{"id":62488,"date":"2020-09-13T16:26:18","date_gmt":"2020-09-13T14:26:18","guid":{"rendered":"https:\/\/schillerinstitute.com\/?page_id=62488"},"modified":"2020-09-27T19:29:24","modified_gmt":"2020-09-27T17:29:24","slug":"dr-stephen-o-dean-wie-wir-die-kernfusion-erreichen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/dr-stephen-o-dean-wie-wir-die-kernfusion-erreichen\/","title":{"rendered":"Dr. Stephen O. Dean: &#8222;Wie wir die Kernfusion erreichen&#8220;"},"content":{"rendered":"\n<p>Sehen Sie hier die Rede von Dr. Stephen O. Dean (USA), Pr\u00e4sident der &#8222;Fusion Power Associates&#8220; im Rahmen der internationalen Internet-Konferenz <em><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/blog\/2020\/08\/13\/conference-war-drive-towards-armageddon-or-a-new-paradigm-among-sovereign-nations-united-by-the-common-aims-of-mankind\/\" target=\"_blank\">\u201eKriegstreiberei bis zum Armageddon oder ein neues Paradigma souver\u00e4ner Nationen, geeint durch die gemeinsamen Ziele der Menschheit?\u201c<\/a><\/em><\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-embed-youtube wp-block-embed is-type-video is-provider-youtube wp-embed-aspect-16-9 wp-has-aspect-ratio\"><div class=\"wp-block-embed__wrapper\">\n<iframe loading=\"lazy\" title=\"Dr. Stephen O. Dean: Wie wir die Kernfusion erreichen\" width=\"960\" height=\"540\" src=\"https:\/\/www.youtube.com\/embed\/msyh-k_4hZI?feature=oembed\" frameborder=\"0\" allow=\"accelerometer; autoplay; clipboard-write; encrypted-media; gyroscope; picture-in-picture\" allowfullscreen><\/iframe>\n<\/div><\/figure>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n<p>\u00a0<\/p>\n<p><div class=\"toggle-container\"><a href=\"#\" class=\"toggle\"><span class=\"toggle-sign\"><\/span><span class=\"toggle-title\">Die Rede lesen<\/span><\/a><div class=\"toggle-content\"><\/p>\n<h2>Wie wir die Kernfusion erreichen werden<\/h2>\n<p><b><i>Frage:<\/i><\/b> K\u00f6nnten Sie die Geschichte des amerikanischen Fusionsprogramms und seine Errungenschaften beschreiben?<\/p>\n<p><b><i>Dr. Stephen Dean:<\/i><\/b> In den 1970er Jahren wurden Tokamaks erfunden und zuerst in Moskau am Kurtschatow-Institut vorgef\u00fchrt. Er war so attraktiv, da\u00df die ganze Welt begann, ihn in verschiedenen Gr\u00f6\u00dfen zu bauen. Der Fortschritt war sehr schnell, und die USA bauten in Princeton eine Anlage, den Tokamak-Fusions-Testreaktor, und Europa baute eine Anlage namens JET [Joint European Torus], die noch immer in Betrieb ist. Beide erreichten Fusionsbedingungen. Die Welt war also in den 1970er Jahren bereit, durch diese Errungenschaften sehr schnell voranzuschreiten.<\/p>\n<p>Der US-Kongre\u00df verabschiedete sogar den Magnetic Fusion Engineering Act von 1980 und erkl\u00e4rte, die USA seien bereit, 20 Mrd.$ auszugeben, um bis 2000 ein Fusionskraftwerk ans Netz zu bringen. Wir waren also dazu bereit. Wir planten in den 1980er Jahren den Bau einer Anlage wie den heutigen ITER [International Thermonuclear Experimental Reactor]. Aber der Kongre\u00df hat nie das Geld zur Verf\u00fcgung gestellt, um dieses vom Kongre\u00df verabschiedete Gesetz umzusetzen.<\/p>\n<p>So verlangsamten sich die Dinge, und 1985 kamen Reagan und Gorbatschow zusammen und sagten, sie w\u00fcrden ihn als internationales Projekt bauen, und der Rest der Welt schlo\u00df sich dann dem an. Daraus wurde das ITER-Projekt, das nun bald verwirklicht werden soll. ITER ist ein Paradebeispiel daf\u00fcr, wie erfolgreich die Welt zusammenarbeiten kann, um so etwas zu erreichen. Nat\u00fcrlich wird er, wie Sie wissen, gerade in Frankreich gebaut.