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Alicia Cerretani

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Webcast⁠—Zepp-LaRouche: Ein Finanzkrach kommt wie ein großer Tsunami auf uns zu

In ihrem Webcast vom 21. August geht Helga Zepp-LaRouche den neusten Finanzschwindel  der BlackRock-Gruppe ein, den sie als Beispiel des verzweifelten Versuchs bezeichnet, etwas Zeit zu kaufen, bevor das Finanzsystem zusammenkracht. Die Befürworter des Plans sprechen zwar von einem „Regimewechsel“ in der Finanzpolitik, doch letztlich ist er nur ein weiterer Versuch, das System mit „Helikoptergeld“ zu fluten, um 1,5 Billiarden $ an wertlosen Papieren zu schützen. Dieses Vorgehen hatte Lyndon LaRouche schon in den 1990er Jahren offengelegt, als er die „Dreifachkurve“ als pädagogisches Mittel entwickelte, um zu zeigen, weshalb auf diese Weise die Realwirtschaft zerstört und ein Chaos heraufbeschwört wird.

Das ist auch der Hintergrund der weiteren Destabilisierung Chinas, welche die Handschrift Londons und die seiner amerikanischen Handlanger wie Bolton und Pompeo trägt. Sie versuchen verzweifelt, das weitere Erstarken Chinas und der Politik der Seidenstraßen (BRI) zu verhindern. Während sich Trump mit China einigen will, setzen seine Gegner innerhalb und außerhalb seiner Administration die Welt auf einen gefährlichen Kurs.

Eine wichtige, positive Entwicklung, die Frau Zepp-LaRouche erwähnte, seien Berichte im Guardian, der Washington Post und der Financial Times über die Mittelalter-Ideologie hinter dem Ökofaschismus, und wie diese benutzt wird, um eine grüne Goldgrube für die bankrotten Finanzkreise zu schaffen.

Diese Entwicklungen sind Teil eines gefährlichen Prozesses, die zeigen, daß das System nicht mehr funktioniert. Gleichzeitig eröffnet sich dadurch die Möglichkeit, daß eine wachsende Zahl von Bürgern zu der Erkenntnis gebracht werden kann, daß die Lösung von der Verbreitung großer wissenschaftlicher und kultureller Ideen abhängt – das ist die Basis für Optimismus.


Webcast – LaRouches Rehabilitierung ausschlaggebend, um Kriegsprovokationen zu beenden

 

Helga Zepp-LaRouche berichtete in ihrem Webcast vom 21. Juni vor allem über die beiden neuen Dokumentationen über das Leben und die Arbeit von Lyndon LaRouche; diese seien entscheidend dafür, um den Apparat, der uns am 20. Juni fast den Beginn des dritten Weltkrieges gebracht hat, zu besiegen. Die internationale Mobilisierung für die Rehabilitierung LaRouches, so Zepp-LaRouche, ist der einzige Weg, einen dritten Weltkrieg aufzuhalten. Sie rief die Zuschauer mehrmals auf, ihr dabei zu helfen, eine möglichst weite Verbreitung der beiden Videos zu erreichen.

Die Entscheidung Präsident Trumps, einen Angriff auf den Iran zehn Minuten vor dessen Beginn abzusagen, ist eine unglaubliche Geschichte! Viele Leute auf der ganzen Welt fragen sich, nachdem Trump den Angriff in letzter Minute abgeblasen hatte und die New York Times angesichts der Entscheidung, den Cyber-Krieg gegen Rußland zu verschärfen, kurz zuvor über eine Spaltung in der US-Regierung berichtet hatte, wer eigentlich die Entscheidungen in Washington trifft.

Die britisch imperialen geopolitischen Netzwerke, die die „Get-LaRouche“-Taskforce lanciert hatten, sind dieselben, die hinter den heutigen Kriegsprovokationen stecken. LaRouches Ideen, die in den beiden Dokumentarfilmen sichtbar werden, waren die eigentliche Zielscheibe jener, die ihn vor Gericht gebracht haben. Diese Ideen könnten jetzt verwirklicht werden, wenn sich die Präsidenten Trump, Xi und Putin beim G20-Gipfel diese Woche treffen. Wie die Dokumentationen zeigen, ist der Apparat, der für Krieg mobilisiert und Trump aus dem Amt zu jagen versucht, der gleiche, der die Hetzjagd auf LaRouche betrieben hatte.

Deswegen gibt es kein wichtigeres Thema, als möglichst vielen Menschen ein Verständnis für diese Situation zu vermitteln.


Zepp-LaRouche spricht in Beijing bei Konferenz über Dialog der asiatischen Zivilisationen

Die Gründerin und Vorsitzende des Schiller-Instituts, Helga Zepp-LaRouche, ist soeben von einem zehntägigen Besuch aus China zurückgekehrt, in dessen Rahmen sie öffentliche Vorträge hielt und zahlreiche private Gespräche führte. Die Reise begann mit ihrer Teilnahme an der „Konferenz über den Dialog der asiatischen Zivilisationen“ vom 15.-16.5. in Beijing, wo Präsident Xi Jinping die Hauptrede hielt. Zepp-LaRouche hielt im Rahmen der Konferenz eine zehnminütige Rede mit dem Titel „Das höchste Ideal der Menschheit ist das Potential der Zukunft“, die bereits im Rahmen der Konferenzbeiträge veröffentlicht wurde (siehe unten).

Sie betonte anschließend, wie beeindruckt die Teilnehmer aus anderen asiatischen Ländern von Chinas Wirtschaftswachstum und phänomenalen Erfolgen bei der Armutsbekämpfung und Überwindung der wirtschaftlichen Rückständigkeit waren.

Zepp-LaRouche hatte zudem zahlreiche Treffen mit hochrangigen Vertretern vieler Spitzeninstitutionen, mit denen sie seit den 90er Jahren in Kontakt steht. Der Hintergrund waren die aktuellen schweren Spannungen zwischen China und den USA wegen des Zusammenbruchs der Handelsgespräche, der Huawei-Affäre und anderer Fragen. Die Besorgnis über die Angriffe auf Huawei wächst, da man darin einen Versuch sieht, Chinas High-Tech-Entwicklung zu verhindern. Die Sanktionen treffen aber auch andere von Huawei abhängige Entwicklungsländer, insbesondere in Afrika. Viele suchen bei der Lösung dieser Probleme Hilfe von der LaRouche-Bewegung.

Zepp-LaRouche hielt auch eine Rede am Chongyang-Institut für Finanzstudien der Renmin-Universität in Beijing und besuchte Nanjing, wo sie sich mit dem Herausgeber der chinesischen Ausgabe des Sonderberichts Die Neue Seidenstraße wird zur Weltlandbrücke traf. Gerade ist die zweite Auflage des chinesischen Berichts erschienen, den der Verlag als eines der wichtigsten Bücher betrachtet. Eine Übersetzung des zweiten Berichts (The New Silk Road Becomes the World Land-Bridge, Vol. II) ist in Vorbereitung.

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Das höchste Ideal der Menschheit ist das Potential der Zukunft

Von Helga Zepp-LaRouche

Es ist das Charakteristikum von Zeitenwenden, daß die meisten Zeitgenossen keinen Begriff von dem haben, was gerade passiert. Nur diejenigen Visionäre, die eine klare Idee vom positiven Potential der Zukunft haben, können an den Verzweigungspunkten so in den Prozeß eingreifen, daß potentielle Katastrophen abgewandt werden und statt dessen wirklich eine neue Epoche der Menschheit eingeleitet wird.

Wir befinden uns in einem solchen Phasenwechsel: Die alte Weltordnung, wie sie sich nach dem Zweiten Weltkrieg und vor allem nach dem Zerfall der Sowjetunion entwickelt hat, befindet sich in einem Prozeß der Auflösung, aber wie die neue Ordnung aussehen wird, ist noch keineswegs entschieden. Wir befinden uns sogar in einer Periode, in der das Völkerrecht außer Kraft gesetzt scheint, weil es derzeit weder die UNO noch eine andere Institution zu geben scheint, die dem Völkerrecht Geltung verschaffen kann.

Aber unleugbar ist das Pendel, das in den letzten Jahrhunderten die westliche Zivilisation bevorzugte, auch wenn Asien für Jahrtausende einen herausragenden, und für lange Zeit sogar führenden Platz in der Universalgeschichte einnahm, längst dabei, zurückzuschlagen. Dafür sprechen eindeutig die demographische Entwicklung Asiens, völlig neue strategische Interventionen wie die BRI und klare Zielsetzungen, wie z.B. das Konzept „Made in China 2025“ oder die Perspektive, die Präsident Xi Jinping für China bis 2050 gesetzt hat.

Daraus ergeben sich enorme Chancen für Asien, und vielleicht auch eine völlig neue Form der Verantwortung, die die Inspiration beflügeln sollte, Konzepte zu erarbeiten, wie die Menschheit als Ganze vorangebracht werden kann. Präsident Xi Jinping hat offensichtlich genau diesen Ansatz im Blick, wenn er von der Gemeinschaft einer gemeinsamen Zukunft der Menschheit spricht. Wir erleben soeben einen kostbaren Moment, denn noch niemals in der Geschichte war die bewußte Gestaltung einer neuen Epoche mit der Idee der einen Menschheit als höherer Idee so klar als Aufgabe definiert. Wenn wir eine menschlichere Ordnung schaffen wollen, muß sie auf den besten Konzepten aufbauen, die die verschiedenen Kulturen hervorgebracht  haben, und diese müssen gewissermaßen einen ontologischen Charakter haben, denn an ihnen darf nichts zufälliges oder zeitgeistmäßiges sein, wenn sie das Dharma – den moralischen Kodex – bestimmen sollen, dem die geistigen Führer und mit ihnen die asiatischen Gesellschaften in diesem neuen Kapitel der Universalgeschichte folgen.

