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Daniel GT

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Landbrücken-Konferenz des Schiller-Instituts in New York

„Der Bau einer Weltlandbrücke – die wahre Humanität der Menschheit verwirklichen“ war das Thema der internationalen Konferenz des Schiller-Instituts, die am 7. April in New York City stattfand. Sie zeigte das Potential der Vereinigten Staaten, sich aus der verheerenden Geopolitik und dem Wirtschaftskollaps zu befreien und zu ihrer traditionellen Identität als produktive Nation zurückzukehren. An der 15 Stunden langen Konferenz nahmen 300 Gäste aus vielen Teilen der USA sowie einem Dutzend Ländern aus Asien, Afrika und Europa teil.

Helga Zepp-LaRouche hielt zur Eröffnung eine umfassende und inspirierende Rede, worin die Notwendigkeit einer Zusammenarbeit für die gemeinsamen Ziele der Menschheit im Mittelpunkt stand. Sie ging in viele Details, besonders zur Flüchtlingskrise in Südwestasien, Nordafrika und Europa und der Notwendigkeit für einen „Marshall-Plan der Seidenstraße“. Lyndon LaRouche, der die Kampagne für einen solchen Paradigmenwechsel seit Jahrzehnten anführt, betonte die Bedeutung des individuellen menschlichen Geistes, der Prinzipien entdecken könne, die der Menschheit Fortschritte ermöglichen. Albert Einstein sei ein ideales Beispiel für eine Persönlichkeit in der Gesellschaft, die zu solchen Entdeckungen fähig ist.

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Andere Redner in der Vormittagssitzung waren der frühere US-Justizminister unter Präsident Johnson, Ramsey Clark, der ein leidenschaftliches Plädoyer gegen den Krieg hielt, der chinesische Journalistikprofessor Li Xiguang von der Universität Tsinghua, der mit zahlreichen Abbildungen die weiten Gebiete von Chinas Seidenstraßenprojekt „Gürtel und Straße“ beschrieb, sowie der ägyptische Generalkonsul in New York, Ahmed Farouk. Dieser schilderte enthusiastisch den Bau des Neuen Suezkanals, der von den Ägyptern selbst finanziert in Rekordzeit bewältigt wurde, und die geplanten drei Entwicklungszonen. Das erinnerte viele im Publikum an frühere Großprojekte in den USA – wie den Hoover-Damm oder die TVA.

In der zweiten Sitzung rief Kesha Rogers von der amerikanischen LaRouche-Bewegung alle dazu auf, aktiv dafür zu arbeiten, daß auch die USA wieder zu ihrer Pionierrolle für Fortschritt zurückkehrt , vor allem, indem die NASA wieder an ihre größten Zeiten anknüpft. Dazu sprachen zwei frühere NASA-Mitarbeiter, Tom Wysmuller zum Thema „Warum bemannte Raumfahrt?“ und Dr. Feng Hsu über Sonnenforschung.

Die abschließende Sitzung war ein außergewöhnlicher Dialog großer Kulturen mit musikalischen Beiträgen (italienische Belcanto-Gesangsstücke und deutsche Kunstlieder, ein gesungenes Gedicht des Bengalen Rabindranath Tagore und klassische chinesische Musik auf alten Saiteninstrumenten). Hinzu kamen zwei Vorträge – von Prof. Ben Wang vomChina Institute über „Die Einheit von Kalligraphie, Dichtung, Malerei und Musik in der chinesischen Kunst“ sowie der bekannten italienisch-amerikanischen Gesangspädagogin Carmela Altamura über „Verdis Opern und Italiens Risorgimento-Bewegung“.

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Die Konferenz wurde vor allem in der chinesischen und russischen Presse prominent aufgegriffen. Die amtliche russische Nachrichtenagentur TASS veröffentlichte am 8. April Auszüge aus einem Interview mit Helga Zepp-LaRouche. Die Meldung erschien in mehreren großen russischen Medien, darunter die Webseite des VerteidigungsministeriumsZvezda-TV, Federal News Agency, sowie bei RT auf Spanisch.

Die Videos der Konferenzbeiträge finden Sie hier.


Ägyptisches Verkehrsministerium unterstützt Veröffentlichung der arabischen Ausgabe des EIR-Reports zur Weltlandbrücke

Mit einer Veranstaltung zur Veröffentlichung der arabischen Ausgabe des EIR-Sonderberichts Die neue Seidenstraße wird zur Weltlandbrücke am Sitz des ägyptischen Verkehrsministeriums in Kairo zeigte sich heute die Unterstützung führender ägyptischer Kreise für dieses Projekt. Verkehrsminister Dr. Saad El Geyoushi persönlich leitete das Seminar und stellte Hussein Askary als EIR-Spezialisten für Südwestasien und Repräsentanten des Schiller-Instituts vor. Sowohl in seinen einleitenden Worten als auch in seinem Kommentar zu Askarys Vortrag ließ Dr. El Geyoushi keinen Zweifel an seiner völligen Übereinstimmung mit der Idee der neuen Seidenstraße und den Plänen der ägyptischen Regierung aufkommen, Ägyptens Verkehrsnetz in die Dynamik der neuen Seidenstraße zu integrieren.

Er verkündete außerdem die Absicht der ägyptischen Regierung, 1 Billion ägyptische Pfund (100 Mrd.$) in Straßen und Eisenbahnlinien zu investieren – nicht nur, um das Verkehrsnetz des Landes zu entwickeln, sondern auch, um eine entsprechende Verbindung zu Asien und – noch wichtiger – nach Süden zum übrigen Afrika herzustellen.

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Zur Linken des Ministers Hussein Askary, Südwestasienexperte der Nachrichtenagentur EIR ( Executive Intelligence Review) und Repräsentant des Schiller-Instituts
Quelle: soutalomma.com

Die Räumlichkeiten waren überfüllt mit Top-Experten und Beratern des Ministeriums, sowie Vertretern anderer Institutionen und verschiedener ägyptischer Fernsehsender und Zeitungen. Der chinesisch-arabische Fernsehsender CCTV-Arabic war anwesend und machte ein Interview mit Askary, der auch von zwei weiteren Fernsehsendern interviewt wurde.

Berichte über die Veranstaltung in den Medien sind heute, einen Tag danach, noch spärlich, da das Treffen am Vorabend sich bis in die späten Abendstunden hinzog.

In den kommenden Tagen sind weitere Seminare und Fernsehtermine geplant. Ein vollständiger Bericht wird nachgereicht.

 

EIR-Sonderberichts Die neue Seidenstraße wird zur Weltlandbrücke

Der EIR-Sonderbericht Die neue Seidenstraße wird zur Weltlandbrücke ist hier erhältlich >>


Programm zum Wiederaufbau Südwestasiens und zur Entfesselung der Kreativität

Die arabische Fassung des EIR-Berichts über die Neue Seidenstraße und Weltlandbrücke, der von Hussein Askary übersetzt wurde, wird ab Mitte März in gedruckter Form vorliegen und kann im EIR-Webshop (eirshop.de) erworben werden. Der Bericht enthält ein zusätzliches Kapitel über den Wiederaufbau Südwestasiens und ein spezielles Vorwort von Helga Zepp-LaRouche, datiert vom 26. Februar 2016. Wir zitieren es im Wortlaut:

„Es mag ein erfreulicher Zufall oder eine göttliche Fügung sein, daß die arabische Übersetzung des Buches über die Weltlandbrücke zu dem Zeitpunkt erscheint, an dem die Aussicht auf eine Waffenruhe in Syrien Realität wird. Die Einigung zwischen US-Außenminister John Kerry und dem russischen Außenminister Sergej Lawrow hat das Potential, einen fünf Jahre andauernden Krieg, der Hunderttausende Menschenleben kostete, zu beenden. Angesichts der enormen Unwägbarkeiten der Region sollte aber auch klar sein, daß ein bloßer Vertrag über die Einstellung der Kämpfe zu anfällig sein wird, um Bestand zu haben und neue Provokationen der für den Krieg verantwortlichen Kräfte zu überstehen.

Der einzige Weg, einen dauerhaften Frieden zu garantieren, ist der, sofort mit einem umfassenden Entwicklungsplan für ganz Südwestasien zu beginnen, mit einem integrierten Plan für Infrastrukturentwicklung, der nicht nur die kriegszerstörten Städte und Dörfer wieder aufbaut, sondern eine grundsätzlichere Herangehensweise wählt, um diese Region, die eine der Wiegen der menschlichen Zivilisation war und zu verschiedenen Zeitpunkten in der Geschichte die entwickeltsten Kulturen der Zeit beherbergte, wieder zu einer der fortschrittlichsten Regionen der Welt zu machen. Das Ziel muß sein, die Kreativität der Menschen der Region zu entfesseln und ihre Produktivität auf die Ebene Europas, der Vereinigten Staaten oder Chinas anzuheben.

Das ist absolut möglich, insbesondere durch Mitwirkung Rußlands, Chinas und Indiens, der starken Nachbarn, die zusammen mit den Ländern der Region diese Entwicklung bewerkstelligen können. Wenn die in diesem Bericht vorgeschlagenen Entwicklungsprojekte umgesetzt werden und man damit buchstäblich morgen anfängt, damit diese Friedensdividende in der Region für alle Seiten sichtbar wird, dann kann der Waffenstillstand in Syrien und die Umsetzung eines, wie man es nennen könnte, „Seidenstraßen-Marshallplans“ – doch ohne irgendwelche Anklänge an einen Kalten Krieg – eine Wende für die ganze Welt schaffen.

In einem Augenblick, in dem aus der Flüchtlingskrise eine beispiellose humanitäre Krise zu werden droht, welche den Zusammenhalt und vielleicht sogar die Existenz der Europäischen Union sprengt, ist eine Vision der Hoffnung auf die Entwicklung Südwestasiens und Afrikas der einzige Ausweg, um die Lage zu wenden. In einem Augenblick, in dem das Finanzsystem der transatlantischen Welt kurz vor dem Zusammenbruch steht, ist die Entwicklungsperspektive für den Wiederaufbau des Nahen und Mittleren Ostens, der zur Brücke zwischen Asien, Europa und Afrika wird, der einzige wirtschaftliche Wachstumsmotor, der verhindern kann, daß Europa und die USA im Chaos versinken.

Das Schicksal der Menschheit hängt also von der Realisierung dieses Programms ab.“

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„Das allerwichtigste ist die Beschäftigung mit der menschlichen Kreativität“

Die Vorsitzende des Schiller-Instituts hielt vor dem Kultur- und Businessforum „Ost-West-Dialog“ in Baden-Baden am 24. April die folgende Rede.

Auch wenn das vielleicht nicht so offensichtlich ist: Wir haben es strategisch mit zwei vollkommen unterschiedlichen Systemen zu tun.

Das eine System basiert auf geopolitischer Expansion, auf Monetarismus, auf Profitmaximierung einiger weniger. Wenn dieses System sich durchsetzen sollte, dann kann das zur Auslöschung der menschlichen Gattung führen.

Zum Glück gibt es ein völlig anderes System, von dem Sie sicher einiges wissen, aber Sie kennen vielleicht nicht die volle Dimension: daß nämlich seit dem letzten Juli ein völlig paralleles Wirtschafts- und Finanzsystem am Entstehen ist, das zwar auch nicht ohne Probleme ist, das aber eine ganz andere Orientierung hat. Es basiert auf der Zukunft und auf der Kreativität der Menschen.

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Abb. 1: Die fünf Staats- und Regierungschefs der BRICS-Staaten

Dieses Bild (Abbildung 1) ist vom Fortaleza-Gipfel der BRICS-Staaten in Brasilien letztes Jahr, und Sie sehen an der zweiten Stelle, neben Präsident Putin, Narendra Modi, den Premierminister von Indien. Dieser sagte: Die BRICS sind die erste Allianz in der Geschichte der Menschheit, die nicht auf der Basis der gegenwärtigen Kapazitäten definiert ist, sondern in Bezug auf das zukünftige Potential all dieser Nationen.

Insbesondere durch die Initiativen des chinesischen Präsidenten Xi Jinping sind die Neue Seidenstraße und die Maritime Seidenstraße des 21. Jahrhunderts der Rahmen eines neuen Wirtschafts- und Finanzsystems, das sich rapide entwickelt.

Dazu gehört vor allem ein neues Finanzsystem. Das besteht aus der AIIB, der New Development Bank, der Bank der Shanghai Cooperation Organization, der Bank der SAARC-Staaten, dem New Silkroad Development Fund, dem Maritime Silkroad Fund. Diese Banken repräsentieren einen fundamentalen Bruch mit der Kasinowirtschaft der Wall Street und der City of London, denn diese Banken sind ausschließlich auf die Entwicklung der Realwirtschaft, der Infrastruktur und des Gemeinwohls ihrer Staaten orientiert.

Xi Jinping hat wiederholt betont: Diese neue Finanzarchitektur ist keine chinesische imperiale Konkurrenz zur amerikanischen imperialen Struktur, sondern sie ist ein inklusives Konzept, bei dem alle Nationen mitmachen sollen – Amerika, die Europäer. Das ist eine „Win-Win-Idee“, zum gegenseitigen Vorteil von allen, die sich beteiligen.

Ich behaupte, daß unsere zukünftige Existenz als menschliche Gattung davon abhängen wird, ob es uns gelingen wird, Amerika und Europa zu gewinnen, mit diesen BRICS-Staaten zu kooperieren.

Nun befürchten manche Menschen in Rußland, daß China zuviel Einfluß in dieser Entwicklung hat, weil es natürlich eine großartige wirtschaftliche Entwicklung in den letzten 30 Jahren hingelegt hat. Aber ich möchte ganz kurz aufzeigen, daß auch Rußlands ideenmäßiger Anteil am Zustandekommen dieses neuen Modells beachtlich ist.

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Abb. 2: Der Vorschlag der Eurasischen Landbrücke von 1991

Dies (Abbildung 2) ist ein Plan für die Eurasische Landbrücke, den wir – das Schiller-Institut – 1991 vorgeschlagen haben, als die Sowjetunion sich aufgelöst hat. Das war gedacht als Friedensordnung für das 21. Jahrhundert, indem man Infrastrukturkorridore von Europa nach Asien baut.

Bekanntermaßen wurde das nicht verwirklicht, weil damals Margaret Thatcher und Bush senior Rußland von einer Supermacht in ein Rohstoffe produzierendes Land reduzieren wollten, indem die Schocktherapie angewandt wurde.

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Abb. 3: Forum in Rußland mit Lyndon LaRouche im April 1996

Aber Herr Lyndon LaRouche – meine Ehemann – und ich waren oftmals in Rußland und haben diese Ideen präsentiert. Dies (Abbildung 3) war ein Forum 1996 mit dem ehemaligen sowjetischen Premierminister Walentin Pawlow sowie den Ökonomen und Akademiemitgliedern Gennadij Ossipow und Leonid Abalkin.