<\/p>\n<p><b><i>Frage:<\/i><\/b> Welche Folgen hatten die K\u00fcrzungen des US-Fusionsbudgets im Laufe der Jahrzehnte?<\/p>\n<p><b><i>Dean:<\/i><\/b> Die wirkliche Dynamik der Fusion und die wirklich gro\u00dfen Anlagen f\u00fcr die Fusion sehen wir heute alle anderswo. In Japan zum Beispiel wurde in diesem Jahr gerade ein riesiges neues Fusionsexperiment namens JT-60SA (supraleitend) in Betrieb genommen. Sein Bau wird gerade abgeschlossen. In Europa und im Vereinigten K\u00f6nigreich l\u00e4uft noch das JET-Experiment, wohingegen der US-amerikanische Tokamak-Fusions-Testreaktor abgeschaltet wurde.<\/p>\n<p>Wir sind also im Moment v\u00f6llig abh\u00e4ngig von den internationalen Anstrengungen, was den Zeitplan f\u00fcr die Inbetriebnahme der Fusion zur Stromerzeugung betrifft. Den USA fehlt im Moment die Entschlossenheit, tats\u00e4chlich so etwas wie ein Kraftwerk oder einen Kraftwerksprototypen zu bauen, obwohl die Nationalen Akademien gerade eine Studie durchf\u00fchren, die als Ziel einen sogenannten Pilotplan hat. Das ist ein Ziel, es ist eine Idee, aber die Regierung hat noch nicht zugestimmt, da\u00df die USA dies tats\u00e4chlich tun werden.<\/p>\n<p>Man mu\u00df also unser Budget nur als unseren kleinen Beitrag betrachten, vielleicht weniger als 20% von dem, was wirklich eine weltweite Anstrengung ist. In allen L\u00e4ndern der Welt arbeiten die Wissenschaftler sehr eng zusammen. Ob es nun China oder Japan oder Indien oder Europa ist, sie alle wissen das Gleiche. Sie alle sind bereit, je nach ihrer Regierungspolitik voranzugehen.<\/p>\n<p>In China zum Beispiel hat sich der Umfang des Programms rasch ausgeweitet. Die Zahl der Menschen, die heute in China an der Fusion arbeiten, \u00fcbersteigt die Zahl derer, die hier und in gleicher Weise in Europa arbeiten. Wir [in den USA] sind also nur ein kleiner Teil der weltweiten Anstrengungen, und es sind wirklich die weltweiten Anstrengungen, die man sich jetzt anschauen mu\u00df, und die weltweiten Anlagen, die gebaut werden, um zu beurteilen, wie schnell wir vorankommen.<\/p>\n<p><b><i>Frage:<\/i><\/b> Ist es wichtig, neben der internationalen Ebene auch ein handfestes nationales Fusionsprogramm zu haben?<\/p>\n<p><b><i>Dean:<\/i><\/b> Nun, man kann kein erfolgreiches internationales Programm haben, wenn nicht alle Parteien \u00fcber ein handfestes nationales Programm verf\u00fcgen, denn sie alle m\u00fcssen \u00fcber gen\u00fcgend Intelligenz und F\u00e4higkeiten verf\u00fcgen, um ihr Gewicht in das internationale Unternehmen einzubringen. Und sie alle m\u00fcssen bereit sein, aus den Erfolgen des internationalen Projekts Kapital zu schlagen, um ihre eigenen Programme voranzubringen. Es ist wichtig, da\u00df jedes Land einen eigenen Plan hat, wie es \u00fcber den ITER hinaus zum Kraftwerk voranschreiten kann, denn die Energiem\u00e4rkte, die Stromm\u00e4rkte in jedem Land funktionieren sehr unterschiedlich. Daher ist es wichtig, da\u00df jedes Land entscheidet, was es nach ITER tun wird, um die Fusion auf seinem Markt zum Erfolg zu f\u00fchren.<\/p>\n<h3>Kleine Unternehmen verfolgen neue Ans\u00e4tze<\/h3>\n<p><b><i>Frage:<\/i><\/b> K\u00f6nnen Sie uns einen Eindruck vom Umfang der Arbeit vermitteln, die heute weltweit im Bereich der Fusion geleistet wird?