Es ist auch offensichtlich, daß der Anstoß für die Definition dieses „rechtschaffenen Weges“ aus den alten Traditionen Asiens kommen muß, wie z.B. dem Konfuzianismus, Buddhismus oder Jainismus, die ganz eindeutig mit der Verpflichtung zur lebenslangen Selbstkultivierung und moralischen Veredlung des Menschen verbunden sind. Denn auch wenn der Westen in seinen klassischen und Renaissance-Perioden des Humanismus den gleichen Anspruch hatte, so ist diese Idee der ethischen Verbesserung des Menschen als Lebenszweck geradezu das Gegenteil zum westlichen liberalen Modell, das jede Bevormundung durch moralische Ansprüche oder die Höherwertigkeit einer Philosophie gegenüber einer anderen emphatisch ablehnt.

Wie also müssen die Prinzipien beschaffen sein, die das neue Paradigma der werdenden Gemeinschaft der Menschheit auf so sicheren Grund stellt, das sie sowohl den Erfordernissen der modernen Naturwissenschaft als auch denen des neuen Systems der internationalen Beziehungen gerecht werden?

Die Prinzipien der friedlichen Koexistenz

Diese Frage muß auf verschiedenen Ebenen beantwortet werden. Ein guter Anfangspunkt sind die fünf Prinzipien der friedlichen Koexistenz, Panchsheel, wie sie zum ersten Mal formell in dem Handels- und Verkehrs-Abkommen zwischen der Tibet-Region Chinas und Indien vom 29. April 1954 niedergelegt worden sind. In der Präambel heißt es, daß die beiden Regierungen sich auf die folgenden Prinzipien geeinigt haben:

  1. Gegenseitiger Respekt für die territoriale Integrität und Souveränität des Anderen,
  2. Gegenseitiger Nichtangriff,
  3. Gegenseitige Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten des Anderen,
  4. Gleichheit und Zusammenarbeit zum gegenseitigen Nutzen, und
  5. Friedliche Koexistenz.

Die erste Konferenz der unabhängigen asiatischen und afrikanischen Staaten in Bandung erweiterte unter der Führung des chinesischen Regierungschefs Zhou Enlai und des indischen Ministerpräsidenten J. Nehru die fünf Prinzipien in die zehn Prinzipien von Bandung. Die gleichen Prinzipien wurden als völkerrechtliches Kernstück auf der Konferenz der Blockfreien-Bewegung 1961 in Belgrad unterstrichen. China hat mit der BRI diese Konzeption der Beziehung zwischen den Nationen zum ersten Mal als die Basis einer globalen Neuordnung definiert, die für alle Nationen offen ist. Präsident Xi betonte in seiner Eröffnungsrede auf dem ersten Belt & Road-Forum im Mai 2017:

„Wir sind bereit, Entwicklungsstrategien mit anderen Ländern zu teilen, aber wir haben nicht die Absicht, uns in die inneren Angelegenheiten anderer Länder einzumischen, unser Gesellschaftssystem und Entwicklungsmodell zu exportieren oder anderen unseren Willen aufzuzwingen.“

Diese Prinzipien der friedlichen Koexistenz haben ihre tiefen Wurzeln in mehreren asiatischen Kulturen. Einige dieser Konzepte sind philosophischer Natur, andere sind Teil theologischer Überlegungen. Es geht in diesem Beitrag um die Identifikation der Ansätze, die die Menschheit vorangebracht haben und die für die Völkerverständigung von morgen relevant sind. Das ist auch der Ansatz, den Präsident Xi bei seinen Auslandsbesuchen wählt. So betonte er bei seinem Besuch in Neu Delhi im Jahre 2014 in einer Rede vor der indischen Elite:

„Schon in antiken Zeiten kam man in China zu der Einsicht, daß ein kriegerischer Staat, so groß er auch sein mag, letztlich scheitern muß. Frieden ist von überragender Bedeutung. Harmonie ohne Gleichförmigkeit und universellen Frieden gilt es zu erringen. Die chinesischen Konzepte vom „universellen Frieden“ und „universeller Liebe“ sind den indischen Konzepten von ,Vasudhaiva Kutumbakum’ (die Welt als eine Familie) und ,Ahimsa’ (keine Verletzung zufügen) sehr ähnlich.“

Die Konzepte der Upanischaden

So finden sich in den antiken Schriften Indiens, den Vedischen Texten, den Upanischaden, und der klassischen Sanskrit-Literatur viele bedeutende Konzepte, die sowohl eine religiöse als auch eine praktische, politische Bedeutung haben. So beinhaltet z.B. das von Xi erwähnte Prinzip des Ahimsa, der Respekt für alle anderen Kreaturen, nicht nur den Verzicht auf jedwede Gewalt, sondern auch, den anderen in keiner Weise zu verletzen, weder verbal noch geistig. Es ist zudem eine Methode der Kriegsvermeidung und Konfliktlösung selbst für komplexe Herausforderungen in der realen Welt.

In den Sammlungen der Rigveda, der ältesten vollständig überlieferten Literatur überhaupt, welche jahrhundertelang mit Hilfe ausgefeilter Mnemotechniken mündlich überliefert worden sind, finden sich grundlegende Gedanken zur kosmischen Ordnung, die letztlich auch die Richtschnur für das menschliche Handeln auf der Erde liefern. In den Upanischaden finden sich fünf Prinzipien, die die gleiche Grundausrichtung reflektieren.

Das grundlegendste Konzept ist das des allumfassenden Brahman:Ishawaram idam sarvam jagat kincha jagatvam jagat“ – „Alles, was existiert, wo immer es existiert, ist von der gleichen göttlichen Kraft durchdrungen.“ Dieser Gedanke findet sich in ähnlicher Form bei Leibniz und seiner Idee der Monade, daß nämlich in jeder Monade die ganze Gesetzmäßigkeit des Universums steckt.

Das zweite Prinzip ist, daß das „Brahman“, das kreative Prinzip, dessen Ausdruck die gesamte realisierte Welt ist, in jedem individuellen Bewußtsein, im „Atman“ steckt. Atman ist die Reflexion dieses allumfassenden Brahman; es ist das individuelle Bewußtsein, aber es ist im Grunde nicht vom Brahman getrennt. „Ishwara sarvabhutanam idise tishtati“– „Der Herr wohnt im Herzen jedes Individuums.“ Die Beziehung zwischen Atman und Brahman ist der Kern, um den sich die ganze vedische Lehre dreht. In der cusanischen Philosophie entspricht dies der Affinität des Makrokosmos und des Mikrokosmos, der es zu verdanken ist, daß eine immaterielle Kraft – eine Idee, die von der kreativen Vernunft erzeugt wird – eine Weiterentwicklung des physischen Universums bewirken kann.

Ein drittes vedisches Prinzip ist, daß alle Menschen wegen ihrer gemeinsamen Spiritualität Mitglieder einer Familie sind. Die Upanischaden sprechen von der Menschheit als amritashya putra, „Kinder der Unsterblichkeit“.

Das vierte Konzept der Upanischaden präsentiert die Idee der Wesenseinheit aller Religionen, aller geistigen Wege: „Ekoham svat virpra bahuda vadanti“– „Die Wahrheit ist Eins, der Weise nennt sie mit vielen Namen“. Diese Idee entspricht der „Sanatana Dharma“, der einen Religion, die über allen Religionen steht, die übrigens auch Nikolaus von Kues in seinem platonischen Dialog De Pace Fidei, den er unmittelbar nach dem Fall Konstantinopels 1453 und den damit verbundenen blutigen Auseinandersetzungen verfaßt hat, zum Ausdruck bringt: Die Repräsentanten der verschiedenen Religionen und Nationen, die sich in diesem Dialog um Hilfe an Gott wenden, weil sie sich alle in seinem Namen in Kriegen gegenseitig töten, belehrt Gott, daß sie jenseits aller religiöser Traditionen und Lehren der verschiedenen Propheten alle in ihrer jeweiligen Nation und Religion auch Philosophen seien, und daher verstehen könnten, daß es über den Religionen den einen Gott und über den verschiedenen Traditionen die eine Wahrheit gebe. Übrigens hat auch der hinduistische Mönch Swami Vivekananda in seiner berühmten Rede vor dem Weltparlament der Religionen in Chicago am 11. September 1893 das gleiche Argument angeführt: die Anhänger der verschiedenen Religionen stritten und bekämpften sich nur deswegen, weil ihre Sichtweise zu eng sei und sie nicht begriffen, daß das höchste Wesen unendlich ist.

Ein fünftes vedisches Konzept ist das des Wohles aller Wesen: „Bahujana shukhaya bahujana hitaya cha“ – die  hinduistische Philosophie sucht „das Wohl aller Menschen und aller Lebensformen auf diesem Planeten“. Die Verwandtschaft zur konfuzianischen Idee der harmonischen Entwicklung aller ist offensichtlich, so sagt Konfuzius explizit: „Der, wer Erfolg haben will, sollte anderen zum Erfolg verhelfen.“ Das ist natürlich die Grundidee der BRI und der Konzeption einer Win-Win-Kooperation zwischen den verschiedenen Nationen.

Die konfuzianische Philosophie spricht auch aus dem Namen der neuen Ära, die mit dem zukünftigen japanischen Kaiser Naruhito beginnen soll: „Reiwa“, was wörtlich „Streben nach Harmonie“ bedeutet. Japanische Kommentatoren betonen, daß dieser Begriff auf die berühmte klassische Gedicht- Anthologie Manyoshu zurückgeht, aber wie der Gelehrte Wang Peng hervorhob, wurde der Begriff des „ling-he“ von alten chinesischen Kaisern als Name für ihr Regierungszeit benutzt, bedeutet in der chinesischen Gegenwart jedoch auch beste Wünsche für Frieden und Harmonie.

Die Idee einer harmonischen Entwicklung aller als Basis für eine Weltfriedensordnung ist also in mehreren asiatischen Kulturen angelegt, und steht damit in direktem Gegensatz zu der Idee, daß das Verhältnis zwischen Staaten eine Art Nullsummenspiel darstellt. Aber ihre Realisierung in der Praxis erfordert offensichtlich eine neue Entwicklungsstufe in der Evolution der Menschheit, das Zeitalter des geistigen Menschen, wie Sri Aurobindo es ausgedrückt hat, oder die zunehmende Dominanz der Noosphäre über die Biosphäre, in der Wladimir Wernadskij die gewissermaßen in der Naturgesetzlichkeit des Universums angelegte Bahn gesehen hat.