Dies ist ein Bericht über die Eurasische Landbrücke, der von dem Akademiemitglied Wladimir Miasnikow geschrieben wurde – 1997 war das -, und russische Wissenschaftler haben dieses Konzept bereits 1997 diskutiert.

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Abb. 4: Konferenz mit Lyndon LaRouche in Moskau zu Ehren des verstorbenen Akademiemitglieds Pobisk Kusnezow 2001

Dies (Abbildung 4) war eine Konferenz 2001 zu Ehren von Pobisk Kusnezow, und da ging es darum, warum die Ideen von Wladimir Wernadskij die zukünftige eurasische Ordnung beherrschen müssen.

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Abb. 5: Alexander Granberg, Akademiemitglied und Initiator des geplanten Beringstraßen-Tunnels

Das ist (Abbildung 5) Alexander Granberg, Akademiemitglied und Vater der Beringstraßen-Verbindung – das ist die Idee, die Eurasische Landbrücke durch einen Tunnel durch die Beringstraße mit Alaska zu verbinden. Das ist wichtig zur Erschließung des Fernen Ostens Rußlands, wo die größten Rohstoffvorkommen der Welt unerschlossen unter Permafrost liegen, und es ist notwendig, Bedingungen zu schaffen, damit die Menschen, die dort arbeiten, dort auch wohnen können.

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Abb. 6: Modell der geplanten Wissenschaftsstadt Umka

Deshalb ist z.B. eine solche arktische Stadt – Umka – als Modell geplant (Abbildung 6), und das ist dann auch eine Stufe für die Erschließung des Weltraums. Denn diese überdachten Städte in Sibirien können das Modell sein für überdachte Städte auf dem Mond oder später auch auf anderen Himmelskörpern.

Dmitrij Rogosin hat gerade darauf hingewiesen, daß die BRICS-Staaten allesamt Raumfahrtnationen und kosmische Staaten sind, und deshalb wird die Zukunft der Menschheit sehr stark bestimmt sein vom Wissen über das Sonnensystem und unsere Galaxis.

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Abb. 7: Vom Atlantik über Nordafrika, Südwest- und Zentralasien bis in die Mongolei zieht sich ein gigantischer Wüstengürtel um die Erde

Sie sehen hier (Abbildung 7) ein Bild von den Wüsten, die sich weltweit im Augenblick enorm schnell ausbreiten, und zwar von der Atlantikküste Afrikas bis nach China, und in Kalifornien und im Westen Amerikas.

Das oligarchische Modell – das System, das ich am Anfang genannt hatte – spekuliert darauf, daß das Wasser immer knapper und privatisiert wird, und daß man größtmöglichen Profit machen kann mit knappem Wasser. Die Wall Street hat in den letzten zehn Jahres weltweit alles aufgekauft, was mit Wasser zu tun hat: Seen, Aquifere, Chemikalien, um Wasser zu behandeln, einfach alles.

China auf der anderen Seite ist das einzige Land, das großangelegte Wassermanagementprogramme durchgeführt hat: den Dreischluchtendamm, der jetzt 22,5 GW Wasserkraft erzeugt und vielen Menschen das Leben rettet, und die Umleitung des Wassers vom Quellensystem der Jangtsekiang in den Norden, wo Wüste ist.

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Abb. 8: Unser Sonnensystem bewegt sich in einem 32-Millionen-Jahre-Zyklus gegenüber der Ebene der Galaxis auf und ab

Aber um die knappe Wasserversorgung der Menschen wirklich zu beheben, müssen wir uns die Vorkommnisse in der Galaxis und im Sonnensystem nutzbar machen, um mehr Wasser zu erzeugen. Sie sehen hier (Abbildung 8) eine Darstellung der 32 Millionen Jahre, in denen unser Sonnensystem sich in einer zyklischen Bewegung gegenüber der Ebene der Milchstraße auf und ab bewegt. Das hat einen enormen Effekt auf die kosmische Strahlung, die zur Wolkenbildung führt und durch Ionisierung der Feuchtigkeit in der Atmosphäre die ganzen Niederschläge herbeiführt. Die Beherrschung des Weltraums wird also zukünftig enorm wichtig sein für die Beherrschung der Probleme auf der Erde.

Tatsächlich wird die Neue Seidenstraße die letzte Phase der Infrastrukturentwicklung auf unserem Planeten abschließen, und die nächste Stufe wird die Erschließung des erdnahen Weltraums sein. Und genau wie die alte Seidenstraße Wohlfahrt und Kulturaustausch und Technologien zu allen Völkern gebracht hat, die sich beteiligt haben, so werden auch die Neue Seidenstraße und die Weltlandbrücke dieselbe wohltuende Wirkung haben für das Zusammenleben der Völker.

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bb. 9: Projekte der Weltlandbrücke

Sie sehen hier (Abbildung 9) die Projekte, die die Weltlandbrücke als einheitliche Völkergemeinschaft verbinden werden. Und die neue Ordnung, die dann entstehen wird, wird bzw. muß von dem Gedanken von Wladimir Wernadskij bestimmt sein, daß die Noosphäre, der Teil der geistigen Kräfte und Tätigkeit des Menschen, immer mehr dominiert gegenüber der reinen Biosphäre, d.h., daß die menschliche Gattung sich wirklich zur Vernunft entwickelt. Das ist die Voraussetzung dafür, daß wir als menschliche Gattung, als kreative Gattung, überleben können.

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Abb. 10: Künstlerische Darstellung einer zukünftigen Mondsiedlung

Sie sehen hier (Abbildung 10) eine künstlerische Darstellung einer zukünftigen Mondsiedlung. China arbeitet darauf hin, Helium-3 auf dem Mond abzubauen für die zukünftige Kernfusionsökonomie auf der Erde. Wenn wir die Kernfusion erreicht haben, haben wir Energiesicherheit, denn das Helium-3 auf dem Mond reicht für einige zehntausend Jahre, und Rohstoffsicherheit, weil man dann die Rohstoffe durch das Torch-Verfahren in Ionen verwandeln kann, die sich dann zu neuen Rohstoffen zusammensetzen lassen.

Die Beschäftigung mit der menschlichen Kreativität ist das allerwichtigste, denn alles wird davon abhängen, ob wir den Sprung schaffen von einer Menschheit, die mehrheitlich noch im oligarchischen Denken gefangen ist – also bestimmt von Gier, Monetarismus, Habenwollen -, zu einer in ihrer Identität verwandelten kreativen Menschheit.

Die Menschen sind die einzigen Wesen, die immer wieder Neues denken können, was noch nie gedacht worden ist, und die die Identität der Menschheit im Kosmos neu definieren können. Und das ist die Voraussetzung dafür, daß wir die gegenwärtigen Gefahren überwinden können. Ich danke Ihnen sehr, wenn Sie sich um diese Frage der Kreativität kümmern, denn davon hängt unser aller Leben ab.


Ost-West-Dialog für den Aufbau der gemeinsamen Zukunft!

Ein Bericht vom diesjährigen russisch-deutschen Kultur- und Business-Forum in Baden Baden.

„Ost-West-Dialog“ – so lautete das diesjährige Thema des von der Agentur Art-Assemblee organisierten IV. Kultur- und Business-Forums. Zu der hochrangigen Veranstaltung vom 24.-26. April 2015 in Baden-Baden waren Politiker, Unternehmer, Experten, Wissenschaftler, Künstler und Vertreter der Zivilgesellschaft eingeladen, darunter Helga Zepp-LaRouche, die Vorsitzende des Schiller-Instituts. Ihre prominenten Redebeiträge, in denen sie eindringlich vor einer strategischen nuklearen Eskalation gegen Rußland und einem neuen Faschismus als Folge der Zusammenbruchskrise des transatlantischen westlichen Finanzsystems warnte, stießen auf große Resonanz, weil sie genau das ungeschminkt aussprach, was viele Teilnehmer dachten. Aber vor allem ihre Darstellung der neuen BRICS-Entwicklungsallianz als konstruktiver Ausweg aus der Krise für Europa und die USA setzte einen klaren Bezugrahmen für die Zukunft, eine optimistische Vision, die in Europa bislang überhaupt noch nicht in ihrem vollen strategischen Potential als existierender Lösungsweg verstanden wird.

Die Veranstaltung wurde von der russischen Regierung, der Bundesversammlung der Russischen Föderation, deutschen und russischen Industrie- und Unternehmerverbänden und IHKs sowie der interparlamentarischen Versammlung der GUS-Staaten und weiteren Institutionen unterstützt. Während bei früheren Konferenzen vor allem die deutsch-russischen Beziehungen im Vordergrund standen, war diesmal der Blick geweitet auf die eurasische Perspektive. Darüber hinaus hat Rußland im April den Vorsitz der BRICS-Nationen übernommen und richtet den BRICS-Gipfel in Ufa im Juli aus.

Mit Prof. Shi Ze, Direktor für strategische Energieforschung am Chinesischen Institut für Internationale Studien (CIIS) in Beijing, der im vergangenen Oktober bei der Jubiläumskonferenz des Schiller-Instituts in Frankfurt sprach, nahm erstmals ein prominenter Vertreter der BRICS-Staaten an der Baden-Badener Konferenz teil. Er stellte das Konzept der chinesischen Entwicklungsperspektive „Ein Gürtel, eine Straße“ dar. Diese erweitere die bisherige Zusammenarbeit in der Shanghai Cooperation Organisation. Shi Ze betonte, daß die chinesische Regierung diese „Neue Seidenstraße“ als eine kosmopolitische „win-win“-Kooperation für alle Staaten anbietet. China verfolge damit keine geopolitischen Interessen und versuche nicht, sich Einflußsphären aufzubauen. Es sei eine offene Politik gegenseitiger Kooperation und symbiotischer Beziehungen zum gegenseitigen Nutzen. Das jeweilige politische System der beteiligten Nationen spiele dabei keine Rolle, sondern werde respektiert.

Rußlands Außenminister Lawrow übermittelte eine Grußbotschaft an die Konferenz, in der er die Bedeutung des Forums als „Plattform zur Diskussion von Themen der Zusammenarbeit in Europa“ all derer würdigte, die „an einer Festigung des Vertrauens und der gegenseitigen Verständigung interessiert“ sind. In einer „schwierigeren Weltsituation“ seien „die Projekte besonders wichtig, die auf die Erweiterung der gleichberechtigten und vom gegenseitigen Respekt geprägten Partnerschaft gerichtet sind“ und zum gegenseitigen Vorteil das gemeinsame Wohlergehen befördern.

Dann formulierte Lawrow erneut das russische Angebot an Deutschland und Westeuropa, sich an der neuen Platform gesamteurasischer Entwicklung zu beteiligen: „Wir sind überzeugt, daß, um die Zusammenarbeit auf dem Kontinent auf ein prinzipiell neues Niveau zu verlagern, die Harmonisierung der europäischen und der eurasischen Integrationsprozesse zur Formierung eines einheitlichen humanitären und Wirtschaftsraumes vom Atlantik bis zum Pazifischen Ozean vorangehen soll.“

Dieses Konzept eines Wirtschaftsraumes „von Lissabon nach Wladiwostok“ unterstrich auch der Direktor der Abteilung für Europäische Kooperation im russischen Außenministerium, Iwan D. Soltanowskij, in seiner Ansprache zur Konferenzeröffnung. Er warnte vor einer Freund-Feind-Dynamik, die schlimmer sei als selbst zu Zeiten des Kalten Krieges, als ein sehr viel aktiverer Dialog zwischen Ost und West stattgefunden habe. Die EU habe sich als strategischer Partner Rußlands durch ihr Verhalten in der Ukrainefrage diskreditiert.

Rußlands Maßnahmen in der Krise

Rußland will mit Deutschland, Frankreich und anderen europäischen Partnern weiter zusammenarbeiten, ist aber fest entschlossen, die eurasische Entwicklung voranzubringen. Das Land setzt, vor allem seit Beginn der illegitimen Sanktionen, in diesem Kontext auch auf die Mobilisierung und Entwicklung seiner eigenen Wirtschaftsressourcen. Die strategische Bedeutung von Energiewirtschaft und Kooperation wurde u.a. von dem Politologen Witalij W. Naumkin, Direktor des Instituts für Orientalistik an der Russischen Akademie der Wissenschaften, dargestellt.

Aleksandr V. Murytschew,  Vizepräsident der Russischen Unternehmer- und Industriellen-Union, der auch den Koordinierungsrat des Finanz- und Bankenverbandes der Mitgliedstaaten der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO) leitet, ging zunächst auf die Fortschritte im Zahlungsverkehr der Eurasischen Union ein und schilderte dann die gegenwärtige Lage der Wirtschaft in Rußland. Die unmittelbar durch die Sanktionen entstandenen Engpässe bei Nahrungs- und Arzneimitteln seien mittlerweile überwunden. Nun stünden vor allem die Ankurbelung der Industrieproduktion und die Mobilmachung intellektueller und materieller Ressourcen im Vordergrund. Bereiche wie Atomenergie und Weltraumfahrt würden vorangetrieben, ebenso wie die Infrastruktur, der zu Sowjetzeiten bedeutende Werkzeug- und Schwermaschinenbau, Schiffsbau und die Verarbeitung landwirtschaftlicher Erzeugnisse. Rußland befinde sich auf einem Weg der wirtschaftlichen Transformation und Strukturveränderung, und seiner Prognose nach werde 2016 die Talsohle durchschritten sein. Gold- und Devisenreserven seien in ausreichender Menge vorhanden und auch die Verfügbarkeit von Industriekrediten bessere sich, obwohl die immer noch hohen Zinsen der Zentralbank weiterhin ein Problem darstellten.

Andere Sprecher gingen auf verschiedene Initiativen der russischen Regierung ein, um besonders im Bereich Bau und Energie das Finanzwesen dem Bedarf der Realwirtschaft anzupassen, sowie für den Schutz der Bevölkerung vor dubiosen Finanzpraktiken zu sorgen.

