{"id":112041,"date":"2025-09-08T04:28:36","date_gmt":"2025-09-08T08:28:36","guid":{"rendered":"https:\/\/schillerinstitute.com\/?page_id=112041"},"modified":"2025-09-08T04:28:38","modified_gmt":"2025-09-08T08:28:38","slug":"die-sich-veraendernde-weltordnung-und-die-globale-sicherheit","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/schillerinstitute.com\/de\/die-sich-veraendernde-weltordnung-und-die-globale-sicherheit\/","title":{"rendered":"Die sich ver\u00e4ndernde Weltordnung und die globale Sicherheit"},"content":{"rendered":"\n<p>Von Prof. Dmitrij Trenin<\/p>\n\n\n\n<p><em>Prof. Dmitrij Trenin <\/em><em>ist Akademischer Direktor des Instituts f\u00fcr milit\u00e4rische Weltwirtschaft und Strategie an der Higher School of Economics der Moskauer Universit\u00e4t.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Es ist zum Gemeinplatz geworden, auf den Wandel der Weltordnung hinzuweisen. Viele Menschen feiern den Wandel als eine Art Befreiung. Doch nur wenige erw\u00e4hnen, da\u00df solche Ver\u00e4nderungen historisch gesehen Perioden gewaltsamer Rivalit\u00e4t unter oder zwischen den Hauptakteuren gewesen sind, mit anderen Worten: Perioden des Krieges. In den 2020er Jahren sind wir in eine weitere solche Periode eingetreten.<\/p>\n\n\n\n<p>Dabei handelt es sich nicht um das, was viele einen Dritten Weltkrieg nennen &#8211; einen Konflikt nach dem Vorbild des Ersten und Zweiten Weltkriegs. Er \u00e4hnelt eher dem Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieg in Europa im 17. Jahrhundert, d.h. es handelt sich um eine Reihe von Konflikten zwischen sehr unterschiedlichen Akteuren, die irgendwie auf einer hohen Ebene des geopolitischen Wettbewerbs miteinander verbunden sind. Wenn man sich heute die Welt anschaut, kann man feststellen, da\u00df die Konflikte in Osteuropa, im Nahen Osten und in Ostasien durch die Hauptakteure miteinander zusammenh\u00e4ngen: die Vereinigten Staaten und ihre Verb\u00fcndeten, sowie Ru\u00dfland und China.<\/p>\n\n\n\n<p>Man kann auch zu dem Schlu\u00df kommen, da\u00df all diese Konflikte durch das zentrale Thema miteinander verbunden sind: die Abl\u00f6sung der beispiellosen globalen Hegemonie eines Landes, der Vereinigten Staaten von Amerika, durch eine Art multipolare Ordnung, in der sich mehrere Machtzentren als autonome Einheiten behaupten, die unterschiedliche Zivilisationen, Wertesysteme und Weltanschauungen vertreten. Der Stellvertreterkrieg zwischen Amerika plus Verb\u00fcndeten und Ru\u00dfland, und die wachsende Konfrontation zwischen Amerika plus anderen Verb\u00fcndeten und China passen in dieses Muster.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Konflikte k\u00f6nnen sowohl die Form von konventionellen Kriegen als auch von hybriden Kriegen annehmen: technologische, Handels-, Finanz-, Informations-, psychologische Kriege, usw. Sie werden mit Atomwaffen ausgefochten, die bisher im Hintergrund standen, aber die nuklearen Gefahren sind bereits auf ein Niveau gestiegen, das es seit der Kubakrise 1962 nicht mehr gab. Der Ausgang der Auseinandersetzungen ist v\u00f6llig offen, ebenso wie das Schicksal der Menschheit: die kommende multipolare Welt ist auch eine <em>nukleare<\/em> multipolare Welt.<\/p>\n\n\n\n<p>In diesem Zusammenhang hat die globale Sicherheit, die noch vor wenigen Jahren ein beliebter Begriff war, ihre Bedeutung verloren. Die globale Welt des fr\u00fchen 21. Jahrhunderts gibt es nicht mehr; die reale Welt ist zwar vernetzter denn je (Kriege sind ein \u00e4u\u00dferst intimes Gesch\u00e4ft zwischen Staaten), aber auch fragmentiert. Die nationale Sicherheit hat in allen Bereichen an Bedeutung gewonnen, aber die regionale Sicherheit hat in den meisten F\u00e4llen &#8211; au\u00dfer innerhalb von Gruppierungen wie der Europ\u00e4ischen Union, ASEAN oder dem russisch-chinesischen Teil Eurasiens &#8211; jede Bedeutung verloren.<\/p>\n\n\n\n<p>Auch wenn wir nicht mehr von globaler\/regionaler Sicherheit sprechen k\u00f6nnen, so sprechen wir doch von strategischer Stabilit\u00e4t auf verschiedenen Ebenen: bilateral, regional und sogar planetarisch. Stabilit\u00e4t beruht nicht auf Friedensidealen oder guten Absichten; sie kann nur auf einer zuverl\u00e4ssigen Abschreckung beruhen. Letztlich mu\u00df die Abschreckung nuklear sein, aber um wirksam zu sein, mu\u00df sie die Atomm\u00e4chte dazu bringen, von <em>jedem<\/em> <em>Krieg<\/em> zwischen ihnen und untereinander abzusehen &#8211; ob nuklear oder konventionell, ob als Stellvertreter oder direkt.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine solche Art von milit\u00e4rischer Stabilit\u00e4t innerhalb der globalen Instabilit\u00e4t kann der einzige Weg zur Rettung in der ersten H\u00e4lfte des 21. Jahrhunderts sein.<\/p>\n<!-- AddThis Advanced Settings generic via filter on the_content --><!-- AddThis Share Buttons generic via filter on the_content -->","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Prof. Dmitrij Trenin Prof. Dmitrij Trenin ist Akademischer Direktor des Instituts f\u00fcr milit\u00e4rische Weltwirtschaft und Strategie an der Higher School of Economics der Moskauer Universit\u00e4t. Es ist zum Gemeinplatz geworden, auf den Wandel der Weltordnung hinzuweisen. 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