Das Universum hat eine inhärente Gesetzmäßigkeit, die es zu höheren Stufen der Entwicklung voranbringt, und Wernadskij sieht darin die kreative Vernunft des Menschen als essentiellen Bestandteil dieses Universums, als eine geologische Kraft, die seit der Existenz der Menschheit in der Evolution diese Höherentwicklung qualitativ vorantreibt. Lyndon LaRouche hat für die Wissenschaft der physikalischen Ökonomie mit seinem Begriff der relativen potentiellen Bevölkerungsdichte, die absolute Effizienz dieser Kreativität des Menschen, die ihn von allen bisher bekannten Lebewesen unterscheidet, den Beweis dafür geliefert.

Nun ist diese anti-entropische Höherentwicklung weder linear, noch das automatische Ergebnis objektiver Prozesse – etwa eines wie auch immer gearteten historischen oder dialektischen Materialismus -, sondern neben dem objektiven Effekt der Anwendung neu entdeckter universeller Prinzipien im Produktionsprozeß kommt der subjektiven intellektuellen und moralischen Höherentwicklung des Menschen ein maßgeblicher Anteil an diesem Prozeß zu.

Für die chinesische und andere asiatische Kulturen ist es mit Sicherheit ein enormer Vorteil für die anfangs gestellte Aufgabe der bewußten Gestaltung eines neuen Paradigmas der Menschheit, daß die Entwicklung des moralischen Charakters in der Philosophie des Konfuzius das wichtigste Ziel der Bildung in weiten Teilen Asiens war. Denn trotz des erheblichen Rummels um die Digitalisierung der Wirtschaft und die Rolle der Künstlichen Intelligenz in künftigen ökonomischen Plattformen wird es immer die Frage der moralischen Qualität des Menschen bleiben, die darüber entscheidet, ob die neuen Technologien zum Wohl der Menschheit oder zu bösen Zwecken eingesetzt werden.

Die Bedeutung der ästhetischen Erziehung

Von erstrangiger strategischer Bedeutung ist deshalb der Brief, in dem Xi Jinping vor einigen Monaten gegenüber acht Professoren der Zentralen Akademie der Schönen Künste (CAFA) die außerordentliche Bedeutung der ästhetischen Erziehung für die geistige Entwicklung der Jugend Chinas betonte. Die ästhetische Erziehung spiele eine entscheidende Rolle in der Entwicklung eines schönen Geistes, sie erfülle die Studenten mit Liebe und fördere das Schaffen großer Kunstwerke.

In China gibt es dank des kontinuierlichen Einflusses des Konfuzianismus – nur von den zehn Jahren der Kulturrevolution unterbrochen – eine Jahrtausende andauernde Tradition, in der die Entwicklung eines moralischen Charakters das höchste Ziel der Erziehung repräsentiert. Es gilt deshalb in China als selbstverständlich, daß die Beachtung der öffentlichen Moral und Bekämpfung schlechter Eigenschaften in der Bevölkerung die Voraussetzung für eine hochentwickelte Gesellschaft darstellt. So forderte z.B. noch der Thronbericht über die Erziehungsziele des akademischen Ministeriums der Qing-Regierung von 1906, vor allem die öffentliche Moral (gongde) und die konfuzianische Tugendlehre als Lehrinhalt weiterzuvermitteln, damit sich „jeder um den anderen sowie um sich selbst kümmert, und den Staat sowie die eigene Familie liebt“.

Ein Schlüssel zum Verständnis der besonderen Bedeutung der ästhetischen Erziehung im heutigen China aber liegt nicht nur in den Lehren des Konfuzius, der der Beschäftigung mit Poesie und guter Musik eine ganz entscheidende Rolle bei der Entwicklung des moralischen Charakters zugewiesen hatte, sondern der Gelehrte, der das moderne Bildungssystem Chinas mehr beeinflußt hat als jeder andere: der erste Erziehungsminister der provisorischen Republik China, Cai Yuanpei. Er hatte dank außerordentlicher Intelligenz und Fleiß bereits mit 15 Jahren den akademischen Titel xiucai erworben, mit 24 Jahren den höchsten Titel jingshi, und wurde 1894 zum bianxiu. Damit hatte er bereits mit 26 Jahren die höchste Stufe der Akademikerkarriere der Qing-Dynastie erreicht. Er verfügte über exzellente Kenntnisse der klassischen Schriften und war für seinen schönen klassischen Stil berühmt.

Während dieser Zeit war Cai genauso wie die gesamte chinesische Elite erschüttert darüber, daß China im Krieg gegen Japan eine Niederlage erlitt, und überhaupt bei jeder Invasion seit den Opiumkriegen den kürzeren zog, hohe Reparationszahlungen leisten und Rechte an die Invasoren abtreten mußte. Es wurde unter Intellektuellen diskutiert, wie Japan, das jahrhundertelang als rückständig galt, durch die Meiji-Restauration hatte so stark werden können, und man suchte aus dieser Transformation Lehren zu ziehen.

Man machte auch die Korruption der Qing-Dynastie für diese als Schmach empfundenen Niederlagen verantwortlich. Cai war überzeugt, daß der Staat nur überleben würde, wenn sich im Bewußtsein der Bevölkerung etwas ändern würde, und daß diese Verbesserung nur durch verbesserte Inhalte der Erziehung erreicht werden könne. Cai begann sich zunächst mit dem japanischen und dann mit europäischen Bildungssystemen auseinanderzusetzen. Schließlich reiste er nach Frankreich und Deutschland, wo er von 1907 bis 1911 in Leipzig studierte, wo er Zivilisations- und Kulturgeschichte des Abendlandes belegte, bevor er 1912 von Sun Yat-sen zum Erziehungsminister berufen wurde.

Cai unternahm tiefgehende Studien der ästhetischen Schriften von Alexander Gottlieb Baumgarten, Immanuel Kant und Friedrich Schiller, ebenso wie des Bildungskonzepts Wilhelm von Humboldts. Inspiriert durch die exzellenten Studien zur Philosophiegeschichte von Wilhelm Windelband und das direkte Studium von Kant, Schiller und von Humboldt erkannte er sehr schnell, daß Schillers Konzeption der ästhetischen Erziehung sich nicht nur in völliger Affinität mit der konfuzianischen Morallehre befand – sein Begriff der „schönen Seele“ entsprach völlig der konfuzianischen Idee des „junzi“ -, sondern daß Schiller auch über diese Fragen mit größerer Klarheit und von einem erhabeneren Standpunkt sprach als alle früheren oder zeitgenössischen Philosophen. „Die umfassende Theorie Friedrich Schillers und die Idee der ästhetischen Erziehung brachte allen große Klarheit“, schreibt Cai. „Seit jener Zeit kann uns die europäische Idee der ästhetischen Erziehung vieles liefern, auf das wir uns bei der Entwicklung unseres eigenen Verständnisses dieses Gegenstands beziehen können.“

Cai Jianguo zitiert Cai Yuanpei weiter: „In Deutschland hat mich die ästhetische Erziehung sehr beeindruckt. Ich möchte alle meine Kräfte dafür einsetzen, um sie zu befördern.“ Cai schuf dafür den chinesischen Begriff „meiju“, den es zuvor in dieser Sprache nicht gegeben hatte.

Schiller hatte die „Ästhetischen Briefe“ als Antwort auf das Scheitern der Französischen Revolution verfaßt und darin die Auffassung vertreten, daß von jetzt ab jede Verbesserung im Politischen nur aus der Veredlung des Individuums kommen könne. Nur wenn der Mensch sich über das vergängliche Glück der Sinnenwelt erhebt, und nicht nur für sich selbst, sondern für die Gemeinschaft, nicht nur für die Gegenwart, sondern für die Zukunft, nicht für den körperlichen Genuß, sondern für die geistige Kreativität einsetzen wolle, könne der Staat prosperieren. In den „Briefen“ und weiteren bahnbrechenden ästhetischen Schriften entwickelte Schiller, warum diese Veredlung des Charakters durch die Versenkung in die große klassische Kunst erreicht werden kann.

Cai Yuanpei erkannte die frappierende Übereinstimmung zwischen der Lehre des Konfuzius und der Ästhetik Schillers. Das Versenken in Dichtung, Musik und Malerei während der Mußestunden erweckt im Betrachter ein ästhetisches Vergnügen, in dem weder ein Begehren, noch eine Ablehnung der sinnlichen Welt liegt, sondern der Geschmack gebildet und die Emotionen veredelt werden. Das ästhetische Empfinden umfaßt Schönheit und Erhabenheit, und schlägt so eine Brücke von der sinnlichen Welt zur Vernunft. Jeder Mensch hat ein Gemüt, aber nicht jeder ist befähigt, große und edle Taten hervorzubringen, deshalb muß dieses Gemüt als Triebkraft stärker werden, indem man es veredelt.

1912 schrieb Cai die „Thesen zur neuen Erziehung“ und das „Lehrbuch über die moralische und charakterliche Vervollkommnung für die weiterführende Schule“, in dem er das menschliche Gewissen als den wesentlichen Ratgeber für das Verhalten charakterisierte. In einem Aufsatz vom 10. Mai 1919 schrieb er: „Ich glaube, daß die Wurzel der Probleme unseres Landes in der Kurzsichtigkeit von so vielen Leuten liegt, die schnellen Erfolg oder schnelles Geld ohne irgendeine höhere moralische Denkweise haben wollen. Die einzige Medizin ist die ästhetische Erziehung.“

Natürlich darf nicht unerwähnt bleiben, daß Cai als Präsident der Universität Beijing diese Institution zu international anerkannten wissenschaftlichen Erfolgen führte, und dabei viele Anregungen von Wilhelm von Humboldt aufgriff, der in der Berliner Universität die Einheit von Forschung und Lehre und die charakterliche Schönheit als Erziehungsziel etabliert hatte. Aufgrund von Cais Ansehen wurde die Universität in Beijing bald zum Anziehungspunkt für viele junge chinesische Wissenschaftler, die aus dem Ausland zurückkamen, ebenso wie von ihm die Inspiration für viele weitere Kunsthochschulen und Akademien ausging.