Sanktionen treffen Deutschland

Natürlich sind dabei die deutsche Wirtschaft und vor allem der Mittelstand weiterhin sehr gefragt, und den über Jahrzehnten entwickelten deutsch-russischen Beziehungen kommt gerade jetzt in Zeiten von Sanktionen und einer Verschärfung der strategischen Krise eine besonders wichtige Rolle zu. Diese Zusammenarbeit muß dringend gestärkt werden, denn es läßt sich nicht länger vertuschen, daß die westliche Konfrontationspolitik gegen Rußland und die Sanktionen eine verheerende Wirkung haben – und zwar vor allem für die europäische und deutsche Wirtschaft! Die Tatsache, daß Deutschlands Exporte nach Rußland in den ersten zwei Monaten dieses Jahres aufgrund der Sanktionen um 35% eingebrochen sind, während gleichzeitig die USA ihre Exporte im selben Zeitraum um 20% steigern konnten, wie Prof. Klaus Mangold, Honorarkonsul der Russischen  Föderation in Baden-Württemberg und langjähriger Vorsitzender des Ostausschusses der Deutschen Wirtschaft, in seiner Konferenzrede ausführte, zeigt am prägnantesten, wie selbstmörderisch es für Deutschland und Europa ist, dem EU- und US-Kurs geopolitischer Konfrontation gegen Rußland weiter zu folgen. Mangold verurteilte die Sanktionen und die Einstellung offizieller Gesprächskanäle zwischen Europa und Rußland ebenso wie die neuen Provokationen der EU-Kommission gegen Gazprom. Dringend sei ein offizieller Dialog zwischen der EU und der Eurasischen Wirtschaftsunion erforderlich, auch wenn sich einige in der EU, wie die baltischen Staaten und Polen, dem widersetzen. Er forderte die Fortsetzung und Erweiterung der strategischen Partnerschaft zwischen Deutschland und Rußland.

Gefährlichkeit der Lage wurde deutlich

Daß wirklich Eile und vor allem politischer Mut, das Ruder herumzureißen, geboten ist, wurde vor allem deutschen Industrievertretern und Unternehmern bei diesem Forum sehr deutlich. Für sie war es extrem wichtig, hautnah zu erfahren, wie strategisch bedrohlich die Entwicklungen in der Ukraine und die NATO-Ostausweitung in Rußland wahrgenommen werden, statt weiter auf die Propaganda der angeblich objektiven deutschen Medien hereinzufallen. So berichtete der frühere ukrainische Ministerpräsident Asarow bei einem privat organisierten Business-Frühstück per Video über die zunehmende Gesetzlosigkeit  in der Ukraine, über die man hierzulande praktisch nichts erfährt, während die Forderung nach der Freilassung von Julia Timoschenko damals die Schlagzeilen und Fernsehnachrichten beherrschte. Politiker und Journalisten würden in Serie umgebracht, es gebe willkürliche Enteignungen von Unternehmern, einen immer stärkeren Einfluß von Nazis in der Armee und eine dramatische Zerstörung der Wirtschaft des Landes seit dem Maidan-Putsch. Dieser Prozeß muß gestoppt werden, bevor ganz Europa destabilisiert wird und ein großer Krieg daraus erwächst.

Während der Konferenz erinnerte die Vorsitzende des Organisationskomitees des Baden-Badener Forums, Alla G. Gryaznova, Präsidentin der Finanzuniversität der Russischen Föderation, mehrfach in bewegender Weise an die Katastrophe des Zweiten Weltkrieges, dessen Ende sich am 8. Mai 2015 zum 70. Male jährt. Sie selbst hatte den Krieg miterlebt. Krieg sei das allerschrecklichste und müsse unbedingt durch Dialog und Kooperation verhindert werden, sagte sie. Frau Gryaznova unterstützte Helga Zepp-LaRouches Warnungen vor einem neuen Faschismus und der Gefahr des Weltkrieges und dankte ihr zugleich für die grundsätzlich positive Herangehensweise, daß die Probleme unseres zerbrechlichen Planeten zum Wohle der Menschheit durch Kreativität und guten Willen gelöst werden können.

Auch eine Fotoausstellung „Schriftsteller im Krieg“ aus dem Archiv der Literaturnaja Gazeta (der von Puschkin 1830 mitgegründeten ältesten periodischen Zeitschrift Rußlands) in den Konferenzräumen spannte den Bogen zwischen damals und heute. Eine weitere Ausstellung zum 70. Jahrestag des Endes des 2. Weltkrieges, die europaweit mit Unterstützung von Art-Assemblee gezeigt werden wird, ist dem Denker, Dichter und Maler Alexander Sinowjew gewidmet, einem Bürger Rußlands und Deutschlands. Seine Frau, die Philosophin Olga Sinowjewa, Leiterin des Internationalen MSU Sinowjew Zentrum an der Staatlichen Lomonossow-Universität in Moskau, sprach ebenfalls bei der Konferenz und ihre jüngste Tochter und ausgezeichnete Pianistin Xenia wirkte beim abendlichen Festkonzert mit. Polina Sinowjewa, ihre Schwester, schuf das Libretto und das Bühnenbild des Balletts „Der Schrei“, das am 15. Mai 2014 im umkämpften Odessa aufgeführt wurde.

Die Bedeutung der Kultur als Manifestation der Menschlichkeit statt Zerstörung und Häßlichkeit stand bei der Konferenz ganz oben auf der Tagesordnung. Stellvertretend für das sehr vielfältige Programm soll hier nur das Prague Festival Orchestra unter Leitung von Igor Rasumowski und die hervorragenden  jungen Opernsänger Sergej Murawjew (Tenor), Swjatoslaw Grabowski (Baß) und die Sopranistin Anna Zolotova genannt werden, denn es ist unmöglich, hier alle mitwirkenden Künstler, darunter bekannte russische Theaterschaupieler, Regisseure  und Dichter, zu würdigen.

Beim Konzert im Kurhaus und im Rahmen der Konferenz traten auch Kinderchöre auf, wie das Kindervolkskunstensemble Guselki. Es wurde 2006 gegründet und besteht aus Schülern im Alter von 7-15 Jahren.

Mit der Notwendigkeit, durch Kultur, Bildung, Fortschritte in der Medizin und karitative Aktivitäten das menschliche Potential in den Mittelpunkt der Schaffung einer humanistischen Gesellschaft zu stellen, beschäftigte sich auch die letzte Podiumsdiskussion der Konferenz unter dem Titel: Investition in die Zukunft. Helga Zepp-LaRouche zeigte mit ihrer Rede über die BRICS-Initiativen und die Rolle Rußlands, wie diese Zukunft aussehen kann. Sie unterstrich die menschliche Kreativität als entscheidenden Faktor für die Weiterentwicklung unseres Planeten und unseres Universums und zitierte die Aussage des stellvertretenden russischen Ministerpräsidenten Dmitrij Rogosin, die BRICS-Nationen seien allesamt Weltraum-Nationen. Hier liege, so Zepp-LaRouche, der Weg in die Zukunft, um die großen Herausforderungen meistern zu können und die Bestimmung der Menschheit zu erfüllen. (Den Wortlauf ihrer Ausführungen finden Sie in dieser Ausgabe).

Elke Fimmen


Krieg verhindern mit Wirtschaftsaufbau und kultureller Renaissance

Helga Zepp-LaRouche hat auf einem EIR-Forum im National Press Club in Washington am 26. Januar (wir berichteten) die folgenden Ausführungen gemacht. Ihr Vorredner war Thomas Wysmuller, früherer NASA-Meteorologe und Aktivist von „The Right Climate Stuff“, einem Zusammenschluß ehemaliger Astronauten, Wissenschaftler und Ingenieuren der NASA, die gegen den Schwindel des menschengemachten Klimawandels kämpfen.

Ich versuche, mich kurz zu fassen, was mir allerdings schwer fällt, denn es stellt sich ja die Frage, warum die Dinge [der Klimaschwindel], die mein Vorredner [Thomas Wysmuller] angesprochen hat, überhaupt möglich sind. Was ist das Motiv dahinter? Warum macht man sich die Mühe, Daten zu fälschen, um eine ehrliche Debatte unter Wissenschaftlern zu unterbinden? Wenn man diese Frage bis zum Ende verfolgt, wird man zu der Schlußfolgerung meines Vortrags gelangen, die ich nun an den Anfang stellen will: daß nämlich die gesamte transatlantische Region – und ich bin mir voll darüber bewußt, wo ich dies sage, nämlich in der amerikanischen Hauptstadt Washington – von einer sehr destruktiven Politik und sehr destruktiven Kräften beherrscht ist.

Lassen Sie mich mit einer Tatsache beginnen, über die sich jeder, der sein natürliches Lebensende erreichen möchte, die größten Sorgen machen müßte: nämlich, daß wir am Rande eines thermonuklearen Krieges stehen. Anders als auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges während der Kubakrise, als sich die Menschen bewußt waren, daß die Auslöschung der Zivilisation drohte, herrscht heute, wo wir dieser Gefahr noch viel näher sind, kaum ein öffentliches Bewußtsein darüber. Es findet keine öffentliche Debatte über dieses Thema statt. Nur einige wenige, wie der frühere US-Verteidigungsminister William Perry oder der Kernwaffenspezialist Hans Kristensen, warnen vor der Möglichkeit, daß ein Weltkrieg ausbrechen kann. Wenn man nicht von bösen Absichten ausgeht, könnte man sagen, daß die Gefahr eines Kriegs „aus Versehen“ extrem hoch ist, einfach weil die üblichen Prozeduren für solche Fälle, die es sogar zwischen Kennedy und Chruschtschow noch gab, heute nicht mehr vorhanden sind. Nach dem Ausbruch der Ukraine-Krise wurden die Konsultationen zwischen der NATO und Rußland eingestellt; ein Gremium, das man für Krisenzeiten eingerichtet hatte, wurde aufgegeben.

Ich möchte aber noch einen Schritt weiter gehen und auf die Veränderung der NATO-Militärdoktrin hinweisen: von der Gegenseitig Zugesicherten Zerstörung (MAD) hin zu der Vorstellung eines gewinnbaren Erstschlags. Das steckt hinter dem Raketenabwehrsystem, das die USA derzeit weltweit aufbauen, hinter der Doktrin des „Prompt Global Strike“ und auch hinter der Doktrin des „Air-Sea Battle“ gegen China, und auch hinter der Modernisierung der Kernwaffen in Europa. Alles das deutet in die Richtung einer solchen Möglichkeit.

Allerdings haben Rußland und China daraus ihre Schlußfolgerungen gezogen und stocken ebenfalls ihre Arsenale auf. William Perry hat erst vor ein paar Tagen im Boston Globe gemahnt, das Wettrüsten mit Kernwaffen sei bereits weit fortgeschritten. Präsident Obama will in den kommenden 30 Jahren dafür eine Billion Dollar ausgeben. Das hört sich angesichts des Zustands des Weltfinanzsystems zwar ein wenig grotesk an, aber die Gefahr ist offensichtlich.

Sollte es zum Krieg kommen – sei es absichtlich, weil einige Leute meinen, man könne einen Nuklearkrieg gewinnen, oder aus Versehen -, dann wird die Zivilisation vielleicht innerhalb von Minuten, Stunden oder bestenfalls Wochen nicht mehr existieren. Ein nuklearer Winter setzte ein, und das wäre das endgültige Ende der Menschheit. Alles Schöne, was die Menschheit jemals hervorgebracht hat, wäre umsonst gewesen. Es gäbe niemanden mehr, der noch darüber berichten könnte, keinen Historiker, keinen Archivar, auch kein Museum. Das ist die eine Gefahr.

Die andere Gefahr, die damit direkt verbunden ist, ist der Umstand, daß das transatlantische Finanzsystem noch viel massiver abzustürzen droht als in der Krise 2007-08. Wie Sie wissen, hat soeben das Weltwirtschaftsforum in Davos stattgefunden, wo die üblichen Unterhaltungen über ein Sammelsurium von Themen stattfanden, aber hinter verschlossenen Türen oder privat im kleinen Kreis herrschte dort absolute Panik. Öffentlich hat sich dazu der frühere Chefökonom der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, William White, in einem Interview mit dem Daily Telegraph geäußert: Da seit 2008 nichts getan worden sei, um das Bankensystem neu aufzustellen, sagte er, sei die Verschuldung der Welt jetzt so hoch, daß diese Schulden weder zurückgezahlt noch bedient werden könnten. Wer meine, in dieser virtuellen Finanzwelt eine Menge Geld zu besitzen, der solle sich auf sehr unangenehme Überraschungen gefaßt machen, es könnte sich nämlich von einer Minute zur nächsten in Luft auflösen.

Was waren denn die Maßnahmen, woraus bestand der sogenannte „Werkzeugkasten“, den die Finanzinstitutionen nach der Lehman Brothers/AIG-Krise 2008 herausgeholt haben? Das waren „Quantitative Lockerung“, Bail-outs und verschiedene Maßnahmen, um private Zockerschulden in öffentliche Staatsschulden zu verwandeln. Deswegen haben wir heute eine Krise der Staatsverschuldung. Die jüngsten Veränderungen, die in den USA mit dem Dodd-Frank-Gesetz und mit entsprechenden Verfügungen der EU-Kommission für ein Bail-in durchgesetzt wurden, orientieren sich an dem sogenannten Zypernmodell. Vor drei Jahren waren auf Zypern Banken pleite gegangen, woraufhin Geld von den Bankkunden und den Aktionären konfisziert wurde. Sie wurden im wesentlichen zu 50% enteignet.

Der damalige holländische Finanzminister Dijsselbloem, heute Chef der Eurogruppe, sagte dazu, dieses Zypernmodell sei die Vorlage für die gesamte Eurozone. Entsprechende Gesetze wurden dann verabschiedet. Wie schon erwähnt, enthält Artikel 2 des Dodd-Frank-Gesetzes in den Vereinigten Staaten eine solche Bestimmung, und auch alle europäischen Regierungen haben inzwischen entsprechende Gesetze erlassen.

Das Problem dabei ist nur – das erklärte kürzlich auch der Vizechef der [Einlagenversicherung] FDIC, Thomas Hoenig, in den USA und ähnlich auch ein ungenannter EU-Beamter in einem Reuters-Interview vor drei Tagen -, daß der Bail-in nicht funktioniert: Die Banken wurden dafür nicht mit genug frischem Kapital ausgestattet, sie sind also nicht vorbereitet. Und selbst wenn man einen Bail-in bei allen Geschäfts- und Privatkonten und zusätzlich noch Bail-out-Maßnahmen machte, dann käme man nur auf etwa 18-20 Bio.$, aber die ausstehenden Derivateschulden belaufen sich auf etwa 2 Billiarden $.

William White hat also recht, wenn er sagt, daß diese Schulden nie zurückgezahlt werden können, und er fordert ein „Ablaßjahr“, indem er daran erinnert, daß es während der letzten 5000 Jahre in allen großen Religionen von Zeit zu Zeit Schuldenstreichungen gegeben hat, wenn deutlich wurde, daß die Schulden nicht mehr bezahlbar waren. White ist heute ein hochrangiges Mitglied der OECD und war zuvor Chefökonom der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich. Man kann es Ablaßjahr nennen, man kann es auch eine Schuldenkonferenz zur Streichung der Schulden nennen, oder man kann es auch Glass-Steagall nennen.

