro\u00dfer Bef\u00fcrworter der Ausdehnung dieses Modells \u00fcber die Grenzen hinaus, und damit nat\u00fcrlich auch von G\u00fcrtel und Stra\u00dfe, nach Zentralasien, in S\u00fcdostasien, in Afrika. Und vielleicht k\u00f6nnen wir \u00fcber den Sinn der Initiative, die China per se vorantreibt, hinausgehen und die Welt als einen Ort betrachten, der vernetzt werden mu\u00df.<\/p>\n<p>Alles, was wir gesagt haben, deckt sich sehr gut mit der Initiative der einzelnen Mitgliedsstaaten; jeder m\u00f6chte Infrastruktur aufbauen. Das stimmt sehr gut \u00fcberein &#8211; und das ist ein wichtiger Punkt f\u00fcr die Europ\u00e4ische Union. Die Europ\u00e4ische Union f\u00e4ngt endlich an, etwas zu tun &#8211; nicht genug, aber immerhin \u00fcber die praktische Hilfe hinaus, die die Europ\u00e4ische Union in Form von Rettungsfonds, der Ausgabe von Anleihen, leistet. Materiell gesehen ist der Geldbetrag v\u00f6llig unbedeutend, aber das Narrativ innerhalb der Mitgliedstaaten scheint sich zu \u00e4ndern, und ein Investitionsschub kommt in Gang. Sogar die \u00f6ffentliche Meinung sieht, da\u00df die mangelnde Qualit\u00e4t der lokalen Infrastruktur die Regierung zum Handeln zwingt. Wie wir wissen, gehen in unserer liberalen Demokratie die Regierungen nicht immer voran. Manchmal, leider sehr oft, gehen sie hinterher, weil sie nat\u00fcrlich Wahlziele verfolgen m\u00fcssen. Das bringt die Rolle der M\u00e4rkte und des Staates ein wenig in die Krise.<\/p>\n<p>Wir diskutieren auch dar\u00fcber, wo diese Linie sein sollte: Wie viel von diesen neuen Initiativen, wie viel von dieser Zusammenarbeit mit China und anderen L\u00e4ndern f\u00fcr die Entwicklung Afrikas, f\u00fcr die Entwicklung Asiens soll es geben. Wer soll es tun? Wer sind die Akteure, die Beteiligten? Wo ist die Grenze zwischen der Regierung oder dem Staat und den M\u00e4rkten?<\/p>\n<p>Es hat den Anschein, da\u00df wir China mit etwas Mi\u00dftrauen und gleichzeitig mit etwas Bewunderung betrachten, denn wir wissen, da\u00df in China die Grenze zwischen Staat und Markt dorthin verschoben wird, wo der Staat eine gr\u00f6\u00dfere Rolle spielt. Unabh\u00e4ngig von den Statistiken und der Privatisierung wissen wir, da\u00df der Staat dort sehr pr\u00e4sent ist. Wir haben die Zahlen gesehen, die Ergebnisse, das BIP, die Armutsbek\u00e4mpfung wurde bereits erw\u00e4hnt. Wir betrachten die chinesische Produktion, den schnelleren Wettlauf zwischen China und den Vereinigten Staaten bei Halbleitern, was ein weiteres Thema ist. Wir schauen uns das an und sind besorgt, da\u00df unser marktorientiertes Modell vielleicht neu angepa\u00dft werden mu\u00df, nat\u00fcrlich im Rahmen einer liberalen Demokratie. In wirtschaftlicher Hinsicht m\u00fcssen wir eine andere Mischung finden.<\/p>\n<p>Ein m\u00f6glicher Weg, den wir in Betracht ziehen, ist eine liberale Demokratie mit einer gr\u00f6\u00dferen staatlichen Intervention, aber von besserer Qualit\u00e4t, als wir sie mit den Holdinggesellschaften in ganz Europa in den 70er und 80er Jahren vor der Privatisierung hatten.<\/p>\n<p>Mein letzter Punkt ist in gewisser Weise ein Appell an alle China-Experten. Ich sehe die gleiche Situation, die es 1947 w\u00e4hrend der gro\u00dfen Mission der Vereinigten Staaten in China gab. Ein Mitglied des US-Kontingents namens Barrett berichtete, da\u00df es einen B\u00fcrgerkrieg zwischen der Kuomintang und den Kommunisten gab, da\u00df die Kommunisten irgendwie die Oberhand bekamen und wahrscheinlich gewinnen w\u00fcrden. Das k\u00f6nnte sogar eine Partei sein, mit der die Vereinigten Staaten \u00fcber Unterst\u00fctzung sprechen sollten, weil sie siegreich war. Vielleicht auch in Hinsicht auf die zuk\u00fcnftige Rolle der Kommunistischen Partei in China. Der Bericht ergriff also nicht klar Partei, sondern betrachtete die Kommunisten als einen potentiellen Partner. Das war nat\u00fcrlich erfolglos. Barrett wurde entlassen, er wurde degradiert und seine Bef\u00f6rderung verz\u00f6gert.<\/p>\n<p>Warum sage ich das? Weil genau das gleiche jetzt passiert. China-Experten werden f\u00e4lschlicherweise f\u00fcr Leute gehalten, die Propaganda f\u00fcr China betreiben. Das ist genau das, was im Westen geschieht. Leute, die von Chinas Errungenschaften berichten, werden als Stimmen des chinesischen Propagandasystems mi\u00dfverstanden, und sie werden entlassen. Das ist ein gro\u00dfes Problem, das wir haben. Denn wir wollen sicherstellen, da\u00df die politischen Entscheidungstr\u00e4ger diesmal nicht den gleichen Fehler machen wie 1947, sondern da\u00df sie zuh\u00f6ren. Denn Experten sind dazu da, zu sagen, was real passiert.