Die große Gemeinschaft der Welt

Von größter Bedeutung für das Verständnis der Politik Präsident Xi Jinpings und seiner Idee der „Zukunftsgemeinschaft der Menschheit“ ist meiner Auffassung nach auch die Konzeption Cai Yuanpeis, daß der Staat wie eine größere Familie ist, weswegen das Interesse des Staates den Interessen der Einzelfamilie vorgeordnet sein muß, denn das Gedeihen des Staates war für ihn die Voraussetzung für das Glück der Bürger. Aber ebenso stand für ihn das Interesse der Welt als der Heimat aller Lebewesen über dem Interesse des einzelnen Staates. Cai schrieb: „Bevor die ,große Gemeinschaft’ der Welt verwirklicht wird, kann das Interesse der Gesellschaft mit dem der Welt nicht identisch sein.“ Er betonte auch, daß man bei der Erfüllung der Pflicht dem Staat gegenüber darauf achten müsse, daß sie nicht zur Pflicht der Welt gegenüber in Widerspruch stehe. Er erträumte eine „große Gemeinschaft“ der gesamten Welt (datong shijie), die friedlich und harmonisch ohne Klassenunterschiede und Staatsgrenzen, ohne Armee und Krieg, gestaltet wäre. Alle Menschen würden einander in dieser Weltgemeinschaft verstehen und einander helfen. Cai sah im „Dialog der Kulturen“ den Weg zu diesem Ziel: „Ich habe häufig gedacht, daß eine Nation die Kultur anderer Völker unbedingt aufnehmen muß. Dies ist so wie der Körper eines Menschen, der ohne Atmen der Luft der Außenwelt, ohne Essen und Trinken nicht wachsen kann.“ Ja, er sah in dieser Begegnung der Kulturen die absolute Voraussetzung der Höherentwicklung: „Wirft man einen Blick auf die Entwicklung der Geschichte, so sieht man, daß die Auseinandersetzung unterschiedlicher Kulturen immer zur Entstehung einer neuen führt.“

Die Verwirklichung dieser Vision durch die Dynamik und den „Geist der Neuen Seidenstraße“ ist für die Zukunft absolut erkennbar. Die Prinzipien, die den „rechtschaffenen Weg“ für das Neue Paradigma bestimmen müssen, sind keine statischen Axiome, sondern sie bestehen aus den Chancen, die sich aus der ästhetischen Erziehung eventuell aller Menschen ergeben. In einer Welt, in der die Ökonomie nicht nach den Prinzipien der Profitmaximierung und größtmöglichen Befriedigung der individuellen Gier funktioniert, sondern nach der bestmöglichen Förderung der Kreativität der Menschen als dem Motor eines sich anti-entropisch entwickelnden Universums – wenn also gewissermaßen die „kosmische „Ordnung“ das politische, ökonomische und kulturelle Leben inspiriert -, dann sind die Träume des Konfuzius, von Schiller, Cai Yuanpei, Xi Jinping und Lyndon LaRouche die politischen Gesetzgeber der Menschheit. So wie Tagore es in seinem berühmten Dialog mit Einstein ausdrückte: „Wenn unser Universum in Harmonie mit den Menschen ist, empfinden wir das Ewige, das wir als Wahrheit kennen, als Schönheit.“

 


Webcast – Helga Zepp-LaRouche: Seien Sie optimistisch! Trump-Putin-Gespräch bringt neues Paradigma weiter voran

Helga Zepp-LaRouche hat das 90minütige Telefongespräch zwischen den Präsidenten Trump und Putin als „wirklich gute Nachricht“ bezeichnet, wenn man sich die größere strategische Bedeutung nach dem gescheiterten Russiagate in den USA betrachtet.

Dabei geht es u.a. um folgendes:

  • Das Trump-Putin-Gespräch ist wichtig für die wirtschaftliche und strategische Kooperation und drehte sich auch um die Lage in Venezuela, der Ukraine und Nordkorea.
  • Es gibt weitere positive Potentiale für die amerikanisch-chinesische Kooperation, wobei eine weitere Runde des Handelsgespräche geplant ist – und das trotz der Sabotageversuche der britisch-gesteuerten Neocons in den USA.
  • Das zweite Belt and Road Forum in Beijing hat die Attraktivität einer Zusammenarbeit mit der BRI deutlich erhöht, was sogar einige Berichte aus Deutschland zeigen.
  • Das Treffen zwischen Trump und führenden demokratischen Kongreßabgeordneten zum Thema Infrastruktur hat die Spaltung in der Demokratischen Partei noch deutlicher gemacht: zwischen den Radikalen, die immer noch Trumps Amtsenthebung und einen „Grünen New Deal“ fordern, und dem Netzwerk um Nancy Pelosi, die erkannt hat, daß etwas Positives erreicht werden muß.
  • Die wachsende Erkenntnis der britischen Rolle hinter dem Russiagate.

Der Kampf für Lyndon LaRouches Rehabilitierung bietet die beste Einsicht, um zu verstehen, wer das Russiagate betrieben hat und aus welchen strategischen Gründen. LaRouches Lebenswerk zeigt deutlich, wie ein Individuum die Geschichte verändern kann, und sollte ein Quelle für Optimismus sein, der unabdingbar ist, um den Kampf für das neue Paradigma zu gewinnen.


Beijing Review veröffentlicht wichtigen Artikel von Helga Zepp-LaRouche

Die angesehene Beijing Review veröffentlichte am 17. April 2019 den Artikel „Roads to the West – Geopolitical Spectacles Make it Impossible to See the Solutions“ (Straßen nach Westen – Geopolitisches Drama macht es unmöglich die Lösungen zu sehen) von Helga Zepp-LaRouche.

Frau Zepp-LaRouche beginnt:

„For the last several years or so, Western media and mainstream politicians have chosen to largely ignore the Belt and Road Initiative, which Chinese President Xi Jinping proposed in 2013. The initiative, consisting of the Silk Road Economic Belt and the 21st-Century Maritime Silk Road, efficiently addresses the infrastructure needs of developing countries, which the West simply pretended not to exist.

„But, at a certain point it dawned on the Western establishment that China was not only building an enormous amount of railway lines, ports, bridges, power plants and industrial parks in Asia, Africa and even in parts of Europe, but that the prospect of poverty alleviation offered by China instilled an unprecedented spirit of optimism.“

Lesen Sie hier den gesamten Artikel (auf englisch).


Italien-China-Memorandum: Vorbild für Europa

Bei dem Besuch von Chinas Präsident Xi Jinping ist Italien als erste große Industrienation, als erstes Mitglied der G7 und erstes EU-Gründungsmitglied am 23.3.2019 offiziell der Gürtel- und Straßen-Initiative (BRI) beigetreten. Der Minister für wirtschaftliche Entwicklung Luigi Di Maio und sein Amtskollege, der Vorsitzende der Nationalen Entwicklungs- und Reformkommission He Lifeng, unterzeichneten in Anwesenheit von Ministerpräsident Giuseppe Conte und Präsident Xi Jinping, der mit einer großen institutionellen und Wirtschafts-Delegation nach Italien reiste, eine Absichtserklärung über „Zusammenarbeit im Rahmen des Wirtschaftsgürtels der Seidenstraße und der Maritimen Seidenstraßeninitiative für das 21. Jahrhundert“.

Darin heißt es zu Beginn, die Parteien verpflichteten sich, „die bilaterale Partnerschaft im Geiste von gegenseitigem Respekt, Gleichheit und Gerechtigkeit und auf für beide Seiten förderliche Weise im Hinblick auf eine verstärkte weltweite Solidarität zu fördern“.  Auf der Grundlage dieser Prämisse werden „Ziele und Leitprinzipien der Zusammenarbeit“ festgelegt: „Die Vertragsparteien werden im Rahmen der ,Gürtel- und Straßen-Initiative’ (BRI) zusammenarbeiten, um sich ergänzende Stärken in Vorteile für die praktische Zusammenarbeit und nachhaltiges Wachstum umzusetzen, indem sie unter Berücksichtigung der Verhandlungen auf der EU-China-Konnektivitäts-Plattform Synergien zwischen der Gürtel- und Straßen-Initiative und den im Investitionsplan für Europa und den Transeuropäischen Netzen genannten Prioritäten fördern. Dies wird es den Parteien auch ermöglichen, ihre politischen Beziehungen, Wirtschaftsbeziehungen und den persönlichen Austausch zu vertiefen. Die Vertragsparteien werden die Zusammenarbeit stärken und die regionale Vernetzung innerhalb eines offenen, integrativen und ausgewogenen Rahmens fördern, der für alle von Vorteil ist, um den Frieden in der Region, Sicherheit, Stabilität und nachhaltige Entwicklung zu fördern.“

Folgende Bereiche der Zusammenarbeit werden aufgelistet: „1. Politischer Dialog, 2. Transport, Logistik und Infrastruktur, 3. Ungehinderter Handel und Investitionen, 4. Finanzielle Zusammenarbeit, 5. Zwischenmenschliche Verbindungen.“

Zusätzlich schlossen Italien und China zehn Wirtschaftsabkommen und 18 weitere institutionelle Vereinbarungen. Die Wirtschaftsabkommen umfassen: eine strategische Partnerschaft der Cassa Depositi e Prestiti mit der Bank of China zur Finanzierung italienischer Firmen in China; eine Absichtserklärung der italienischen Ölgesellschaft ENI mit der Bank of China über Erdölsuche in China; zwei Vereinbarungen mit Ansaldo Energia für die Entwicklung von Gasturbinen mit UGTC und Lieferung einer Turbine an Shanghai Electric und Benxi Steel; eine Vereinbarung der Hafenbehörden von Triest und Genua mit dem chinesischen Baukonzern CCCC; sowie einen Vertrag der Danieli-Gruppe mit China Camc Engineering über den Bau eines Stahlwerks in Aserbaidschan. Zudem schlossen Cassa Depositi und der Erdgasversorger Snam einen Vertrag mit Chinas Seidenstraßenfonds für Investitionen entlang der Seidenstraße und das Institut für Außenhandel einen Vertrag mit Suning für die Schaffung einer Plattform zur Förderung des italienischen Lebensstils in China.

Die institutionellen Vereinbarungen betreffen u.a. die Zusammenarbeit bei innovativen Unternehmensgründungen, Internethandel, Landwirtschaft, Kultur, im Gesundheits- und Medienbereich sowie zwischen den beiden Weltraumbehörden.