Kollaps der westlichen Zivilisation

Das sind nur zwei Aspekte der Lage. Aber wir bewegen uns in der transatlantischen Zivilisation auf die Bruchstelle zu. Ich möchte noch zwei weitere Aspekte hervorheben, warum wir uns in den Vereinigten Staaten und in Europa in einer zerfallenden, destruktiven Gesellschaft befinden. Neben dem verheerenden Niedergang der Realwirtschaft grassiert in den USA eine Drogenepidemie, auf die in den letzten Wochen in mehreren Artikeln in der New York Times besonders hingewiesen wurde, denen eine Studie der Universtität Princeton und eine der [US-Gesundheitsbehörde] CDC zugrunde liegen. Daraus geht hervor, daß in den Vereinigten Staaten die Sterblichkeit für weiße Männer in allen Altersgruppen dermaßen angestiegen ist, daß es den medizinischen Fortschritt überwiegt und zunichte macht. In der Altersgruppe weißer Amerikaner – nicht schwarzer oder hispanischer, sondern weißer Amerikaner – zwischen 24 und 35 ist die Sterblichkeit durch Selbstmorde, Alkohol und Drogen um 500% angestiegen. In allen 3007 Landkreisen der USA hat sich die Selbstmordrate erhöht, verdoppelt oder vervierfacht. Jeden Tag begehen 125 Menschen Selbstmord oder sterben an einer Überdosis Drogen. Das sind fünf Menschen in der Stunde oder einer alle zwölf Minuten. Das ist ein klares Zeichen für eine sterbende Gesellschaft. Die Zunahme setzte 2001 ein, und jeder weiß selbst, welche Präsidenten in der Zeit im Amt gewesen sind. Allein an diesen Zahlen kann man feststellen, daß die Vereinigten Staaten schlecht regiert werden.

In Europa ist das Problem ein wenig anders gelagert. Im Vordergrund steht hier die Flüchtlingskrise, an der EU auseinanderbricht. Wie Sie wissen, sind im letzten Jahr fast eine Million Flüchtlinge vor allem aus Syrien und dem Irak angekommen; inzwischen kommen auch viele aus Afghanistan und Nordafrika. Der Gründer der Davos-Konferenz, Klaus Schwab, hat sogar gesagt, wenn der Verfall des Ölpreises nicht gestoppt werde, dann würden seiner Einschätzung nach bald eine Milliarde Flüchtlinge vor den Toren Europas stehen. Und ich halte das keineswegs für übertrieben.

Die Ursache der Flüchtlingskrise ist offensichtlich die gescheiterte Politik der Briten und der USA: die mit Lügen begründeten, katastrophal ausgegangenen Kriege im Irak, in Afghanistan und in Libyen, der Versuch, Assad in Syrien zu stürzen, und der Krieg im Jemen. Haben diese Kriege den Interessen der Vereinigten Staaten gedient? Ich denke nicht. Ich denke, sie haben dem Ansehen der Vereinigten Staaten auf der ganzen Welt geschadet.

Bundeskanzlerin Merkel hat in dieser Situation etwas richtiges getan, sie sagte, wir müßten die Flüchtlinge aufnehmen. Dafür muß sie viel Kritik einstecken. In dem Augenblick, als sie das sagte, gab es aber gar keine andere Wahl, denn Zehntausende Menschen saßen auf dem Balkan zwischen Mazedonien, Kroatien und Ungarn fest. Ungarn begann sogar, eine Mauer an seiner Grenze zu errichten. Es herrschte also eine humanitäre Krise unvorstellbaren Ausmaßes, und es gibt nun einmal ein Recht auf Asyl, das in der Genfer Menschenrechtskonvention und der UN-Charta festgelegt ist. In der Flüchtlingsfrage hat Frau Merkel also richtig gehandelt, aber man muß natürlich auch die ganze Politik ändern, wenn man die Flüchtlinge beherbergen will.

In der EU fehlt jede Solidarität, ganz Osteuropa weigert sich, auch nur einen Flüchtling aufzunehmen. Der österreichische Außenminister machte vor kurzem Griechenland Vorwürfe, es tue nicht genug für die Sicherheit an den Außengrenzen der EU. Und die griechische Regierung antwortete ganz richtig: „Was sollen wir denn machen? Sollen wir auf die Flüchtlinge in den Booten schießen und sie zurück aufs Meer treiben?“

Sie alle haben die schrecklichen Bilder gesehen, auf denen kleine Kinder zwischen Soldaten und Stacheldraht eingezwängt sind. Wenn sich das nicht auf humane Weise lösen läßt, dann wäre es das moralische Ende Europas. Jeder halbwegs anständige Mensch wird das verstehen.

Eine andere Welt

Zum Glück ist das aber nicht das ganze Bild, denn derzeit gibt es zwei sehr unterschiedliche Welten: Auf der einen Seite ist die kollabierende transatlantische Welt, aber auf der anderen Seite entsteht, hauptsächlich von China ausgehend, ein völlig anderes politisches System. Glauben Sie nicht der Stimmungsmache gegen China, die Sie in der Washington Post oder New York Times lesen. Ich beschäftige mich schon seit über 45 Jahren mit China, und ich kann Ihnen versichern, in China spielt sich derzeit nicht nur ein Wirtschaftswunder ab. Die Nachricht, der Sturz der chinesischen Börse habe all die Probleme in der atlantischen Welt ausgelöst, ist kompletter Unsinn, denn Chinas Realwirtschaft ist in bester Verfassung, und man wird in der zweiten Jahreshälfte von 2016 sehen, daß sich all die vielen Investitionen in die Realwirtschaft auszahlen werden.

Präsident Xi Jinping war gerade im Nahen Osten; er besuchte Saudi-Arabien, Iran und Ägypten. Der Gesamtumfang der Investitionen allein in diesen drei Ländern beläuft sich auf 55-100 Mrd. Dollar. Und wenn man sich die umfangreichen Investitionen ansieht, die China in vielen, vielen Ländern gemacht hat – in Lateinamerika, in Asien, in Afrika und Osteuropa -, dann ist zu erwarten, daß daraus ein Wirtschaftsmotor entsteht, der in den nächsten Jahren noch stärker wird.

Aber noch wichtiger ist, daß China vor etwas mehr als zwei Jahren ein ganz neues Vorhaben begonnen hat: die Neue Seidenstraße. Hinter der Neuen Seidenstraße steht die gleiche Idee wie bei der antiken Seidenstraße unter der Han-Dynastie vor 2000 Jahren, nämlich, die wirtschaftliche und kulturelle Zusammenarbeit, den Austausch wissenschaftlicher Ideen und die infrastrukturelle Integration der ganzen Erde zu fördern. Ich denke, dies hat auch die Politik der BRICS-Staaten beeinflußt. Das entwickelt sich jetzt sehr schnell. Es gibt inzwischen eine strategische Partnerschaft zwischen China, Rußland, Indien und vielen weiteren Ländern, die eng miteinander kooperieren – wie zum Beispiel jetzt China und der Iran. Es gibt entlang dieser Routen zunehmende Aktivitäten zwischen vielen Ländern, etwa zwischen China und Griechenland. Osteuropäische Länder haben sich an China gewandt, damit China ihnen beim Bau von Schnellbahnen hilft. Und China investiert in vielen afrikanischen Ländern und anderen Gegenden der Welt.

Soll man darin eine Bedrohung der Vereinigten Staaten sehen? Nur wenn, man die einzige Option darin sieht, an einer unipolaren Welt festzuhalten – an einem Punkt, wo eine multipolare Welt längst Realität ist. Die Vorstellung, es müßte eine unipolare Welt geben und man müßte alle Regierungen auf der Welt, die sich einer solchen Ordnung nicht unterwerfen, durch Regimewechsel beseitigen, hätte unausweichlich zur Folge, daß wir uns als Zivilisation selbst auslöschen. Chinas Angebot auch an die USA steht. Xi Jinping hat auf dem APEC-Treffen 2014 in Beijing zu Präsident Obama gesagt: Wir bieten den Vereinigten Staaten und anderen Großmächten eine „Win-Win-Kooperation“ an, um die Weltwirtschaft auf eine ganz neue Ebene zu heben.

Soweit ich weiß, hat Obama darauf nicht geantwortet. Doch eine solche Zusammenarbeit wird jetzt eine immer realistischere Möglichkeit, nachdem wir unseren Bericht Die Neue Seidenstraße wird zur Weltlandbrücke veröffentlicht haben. Wir arbeiten schon seit dem Zerfall der Sowjetunion an der Idee einer Neuen Seidenstraße. Das war unsere Antwort auf den Fall der Berliner Mauer. Schon 1991 schlugen wir vor, Europa und Asien durch sog. „Infrastrukturkorridore“ zu verbinden. Seit 25 Jahren setzen wir uns für diese Politik ein, und deshalb waren wir natürlich sehr glücklich, als Xi Jinping 2013 sagte, die Neue Seidenstraße sei jetzt die chinesische Politik. Wir waren überglücklich und sagten, das ist genau der Weg, aus dieser Misere herauszukommen.

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Abb. 1: Die Infrastrukturkorridore der Weltlandbrücke

Wir begannen dann mit der Erstellung unseres Berichts. Sie sehen hier eine Karte mit all den Korridoren, Brücken und Tunneln, die letztlich alle Kontinente dieser Erde miteinander verbinden und eine Einheit für alle unterschiedlichen Entwicklungsgebiete auf unserem Planeten schaffen werden (Abbildung 1). Spätestens seit 2012 haben wir gesagt, daß dies der einzige Weg ist, um den Terrorismus im Nahen Osten zu beenden und dieser geschundenen Region der Welt Frieden zu bringen.

Ich nenne dies nur ungern einen „Marshallplan“, weil der Marshallplan immer einen Beigeschmack vom Kalten Krieg hat, aber ich benutze diesen Begriff dennoch, nur um Ihnen eine Vorstellung davon zu geben, daß es schon einmal Beispiele für einen erfolgreichen Wiederaufbau kriegszerstörter Regionen gegeben hat. Ich selbst spreche lieber von einer Erweiterung der Neuen Seidenstraße in den Nahen Osten. Die Neue Seidenstraße vereint schon jetzt Zentralasien; sie wird nach Südasien ausgebaut. Es entsteht bereits ein Korridor von China durch Pakistan bis zum Persischen Golf.

2012 veranstalteten wir in Frankfurt eine Konferenz, auf der wir einen Seidenstraßen-Marshallplan für Südwestasien, den Mittleren und Nahen Osten, und für Afrika als einzigen Weg zur Überwindung des Terrorismus vorschlugen.

Wie Sie wissen, ist der Terrorismus eine wirkliche Bedrohung geworden, wir haben das in Paris im letzten Jahr zweimal gesehen: erst dasCharlie-Hebdo-Massaker und dann das schreckliche Blutbad später im Jahr. Es gibt Terroranschläge in fast allen Ländern der Welt. Läßt sich dieser Horror stoppen, indem man den Islamischen Staat oder Al-Kaida bombardiert? Natürlich muß man etwas unternehmen. In meinen Augen ist der beste Ansatz derzeit aber das, was US-Außenminister Kerry zusammen mit seinem russischen Amtskollegen Lawrow bei der Syrien-Konferenz in Wien zustandebrachte, als es ihnen gelang, Saudi-Arabien, Iran, die Türkei und andere Parteien des Nahen Ostens an einen Tisch zu bringen. Die Fortführung dieser Konferenz hat sich verzögert, weil es immer noch einige Spannungen gibt: Saudi-Arabien will bestimmte Oppositionsgruppen aus Syrien nicht, die Türken wollen die Kurden nicht, usw.

Aber es wäre viel erreicht, wenn sich Rußland, die Vereinigten Staaten, China und andere Großmächte zusammentun und sagen: „Wir werden ISIS militärisch ausschalten, aber man muß noch mehr tun.“ Wir brauchen nämlich ein Wiederaufbauprogramm, das den Menschen im Nahen Osten die reale Hoffnung gibt, daß das soziale Umfeld, aus dem Al-Kaida, Al-Nusra, ISIS usw. ihre Kämpfer rekrutieren, ausgetrocknet wird. Nur wenn man einen Seidenstraßen-Marshallplan in der Region umsetzt, läßt sich das erreichen.

Alle Länder, Rußland, China, Indien, Iran, Ägypten, Deutschland, Italien, Frankreich und die Vereinigten Staaten müssen dabei zusammenarbeiten und sagen: Wir betrachten die gesamte Region vom Kaukasus bis zum Persischen Golf, von Afghanistan bis zum Mittelmeer als eine Region und beginnen sie realwirtschaftlich zu entwickeln. Wir erklären der Wüste den Krieg; wir erzeugen mehr Wasser. Wenn Sie einmal über diese Region geflogen sind, sehen Sie dort nur Wüste; nicht einmal kleine Oasen gibt es dort. Es müssen also große Mengen Meerwasser entsalzt werden, was nur mit Hilfe der Kernenergie möglich ist. Man muß die Feuchtigkeit in der Atmosphäre durch Ionisation anzapfen. Man kann unterirdische Wasseradern erschließen und andere Methoden nutzen. Dadurch lassen sich die Landwirtschaft und die Forstwirtschaft entwickeln. Die Infrastruktur muß aufgebaut werden, und zwar so dicht wie in Deutschland, das in bezug auf Infrastruktur ein hoch entwickeltes Land ist. Dann kann man neue Städte und Industrieanlagen bauen.

Damit gibt man den Menschen in der Region neue Hoffnung – eine Hoffnung, daß es wieder eine Zukunft gibt. Daß sie Ingenieure werden können, daß sie Wissenschaftler werden können und daß es sich lohnt, eine Familie zu gründen. So bringt man Frieden in den Nahen Osten und nach Afrika.

Ich habe mich dafür in vielen Vorträgen ausgesprochen, und man sagte mir, das sei alles völlig utopisch. „Wer soll das bezahlen?“ Ich bin jedoch der Meinung, daß man, wenn ein altes Paradigma zusammenbricht und man einen guten Plan hat, trotzdem erfolgreich sein kann, einfach weil man als einziger die richtige Idee hat.

Ich bin ziemlich sprachlos und völlig überrascht, aber ich muß Ihnen mitteilen, daß in Deutschland ausgerechnet jemand, der ganz bestimmt nicht zu meinen Lieblingen zählt, Wolfgang Schäuble, jetzt zu einem Marshallplan für den Nahen Osten aufgerufen hat! Er machte diese Äußerung in einer Rede in Davos, in der er zur Überraschung aller sagte: Europa soll Milliarden in die Hand nehmen, um die Lebensbedingungen in den Herkunfts- und Nachbarländern zu verbessern. Laßt uns eine „Koalition der Willigen“ machen“ – eine herrliche Umkehrung von Bushs Koalition der Willigen, der damit zum Krieg aufgerufen hatte. Ausgerechnet Schäuble fordert nun also eine Koalition der Willigen, um den Nahen Osten wiederaufzubauen. In vielen deutschen Zeitungen wird inzwischen darüber berichtet.