<\/p>\n<p><b><i>Dean:<\/i><\/b> Eines der interessanten Dinge, die meiner Meinung nach in den letzten Jahren geschehen sind, ist das Auftauchen einer Reihe von kleinen Unternehmen, die haupts\u00e4chlich durch private Gelder finanziert werden. Ich denke, das geschieht, weil ITER den Menschen das Gef\u00fchl gibt, da\u00df die Kernfusion real ist, und ITER gibt den Menschen zu denken \u2013 da\u00df es vielleicht einen Weg gibt, es schneller oder billiger zu machen als das, was ITER kostet, weil wir inzwischen alle dazugelernt haben. Wir haben jetzt also wirklich das Ph\u00e4nomen von mehr als einem Dutzend dieser kleinen Unternehmen auf der ganzen Welt. Die meisten von ihnen sind, glaube ich, in den Vereinigten Staaten, aber es gibt auch welche in Europa und im Vereinigten K\u00f6nigreich \u2013 auch kleine Unternehmen, die betr\u00e4chtliche Geldsummen erhalten und sehr ehrgeizige Pl\u00e4ne haben.<\/p>\n<p>Eines davon ist zum Beispiel Tokamak Energy in Gro\u00dfbritannien, ein Unternehmen des Privatsektors. Es ist eine Variante des Tokamak, kein herk\u00f6mmlicher Tokamak, sondern ein kleinerer, verbesserter Tokamak, ein so genannter sph\u00e4rischer Tokamak. Ich war im M\u00e4rz dort, und sie haben bereits ein Experiment aufgebaut, und sie haben bereits Pl\u00e4ne, dar\u00fcber hinauszugehen. Und das Culham-Labor in Europa hat auch ein solches Experiment, und sie arbeiten alle zusammen.<\/p>\n<p>In Princeton wird in ein paar Jahren tats\u00e4chlich ein gr\u00f6\u00dferer Tokamak dieser Art, der sph\u00e4rische Torus, in Betrieb genommen werden. Dieser konkurriert mit dem konventionellen Tokamak, und derzeit hat die britische Tokamak Energy in diesem Bereich die Nase vorn, was die Inbetriebnahme angeht.<\/p>\n<p>Es gibt auch andere Unternehmen, die Konzepte verfolgen, die \u00fcberhaupt keine Tokamaks sind, wie TAE Technologies in den USA. Sie verwenden eine Variante eines Konzepts, das Spiegelkonzept oder Konzept der Feldumkehr genannt wird. Sie haben zwei Generationen von Maschinen gebaut, und sie verf\u00fcgen \u00fcber eine gute Finanzierung. Sie haben Pl\u00e4ne, in den n\u00e4chsten 10-15 Jahren ein Demonstrationskraftwerk auf den Markt zu bringen, das \u00fcberhaupt nicht wie ein Tokamak aussehen w\u00fcrde. Wissenschaftlich gesehen liegt es hinter dem Tokamak zur\u00fcck, und es liegt auch in seinen bisherigen Leistungen hinter dem Tokamak zur\u00fcck, aber es geht schnell voran und wird auf einer physikalischen Grundlage gebaut, die es schon seit geraumer Zeit gibt.<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte noch erw\u00e4hnen, da\u00df der Tokamak und diese anderen Konzepte auf der Tokamak-\u00e4hnlichen Physik oder der Spiegelphysik, der Physik des Spiegeleinschlusses, basieren. Es gibt einen ganz anderen Ansatz f\u00fcr die Fusion, den sogenannten Tr\u00e4gheitseinschlu\u00df, der haupts\u00e4chlich auf Lasern basiert. Es gibt in Deutschland eine kleine Firma namens Marvel Energy, die nach M\u00f6glichkeiten sucht, aus Entwicklungen und Durchbr\u00fcchen in der Lasertechnik Kapital zu schlagen, um zu versuchen, das ganze Gebiet schneller voranzubringen. Das basiert auf einigen der Arbeiten, die bei Lawrence Livermore am gr\u00f6\u00dften Laser der Welt, der National Ignition Facility, durchgef\u00fchrt werden. Es gibt Programme in den USA, in Rochester und im Marineforschungslabor, die dies unterst\u00fctzen, aber es gibt in Deutschland in Garching diese kleine Firma namens Marvel Energy, die all das nehmen und das Ganze mit diesen Petawatt-Lasern, die nicht beim herk\u00f6mmlichen Tr\u00e4gheitseinschlu\u00df verwendet werden, schneller vorantreiben will.