Webcast—Italiens Absichtserklärung zur Kooperation mit China schlägt Wellen

Der anhaltende Kampf zwischen zwei Paradigmen stand diese Woche in Italien im Mittelpunkt, als auf einer von MoviSol und der Region Lombardei organisierten Konferenz in Mailand deutlich wurde, wie die Belt and Road Initiative (BRI/Neue Seidenstraße) die Macht der von London gesteuerten Geopolitiker in Europa brechen könnte. Neben Michele Geraci, Staatssekretär im italienischen Ministerium für Wirtschaftsentwicklung und Vorsitzender der China-Taskforce Italiens, sprach Helga Zepp-LaRouche auf der Konferenz und betonte die Wichtigkeit des bevorstehenden Besuchs von Xi Jinping in Italien, bei dem eine Absichtserklärung Italiens unterzeichnet werden soll, sich der BRI anzuschließen. Wenn Italien und bereits fünfzehn weitere EU-Mitglieder zum gegenseitigen Vorteil mit der BRI zusammenarbeiten, wie sieht es dann mit Frankreich und Deutschland aus? Weshalb sind die EU-Bürokraten und Neoliberalen in London aufgrund der jüngsten Entwicklungen so verzweifelt?

Dieses Potential kontrastiert stark mit der Hysterie von EU-Bürokraten, von NATO-Offiziellen wie General Scaparrotti und US-Außenminister Pompeo, die als Teil des Neocon-Apparates Präsident Trump im Zaum halten wollen. Helga Zepp-LaRouche präsentierte ein klares Bild davon, wie die Neocons versuchen, die Handelsgespräche mit China zu sabotieren, die Denuklearisierung Nordkoreas zu verhindern und einen Regimewechsel in Venezuela herbeizuführen, um so Trump zu zwingen, von seinen Wahlkampfversprechen abzurücken.

Sie rief die Teilnehmer auf, die Mobilisierung zur Rehabilitierung Lyndon LaRouches als Mittel zu nutzen, um die Neocon-Kriegspartei zu Fall zu bringen, die weiterhin alles versucht, um das Potential der Trump Regierung zu zerstören.

 


Webcast—Italien tritt Chinas Neuer Seidenstraße bei! Kriegsfraktion reagiert hysterisch.

Der dieswöchige Webcast mit Helga Zepp-LaRouche und Stephan Ossenkopp fokussiert auf drei Themen, erstens Italiens Bestrebungen sich Chinas Neuer Seidenstraße anzuschließen (eine große Sache, da es zu den G7 und EU-Gründungsmitgliedern gehört), die „New Green Deal“-Politik und abschließend diskutieren sie die Kampagne zur Rehabilitierung von Lyndon LaRouche und deren Implikationen für die Hexenjagd gegen Präsident Trump.

 


Nachruf auf Lyndon H. LaRouche, Jr. (1922–2019)

Das Nachrichtenmagazin „Executive Intelligence Review“ veröffentlichte am 21. Februar auf seiner Internetseite den folgenden ausführlichen Nachruf auf seinen Gründer.

Lyndon H. LaRouche jr., der amerikanische Ökonom und Staatsmann, der zwischen 1957 und 2007 die weltweit zutreffendsten Wirtschaftsprognosen erstellt hat, ist am 12. Februar 2019 verstorben. Als Autor von tausenden Artikeln und über hundert Büchern und umfangreichen Pamphleten und strategischen Studien war LaRouche eine der umstrittensten politischen Persönlichkeiten der amerikanischen Geschichte.

Einer der Gründe hierfür waren LaRouches herausragende, kühne und ausdauernde Präsidentschaftskampagnen 1976-2004, um nach den Morden an John F. Kennedy, Malcolm X, Martin Luther King und Robert Kennedy die verfassungsmäßige Selbstregierung der Vereinigten Staaten wiederherzustellen. Ein weiterer Grund war seine erfolgreiche Einrichtung eines unabhängigen Presse- und Nachrichtendienstes, der ihm und seinen Mitarbeitern die Möglichkeit einer ungefilterten Bewertung von Ereignissen verschaffte und es ihnen erlaubte, den wahren Zustand der amerikanischen Volkswirtschaft und häufig auch den wahren Hintergrund sonst undurchschaubarer amerikanischer und internationaler politischer Prozesse publik zu machen.

LaRouche begründete eine internationale philosophische Vereinigung auf der Grundlage des wiederbelebten Wissens um die jahrtausendealte Kontroverse zwischen der platonischen Tradition und der aristotelischen Schule – dem Kampf zwischen dem republikanischen Staatsmodell und dem oligarchischen Imperialsystem.

LaRouches Einfluß außerhalb der Vereinigten Staaten ergab sich daraus, daß es ihm gelang, Hunderte politisierte Studenten aus verschiedenen Ländern zu rekrutieren, besonders aus Europa, Kanada, Mittel- und Südamerika. Diese persönlich ausgewählte Intelligenzia verschaffte ihm die Fähigkeit, mit Hilfe kleiner, aber gut ausgebildeter und extrem gut informierter Gruppen politische Veränderungen einzuleiten und umzusetzen. So wurden viel größere Kräfte in verschiedenen Ländern katalysiert, indem sie „wie ein Kopf auf vielen Kontinenten“ wirkten.

LaRouche war dafür bekannt, daß er von jedem Bürger der Vereinigten Staaten und von allen Bürgern souveräner Nationen verlangte, sich in wichtigen politischen Fragen, die die Zukunft ihrer Länder und der Menschheit insgesamt betreffen, kundig zu machen; nur solche politischen Forderungen zu erheben und zu verfechten, die „das allgemeine Wohl von uns selbst und unserer Nachwelt befördern“; und gegen rücksichtslose Finanzmaßnahmen vorzugehen, die zur Durchsetzung einer rassistischen Entvölkerungspolitik vor allem gegen Länder Afrikas, Asiens und Mittel- und Südamerikas betrieben werden, manchmal kaschiert als „Umweltschutz“ oder „nachhaltige Entwicklung“.

Prominente internationale Persönlichkeiten und Institutionen haben zwar jüngst über LaRouche zu berichten begonnen, doch hat es keines der „großen Medien“ bisher gewagt, LaRouches wirkliche Ansichten über politische Fragen, für die er bekannt war, zu zitieren, obgleich er einer der produktivsten Autoren Amerikas gewesen ist. Diese Angst vor LaRouche ist erstaunlich, aber nicht neu. Es war schon immer so, daß die Macht von LaRouches Ideen, genauso wie oder noch mehr als die Person LaRouche von seinen Gegnern zutiefst gefürchtet wurde. Diese Furcht wird mit seinem Tod nicht nachlassen.

LaRouches Vier Gesetze, sein Vorschlag eines Viermächteabkommens zwischen den USA, Rußland, China und Indien, die von ihm entwickelte und 1983 vom damaligen US-Präsidenten Ronald Reagan verkündete Strategische Verteidigungsinitiative (SDI) und sein jahrzehntelanger intensiver Einsatz für die Entwicklung der kontrollierten Kernfusion dürfen von den heutigen „Mainstream-Medien“ selbst nach seinem Ableben nicht erwähnt werden. Hätte die amerikanische Bevölkerung heute Kenntnis über diese politischen Alternativen und wüßte damit, was ihr durch den jahrzehntelangen Pakt des Schweigens um LaRouche vorenthalten wurde – insbesondere während der Finanzkrise und den sinnlosen Raubkriegen der letzten 15 Jahre -, so wäre sie zu dem einfachen Schluß gekommen, daß jemand sich all diese Jahre nach Kräften bemüht hat, sie von Lyndon LaRouches Ideen fernzuhalten.

Die Ausrede, „Er ist ein Bösewicht, aber wir dürfen Ihnen nicht sagen, warum“, genügt nicht mehr als Erklärung für die Menschen, warum sie jetzt nicht wissen sollten, „wer LaRouche ist“. Damit die Beschränkungen der Fake News wirklich durchbrochen werden, muß der wirkliche Lyndon LaRouche jetzt endlich gehört und bekannt werden. Hierzu dient die folgende kurze, sehr unvollständige Darstellung seines Lebens und Werkes.

Der Werdegang eines Staatsmanns

LaRouche hat sich über mehr als vier Jahrzehnte als der Hauptfeind des britischen Imperialsystems erwiesen, sowohl in dessen Ausprägung vor dem Zweiten Weltkrieg wie auch in der Form des Commonwealth nach dem Krieg. LaRouches Militärdienst im Zweiten Weltkrieg vor allem im Einsatzgebiet von Burma hat ihn entscheidend geprägt. „Das Erlebnis in Kalkutta 1946 prägte meine politische Grundüberzeugung, daß die Vereinigten Staaten nach dem Krieg die Führung beim Aufbau einer neuen Weltordnung übernehmen müßten, mit der Aufgabe, die Wirtschaftsentwicklung der heutigen ,Entwicklungsländer’ zu fördern“, schrieb LaRouche in seiner Autobiographie Die Macht der Vernunft 1988. LaRouche nahm den Kampf gegen die „politischen Wirtschaftstheoretiker“ und Sklavenhändler der heutigen Form der britischen Ostindiengesellschaft auf, deren Theorien nach dem Krieg an den Wirtschaftsfakultäten der amerikanischen Universitäten vorherrschten.