Ich habe oft gesagt, wenn es keine Vernunft mehr gibt, an die man appellieren kann, dann ist das einzige, das eine politische Änderung bewirken kann, der „brennende Kittel“, wie ich es nenne. Das heißt, Leute setzen sich erst in Bewegung, wenn sie merken, daß es ihnen am Hintern etwas zu heiß wird. Ich kann Ihnen versichern, die aktuelle Flüchtlingskrise ist genau das, denn die EU steht dadurch vor dem Aus. Wenn alle Länder wieder ihre Grenzen schließen, ist das Schengen-Abkommen aus dem Fenster. Und es hat bereits eine offene Debatte darüber eingesetzt, daß wenn es kein Schengen mehr gibt, dann auch die Europäische Währungsunion keinen Sinn mehr hat. Dann fällt die Eurozone auseinander – und wahrscheinlich auch die gesamte EU, weil es keine Existenzberechtigung für das von Maastricht bis Lissabon entwickelte Bündnis mehr gibt.

Das Paradigma ändern

Ich denke, die heutige Lage ist äußerst spannend. Was wir brauchen, ist eine Änderung des Paradigmas. Die Menschen sollten erkennen – Sie mögen vielleicht nicht glauben, was ich sage, aber Sie sollten einmal darüber nachdenken -, daß wir, wenn wir in dem alten Paradigma geopolitischer Konfrontation mit Rußland und China bleiben, sehr wahrscheinlich als Zivilisation nicht fortbestehen werden.

Aber betrachten wir einmal den längeren Bogen der Evolution, dann sieht man, daß es die Menschheit erst seit sehr kurzer Zeit gibt, seit einigen Millionen Jahren. Schriftzeugnisse und andere lesbare Artefakte sind seit etwa 10.000 Jahren bekannt. Denken Sie nur daran, welche ungeheure Entwicklung die Menschheit in diesen 10.000 Jahren seit der Steinzeit durchgemacht hat! Damals konnte man seinen Nachbarn mit einem Steinbrocken erschlagen, heute kann man mit einem Smartphone der gleichen Größe internationale Konferenzen abhalten und mit Menschen auf der ganzen Welt telefonieren. Und in weiteren 10.000 Jahren werden die Menschen sagen: „Ach je, damals dachten die Leute, ihre Smartphones wären ein großer Fortschritt“, denn sie werden dann zwischen mehreren Galaxien miteinander kommunizieren, und sie werden auf unsere Zeit als die „Steinzeit“ zurückblicken.

Die heutige Menschheit braucht viel mehr Optimismus! Schließlich ist die Menschheit ist einzige Gattung, die immer wieder ihr Wissen über das reale Universum umkrempeln und neue Entdeckungen machen kann. Ich denke, die Menschheit hat eine unendliche Fähigkeit, sich intellektuell und moralisch zu verbessern. Die Menschen müssen nicht so bösartig bleiben, wie sie es heute sind. Ich halte die Drogenkultur in all ihrer Abscheulichkeit der Menschheit nicht würdig. Wenn wir einen wirtschaftlichen Wiederaufbau mit einer kulturellen Renaissance verbinden, dann werden wir nach meiner festen Überzeugung in eine neue Ära der Zivilisation eintreten, in der der Mensch wirklich Mensch sein wird! Wahre Schönheit!

Wir haben für unseren Landbrückenbericht einen Zusatz ausgearbeitet, er heißt: „Die Vereinigten Staaten schließen sich der Seidenstraße an“. Darin wird dazu aufgerufen, daß die Neue Seidenstraße nicht nur in Asien und Afrika entsteht, sondern daß auch die Vereinigten Staaten dringend eine Seidenstraßen-Entwicklung brauchen. Gibt es in den USA ein Hochgeschwindigkeits-Eisenbahnnetz? Ich glaube nicht. Haben die USA einen gut funktionierenden Luftverkehr? Ich denke, er ist ziemlich heruntergekommen und alt.

Warum also nicht zwischen Ost- und Westküste, zwischen Nord und Süd 50.000 km Hochgeschwindigkeitstrassen für Magnetbahnen oder andere Schnellbahnen bauen? Warum nicht einige Städte, die heute zerfallen, wieder aufbauen? Ein paar wirklich schöne Städte für den Süden der USA! Inspirieren wir junge Menschen, wieder zum Mond zu fliegen, die NASA wiederaufzubauen und zum Mars zu fliegen, um herauszufinden, warum und wie das Universum so aufgebaut ist, wie es ist.

Auch gibt es ein Problem mit der Sonne, denn in zwei Milliarden Jahren wird die Sonne auf unserem Planeten Erde nicht mehr so angenehm scheinen wie jetzt. Deswegen müssen wir uns als Gattung darüber Gedanken machen, wie wir anderswo in der Galaxie oder jenseits davon weiterleben können.

Ich meine, wir brauchen eine ehrliche, angstfreie Diskussion über ein neues Paradigma. Wir sollten uns auch darüber bewußt werden, daß zur Staatskunst auch eine schöne Kultur gehört, die die Menschen erhebt. Ich habe das Schiller-Institut nach Friedrich Schiller benannt, weil Schillers Menschenbild das schönste ist, das ich auf dieser Welt gefunden habe. Schiller war der Überzeugung, daß Kunst nur dann Kunst ist, wenn sie schön ist und die Menschen veredelt.

Deshalb müssen wir den wirtschaftlichen Wiederaufbau mit einer Renaissance der klassischen Kultur verbinden und dann einen Dialog über die Hochphasen sämtlicher Kulturen in Gang setzen. Vor allem mit dem Konfuzianismus in China, der dort glücklicherweise im Augenblick eine Renaissance erlebt und das ganze Land in Begeisterung versetzt. Die Menschen in China sind sehr optimistisch, sie vertrauen ihrer Regierung. Können Sie sich das vorstellen, daß jemand seiner Regierung vertraut? Sie stehen gut da. China brachte wunderschöne Poesie und Malerei, Menzius und andere große neukonfuzianische Denker hervor.

Auch Indien hat viele Höhepunkte hervorgebracht, etwa die Gupta-Periode. Die arabische Welt war einmal in einem sehr viel besseren Zustand, während der Abbassiden-Dynastie, als Bagdad die Kulturhauptstadt der Welt war. Es gab die italienische Renaissance und die andalusische Renaissance. Wenn wir alle diese Höhepunkte der Kultur wiederbeleben, bin ich absolut sicher, daß wir eine neue Renaissance der menschlichen Zivilisation erschaffen können, diesmal auf völlig anderen Axiomen als in der heutigen zerfallenden transatlantischen Welt.

Ich möchte damit schließen, aber bedenken Sie, daß wir uns nahe am Rande einer unvorstellbaren Katastrophe befinden. Aber wir können das herumdrehen, wenn wir zu einem Glass-Steagall-Trennbankensystem übergehen, die Wall Street dicht machen, ein neues Kreditsystem schaffen und die Produktion wieder ankurbeln. Dann wird es ganz einfach sein.

 


Helga Zepp-LaRouche spricht vor japanischen Wirtschaftslenkern

Auch in Japan erkennen führende Kreise, daß Japan nicht einen Konflikt mit China suchen sollte, sondern Anschluß an die Neue Seidenstraße.

Die Präsidentin des Schiller-Instituts und Bundesvorsitzende der Bürgerrechtsbewegung Solidarität (BüSo), Helga Zepp-LaRouche, sprach am 2. Dezember auf zwei Konferenzen in Tokio vor rund 400 führenden japanischen Unternehmern über das Konzept der Weltlandbrücke als die einzige Alternative zur Geopolitik, die für die derzeitige Krise im Nahen Osten und für die akute Weltkriegsgefahr verantwortlich ist.

Am Vormittag hielt sie eine Rede vor dem 7. jährlichen Innovationsforum Asien, das von 300 japanischen Jungunternehmern besucht wurde. Das Innovationsforum Asien wird vom ehemaligen Sony-Vorstandschef Nobuyuki Idei geleitet, der außerdem Gründer und Vorsitzender von Quantum Leaps und Gründer der Asiatischen Innovations-Initiative ist.

Im weiteren Verlauf des Tages hielt Zepp-LaRouche einen ähnlichen Vortrag am Canon Institute for Global Studies vor einer kleineren Gruppe von Unternehmern und Managern. (Den Text ihrer Ausführungen finden Sie auf den folgenden Seiten.)

Im Rückblick auf die Veranstaltungen bemerkte Zepp-LaRouche, sie hätten gezeigt, daß es in Japan eine Minderheit gebe, die erkennt, daß es das langfristige, fundamentale Interesse ihres Landes ist, sich nicht in einen Konflikt mit China hineinziehen zu lassen, wie es die amerikanischen Kriegstreiber versuchen, sondern Anschluß an die Weltlandbrücke und Chinas Neue Seidenstraße zu suchen.

In ihrem umfassenden Vortrag beim Innovationsforum warnte Zepp-LaRouche, die immer zahlreicheren regionalen militärischen Konflikte könnten leicht in eine globale Katastrophe münden und zu einem Krieg der Supermächte führen. Die einzige Möglichkeit, den Lauf der Geschichte zu ändern, sei eine grundlegende Veränderung der vorherrschenden Denkstrukturen, die zu dieser Krise geführt haben.

Anschließend präsentierte sie detailliert die Projekte der Weltlandbrücke, die zu einer Transformation der Weltwirtschaft führen werden. Chinas Strategie der Neuen Seidenstraße könne zum Kern einer neuen, weltweiten Renaissance werden.

Nachdem Zepp-LaRouche die unmittelbar realisierbaren Großprojekte vorgestellt hatte, entwickelte sie die Idee, daß die Menschheit eine einzigartige, zu kreativen Entdeckungen fähige Spezies sei, die durch diese Entdeckungen ihre Zukunft gestalte. Sie sprach über Aspekte des Amerikanischen Systems der politischen Ökonomie, wie es von Alexander Hamilton, Matthew und Henry Carey vertreten wurde. Schließlich beschrieb sie, wie sich diese Ideen im 19. Jahrhundert weltweit verbreiteten, so daß in Deutschland unter Kanzler Bismarck und in Japan unter der Meiji Restauration moderne Nationen entstanden. Genau diese Ideen bilden auch die Grundlage des Projekts der Neuen Seidenstraße bzw. der Weltlandbrücke, das derzeit im Gang ist.

Neben Zepp-LaRouche sprachen der ehemalige IWF-Vorsitzende Dominique Strauss-Kahn, der ehemalige Leiter der Russischen Eisenbahn und Gründer des Rhodos-Forums „Dialog der Zivilisationen“ Dr. Wladimir Jakunin sowie der ehemalige brasilianische IWF-Direktor Paulo Nogueira Batista jun., heute Vizevorsitzender der von den BRICS-Staaten ins Leben gerufenen Neuen Entwicklungsbank (NDB) in Shanghai. Die Diskussion moderierte Daisuke Kotegawa, ein ehemaliger hochrangiger Beamter des japanischen Finanzministeriums und japanischer IWF-Direktor zur Zeit der Finanzkrise 2007-09.

In seinem Vortrag unterstütze Dr. Jakunin ausdrücklich Zepp-LaRouches Vorschlag der Weltlandbrücke. Rußlands „eurasische Entwicklungskorridore“ und Chinas Politik des Wirtschaftsgürtels Neue Seidenstraße seien bestens miteinander vereinbar. Beides gemeinsam repräsentiere ein „Neues Paradigma“ des Denkens, das dringend notwendig sei, um Kriege zu verhindern, die durch das gescheiterte System des Neoliberalismus in Gang gesetzt werden. Jakunin machte deutlich, daß die Präsidenten Putin und Xi sich ganz dem Erfolg der russisch-chinesischen Kooperation zur Verwirklichung der Eurasischen Infrastrukturverbindungen verschrieben haben.

Strauss-Kahn beschrieb in seiner Eröffnungsrede der Sitzung im Detail die weiter voranschreitende Krise des Weltfinanzsystems und gab zu, daß die Politik der Haushaltskürzungen ein Fehlschlag war und durch ein Wachstumsprogramm ersetzt werden müßte. Für den notwendigen Kurswechsel der Politik gebe es aber keine Unterstützung innerhalb der heute herrschenden Weltfinanzinstitutionen, fügte Strauss-Kahn hinzu.

Am Nachmittag hielt Frau Zepp-LaRouche eine Rede auf einer gesonderten Veranstaltung, die vom Canon Institut für Globale Studien (CIGS) vorbereitet worden war. Rund hundert Vorstandsmitglieder aus führenden japanischen Industrie- und Finanzunternehmen sowie staatlichen Organisationen für Auslandsinvestitionen hörten ihre Ausführungen über die Weltlandbrücke als einzigem Ausweg aus Weltkrieg und Chaos. Moderator der Veranstaltung war auch hier Daisuke Kotegawa, der Forschungsdirektor des Instituts.

Jeffrey Steinberg, leitender Redakteur der Nachrichtenagentur Executive Intelligence Review (EIR), hatte ebenfalls Gelegenheit, vor diesem hochkarätigen Publikum zu sprechen. Er zeichnete das wahre Bild des wirtschaftlichen und sozialen Zusammenbruchs der Vereinigten Staaten. Nogueira Batista sprach ausführlich über die Fortschritte beim Aufbau der NDB und deren Pläne, ab April 2016 die ersten Entwicklungskredite zu vergeben. Er gab einen Überblick über die Gründungsgeschichte der Bank als Reaktion darauf, daß der IWF und die Weltbank nach dem Kollaps des Weltfinanzsystems 2008 völlig unfähig waren, sich selbst zu reformieren.

js


Aufbau der Wirtschaft statt Geopolitik und Malthusianismus

Das Schiller-Institut veranstaltete am 13. und 14. Juni in Paris eine internationale Konferenz zum Thema „Wiederaufbau der Welt in der BRICS-Ära“.

von Christine Bierre und Alexander Hartmann

Am 13. und 14. Juni sprachen in Paris hochrangige Vertreter aus drei der fünf Länder der BRICS-Gruppe (Brasilien, Rußland, Indien, China und Südafrika) und mit ihr kooperierender Staaten auf einer außergewöhnlichen internationalen Konferenz des Schiller-Instituts mit dem Titel „Wiederaufbau der Welt in der BRICS-Ära“.

An dem zweitägigen, intensiven Austausch beteiligten sich mehrere hundert Franzosen und Delegationen aus Deutschland, Dänemark, Schweden, Spanien, Italien, Australien, Polen, Rumänien, Rußland, China, Peru sowie weiteren Staaten. Die Versammelten erkannten, daß dies nicht „eine Konferenz von vielen“ war, sondern daß sie selbst Teil eines internationalen Kampfes für ihr eigenes Überleben und das der ganzen Menschheit sind, und sie beschlossen daher, ihr Schicksal aktiv selbst mitzugestalten.