<\/p>\n<p>Wenn ich mit Mitgliedern der italienischen Regierung spreche, sagen mir meine derzeitigen Mitglieder der italienischen Regierung immer: Erinnern Sie sich daran, wie Herr Bill Gates in sein B\u00fcro st\u00fcrmte und sagte: \u201eSteve Jobs hat ein neues Windows-System geschaffen, das besser ist als unseres.\u201c Er tat das nicht blo\u00df, um die Errungenschaften von Apple zu loben, sondern auch, um seine Belegschaft anzufeuern. Auf die Ebene der Staaten \u00fcbertragen, geht es nun darum, wie die gesamte Bev\u00f6lkerung auf diese Ver\u00e4nderung reagiert, sei es nun positiv oder negativ.<\/p>\n<p>Mein zweiter Appell an die Menschen, die sich in diesen Bereichen der Infrastrukturentwicklung engagieren &#8211; Eisenbahn, China, Asien -, lautet also, da\u00df wir solchen Stimmen Geh\u00f6r verschaffen und sie nicht mi\u00dfverstehen sollten. Wir informieren &#8211; in meinem Fall mein Volk, meine Regierung &#8211; \u00fcber das, was geschieht. Und je mehr wir die Erfolge hervorheben, desto mehr sollten die Menschen zuh\u00f6ren.<\/p>\n<p>Aus diesem Grund, und damit schlie\u00dfe ich meine Rede, sollte dieser Handelskrieg zwischen den Vereinigten Staaten und China sachlich betrachtet werden. Wir alle verstehen, warum das geschieht &#8211; es w\u00fcrde selbst dann geschehen, wenn China eine Demokratie w\u00e4re. Es ist ein Handelsmachtkampf, eine aufstrebende Wirtschaft, mit der man sich befassen mu\u00df. Vielleicht haben wir das in den letzten 20 Jahren, sagen wir, seit 2001, als die Chinesen der WTO beitraten, nicht kommen sehen. Aber Exportbeschr\u00e4nkungen, die die Lieferung von Komponenten nach China einschr\u00e4nken &#8211; Halbleitertechnologie und so weiter &#8211; bergen nat\u00fcrlich das Risiko, da\u00df China seinen Weg der Entwicklung einheimischer Technologie beschleunigt. Und das w\u00fcrde China noch weniger abh\u00e4ngig von ausl\u00e4ndischen Lieferungen machen. Das ist das Knifflige daran. Der Westen mag zwar kurzfristig einigen Gewinn erzielen, aber wenn wir dann den Warenbestand Chinas ber\u00fccksichtigen, die Geschwindigkeit, mit der China seine Forschung und Entwicklung steigern kann, dann ist die Zeitspanne, in der China keine Lieferungen mehr erh\u00e4lt, vielleicht gar nicht so gro\u00df, wenn \u00fcberhaupt. Und in einem Worst-Case-Szenario k\u00f6nnte sie f\u00fcr China k\u00fcrzer sein, als wir erwartet haben.<\/p>\n<p>Wir m\u00fcssen also auch in dieser Hinsicht vorsichtig sein. Und wenn wir sagen, da\u00df China diesen gro\u00dfen Fortschritt im Halbleitergesch\u00e4ft macht, dann wollen wir China nicht einfach nur loben. Wir warnen nur davor, da\u00df einige Taktiken m\u00f6glicherweise nicht so effektiv sind.<\/p>\n<p>Ich danke Ihnen vielmals.<\/p>\n<p><\/div><\/div><\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>\u00a0<\/p><!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sehen Sie hier die Rede von Michele Geraci (Italien), ehemaliger Unterstaatssekret\u00e4r f\u00fcr wirtschaftliche Entwicklung im Rahmen der internationalen Internet-Konferenz \u201eKriegstreiberei bis zum Armageddon oder ein neues Paradigma souver\u00e4ner Nationen, geeint durch die gemeinsamen Ziele der Menschheit?\u201c \u00a0 \u00a0 Die Rede lesen Dem Westen helfen China&hellip;<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on get_the_excerpt --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on get_the_excerpt --><\/p>\n","protected":false},"author":34,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"_lmt_disableupdate":"no","_lmt_disable":"","footnotes":""},"categories":[],"tags":[],"class_list":["post-62617","page","type-page","status-publish","hentry"],"featured_image_src":null,"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/62617","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/34"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=62617"}],"version-history":[{"count":5,"href":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/62617\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":63504,"href":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/62617\/revisions\/63504"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=62617"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=62617"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=62617"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}