LaRouche war ein entschiedener Gegner der Ansicht, der Mensch sei ein Tier, wie es Francis Bacon, Thomas Malthus und John Locke vertraten. Statt dessen setzte sich LaRouche für die Wiedereinführung der Wissenschaft der physischen Ökonomie in den Vereinigten Staaten ein – eine Wissenschaft, die der deutsche Philosoph Gottfried Wilhelm Leibniz, der Entdecker der Infinitesimalrechnung und Miterfinder der Dampfmaschine, 1672 begründet hatte. Zwischen 1948 und 1952 betrieb LaRouche intensive unabhängige Studien in vielen naturwissenschaftlichen Bereichen, um seine Methode der Wirtschaftsprognose zu entwickeln. In dem Buch LaRouche: Will This Man Become President? (1983) heißt es dazu:

„1952 erkannte LaRouche erstmals, daß es mit Hilfe eines Energiebegriffs in Übereinstimmung mit [Bernhard] Riemanns Habilitationsschrift von 1854 Über die Hypothesen, welche der Geometrie zu Grunde liegen möglich ist, technologisches und wirtschaftliches Wachstum mit diesem so definierten Energiebegriff zu messen. In LaRouches Ansatz wird wirtschaftlicher Wert – reales Wirtschaftswachstum – vor allem im Sinne einer Zunahme der potentiellen relativen Bevölkerungsdichte der Gesellschaft gemessen.“

LaRouche betrachtete jedoch alle seine Arbeiten über physische Ökonomie als spezifischen Ausdruck einer tieferen epistemologischen Aufgabe. In seinem Artikel „Beethoven als Musikwissenschaftler“ (1988) schreibt er:

LaRouche, however, looked at all of his work on physical economy as the specific expression of a deeper epistemological task. In his 1988 article “Beethoven as a Physical Scientist,” LaRouche writes:

„Meine wichtigsten Entdeckungen in allen Bereichen, in denen ich Beiträge geleistet habe, basieren auf meiner Widerlegung des berühmten Kantschen Paradoxes, wie es in Immanuel Kants Kritik der Urteilskraft geltend gemacht wird. Kant behauptete zwei Dinge, die hier von Bedeutung sind.

Erstens äußerte er, daß es zwar schöpferische Prozesse gebe, die zu gültigen grundlegenden wissenschaftlichen Entdeckungen führten, aber diese Prozesse selbst lägen jenseits jeden möglichen menschlichen Verstehens. Das habe ich als falsch nachgewiesen, und ausgehend von diesem Beweis entwickelte ich eine verständliche Darstellung dieser kreativen Prozesse und damit der impliziten Messung des technischen Fortschritts als solchem.

Auf Grundlage der ersten Behauptung argumentierte Kant zweitens, daß es in der Ästhetik keine allgemeinverständlichen Kriterien von Wahrheit oder Schönheit gebe. Der Umstand, daß der gesamte moderne Irrationalismus in Kunstfragen so allgemein toleriert wird, ist darauf zurückzuführen, daß in Deutschland und anderswo diese von Kant und später von Friedrich Karl von Savigny verbreitete These über Ästhetik akzeptiert wurde.“

Die Vielzahl von LaRouches Schriften über Musik, Wirtschaft, Geschichte, Sprache und Naturwissenschaft hat zahlreiche Menschen auf der ganzen Welt zur Zusammenarbeit und zum Austausch angeregt. LaRouche war in erster Linie ein Staatsmann – kein Politiker -, der Staatskunst im Sinne des Sokrates von Athen praktizierte. Durch eigene Lehrtätigkeit baute er Organisationen auf, angefangen mit einer mehrteiligen Vorlesungsreihe 1966, in der er vor allem an Universitäten seine Methode der Wirtschaftsprognose darlegte und zur Diskussion stellte. Viele sind erstmals auf LaRouche gestoßen, als er mit akademischen Ökonomie- und Politikgrößen Debatten führte. Das hörte 1971 auf nach LaRouches berühmter Debatte mit dem Ökonomen Abba Lerner, der die Debatte verlor, als er behauptete, wenn man die Sparpolitik von Reichsfinanzminister Hjalmar Schacht in den 1920er Jahren umgesetzt hätte, „wäre Hitler nicht notwendig gewesen“. Innerhalb weniger Monate fand sich niemand mehr, der bereit war, mit LaRouche zu debattieren, und seither fand keine solche Debatte mehr statt.

LaRouches Vorlesungen über „dialektische Ökonomie“, wie er es damals nannte, waren genau das: Dialoge zwischen LaRouche und philosophischen, ökonomischen und wissenschaftlichen Köpfen der Geschichte, die er anschaulich und präzise porträtierte, stets ohne Notizen, oft auch ohne irgendein Buch. Die Studenten erhielten einen umfangreichen Lehrplan mit einem festgelegten wöchentlichen Lesestoff. Ein damaliger Teilnehmer erinnerte sich: „Es wurde auf Passagen aus Werken wie beispielsweise Kants Kritik der Praktischen Vernunft verwiesen. Man wurde aufgefordert, diese zu lesen. Wenn man dies tat und zur nächsten Vorlesung kam, beschrieb LaRouche zunächst seine Vorstellungen über diese Passage, und das überzeugend und sehr genau. Im weiteren nahm er die Passage Stück für Stück auseinander, und da man sie gelesen und akzeptiert hatte, entdeckte man plötzlich die Trugschlüsse, die tief im eigenen Denken verwurzelt waren. Er zeigte einem den Unterschied zwischen Lesen und Denken auf. Das waren keine Vorlesungen; das waren Zwiegespräche. Und das weckte unser Interesse.“

LaRouches Hauptorganisation war der National (später International) Caucus of Labor Committees, eine philosophische Vereinigung in Form eines „Systems von Konferenzen“, die gewöhnlich zweimal im Jahr stattfanden. Aus dieser Vereinigung gingen viele weitere Organisationen hervor, etwa die Fusion Energy Foundation, die U.S. Labor Party, das National Democratic Policy Committee, die Anti-Drug Coalition und andere. LaRouche gründete Organisationen in Frankreich, Deutschland, Italien, Schweden, Kanada, Dänemark, Mexiko, Kolumbien, Peru, Australien und vielen anderen Ländern und arbeitete mit ihnen zusammen.

Im Dezember 1977 heiratete LaRouche in Deutschland Helga Zepp, die später das Schiller-Institut gründete, eine Denkfabrik für die Förderung von Staatskunst und einer Renaissance der klassischen Kultur.

„Im Herbst 1977 schlug ich vor, wir sollten heiraten… Ich war etwas überrascht, aber angenehm, als sie zustimmte… Wir führten beide wahrlich kein normales Leben, und es war sehr unwahrscheinlich, daß es je anders sein würde. Wir heirateten am 29. Dezember 1977 in Wiesbaden. Die Trauung wurde auf deutsch vollzogen; der Standesbeamte fragte mich auf deutsch, ob ich wüßte, was vor sich ging. Meine Freunde haben noch Wochen später darüber gelacht.“

Sie blieben 41 Jahre lang verheiratet.

Der kämpferische und polemische Stil von Wahlkämpfen und anderen Kampagnen LaRouches und seiner Verbündeten waren im politischen Leben Amerikas der 70er, 80er und 90er Jahre einzigartig. LaRouches halbstündige Fernsehsendung von 1976 „Dringende Ansprache an die Nation“ war das erste Mal, daß ein unabhängiger Kandidat in einer Präsidentschaftswahl soviel Sendezeit im Privatfernsehen kaufte. Bei der Präsidentschaftswahl 1984 trat LaRouche 15 Mal in halbstündigen Fernsehsendungen auf, wodurch er praktisch erfand, was später als „Infomercial“ (Informations-Werbesendung) bekannt wurde. LaRouches Präsidentschaftskampagnen und auch die Kandidaturen seiner Mitstreiter – 1986 allein bewarben sich tausend LaRouche-Kandidaten um ein öffentliches Amt – versetzten seine Gegner in Angst und Schrecken, ermutigten jedoch auch andere, sich nicht nur um ein öffentliches Amt zu bewerben, sondern auch eine Politik zu unterstützen, die nicht nur den „örtlichen Krähwinkel“ betrifft, sondern die gesamte Menschheit voranbringt.

Eine solche Politik war 1975 LaRouches Vorschlag einer Internationalen Entwicklungsbank (IEB) anstelle des Internationalen Währungsfonds, um die sogenannte „Dritte Welt“ zu entwickeln, indem man den Export moderner Technik und sogar den Bau ganzer Städte finanziert. Diese Städte sollten als Ausbildungsstätten für die Bevölkerung des Entwicklungssektors dienen, um ihnen möglichst schnell das Rüstzeug zur Entwicklung einer „vollständigen“ Volkswirtschaft zu geben, anstatt zu Schuldsklaven zu werden, wie es anschließend tatsächlich geschah.

Politiker wie Fred Wills, der damalige Außenminister von Guyana, unterstützten LaRouches IEB-Vorschlag auf einer UNO-Sitzung 1976. Der mexikanische Präsident José López Portillo und die indische Ministerpräsidentin Indira Gandhi trafen sich mit Lyndon und Helga LaRouche und übernahmen Aspekte seiner Vorschläge, von welchen viele in Buchform verbreitet wurden, so u.a. „Operation Juárez“ für Mexiko, „Die Industrialisierung Indiens: Aus der Rückständigkeit zur Industriemacht in 40 Jahren“ und „Ein fünfzigjähriger Entwicklungsplan für den Indischen Ozean und den Pazifik“. Alle diese Schriften, die noch heute ihre Gültigkeit haben, hat LaRouche Anfang der 80er Jahre verfaßt.

Um LaRouches Ideen zu verbreiten, bedienten sich seine Anhänger der sokratischen Methode – dem direkten Gespräch mit Menschen an Infoständen, vor Arbeitsämtern, Postämtern, an Flughäfen, Straßenecken, in Innenstadtbereichen und Einkaufszentren. Der direkte Kontakt mit der amerikanischen Bevölkerung vermittelte LaRouche zudem ein viel besseres Bild über die Zustände „vor Ort“, über das keine andere politische Kraft verfügte. Korrupte Elemente im Justizministerium und sog. „Nichtregierungsorganisationen“, die grünes Licht erhielten, das verfassungsmäßige Recht der LaRouche-Bewegung auf freie Meinungsäußerung zu stören, konnten sich nur noch darauf verlegen, die LaRouche-Organisation als „Sekte“ zu verleumden, um Bürger von Unterstützung abzuhalten.