Die Konferenz sollte den frischen Wind des Fortschritts, der von den BRICS und ihren Verbündeten ausgeht, nach Frankreich und ganz Europa holen und die Europäer anregen, sich gegen eine Weltordnung zu erheben, die nichts mehr zu bieten hat außer der Rückkehr zu Imperien, Kriegen aller gegen alle und der systematischen Ausplünderung der Völker und des öffentlichen Besitzes. Sie wandte sich auch scharf gegen den Malthusianismus, der im Zusammenhang mit dem Schwindel vom „menschengemachten Klimawandel“ und der Ende des Jahres in Frankreich geplanten Weltklimakonferenz (COP21) verbreitet wird. Dieser Malthusianismus ist der Todfeind der Entwicklung der BRICS und der ganzen Welt.

Da es an dieser Stelle den Rahmen sprengen würde, auf sämtliche Konferenzbeiträge im einzelnen einzugehen, die auf der Internetseitehttp://newparadigm.schillerinstitute.com/de/ umfassend dokumentiert werden, konzentrieren wir uns im folgenden auf die zentralen Punkte der Konferenz.

Krieg – oder Frieden durch wirtschaftliche Entwicklung

Helga Zepp-LaRouche, die Gründerin und Vorsitzende des Schiller-Instituts, eröffnete die Konferenz und beschrieb die vor uns liegenden Gefahren: eine Finanzkrise, aus der sehr schnell die Implosion des Finanzsystems folgen kann, wenn die Griechenlandkrise Ende Juni ihren Höhepunkt erreicht, sowie die wachsende Gefahr eines Krieges, sogar eines thermonuklearen Krieges, gegen Rußland und China. Der Ursprung dieser Kriegspolitik im anglo-amerikanischen Lager liege in der neokonservativen Ideologie des „Projekts für ein Neues Amerikanisches Jahrhundert“ (Project for a New American Century, PNAC), wonach verhindert werden müsse, daß sich irgendeine Macht auf der Welt herausbildet, die die globale Macht der anglo-amerikanischen Sonderbeziehung des Britischen Empire gefährden kann.

In diesem Kontext sprach ihr Ehemann, der amerikanische Staatsmann und Ökonom Lyndon LaRouche, per Video zu der Konferenz und unterstützte den Protest der früheren Bundeskanzler Helmut Schmidt und Gerhard Schröder sowie des amtierenden Außenministers Frank-Walter Steinmeier gegen die Entscheidung von Bundeskanzlerin Angela Merkel, den russischen Präsidenten Wladimir Putin nicht zum jüngsten G-7-Gipfel einzuladen.

Aber Zepp-LaRouche beschrieb auch optimistisch die BRICS und das von Chinas Präsidenten Xi Jinping und der Eurasischen Union vorangetriebene Projekt der Neuen Seidenstraße als Alternative zu diesen Gefahren. Das Schiller-Institut arbeite schon seit mehr als 25 Jahren am Aufbau dieser Alternative, seit es diese nach dem Fall der Berliner Mauer erstmals vorgeschlagen hatte: eine internationale Friedensordnung für das 21. Jahrhundert auf der Grundlage des Aufbaus von Infrastrukturkorridoren durch ganz Eurasien.

Rußland, China und Indien

Vertreter aus Rußland, China und Indien vermittelten den Konferenzteilnehmern eine greifbare Vorstellung einer „polyzentrischen“ Welt, dem Embryo der neuen, gerechteren Weltwirtschaftsordnung, die die BRICS fordern und die jetzt in atemberaubendem Tempo entsteht. Der iranische Botschafter in Frankreich, Seine Exzellenz Ali Ahani, übermittelte eine Botschaft, in der er andeutete, daß die Islamische Republik Iran „zu einer Kooperation mit den BRICS-Staaten willens und bereit ist und ihre Hilfe und Unterstützung bei der Lösung der regionalen und weltweiten Probleme anbietet“.

Seit April hat Rußland die turnusmäßige Präsidentschaft der BRICS inne, und Leonid Kadyschew, Botschaftsrat an der russischen Botschaft in Paris, beschrieb die Prioritäten, die die russische Präsidentschaft beim bevorstehenden Gipfeltreffen der BRICS am 9. und 10. Juli in Ufa verkünden wird.

Noch vor diesem Gipfel werden die Neue Entwicklungsbank (NDB) und das Notfall-Reserve-Arrangement (CRA), die beim BRICS-Gipfel 2014 im brasilianischen Fortaleza beschlossen wurden, auf den Weg gebracht sein, berichtete Kadyschew, der Ratifizierungsprozeß schreite sehr gut voran. Dann soll ein Fahrplan beschlossen werden, der konkrete Investitionen in Infrastrukturprojekte und eine neue Achse der Zusammenarbeit in Bereichen wie Bergbau, Energie und Kommunikation definiert.

Professor Shi Ze vom China Institute of International Studies (CIIS) beschrieb dann die Kombination von Zielen, die China mit der Neuen Seidenstraße verfolgt: Abbau des internen wirtschaftlichen Ungleichgewichts zwischen den östlichen und den westlichen Regionen Chinas und Verbesserung des Außenhandels mit den westlichen Nachbarn (Zentralasien, Indien und Rußland), die zur Deckung von Chinas gewaltigem Energiebedarf für seine Entwicklung beitragen können. Aber wie Prof. Shi betonte, ist die Strategie „Ein Gürtel, eine Straße“ auch ein Beitrag Chinas zur Welt in der konfuzianischen Tradition, da die Entwicklung des eurasischen Kontinents eine „neue Wachstumslokomotive für die Welt“ schaffen und Frieden und Sicherheit weltweit fördern werde.

Dem folgte ein sehr wichtiger Beitrag des indischen Botschafters H.H.S. Viswanathan, Senior Fellow der Observer Research Foundation und Koordinator für alle Angelegenheiten im Zusammenhang mit den BRICS. Er verurteilte den „völlig anachronistischen Charakter“ des Weltwährungsfonds (IWF), der Weltbank und des Sicherheitsrats der Vereinten Nationen angesichts der Tatsache, daß die BRICS 25% des Weltwirtschaftsprodukts stellen, aber nur über 11% der Stimmrechte im IWF verfügen.

Daher hätten die BRICS, nachdem sie als Gruppe anfangs die vorhandene Weltordnung verbessern wollten, nun beschlossen, selbst die Agenda der aktuellen Weltordnung zu bestimmen. Die Gründung der NDB und des CRA bestätige das, da sie als die ersten globalen Institutionen seit 200 Jahren ohne Beteiligung des Westens gegründet wurden.

Der BRICS stehe eine glänzende Zukunft bevor, sagte Botschafter Viswanathan, erinnerte aber daran, daß die Gruppe „in Arbeit und kein Endprodukt“ sei.

Lösungen für die Schulden Griechenlands und Afrikas

Ein zentrales Thema der Konferenz war das Problem der Schulden und des Aufbaus einer produktiven Wirtschaft im Unterschied zu dem Finanzsystem, das die transatlantische Wirtschaft beherrscht. Die Frage ist, welche Form die Weltwirtschaft in der BRICS-Ära haben muß, um die Welt wirklich menschlich zu machen.

Jacques Cheminade, Präsident von Solidarité und Progrès, eröffnete den zweiten Tag der Konferenz, der sich der Frage „Staatskredit und Schuldenerlaß, die politische Herausforderung an Europa“ widmete. Er führte zahlreiche Beispiele für ein Weltfinanzsystem an, das „verrückt und kriminell geworden ist“: die Forderung der EU, daß Länder auch Prostitution und Glücksspiel in ihr Wirtschaftsprodukt mit einrechnen, die inzestuösen Beziehungen zwischen den Banken und dem „siebten Kontinent“ GAFA (Google, Apple, Facebook, Amazon), den Hochfrequenzhandel ohne juristische Überwachung, Schattenbanken „in alternativen Finanzmärkten und 800.000 Milliarden Dollar an Derivat-Forderungen“.

Wir müssen wieder eine Welt des realen Wachstums schaffen, sagte Cheminade. Es sei besser, auf dem Zug der BRICS mitzufahren, als zurückzubleiben oder, noch schlimmer, sie als Feinde zu behandeln, wie es die Oligarchen möchten. Unsere wahre Herausforderung sei es jedoch, „zum Impuls der BRICS einen Überschuß an Kraft und einen größeren Horizont hinzuzufügen“. Cheminade beschrieb in diesem Zusammenhang Lyndon LaRouches Maßstab für eine produktive Wirtschaft, für den der russische Wissenschaftler Pobisk Kusnezow einst die Einheit „La“ (für „LaRouche“) vorgeschlagen habe. Das bedeute, zu verstehen, daß der Mensch „kein geopolitisches Tier ist, das versucht, gegen andere Menschen Territorien zu erobern und sich Rohstoffe zu sichern“, sondern ein kreatives Wesen, das in der Lage ist, universelle Prinzipien zu entdecken und die Gesellschaft durch Anwendung höherer Technologien zum Besseren zu verändern.

Griechenland: ein stiller Putsch ist im Gang

Das krasse Gegenbeispiel zu dieser Sichtweise ist das brutale Verhalten der Oligarchie gegenüber Griechenland. Stelios Kouloglou, Europaabgeordneter der griechischen SYRIZA-Partei, berichtete in bewegenden Worten, wie die Troika – Weltwährungsfonds (IWF), Europäische Zentralbank (EZB) und Europäische Union (EU) – die Frage der Schulden dazu nutzen will, die neugewählte griechische Regierung zu stürzen.

Die Lage sei vergleichbar mit der von Chile unter Allende, sagte Kouloglou. Bevor Pinochet mit seinen Panzern die Macht übernahm, hatte US-Präsident Nixon der CIA gesagt: „Sorgt für einen Aufschrei der Wirtschaft!“ Und die Banken stoppten alle Kredite an Chile. Heute würden Putsche nicht mehr mit Panzern, sondern mit Banken durchgeführt („not with tanks, but with banks“). Sobald SYRIZA an die Macht gekommen war, habe „Herr Draghi“ von der EZB „ohne die geringste Rechtfertigung die wichtigste Finanzierungsquelle der griechischen Banken gesperrt und sie durch die Notfall-Liquiditätshilfe (Emergency Liquidity Assistance, ELA) ersetzt, ein Kreditfenster, das viel teurer ist und wöchentlich erneuert werden muß. Wie ein Damoklesschwert hängt sie über den Köpfen der griechischen Führung.“

Kouloglou machte bei der Gelegenheit auch eine bitteren Bemerkung über Frankreich: „Von den Kräften im Stich gelassen, auf deren Unterstützung es gesetzt hatte, wie z.B. der französischen Regierung, kann Griechenland aus seiner unterlegenen Position heraus das große Problem des Landes, die unerträgliche Schuldenlast, nicht lösen. Der Vorschlag einer internationalen Konferenz wie der, die 1953 Deutschland von der Hauptlast seiner Schulden-Reparationen befreite, was den Weg für das Wirtschaftwunder freimachte, wurde in einem Meer von Drohungen und Ultimaten ertränkt.“ In diesem spannungsgeladenen Klima, sagte Kouloglou, sei Rußlands positive Antwort auf Griechenlands Wunsch, der BRICS-Bank beizutreten, „von der öffentlichen Meinung in Griechenland wirklich mit einem Stoßseufzer der Erleichterung und mit Optimismus“ aufgenommen worden.

Herr Kouloglou erhielt von den 450 Teilnehmern großen Applaus. „Wir werden Widerstand leisten“, schloß er seine Rede, dabei müsse man schnell handeln: „Gute Wünsche für die griechische Regierung reichen nicht mehr. Die Solidarität, die sie verdient, muß sich in Taten ausdrücken. Die Zeit läuft uns davon.“

Karel Vereycken ergänzte Kouloglous Ausführungen mit einer kurzen Darstellung der Londoner Schuldenkonferenz von 1953 – bei der Deutschlands Schulden gegenüber den ausländischen Gläubigern stark reduziert und neu geordnet wurden – als ein Beispiel, wie man mit dem Schuldenproblem umgehen müßte.

Der EIR-Redakteur Dean Andromidas, der soeben Griechenland besucht hatte, berichtete über seine Eindrücke. Seine Schlußfolgerung lautete: Griechenland wehrt sich. Was es von uns braucht, sind nicht gute Ratschläge, sondern Unterstützung.

Der Mythos der Unabhängigkeit Afrikas

Diogène Senny, der Generalsekretär der Panafrikanischen Bewegung UMOJA, zeigte auf, wie Afrika durch eine „schlau eingefädelte Rückeroberungspolitik der neokolonialen Kräfte“ in Schulden gestürzt wurde. Diese Schulden seien – ähnlich wie die Schulden Griechenlands – als „illegal, illegitim und sittenwidrig“ zu betrachten.

Mehrere Phänomene hätten dazu beigetragen, die afrikanische Auslandsverschuldung aufzublähen: 1. private Schulden in Form überschüssiger Eurodollars und Petrodollars, die seit Anfang der 60er Jahre und nach dem Ölschock 1973 nach Afrika geflossen seien; 2. öffentliche Schulden in Verbindung mit „Entwicklungshilfe“, wo Hilfen anderer Staaten daran gebunden waren, daß Aufträge an Unternehmen aus diesen Staaten vergeben wurden; 3. multilaterale Schulden gegenüber IWF und Weltbank. Zwischen 1970 und 1980 wuchsen Afrikas Auslandsschulden auf 89 Mrd. Dollar.

Nach Angaben der UN-Organisation für Handel und Entwicklung (UNCTAD) erhielt Afrika zwischen 1970 und 2002 insgesamt 540 Mrd.$ an Krediten, 550 Mrd.$ wurden zurückbezahlt, dennoch liegen die Schulden heute immer noch bei 295 Mrd.$. Studien des Komitees für den Schuldenerlaß für die Dritte Welt (CADTM) zeigen, daß im Jahr 2012 aus Schwarzafrika 5% des BIP als Gewinne ausländischer Konzerne und für Schuldendienst herausflossen, aber nur 1% des BIP als Entwicklungshilfe hineinflossen.

„Wer hilft da wem?“ fragte Senny. Die Überprüfung und Streichung der Schulden, für die UMOJA kämpfe, seien „keine Bitte um Großzügigkeit der Gläubiger, sondern eine Entschädigung und ein Akt der Gerechtigkeit für Menschen, die verraten wurden“.

Der malthusianische Klimaschwindel

Ein Schwerpunkt der Konferenz war der Kampf gegen die menschen- und wissenschaftsfeindlichen Ziele der bevorstehenden Weltklimakonferenz in Paris (COP21). COP21 ist ein massiver Vorstoß Großbritanniens, der Vereinigten Staaten und Frankreichs, über den Schwindel der angeblichen „menschengemachten Klimaerwärmung“ eine weltweite Entvölkerungspolitik durchzusetzen – was unmittelbar gegen die Entwicklungspolitik der BRICS-Staaten gerichtet ist. Im letzten Abschnitt der Konferenz sprachen mehrere Redner, die verschiedene Aspekte dieses Klimaschwindels widerlegten.