<\/p>\n<p>Es sind also viele Innovationen im Gange, es gibt viele Fortschritte in all den verschiedenen Bereichen. Wie ich schon sagte, gibt es ein Dutzend kleiner Unternehmen. In den USA gibt es sogar eine Firma namens Zap Energy, die auf eines der ersten Konzepte zur\u00fcckgreift, das man in den 1950er Jahren bei der Fusion ausprobierte, n\u00e4mlich den sog. Pinch. Es sieht im Grunde genommen aus wie eine Leuchtstoffr\u00f6hre, aber statt ein paar Ampere Strom flie\u00dft eine Million Ampere Strom durch die R\u00f6hre. Das war immer instabil, wenn man das versuchte, aber sie haben die Idee, da\u00df, wenn man den Pinch einfach nur ein bi\u00dfchen dreht, da\u00df sie dann nicht oder zumindest nicht so schnell instabil wird. Und vielleicht kann man dann genug Fusion herausholen. Das ist eine ganz simple Idee, aber wenn es funktioniert und man es mit dieser Geometrie lange genug stabil halten kann, dann ist es extrem einfach.<\/p>\n<p>Eines der Dinge, nach denen die Stromversorgungsunternehmen suchen, sind Technologien, die nicht so kompliziert sind, da\u00df sie noch nie zuvor eingesetzt wurden. Man mu\u00df herausfinden, wie sie auf einer sehr zuverl\u00e4ssigen Basis funktionieren, damit sie monate- und jahrelang Strom erzeugen k\u00f6nnen, ohne da\u00df man viel Wartung durchf\u00fchren mu\u00df.<\/p>\n<p><b><i>Frage:<\/i><\/b> Wenn wir die volle Finanzierung und Unterst\u00fctzung des US-Inlandsprogramms h\u00e4tten, wie w\u00fcrde sich das auf den Zeitplan f\u00fcr die Verwirklichung der Fusion auswirken?<\/p>\n<p><b><i>Dean:<\/i><\/b> Nun, in den Vereinigten Staaten w\u00fcrde es sich enorm auswirken, denn wenn die Gelder in den von uns anvisierten Mengen ankommen w\u00fcrden und auf den heutigen Dollar umgerechnet w\u00fcrden, w\u00fcrde das bedeuten, da\u00df der Kongre\u00df und die US-Regierung sich wirklich dazu verpflichten, die daf\u00fcr notwendigen Einrichtungen schnell zu bauen. Wenn man die Einrichtungen baut, die man braucht, und zwar schnell, und wenn man das Geld daf\u00fcr hat, macht das einen gro\u00dfen Unterschied im Zeitplan aus. Ich habe nach wie vor keinen Zweifel daran, da\u00df wir es in 15-20 Jahren schaffen k\u00f6nnten, wenn wir dieses Geld bekommen.<\/p>\n<p>Es gibt auch ein Managementproblem. Zur Zeit wird das Fusionsprogramm in den USA als Wissenschaftsprogramm finanziert. Als wir beschlossen, zum Mond zu fliegen, war die Astrophysik ein wissenschaftliches Programm. Aber um zum Mond zu fliegen, mu\u00dfte man eine ganze Infrastruktur und ein engagiertes Management aufbauen. Was wir also zus\u00e4tzlich zu dem Geld brauchen w\u00fcrden, w\u00e4re eine Managementstruktur, die entschlossen ist, ein Kraftwerk fertig zu bringen.<\/p>\n<p>Das gibt es im Denken der Fusions-Verwaltung im Energieministerium im Moment nicht. Zusammen mit dem Geld br\u00e4uchte man entweder eine ganz neue Agentur, oder das Energieministerium m\u00fc\u00dfte eine ganz neue Abteilung einrichten, um sich fest zu verpflichten, diese Sache bis zum Ende zu managen.<\/p>\n<p><\/div><\/div><\/p>\n<p>\u00a0<\/p>\n<p>\u00a0<\/p><!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Sehen Sie hier die Rede von Dr. Stephen O. 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