Keiner von LaRouches Verleumdern konnte seine zutreffenden Wirtschaftsprognosen wegdiskutieren, darunter den Zusammenbruch des Bretton-Woods-Systems am 15. August 1971, den Wall-Street-Crash im Oktober 1987 (von LaRouche im Mai jenes Jahres vorhergesagt) und seine Vorhersage in einer Internetsendung vom 22. Juli 2007 zum Billionen-Dollar-Börsencrash vom September 2008. Am 12. Oktober 1988 sagte LaRouche in einer Rede im Berliner Hotel Kempinski:

„Von Beruf bin ich Wirtschaftswissenschaftler in der Tradition von Gottfried Wilhelm Leibniz und Friedrich List in Deutschland sowie von Alexander Hamilton und der Brüder Carey in Amerika. Auch meine politischen Grundsätze teile ich mit Leibniz, List und Hamilton, aber auch mit Friedrich Schiller und Wilhelm von Humboldt. Wie die Gründerväter der Vereinigten Staaten glaube ich ohne Einschränkungen an die Notwendigkeit vollkommen souveräner Nationalstaaten und lehne deshalb alle supranationalen Einrichtungen, die die Souveränität einer Nation untergraben, ab. Wie Schiller glaube ich, daß jeder Mensch, der eine schöne Seele werden will, ein wahrer Patriot und zugleich Weltbürger sein muß.

In den vergangenen 15 Jahren bin ich ein ausgewiesener Fachmann in den außenpolitischen Angelegenheiten meines Landes geworden. Infolge dieser Arbeit habe ich in einigen Kreisen meiner Regierung in Fragen der Außenpolitik und Strategie wachsenden Einfluß gewonnen. So arbeitete ich in den Jahren 1982 und 1983 zusammen mit dem Nationalen Sicherheitsrat am Entwurf der Strategie, die später Strategische Verteidigungsinitiative, kurz SDI, genannt wurde. Auch wenn die Einzelheiten dieser Zusammenarbeit vertraulich sind, so kann ich doch sagen, daß meine Ansichten über die gegenwärtige strategische Lage heute in den USA mehr Einfluß haben als zu irgendeinem früheren Zeitpunkt.

Deshalb kann ich Ihnen versichern, daß man das, was ich Ihnen nun zum Thema einer möglichen deutschen Wiedervereinigung sagen werde, in relevanten Kreisen in den Vereinigten Staaten sehr sorgfältig prüfen wird.

Viele Menschen sind heute der Meinung, daß unter den richtigen Bedingungen die Zeit gekommen ist, erste Schritte hin zu einer baldigen deutschen Wiedervereinigung einzuleiten. Es ist offensichtlich, daß Berlin dann wieder die deutsche Hauptstadt werden sollte.“

Zielgenaue Zerstörung

Zwei Tage nach dieser Rede im Kempinski erhob die US-Justiz Anklage gegen Lyndon LaRouche und mehrere seiner Mitarbeiter. Im Nationalen Presseclub äußerte sich LaRouche später dazu: „Man könnte über diese Anklage sagen, daß jeder, der sich an Gott oder der Menschheit oder beiden versündigt, früher oder später seine gerechte Strafe erhält.“ Zwei Jahre vor der Anklageerhebung war am 6. Oktober 1986 ein Mordanschlag auf LaRouche verübt worden, über den sich LaRouche 2004 in einer Schrift mit dem Titel „,Sperrt ihn ein oder tötet ihn!’ Die Nacht, in der sie kamen, um mich umzubringen“ so äußerte:

„Am 6. Oktober 1986 fiel ein Heer von über 400 bewaffneten Beamten in die Stadt Leesburg in Virginia ein, um die Büroräume von EIR zu durchsuchen; sie verfolgte aber noch eine andere, üblere Mission. Das Anwesen, in dem ich damals wohnte, wurde von einer bewaffneten Einheit umstellt, während Flugzeuge, gepanzerte Fahrzeuge und weitere Einsatzkräfte auf den Befehl warteten, vorzurücken und zu schießen. Glücklicherweise kam es nicht zum Schußwechsel, da jemand mit einer höheren Autorität als William Weld von der Kriminalabteilung des Justizministeriums Anweisung erteilte, den Angriff auf mich abzublasen. Die Einsatzkräfte, die bereit waren, gegen mich, meine Frau und einige meiner Mitarbeiter vorzugehen, wurden am Morgen abgezogen.

Das war die zweite vollständig dokumentierte Beteiligung des US-Justizministeriums an Operationen mit dem Ziel, mich aus der Politik zu eliminieren.“

LaRouche und sechs andere wurden zwar von einem Gericht in Alexandria (Virginia) im Dezember 1988 schuldig gesprochen und am 27. Januar 1989 inhaftiert, aber der internationale und nationale Aufschrei gegen diese korrupten Urteile dauert bis heute an. Der ehemalige amerikanische Justizminister Ramsey Clark, der LaRouche als Anwalt vertreten hat, erklärte zu Recht, bei der Strafverfolgung LaRouches habe es „mehr und längeren bewußten Betrug und systematisches Fehlverhalten unter Ausnutzung der staatlicher Macht gegeben als bei jeder anderen mir bekannten Anklage der US-Regierung“. In einem Dossier von Executive Intelligence Review vom September 2017 „Robert Mueller ist ein amoralischer juristischer Auftragstäter – er wird seinen Job eiskalt erledigen, wenn wir es nicht verhindern“ wird umfassend dargestellt, wie der heutige Sonderermittler gegen Donald Trump, Robert Mueller, ein wichtiger Beteiligter bei der politischen Verfolgung Lyndon LaRouches in den 1980er Jahren gewesen ist.

In seiner Gefängniszeit schrieb LaRouche weiter, wobei er oft ganze Buchkapitel durch das Telefon diktierte, auch das ohne irgendwelche Nachschlagewerke. Neben der Schriftensammlung Christentum und Wirtschaft und andere Gefängnisschriften schrieb oder diktierte LaRouche viele weitere Dokumente, von denen einige mit anderen bisher unveröffentlichten Schriften zusammengetragen wurden.

Während des Jahres 1989, als offensichtlich wurde, daß der sowjetische Comecon zunehmend in wirtschaftliche Schwierigkeiten geriet, arbeiteten LaRouche und seine Frau Helga intensiv an einem Programm mit dem Namen „Produktives Dreieck Paris-Berlin-Wien“, das nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion zur „Eurasischen Landbrücke“ erweitert wurde. Das Programm sah vor, nach dem Fall des Eisernen Vorhangs die Bevölkerungs- und Industriezentren Europas und Asiens durch sog. Entwicklungskorridore zu integrieren. Dies war der einzige umfassende Friedensplan für das 21. Jahrhundert, der damals auf dem Tisch lag – eine Option, die von den Briten und anglophilen Neokonservativen in den Vereinigten Staaten vehement bekämpft wurde, da diese ihre Politik einer unipolaren Welt und ihr neoliberales System unbedingt erhalten wollten. Die Eurasische Landbrücke wurde sehr schnell auch als „Neue Seidenstraße“ bekannt. Mehr als zwei Jahrzehnte später ist die chinesische Gürtel- und Straßen-Initiative, die sich aus diesem Konzept entwickelte, zur wichtigsten Lokomotive der physischen Wirtschaft der Welt geworden.

Das Leben Tausender verändern

Nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis am 26. Januar 1994 setzte LaRouche seine Arbeit als Wirtschaftsprognostiker fort. Er entwickelte 1995 als pädagogisches Modell die „Tripelkurve“ oder „Typische Kollapsfunktion“, um auch Nichtökonomen zu verdeutlichen, wie die transatlantische Welt von einer „Weimarer Hyperinflation“ erfaßt und so ausgeblutet wurde, daß nichts mehr das vorherrschende Geldsystem retten konnte. Die einzige Möglichkeit war, es umfassend zu reorganisieren, in dem man unter Rückgriff auf Franklin Roosevelts Glass-Steagall-Trennbankengesetz aus der Zeit des New Deal die Banken saniert. Im Januar 2001 warnte er vor der Gefahr eines schweren Terrorangriffs auf eine oder mehrere amerikanische Städte und stellte diese Warnung in den Zusammenhang einer Analyse, warum und wie das Finanzsystem 1999-2000 in eine Phase einer „Hightech-Blase“ eingetreten war.

LaRouche sprach davon, daß es zu einer Art „Reichstagsbrand“ kommen könnte, wenn die Vereinigten Staaten infolge des sich verschärfenden wirtschaftlichen Ruins unregierbar würden. Ähnlich wie er im Mai 1987 den Kollaps des Aktienmarktes im Oktober 1987 vorausgesagt hatte, erklärte LaRouche am 22. Juli 2007, ein Jahr vor der finanziellen Kernschmelze von Lehman Brothers und AIG, im September 2008:

 

„Das Weltfinanzsystem befindet sich derzeit im Prozeß der Desintegration. Daran ist nichts Geheimnisvolles. Ich spreche darüber bereits seit einiger Zeit, es ist im Gang, es läßt nicht nach. Was als Aktienwerte und Marktwerte auf den Finanzmärkten international geführt wird, ist Quatsch! Das sind rein fiktive Vorstellungen. Dahinter steht keinerlei Wahrheit; die Gaunerei ist enorm. Ein ist ausgeschlossen, daß das jetzige Finanzsystem nicht kollabiert. Es ist am Ende – jetzt!

Das jetzige Finanzsystem läßt sich unter keinen Umständen aufrechterhalten, unter keiner Präsidentschaft, unter keiner nationalen Führung. Nur eine grundlegende und plötzliche Veränderung im Weltwährungs- und -finanzsystem könnte eine allgemeine, sofortige Kettenreaktion in den Kollaps verhindern. Wie schnell das geht, wissen wir nicht, aber er wird weitergehen und unaufhaltsam sein. Und je länger er andauert, bevor es endet, um so schlimmer wird es.“

Wie aus dieser Vorhersage deutlich wird, die LaRouche im Alter von 84 Jahren erstellte, war er weiterhin sehr produktiv, und mehr noch. Um die Jahrhundertwende leitete LaRouche Schritte zur Rekrutierung junger Menschen ein, und diese Jugendbewegung war so erfolgreich, daß die Demokratische Partei in verschiedenen Teilen der USA versuchte, sie zu vereinnahmen. Tausende junge Leute durchliefen diesen Erziehungsprozeß. Die LaRouche-Jugendbewegung produzierte in Videoformat bahnbrechende Beiträge zur Darstellung von Johannes Keplers Werk, zum klassischen Belcantogesang für die höhere Schulbildung wie auch als Gegenmittel gegen die kulturelle Selbsterniedrigung sowie die Darstellung der amerikanischen Geschichte und auch der aktuellen Geschichte (nicht als „Zeitgeschehen“ oder bloße „News“), wie den Film 1932.