Schon in ihrer Eingangsrede hatte Helga Zepp-LaRouche das eigentliche Ziel dieser Politik angeprangert. Der jüngste G-7-Gipfel in Deutschland habe die Dekarbonisierung der Weltwirtschaft bis 2030 beschlossen, berichtete sie. Das bedeute, daß man sich dann nur noch auf Wind- und Solarkraft stützen könne, weil ja auch die Kernkraft abgelehnt werde. In der Praxis bedeute dies, daß man das Programm des Herrn Schellnhuber – dem Umweltberater der Bundesregierung vom Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung – umsetzen will. „Und wenn man erkennt, daß es einen direkten Zusammenhang gibt zwischen der Energieflußdichte im Produktionsprozeß und der Zahl der Menschen, die mit dieser Energieflußdichte versorgt werden können, dann muß man zu dem Schluß gelangen, daß die Zahl der Menschen, die damit erhalten werden können, bei etwa einer Milliarde Menschen liegt.“

Frau LaRouche wies auch auf das ominöse Treffen Präsident Obamas mit Sir David Attenborough unmittelbar vor dem G-7-Gipfel hin. Attenborough ist einer der Hauptberater der britischen Krone in Umwelt- und Energiefragen und bekannt dafür, daß er die Menschheit mit einer Krankheit vergleicht. Attenborough sei mit dem Optimum Population Trust/Population Matters verbunden, der fordere, die Zahl der Menschen bis zum Ende des Jahrhunderts auf die Hälfte zu reduzieren – das wären 3,5 Milliarden!

Zepp-LaRouche stimmt vollkommen mit Jean Zieglers Charakterisierung überein, der das gegenwärtige System der Globalisierung als „kannibalistisch“ bezeichnet hat. Sie zitierte Friedrich Schillers Schrift Die Gesetzgebung des Lykurgus und Solon, in der Schiller Sparta als das oligarchische Modell darstellt und sagt, daß im oligarchischen Modell Heloten beseitigt werden können – man dürfe sie töten, wenn es zu viele von ihnen gibt.

Diese Haltung vertrete auch Bertrand Russell, der in seinem Buch The Impact of Science on Society (1952, dt.: Wissenschaft wandelt das Leben) in bester malthusianischer Tradition schreibe: „Während der Flitterwochen der Industrialisierung war dieses Verfahren mehr oder weniger richtig; wenn sich aber die Bevölkerungszunahme nicht mehr erheblich verlangsamen läßt, dann verliert dieser Einwand an Bedeutung… Der Krieg hat sich bisher, wie bemerkt, als enttäuschender Versager erwiesen, aber vielleicht ist der bakteriologische Krieg wirkungsvoller. Würde man in jeder Generation einmal den Schwarzen Tod über die Welt schicken, dann dürften die Überlebenden fröhlich weiterzeugen, ohne die Welt allzu eng zu machen… Es würden sich zwar etwas unangenehme Zustände entwickeln, aber was macht das schon? Die in Wahrheit hochherzigen Leute sind gegen das Glück immun, vor allem, wenn es das Glück anderer ist.“

Globale Erwärmung nicht nachgewiesen

Der vierte Konferenzabschnitt befaßte sich mit der Beziehung der Menschheit zur Natur und konkret dem Klima. Benjamin Deniston vom Wissenschaftsteam des LaRouche-Aktionskomitee in den Vereinigten Staaten zeigte die galaktischen Einflüsse auf den Wasserkreislauf der Erde auf und präsentierte Vorschläge, wie sich auf dieser Grundlage die Dürre in den Vereinigten Staaten durch Vermehrung und Steuerung der Niederschläge bekämpfen läßt.

Nach ihm sprachen François Gervais, Professor an der François-Rabelais-Universität und kritischer Berichterstatter des Weltklimarates (IPCC), und Professor Carl-Otto Weiss, Berater des Europäischen Instituts für Klima und Energie (EIKE) und früherer Direktor und Professor an der Physikaliasch-Technischen Bundesanstalt. Beide kamen zu dem gleichen Schluß, daß es derzeit keinen Erwärmungstrend im Weltklima gibt, sondern vielmehr eine schon seit 20 Jahren langsam voranschreitende Abkühlung, und daß die Temperaturen auf der Erde nicht das Resultat menschlicher Aktivitäten sind, sondern durch solare und terrestrische Zyklen bestimmt sind. „Bestätigt das reale Klima die virtuellen Klimamodell?“ fragte Prof. Gervais. Das sei eine ganz entscheidende Frage, nicht zuletzt, weil die Weltbank ein 89.000-Mrd.-$-Programm fordere, um die Treibhausgas-Emissionen zu senken und die Temperaturerhöhung bis 2030 unter 2° zu halten! Tatsächlich gibt es aber gar keine Übereinstimmung zwischen der Temperaturentwicklung und dem Anstieg des CO2-Gehalts in der Atmosphäre.

In seinem Schlußwort kommentierte Jacques Cheminade diese letzten Vorträge: Um die Menschen zu beherrschen, verbreite die Oligarchie die Vorstellung, daß der Mensch für die Natur gefährlich und die Zeit etwas Absolutes sei, daß alle Gattungen erhalten werden müssen und daß die Ressourcen knapp seien. Aber wenn man ins Museum gehe, könne man sehen, wie sich alles im Lauf hunderttausender Jahre veränderte. „Die Idee einer Welt, die sich nicht ändert, ist eine vollkommen infantile Vorstellung, die uns manipulierbar macht… Einstein hat gezeigt, daß die Zeit relativ ist. Das einzig Beständige ist der Wandel, sagt Heraklit, ähnlich wie die Veden.“ Veränderung sei aber etwas Positives, sie gebe uns eine Zukunft. Mit einer derartigen Unterschätzung der Natur werde die Reduzierung der Bevölkerung gerechtfertigt. „Wenn wir uns einer Politik unterwerfen, so zu bleiben, wie wir sind, dann führt dies zum Kollaps der Kultur.“

Helga Zepp-LaRouche erinnerte in ihrem Schlußwort, mit dem die Konferenz endete, an ihren jahrzehntelangen Kampf gegen den Malthusianismus. Schon bei der Bevölkerungskonferenz 1974 habe sie den Plan für eine neue gerechte Weltwirtschaftsordnung auf der Grundlage des Friedens durch Entwicklung präsentiert. „David Rockefeller präsentierte seinen Plan der angepaßten Technologien, was damals eine neue Politik war… Ich sagte damals David Rockefeller: ,Sie sind hundertmal schlimmer als Hitler.’“ Nun versuche Schellnhuber, die katholische Kirche für die Dekarbonisierung der Weltwirtschaft zu gewinnen. „Das bedeutet, daß die Tragfähigkeit der Erde auf nur noch eine Milliarde Menschen reduziert würde.“

Trotzdem sei sie optimistisch: „Ich denke, wir sind die einzige Organisation, die die Menschheit tausend Jahre oder sogar eine Milliarde Jahre in die Zukunft führen kann… Wir müssen das Leben so organisieren, daß die Menschheit eine Zukunft hat.“


Zepp-LaRouche stellt chinesische Weltlandbrücken-Studie vor

Die chinesische Ausgabe der EIR-Studie The New Silk Road Becomes The World Land-Bridge („Die Neue Seidenstraße wird zur Weltlandbrücke“) wurde am 29. September von der Gründerin des Schiller-Instituts, Helga Zepp-LaRouche, bei einem Symposium in Beijing, das vom Chongyang Institute for Financial Studies der Renmin-Universität veranstaltet wurde, offiziell vorgestellt. Das Chongyang-Institut ist auch Mitherausgeber der chinesischen Ausgabe der Studie.

Das Chongyang-Institut wurde vor einigen Jahren von Absolventen der Renmin-Universität gegründet und betrachtet sich als eine Denkfabrik jener neuen Art, wie sie Präsident Xi Jinping kürzlich gefordert hat, der damit sicherstellen will, daß er die besten Analysen über die gegenwärtige Weltlage und wichtige politische Empfehlungen erhält, während China und die Welt in eine neue Ära der internationalen Beziehungen eintreten. Wang Wen, der Dekan des Chongyang-Instituts, und Fu Jianming, der Vizepräsident der Phoenix Publishing & Media Group, die die chinesische Ausgabe des Berichtes verlegt hat, eröffneten die Veranstaltung, an der etwa 70 Gäste teilnahmen, darunter mindestens 15 Journalisten.

Die Entstehung eines neuen Paradigmas

Zepp-LaRouche erläuterte ihre eigene Rolle bei der Entstehung der Idee, die heute in China unter dem Begriff „Ein Gürtel, eine Straße“ bekannt ist. Sie berichtete, wie sie und ihr Ehemann, der Ökonom und Staatsmann Lyndon LaRouche, nach dem Auseinanderbrechen der Sowjetunion die Serie von Entwicklungsprogrammen, an denen sie bereits seit Jahrzehnten gearbeitet hatten, zu einem Programm erweiterten, das den gesamten eurasischen Kontinent miteinander verbinden würde.

Dies sollte geschehen durch ein System von Hochgeschwindigkeitsbahnen, die die landeingeschlossenen und gerade erst unabhängig gewordenen Nationen Zentralasiens sowie die unterbevölkerten und unterentwickelten Regionen Zentralrußlands in den internationalen Handel einbinden würden. Auf diese Weise entstünde ein Landkorridor für den Handel und wirtschaftliche Entwicklung zwischen Europa und Asien. Diesen Korridor bezeichneten die LaRouches damals als die „Eurasische Landbrücke“.

Diskussionen mit Vertretern der chinesischen Regierung Anfang der 1990er Jahre führten schließlich zu einer Konferenz in Beijing, die 1996 vom chinesischen Ministerium für Wissenschaft und Technologie veranstaltet wurde, berichtete Frau Zepp-LaRouche. An dieser Konferenz nahmen führende Experten aus China und 34 weiteren Ländern teil. Auch sie selbst habe damals einen Vortrag über die Umsetzung dieses Projektes gehalten. Die asiatische Finanzkrise 1997 und die Rubelkrise 1998 hätten aber damals weitere Schritte zur Verwirklichung verhindert. Erst im September 2013 habe Chinas Präsident Xi Jinping die Idee in seiner berühmten Rede an der Nasarbajew-Universität in Kasachstan wieder aufgegriffen, in der er die Schaffung eines Wirtschaftsgürtels der Seidenstraße forderte, um Europa und Asien zu einen.

Das Konzept der Neuen Seidenstraße weise in die Richtung eines neuen Paradigmas für die Menschheit, erklärte Frau Zepp-LaRouche ihren Hörern, und führe weg von der Geopolitik, die im vergangenen Jahrhundert bereits zwei Weltkriege herbeigeführt habe. Diese müsse ersetzt werden durch die Idee der gemeinsamen Ziele der Menschheit, was sich in Xi Jinpings „Win-win-Politik“ widerspiegele. Auch wenn heute der Ausdruck „Ein Gürtel, eine Straße“ die gängige Bezeichnung des chinesischen Projektes sei, hob Frau LaRouche die Bedeutung des Vorbildes der Seidenstraße hervor: „Wir sollten bei dem Ausdruck Neue Seidenstraße bleiben“, sagte sie, da er diese kulturelle Vision der Kooperation ausdrücke, die sich in der alten Seidenstraße manifestierte.

Sie ging dann auf die Krise im Nahen Osten und den massiven Strom von Flüchtlingen aus den vom Krieg zerstörten Ländern nach Europa ein, der durch die US-Politik unter Bush und Obama erzeugt wurde. Erst in jüngster Zeit hätten viele europäische Nationen erkannt, daß die Politik geändert werden muß und die Ursachen der Flüchtlingskrise beseitigt werden müssen. Es reiche nicht aus, die islamistischen Extremisten militärisch zu bekämpfen, man müsse auch einen wirklichen wirtschaftlichen Wiederaufbau in der Region in Gang bringen, die jetzt vollkommen zerstört sei vom Krieg, um den jungen Menschen, die jetzt zum gewalttätigen Dschihad verleitet werden, eine Zukunft zu bieten.

„Wir können die Seidenstraße in den Nahen Osten verlängern“, sagte sie, „und Zentren der Entwicklung schaffen. Wir können die Wüsten zum Blühen bringen und neue Städte bauen. Die Neue Seidenstraße kann eine Friedensordnung für das 20. Jahrhundert werden. Wenn uns das gelingt, dann wird dies ein neues Zeitalter der Zivilisation einleiten – und wenn es scheitert, werden wir in ein neues finsteres Zeitalter eintreten.“

40 katastrophale Jahre rückgängig machen

Der Leiter des EIR-Büros in Washington, Bill Jones, beschrieb dann die erstaunlichen Chancen, die sich der Welt – einschließlich den Vereinigten Staaten – durch die Umsetzung des Projekts der Neuen Seidenstraße eröffnen. Er erinnerte daran, daß Lyndon LaRouche schon 1975 die Gründung einer Internationalen Entwicklungsbank gefordert hatte, um Entwicklungsprojekte in der Dritten Welt zu finanzieren, und daß der damalige Außenminister Guyanas, Fred Wills, gemeinsam mit LaRouche 1976 einen Aufruf an die UN-Vollversammlung veröffentlicht hatte, in dem sie eine Neue Gerechte Weltwirtschaftsordnung und ein Schuldenmoratorium für die Entwicklungsländer forderten.

„Aber es gab weder eine neue Weltwirtschaftsordnung noch ein Schuldenmoratorium“, sagte Jones. Statt dessen sei die Welt in eine Phase der inflationären Expansion des Weltfinanzsystems eingetreten, das nun einen Umfang von mehr als zwei Billiarden Dollar an – unbezahlbaren – Schulden akkumuliert habe. „Präsident Xis Initiative einer Seidenstraße zu Land und zur See bietet nun die Möglichkeit, diesen gefährlichen Trend umzukehren.“

Jones fuhr fort: „ Die Welt steht erstaunt vor Chinas Entwicklung der letzten Jahrzehnte, und nun bietet China der übrigen Welt eine vergleichbare Entwicklung an.“

Jones wies auch darauf hin, daß die US-Administration zwar keineswegs begeistert sei über dieses Projekt, es aber doch ein wachsendes Verständnis in den Vereinigten Staaten gebe, insbesondere auf der Ebene der Bundesstaaten und der Kommunen sowie in industriellen Kreisen, die schwer unter der Wirkung der Finanzkrise leiden, daß das, was China tut und der übrigen Welt anbietet, einen Hoffnungsstrahl in einer ansonsten verheerenden wirtschaftlichen Lage biete.