Seit seines Hervortretens als öffentliche Person vor über 50 Jahren bestand die einzige Tragödie in Lyndon LaRouches Leben darin, daß nicht zugelassen wurde, daß er als US-Präsident oder als Berater eines Präsidenten die Wirtschaftsreformen durchzusetzen konnte, die das Leben von Millionen Amerikanern und vielen hundert Millionen Menschen auf der ganzen Welt verbessert hätten.

Auch wenn Lyndon LaRouche viele Freunde auf der Welt hatte und hat, führende Köpfe in Wissenschaft, Musik, Wirtschaft und Politik, waren seine besten Freunde – abgesehen von seiner Ehefrau Helga – die vielen vergessenen Männer und Frauen in Amerika und anderen Ländern.

 


Lyndon H. LaRouche jr. (1922-2019): Ein wohlgenutztes Talent

Lyndon H. LaRouche jr., Philosoph, Wissenschaftler, Dichter, Staatsmann und Ökonom, ist am Dienstag, dem 12. Februar, im Alter von 96 Jahren verstorben. Es war der Geburtstag von Abraham Lincoln, einem amerikanischen Präsidenten, den Lyndon LaRouche sehr geliebt und in seinen Schriften gewürdigt hat.

Diejenigen, die Lyndon LaRouche gekannt und geliebt haben, wissen, daß die Menschheit mit seinem Tod einen großen Verlust erlitten hat, und wir widmen uns heute von Neuem der Aufgabe, seine großen Ideen, für die die Geschichte ihn wertschätzen wird, in die Realität umzusetzen. Für diejenigen, die ihn nicht kennen oder erst kürzlich auf seine Ideen gestoßen sind, gibt es keine bessere Einführung zu dieser einzigartigen Persönlichkeit als LaRouche selbst. Auf einer Konferenz 1988 äußerte er sich über das Leben hier auf der Erde – inmitten einer politischen Verfolgung, die in auffälliger Weise der Hetzjagd ähnelt, die heute in den Vereinigten Staaten gegen einen amerikanischen Präsidenten betrieben wird:

Deutsche Übersetzung der Rede hier

„Es gibt keinen Teil der Gesellschaft, keine Wählergruppe, der nicht die gleichen Interessen hätte. Kein Volk in keiner Nation hat in dieser Frage andere Interessen als das irgendeiner anderen Nation. Wir sprechen von der Zukunft von Hunderten von Milliarden noch nicht geborener Seelen, ohne deren Erfolg unser Leben nichts bedeutet. Das ist das gemeinsame Interesse, das uns alle eint, in dieser Frage, in dieser gemeinsamen Sache gibt es für uns alle keinen Unterschied.

So sollten wir kämpfen, mit Liebe zur Menschheit, indem wir vor allem an diese Hunderte von Milliarden von Seelen denken, die noch darauf warten, geboren zu werden, und gleichzeitig auch an diejenigen aus der Vergangenheit, deren Martyrium und anderen Opfern wir unser Potential zu verdanken haben und denen wir es schuldig sind, selbst etwas an die Zukunft weiterzugeben. Und wir denken an unser Leben nicht als etwas, das wir nur von einem Moment zum nächsten leben, sondern als ein sehr kleines Stück Erfahrung, mit einem Anfang und nicht viel später einem Ende. Und wir denken an unser Leben nicht als etwas, das zum Vergnügen gelebt wird, sondern als die Gelegenheit, einen Zweck zu erfüllen – einen Zweck, der sich in dem widerspiegelt, was wir diesen Hunderten von Milliarden von Seelen hinterlassen, die darauf warten, geboren zu werden.

So daß wir, sollte unser sterbliches Leben verfrüht enden, wir es aber so geführt haben, daß es der Sache dieser noch ungeborenen Hunderten von Milliarden von Seelen gedient hat, mit Freude in den Tod gehen können, weil wir unser Leben abgeschlossen, es erfüllt haben. Möglicherweise wurde uns die Chance verweigert, es ein wenig mehr zu erfüllen, aber wir haben es trotzdem erfüllt.

Lebensfreude, die wahre Lebensfreude bezieht sich auf das, was das Neue Testament im 1. Korintherbrief 13 auf Griechisch agapē, auf Lateinisch caritas und auf Deutsch Liebe nennt: die Qualität von agapē, von Nächstenliebe, von heiliger Liebe vereint uns als Individuen mit Hunderten von Milliarden ungeborener Seelen, für deren Liebe wir unser Leben geben und dies mit einem Lächeln tun können, weil wir wissen, daß sie uns in gewisser Weise auch lieben, obwohl sie noch gar nicht geboren sind. Das verleiht uns ein Gefühl für die wahre Bedeutung unseres Lebens, wahre Freude, als Mensch leben zu können.

Wir müssen miteinander im Sinne dieser Haltung gegenüber der historischen Menschheit zusammenarbeiten – einer Menschheit, die wie eine große Familie ist, die den früheren Generationen Dank schuldet, und deren heutige Generation den zukünftigen Generationen etwas schuldig ist. Die Liebe, die diese Familie vereint, ist in ihren Werken der praktische Ausdruck des Glaubens, aus dem wir die Zuversicht und die Kraft beziehen, diesen Krieg zu führen und zu gewinnen.

Wenn wir das können, bin ich sicher, daß wir gewinnen werden. Ich verstehe besser als die meisten die Naturgesetze und das Naturrecht im allgemeinen, und so unergründliche Begriffe wie die absolute Zeit und ähnliches. Und ich kann vielleicht besser als die meisten verstehen, wie sich der Glaube im praktischen Handeln so ausdrückt, daß der Erfolg gesichert ist. Als einzelne Individuen sind wir klein, aber wenn wir wissen, daß wir in diesem Sinne vereint sind, dann wissen wir, daß das, was jeder von uns als Individuum tut, etwas zum Blühen und Gedeihen bringt.

In diesem schrecklichen Moment der Menschheit besteht das Risiko, daß wir die Zivilisation verlieren; die Zivilisation, wie wir sie seit Jahrhunderten kennen, droht uns in den nächsten zwei oder vielleicht zehn Jahren verloren zu gehen. Aber gleichzeitig besteht auch die Möglichkeit einer heroischen Lösung für diese Krise, wenn wir zu Generationen werden, die in unserer Zeit den Kelch von Gethsemane annehmen und so in der Nachahmung Christi zur Ursache der Rettung zukünftiger Seelen werden.“

Ein Jahr später, nachdem er ins Gefängnis geworfen worden war, schrieb LaRouche am 17. Januar 1990 anläßlich des Geburtstags von Martin Luther King:

„Diejenigen von uns, die sich in Gethsemane wiederfinden – ein Gethsemane, wo uns gesagt wird, wir müßten mit Blick auf den gekreuzigten Christus eine Führungsrolle übernehmen -, erleben oft etwas, was die meisten Menschen leider nicht erleben. Wir neigen dazu, die Dinge aus einer anderen Sicht zu betrachten.

Bevor ich darzulegen versuche, wie ich die jüngste Periode und die unmittelbar vor uns liegende Zeit sehe, sollte ich versuchen, meinen Standpunkt zu vermitteln, einen Standpunkt, von dem ich weiß, daß er in gewissem Maße ganz ähnlich von allen geteilt wird, die nach Gethsemane gegangen sind und mit dem Kreuz vor Augen gesagt haben: ,Er hat es getan, und jetzt wird mir aufgetragen, daß auch ich seinem Weg folgen muß.’

Wenn ich dies jemandem zu erklären versuche, der das noch nicht erlebt hat, gebe ich oft den Rat: Stellen Sie sich eine Zeit 50 Jahre nach Ihrem Tod vor. Stellen Sie sich vor, Sie könnten dann, 50 Jahre später, wieder zu Bewußtsein kommen und auf die Gesamtheit Ihres sterblichen Lebens, von seinem Anfang bis zu seinem Ende, zurückblicken. Und anstatt Ihr sterbliches Leben als eine Folge von Einzelerfahrungen zu sehen, betrachten Sie es als eine Einheit. Sie stellen sich in Bezug auf Ihr sterbliches Leben die Frage: ,War dieses Leben im Gesamtplan des Universums und der Existenz der Menschheit notwendig, war es notwendig, daß ich geboren wurde, um dieses Leben zu führen, die ganze Summe von Jahren zwischen Geburt und Tod? Habe ich etwas getan oder bedeutete mein Leben etwas, das für die gegenwärtigen Generationen und implizit für die zukünftigen Generationen nach mir einen positiven Nutzen darstellt?’ Wenn ja, hätte ich dieses Leben mit Freude durchlaufen müssen, weil ich wußte, daß jeder Moment für die gesamte Menschheit wertvoll war, denn das, was ich durchlebt habe, war etwas, was die gesamte Menschheit brauchte, etwas, was für die ganze Menschheit von Nutzen war.“

Später, im Januar 2004, sprach LaRouche über Martin Luther Kings einzigartiges Genie:

Deutsche Übersetzung der Rede

„Wir alle sind sterblich. Und damit wir in uns die Leidenschaft erwecken können, die uns treibt, in unserem Leben Gutes zu tun, müssen wir verstehen, daß unser Leben, für das wir unser Talent ausgeben, etwas für kommende Generationen bedeuten wird. Die besten Menschen denken wie Moses an das Gute, das geschehen wird, wenn sie selbst nicht mehr da sein werden, um es zu genießen. Das ist die Vorstellung von Unsterblichkeit. Das ist der Grund, warum Eltern für ihre Kinder Opfer bringen. Das ist der Grund, warum die Gemeinschaft für die Bildung, für die Möglichkeiten ihrer Kinder, Opfer bringen muß. Man geht durch den Schmerz von Leid und Not, aber man weiß, daß man ein Ziel hat, daß das eigene Leben etwas bedeuten wird, daß man mit einem Lächeln auf den Lippen sterben kann: Du hast den Tod besiegt. Du hast dein Talent weise genutzt – dein Leben bedeutet, daß es die kommenden Generationen besser haben werden.“

 

 


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