Anerkennung der Experten

Auf diese beiden Vorträge folgten Bemerkungen von acht führenden chinesischen Gelehrten, die den Bericht studiert hatten. Sie waren absolut begeistert. Prof. Bao Shixiu, ein ehemaliger Professor für Militärstrategie an der Akademie der Militärwissenschaften der Volksbefreiungsarmee, sagte, es sei die Aufgabe des Tages, die Länder der Region durch die Initiative der Neuen Seidenstraße zu einem Prozeß der regionalen Entwicklung zusammenzuführen. „Das hängt auch mit der Idee der verantwortungsbewußten Regierungsführung [good governance] zu tun“, sagte Prof. Bao, „und wir alle haben ein gutes Gefühl bei diesem Konzept. Wir werden dadurch eine gute Nachbarschaft herstellen und anfangen, eine gemeinsame eurasische Bestimmung aufzubauen.“ Das sei auch schon die Idee gewesen, die dem Vorschlag der Eurasischen Landbrücke zugrunde lag, die das Schiller-Institut in den 1990er Jahren vorgeschlagen hatte, sagte er.

Ding Yifan, der frühere stellv. Direktor des Instituts für Weltentwicklung des Staatsrats der Volksrepublik China hob die Bedeutung der wirtschaftlichen Konzepte LaRouches hervor, die der Studie zugrunde liegen. „Ich kenne das Schiller-Institut nun schon seit vielen Jahren und habe sehr viel von den Ideen gelernt. Das Institut vertritt spezielle Ideen zur Wirtschaft, welche die physikalische Ökonomie betonen. Um die Gesetze einer gesunden Wirtschaft darzustellen, hat Lyndon LaRouche den Begriff der Negentropie entwickelt“, sagte Ding Yifan.

„Helga Zepp-LaRouche hat das Konzept der Eurasischen Landbrücke als Kriegsvermeidungskonzept vorgeschlagen“, fügte Ding hinzu. „Das neue Konzept ,ein Gürtel, eine Straße’ hat in der ganzen Welt große Aufmerksamkeit gefunden… Wir dürfen nicht zulassen, daß alles vom Kapital bestimmt wird, wir müssen das Kapital kontrollieren.“

Shi Ze vom Chinesischen Institut für Internationale Studien erklärte, wie die Probleme der heutigen Welt vom geopolitischen Denken hervorgerufen werden. „Die Geopolitik hat uns in die gefährliche Lage geführt, in der wir uns heute befinden. Das Ziel dieses Berichtes ist es, ein Konzept zu entwickeln, das an die Stelle der Geopolitik treten kann. Und ich habe ein solches Konzept in diesem Buch gefunden“, sagte Shi. „Andererseits haben wir den wirtschaftlichen Aspekt dieses Berichtes, der die Schaffung von Infrastruktur betont. Wir müssen den Infrastrukturbedarf der anderen Länder betrachten“, sagte er. „Ich bin zuversichtlich in Bezug auf die Entwicklung der Landbrücke, und ich glaube, daß Frau LaRouche in ihren Ideen große Fortschritte gemacht hat.“

Tao Qingmei von der Beijing Long Way Foundation wies darauf hin, daß der Bericht auch die Frage einer neuen Ordnung und neuer Beziehungen zwischen den Nationen anspricht. „Dieses Buch reflektiert die Ansichten amerikanischer Experten, die ich wirklich respektiere. Wir sollten über eine Welt auf der Basis der neuen Beziehung zwischen den Nationen nachdenken.“

Wang Xiangsui, der Direktor des Zentrums für Strategische Studien der Beijinger Universität für Luft- und Raumfahrt bezeichnete die Studie als „einen Weg in die Zukunft“ und sagte: „Wir müssen heute von einer regionalen Perspektive ausgehen, die Wirtschaft, Politik und Kultur umfaßt. China lernt von den anderen Ländern. Und dieses Buch ist in dieser Hinsicht sehr wichtig.“

Zhang Jianping, der Direktor der Abteilung für internationale wirtschaftliche Zusammenarbeit der Nationalen Entwicklungs- und Reformkommission, unterstrich den Aspekt der Zusammenarbeit in der Seidenstraßen-Initiative und ihre Offenheit für alle Länder. Auch wenn es von amerikanischer Seite Skeptizismus in Bezug auf das Seidenstraßenprojekt gebe, sehe er eine gewisse Änderung in der amerikanischen Haltung gegenüber der AIIB. Europa hingegen sei absolut enthusiastisch über das Projekt. Nach Zhangs Einschätzung ist der EIR-Bericht, der, wie er hervorhob, das Ergebnis von 20 Jahren Arbeit ist, ein wichtiges Element bei der Förderung der Idee der Neuen Seidenstraße in den Vereinigten Staaten.

Zhao Changhui von der China Export-Import Bank lobte den Verlag dafür, daß er die Studie veröffentlicht hat. Das Projekt der Seidenstraße sei eine „Jahrtausend-Initiative… Wenn wir den Bericht lesen, müssen wir uns fragen, was wir dazu beitragen können. Er veranlaßt uns, über unsere eigenen Pflichten nachzudenken.“ Die Gelehrten müßten eine langfristige Sicht entwickeln, wie sie in diesem Bericht enthalten sei.

Lui Ying, der Direktor der Abteilung für Kooperative Forschung des Chongyang-Instituts, wies darauf hin, daß der Bericht aus einer globalen Perspektive verfaßt wurde – einer modernen globalen Perspektive, zu der auch eine Weltraumperspektive gehöre. „Bei diesem Bericht geht es mehr darum, die Zukunft vorherzusagen, als bloß die Vergangenheit zu erklären“, sagte Liu.

Alle Teilnehmer der Veranstaltung erhielten ein Exemplar der Studie. Das Chongyang-Institut hat bereits tausend Exemplare für Mitarbeiter und zum Verbreiten in Wissenschaftskreisen in ganz China erworben.

Es gab zahlreiche und ausführliche Berichte in der Wirtschaftspresse über die Konferenz, in denen hervorgehoben wurde, daß dies die erste Analyse des chinesischen Projektes durch „amerikanische Gelehrte“ sei. Allgemein anerkannt wurde in diesen chinesischen Berichten die Rolle von Helga Zepp-LaRouche und des Schiller-Instituts als wesentliche Initiatoren des Projekts in den 1990er Jahren.

Die Teilnahme von acht hochrangigen chinesischen Gelehrten an der Konferenz sowie die Förderung durch das Chongyang-Institut für Finanzstudien unterstreichen die Tatsache, daß die EIR-Studie in China nun allgemein anerkannt ist als eine maßgebliche Quelle für chinesische Gelehrte bei der Arbeit am Projekt „Ein Gürtel, eine Straße“. Die Wirtschaftkonzepte, für die sich Lyndon LaRouche seit inzwischen mehr als 50 Jahren eingesetzt hat, gehören nun zum „Handwerkszeug“ der intellektuellen Kreise dieses bevölkerungsreichsten Landes der Welt.

William Jones


Deutschlands entscheidende Rolle für die Neue Seidenstraße

von Helga Zepp-LaRouche

Die Neue Seidenstraße ist nicht nur eine sehr wichtige wirtschaftliche Initiative. Als Win-Win-Perspektive ist sie auch als eine Antwort auf die zwei größten gegenwärtigen Gefahren zu verstehen: Die Gefahr eines Finanzkollapses des transatlantischen Sektors und die Gefahr eines globalen Krieges. Wenn die Troika weiter darauf besteht, daß Griechenland die Schulden in voller Höhe zahlt – Schulden in Höhe von 360 Mrd. Dollar, die Griechenland nie und nimmer zahlen kann – dann wird diese harte Linie die Derivatblase des europäischen und amerikanischen Bankensystems zum Platzen bringen. Vor zwei Tagen hat die Schulden-Wahrheits-Kommission des griechischen Parlaments festgestellt, daß die Schulden Griechenlands illegitim, sittenwidrig und unbezahlbar sind.

Der unkontrollierte Kollaps der Schulden kann verhindert werden, wenn es zu einer Schuldenneuverhandlung in der Tradition des Londoner Schuldenabkommens von 1953 über die damaligen deutschen Schulden käme, das die Voraussetzung für das deutsche Wirtschaftswunder schuf, und wenn eine Kreditpolitik in Gang gesetzt würde in der Tradition der Kreditanstalt für Wiederaufbau, die eine wichtige Rolle beim Wiederaufbau Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg spielte. Das bedeutet, man muß zur Tradition des Industriebankings eines Hermann Abs oder Alfred Herrhausens zurückkehren, die wiederum in der Tradition des Begründers des Amerikanischen Systems der Ökonomie, Alexander Hamilton, stehen.

Der deutschen Wirtschaft kommt in der gegenwärtigen Lage eine Schlüsselstellung zu, da es viele Leute gibt – in der Industrie, in Bundeswehrkreisen und zwei ehemalige Bundeskanzler, Schmidt und Schröder, sowie Außenminister Steinmeier -, die inzwischen begreifen, daß die G7 in ein geopolitisches Werkzeug der Konfrontation mit Rußland verwandelt worden ist. Und viele von ihnen sehen, daß Deutschland genau wie Rußland Ziel dieser geopolitischen Konfrontation ist. Denn die deutsche Industrie hat einen Rückgang der Exporte nach Rußland um 28 Prozent im ersten Quartal dieses Jahres zu verzeichnen. Und trotz der Schwächung der deutschen Volkswirtschaft durch den Ausstieg aus der Atomkraft vor vier Jahren stellt Deutschland immer noch die Zugmaschine innerhalb Europas dar. Wenn jetzt Deutschland die Sanktionen beenden würde, indem man zugibt, daß der Grund für die Krise nicht bei Rußland, sondern im Drängen der EU zu einem Assoziierungsabkommens (mit der Ukraine) liegt, dann kann diese Krise beendet werden.

Das kommende Gipfeltreffen des Europäischen Fonds für strategische Investitionen am 29. Juni, an dem auch [Chinas Premierminister] Li Keqiang teilnehmen wird, könnte einen Ausweg weisen, in dem man die Ko-Finanzierung einer Verlängerung der Neuen Seidenstraße nach Südeuropa übernimmt. Bereits 2012 hat das Schiller-Institut ein umfassendes Programm für große Infrastrukturprojekte im Mittelmeerraum veröffentlicht, als eine Verlängerung der Neuen Seidenstraße in alle südeuropäischen Länder. Es basierte im Wesentlichen auf den zehn Infrastrukturkorridoren, die von der EU bereits 1994 in Kreta beschlossen, aber auf Grund der Austeritätspolitik nie realisiert worden waren. Das war auch Thema großer Konferenzen in Bukarest und Belgrad 2013 und 2014, an denen auch Premierminister Li Keqiang teilnahm. Wenn dieses Programm umgesetzt wird, könnte Griechenland die Brücke von Europa zu den BRICS-Nationen werden, die sich auf die Fundamente der griechisch-chinesischen Zusammenarbeit in der Antike zur Zeiten der historischen Seidenstraße und die Verbindung dieser beiden großen Kulturen gründet.

Qualität und Dichte der Infrastruktur sind die Voraussetzung für die Produktivität einer Volkswirtschaft. Eine moderne Volkswirtschaft sollte 50 Prozent ihrer Ausgaben in die Infrastruktur investieren. Wir sprechen hier nicht über bloße Verbindungen zwischen zwei Orten A und B, sondern von Korridoren, die Hochgeschwindigkeitsbahnen, Wasserwege, Autobahnen, Energieerzeugung und Verteilung sowie Kommunikationsnetze beinhalten, weil das alles zusammen die Bedingungen schafft, unter denen die Entwicklung industrieller und landwirtschaftlicher Produktion stattfindet.

Ziel dieser Korridore ist die Erhöhung der Produktivität der Bevölkerung. Die Verbindung der verschiedenen Anfangspunkte der Neuen Seidenstraße in Yiwu, in Lianyungang oder auch anderen Städten nach Duisburg ist ein gutes Beispiel, um zu zeigen, daß Geschwindigkeit und Effizienz des Transports um so wichtiger werden, je höher Entwicklungsgrad und Produktivität einer Volkswirtschaft sind. Dann arbeiten Fertig- und Halbfertigprodukte wie in einer komplexen Maschine zusammen, in der jedes Teil als Teil eines harmonischen Ganzen funktioniert. Die Dichte der Infrastruktur im Ruhrgebiet, in Baden Württemberg oder dem Rhein-Main-Gebiet könnte als Vorbild für die Balkanregion, Süditalien oder die ägäische Halbinsel dienen.

Um die Welt mit Xi Jinpings Win-Win-Seidenstraßen-Strategie aus der geostrategischen Konfrontation herauszuführen, ist die Einbindung der deutschen Wirtschaft von entscheidender Bedeutung. Da Deutschland in der Staatengemeinschaft, gemessen an allen eingereichten Patenten, den vierten Platz einnimmt – und das mit nur 80 Mio. Einwohnern -, ist es die mittelständische Industrie, gerade aus dem höchst innovativen Maschinenbausektor, die die Welt aus der gegenwärtigen Krise befreien kann. Das Schiller-Institut hat eine 370seitige Studie mit dem Titel. „Die Neue Seidenstraße wird zur Weltlandbrücke“ produziert, die einen entscheidenden Entwurf darstellt, wie in den nächsten zehn Jahren die Unterentwicklung großer Gebiete der Erde überwunden werden kann. Dies sind die Korridore, die die Welt verbinden werden – von der südlichsten Region Chiles, quer durch die Amerikas über die Beringstraße und dann weiter bis zur Südspitze Afrikas.

Das bedeutet Zusammenarbeit in Industrien hoher Energieflußdichte wie Biophysik oder Weltraumforschung. Dieses Projekt gewährt unbegrenzte Möglichkeiten der Win-Win-Zusammenarbeit der ganzen Welt. Gottfried Wilhelm Leibniz schrieb schon vor 300 Jahren:

“Durch einzigartige Entscheidung des Schicksals, wie ich glaube, ist es dahin gekommen, daß die höchste Kultur und die höchste technische Zivilisation der Menschheit heute gleichsam gesammelt sind an zwei äußersten Enden unseres Kontinents, in Europa und China, das gleichsam wie ein Europa des Ostens das entgegengesetzte Ende der Erde ziert. Vielleicht verfolgt die höchste Vorsehung dabei das Ziel – während die zivilisierten und gleichzeitig am weitesten voneinander entfernten Völker sich die Arme entgegenstrecken – alles, was sich dazwischen befindet, allmählich zu einem vernunftgemäßen Leben zu führen.“

Diese Vision gilt heute für die ganze Welt. Zusammen können wir eine neue Ära in der Menschheitsgeschichte beginnen, in der die menschliche Spezies ein für alle Mal die Geopolitik überwinden und zu ihrer wahren Natur als einzig kreative Gattung in dem uns bekannten Universum finden kann.


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